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Veröffentlicht am 06.06.2019

Authentische Schilderungen, lebendige Figuren - ein Lese-Highlight!

Wir sehen uns unter den Linden
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Bereits der Titel des Romans „Wir sehen uns unter den Linden“ von Charlotte Roth verrät, dass die Geschichte in Berlin spielt. Entsprechend vereinbaren Ilo und Volker im Jahr 1928 wie auch Sanne und Kelmi ...

Bereits der Titel des Romans „Wir sehen uns unter den Linden“ von Charlotte Roth verrät, dass die Geschichte in Berlin spielt. Entsprechend vereinbaren Ilo und Volker im Jahr 1928 wie auch Sanne und Kelmi 25 Jahre später ihre Treffen auf der Prachtstraße der damaligen Hauptstadt. Das Cover ist zwar schlicht gestaltet, sagt aber über die Beziehungen der Paare aus, dass ihr Leben schicksalhaft nicht nur sichtbar von dunklen trüben Wolken überschattet ist.

Ilona, kurz Ilo gerufen, hat eine glänzende Zukunft als Schauspielerin und Sängerin vor sich. Als sie 1928 den angehenden Lehrer und Sozialisten Volker trifft und die Machtergreifung der Nationalsozialisten immer mehr Ressentiments mit sich bringt passt sie ihre Pläne an. Aufgrund seiner politischen Aktivitäten erhält ihr Ehemann Volker im weiteren Verlauf Berufsverbot. Inzwischen ist die Familie mit Tochter Susanne komplett und die Liebe überwiegt auch in den Kriegstagen die schlechte Lebensbasis durch die zunehmenden Einschränkungen. Zum Ende des Krieges hin wird Volker denunziert und von den Nationalsozialisten vor den Augen seiner fünfzehnjährigen Tochter erschossen.

Susanne eifert ihrem Vater nach, wird Lehrerin, engagiert sich politisch ganz in seinem Sinne und hilft im Ostteil Berlins, im dem die Familie seit langen Jahren wohnt, beim Aufbau. Eines Tages lernt sie den Koch Kelmi kennen, der im Westteil wohnt und im Ostteil nach einer Lokalität für ein eigenes Restaurant sucht. Bei gemeinsamen Treffen lernen sich beide nicht nur besser kennen, sondern erfahren immer mehr, dass sie in vielen Punkten eine andere Lebenseinstellung haben, die geprägt ist von ihrem Umfeld. Die politische Lage spitzt sich zunehmend zu, bis es schließlich im August 1961 zum Mauerbau kommt und damit jeder Berliner eine endgültige Entscheidung für einen Stadtteil und damit auch für einen Staat treffen muss, in dem er leben will.

Charlotte Roth hat interessante, abwechslungsreich gestaltete Figuren in ihrem Roman verwoben. Mit Ilo und Volker sowie Sanne und Kelmi treffen sehr unterschiedliche Charaktere aufeinander. Ilona stammt aus gut betuchtem Hause, durch ihren Beruf ist ihr Bewunderung sicher. Volker ist der Sohn eines einfachen Arbeiters. Er kämpft für die gerechte Verteilung der vorhandenen Güter und stellt sich aktiv auf die Seite der Sozialisten. Kelmi ist eigensinnig, aber warmherzig und wurde mir daher als Person schnell sympathisch. Auch er stammt aus einer begüterten Familie im Westteil Berlins, was wegen seiner Herkunft zu genügend Konfliktpotential mit der ganz im ideologischen Sinne ihres Vaters handelnden Sanne führt.

Bis in die Nebenhandlungen hinein hat Charlotte Roth mit Gefühl ihre Figuren gut ausformuliert. Um einen Überblick über die gesellschaftspolitische Lage im Zeitraum der Geschichte zu geben, schafft sie Figuren, die durch ihr Sein und Handeln den jeweiligen Zeitgeist wiedergeben wie beispielsweise die Jüdin Sidonie an der Seite des Kulturagenten Eugen sowie die behinderte Schwester von Volker und die Nachbarn von Ilo und ihrer Familie. Deutlich und begründet lässt sie die unterschiedlichen Gesinnungen hervortreten.

Gekonnt vermittelte mir die Autorin den geschichtlichen Hintergrund. Dabei bleibt sie neutral und wertet nicht. Auf diese Weise konnte ich mir selber eine Ansicht darüber bilden, warum es zu einem geteilten Deutschland gekommen ist. Mit viel Liebe für ihre Geburtsstadt schildert Charlotte Roth die Örtlichkeiten der Hauptstadt, die bereits damals ein besonderes Flair hatte.

Mit dem Roman „Wir sehen uns unter den Linden“ blickt Charlotte Roth auf ein Stück Zeitgeschichte Deutschlands von den Jahren vor dem 2. Weltkrieg bis zum Beginn des Baus der Mauer. Ihre Schilderungen sind authentisch und ihre Figuren werden in ihrem Umfeld lebendig. Gerne empfehle ich das Buch an alle Leser weiter, die sich für historische Romane interessieren.

Veröffentlicht am 04.06.2019

Kurzer, aber umso intensiverer Roman

Unwetter
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Emilia ist Soziologin, 42 Jahre alt und sie wohnt mit ihrem Ehemann Bruch, der Arzt an einem Krankenhaus ist, und den beiden gemeinsamen Kindern in einem alten Haus im Deichvorland in der Nähe von Amsterdam. ...

Emilia ist Soziologin, 42 Jahre alt und sie wohnt mit ihrem Ehemann Bruch, der Arzt an einem Krankenhaus ist, und den beiden gemeinsamen Kindern in einem alten Haus im Deichvorland in der Nähe von Amsterdam. Den Wohnraum konnten sie günstig erwerben nachdem sich der erste Nachwuchs einstellte. Gerade die einsame Lage vom Haus, aber auch die beiden Kinder lassen die Ehepartner eng zusammenwachsen, denn ihr gemeinsames Leben fordert viele Kompromisse und Absprachen.

Ein Theaterbesuch bei dem ein Stück aufgeführt wird, das eine Vergewaltigungsszene beinhaltet, lässt Emilia wieder an ein verdrängtes furchtbares eigenes Erlebnis denken. Zwölf Jahre hat sie es vor ihrem Mann verborgen. Immer mehr und immer stärker sucht es sich fortan seinen Weg in ihr Bewusstsein und verändert ihre Wahrnehmung im Alltag. Doch der Titel des Romans „Unwetter“ der Niederländerin Marijke Schermer bezieht sich nicht nur auf die sich ändernde psychische Einstellung der Protagonistin des Buchs, sondern auch auf die anhaltenden Regenfälle, die das Hab und Gut der Familie bedrohen.

Schon nach kurzer Zeit merkte ich beim Lesen, wie schwer Emilia an ihrem Geheimnis trägt, das sich immer stärker in den Vordergrund drängt. In ungewöhnlichen Situationen empfindet sie Angst, was sich mir später aus dem Zusammenhang mit dem früher Erlebten erklärte. Emilia ist eine Frau mit starken Emotionen, die tief empfindet. Die erwähnte Szene im Theaterstück ruft zwiespältige Gefühle in ihr hervor, denn sie glaubt, dass die Inszenierung mit Freude erfolgte. Ihr ist übel und ihr ist bewusst, dass es immer zwei Seiten gibt, auch in einer erzwungenen Interaktion. Gerne würde sie endlich ihr Geheimnis teilen, doch ihre Sorge wächst, dass man ihre Empfindungen nicht verstehen wird. Es lässt sie nicht mehr los, sie hat Albträume und fühlt sich unter Wasser gezogen. Bruch ahnt nicht, welche Parallelen Emilia im Unwetter sieht, das ihr Haus bedroht.

Marijke Schermer setzt sich in ihrem Roman damit auseinander, wie viel Schweigen eine Ehe verträgt. Ist zum Erhalt einer harmonischen Partnerschaft umfassende Offenheit notwendig oder kann Verschweigen auch zum Schutz dienen für sich selbst oder auch für den Partner? Emilias Grübeln bewirkt, dass sie ihr eigenes Verhalten spiegelt. Eine Krise im Job verstärkt noch ihre Empfindungen. Zum Ende hin sorgt die Autorin für einen unerwarteten Twist.

Marike Schermer Roman ist kurz, aber umso intensiver. Die seelische Verletzung Emilias ist deutlich zu spüren. Ihre Geschichte ist bewegend und zeigt, dass die Zeit trotz großer Bemühungen nicht alle Wunden zu heilen vermag. Gerne empfehle ich das Buch weiter.

Veröffentlicht am 03.06.2019

Durchgehend spannend

Blutmond
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Mit dem Thriller „Blutmond“ legt die Dänin Katrine Engberg den zweiten Band ihrer Serie rund um die beiden Ermittler der Kopenhagener Polizei Jeppe Körner und Anette Werner vor. Durch entsprechende Erläuterungen ...

Mit dem Thriller „Blutmond“ legt die Dänin Katrine Engberg den zweiten Band ihrer Serie rund um die beiden Ermittler der Kopenhagener Polizei Jeppe Körner und Anette Werner vor. Durch entsprechende Erläuterungen an passenden Stellen kann der vorliegende Teil unabhängig vom ersten gelesen werden. Der neue Fall führt das Ermittlerduo in die Künstlerszene der dänischen Hauptstadt. Ein Blutmond steht kurz bevor, für abergläubige Menschen ist das ein Zeichen für kommendes Unglück und tatsächlich stirbt einige Tage vor dem Ereignis in einem Park ein Mann, der zunächst für obdachlos gehalten wird und noch vor seinem Tod eine Prostituierte mit heiserer Stimme um Hilfe gebeten hat. Allerdings ist das nur der Beginn einer Kette von Unheil, das die Kopenhagener heimsucht.

Bald schon wird klar, dass der Tote ein angesagter Modezar der Hauptstadt ist, der am vorigen Abend an einem Branchenfest teilgenommen hat. Die Mordursache kann schnell geklärt werden, doch das Problem bei den Fallermittlungen ist die große Zeitspanne, die vom Kontakt des Mörders mit seinem Opfer bis zu dessen Tod vergangen ist. Die Autorin legt gekonnt Fährten zu mehreren Tatverdächtigen aus. Einer davon ist ein Freund von Jeppe, wodurch die Ermittlungen für ihn an Brisanz gewinnen, denn er möchte nicht an dessen Schuld glauben und gilt bald in diesem Fall als befangen. Ich habe mich darüber gefreut, dass ich wieder einiges aus dem privaten Leben des Ermittlungsduos erfahren konnte. Trotz der Kabbeleien untereinander stehen sie sich dennoch in jeder Gefahrensituation ohne Bedenken bei. Anette hat zunehmend gesundheitliche Probleme, die zum Ende hin eine unerwartete Wendung erfahren. Aber auch die emeritierte Professorin Esther de Laurenti, die eine wichtige Rolle im ersten Band der Krimiserie gespielt hat, trägt auf ihre Weise zu den neuen Ermittlungen bei.

Katrine Engberg kennt sich als Schauspielerin, Tänzerin, Choreographin und Regisseurin in Künstlerkreisen sehr gut aus und lässt ihre Wahrnehmungen bei den Begegnungen in der Branche in ihre Thriller einfließen. Darum wirken die Handlungen ihrer Figuren wirklichkeitsnah und die logischen Verknüpfungen der Verstrickungen, die sie um ihre Personen herum spinnt, sind nachvollziehbar. Gerade im Bereich der Kunst sind sensible, einzigartige Menschen zu finden. Die Autorin nutzt diesen Umstand für ihre Geschichten und kreiert interessante Charaktere für ihre Handlungen. Atmosphärisch ist der Kriminalfall dicht geschrieben. Zur Steigerung der Spannung geschieht noch ein weiterer Mordversuch, der nicht ausschließt, dass noch mehr folgen könnten. Die Dringlichkeit für Jeppe und Anette wächst, den oder die Täter möglichst rasch zu finden und auch die Suche nach einem Motiv für die Verbrechen hält an.

Mit „Blutmond“ legt Katrine Engberg erneut einen von Beginn bis zum Ende fesselnden Thriller vor. Ihre Figuren sind wandelbar und zeigen Gefühle. Die Handlung nimmt einige unvorhergesehene Wendungen und hält daher den Spannungsbogen aufrecht. In Dänemark ist bereit ein dritter Band der Serie erschienen, auf dessen Veröffentlichung in deutscher Sprache ich mich schon sehr freue. Gerne empfehle ich das Buch an Thrillerfans weiter.

Veröffentlicht am 28.05.2019

Solide konstruierter Krimi mit Längen, der auf einer Insel mit besonderem Flair spielt

Nachts schweigt das Meer
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Kate Penrose ist das Pseudonym der britischen Autorin Kate Rhodes. Ihren Kriminalroman „Nachts schweigt das Meer“ siedelt sie auf den Scilly-Inseln an, die südwestlich von Cornwall liegen. Eine Karte der ...

Kate Penrose ist das Pseudonym der britischen Autorin Kate Rhodes. Ihren Kriminalroman „Nachts schweigt das Meer“ siedelt sie auf den Scilly-Inseln an, die südwestlich von Cornwall liegen. Eine Karte der Inselgruppe ist vorne in der Klappe der Broschur zu sehen und zum Auffinden der Handlungsorte sehr nützlich. Der vorliegende Fall spielt auf Bryher, der kleinsten der fünf bewohnten Inseln der Gruppierung. Es ist der erste Band einer Serie von angedachten fünf Teilen von denen jeder auf einer anderen Insel davon spielt. Kate Penrose nimmt sich die Freiheit und setzt die fiktiven Unterkünfte der handelnden Personen an für die Geschichte passende Plätze. Ihre Beschreibungen der tatsächlichen rauen, kargen Weide- und Ackerlandschaft der Insel ist beeindruckend und atmosphärisch dicht. Die Vergangenheit der Inseln als ideales Versteck für Schmuggler und Angriffspunkt für Piraten lässt Kate Penrose in ihre Erzählung mit hineinfließen.

Auf Bryher leben weniger als einhundert Einwohner, 72 von ihnen sind Anfang März vor Ort als die erst 16 Jahre alte Laura Trescothick ermordet wird. Im Prolog las ich über den Tathergang, der Mörder blieb mir aber bis zum Schluss unbekannt. Detective Inspector Benesek Kitto, kurz Ben gerufen, hat bisher Undercover für die Londoner Polizei ermittelt. Ben ist eigentlich für eine Auszeit in seine Heimat Bryher zurückgekehrt, bietet sich aber nach der Tat als Ermittler mit Kenntnis über Land und Leute an. Zwischen den Kapiteln zum vorliegenden Fall gibt es immer wieder eine in kursiver Schrift gesetzte Handlung, in der die kräuterkundige Inselbewohnerin Rose Austell und ihr Sohn eine große Rolle spielen.

Aufgrund der besonderen Lage ist es von Beginn an klar, dass nur einer, der sich im Augenblick auf Bryher befindlichen Personen den Mord begangen haben kann. Ben obliegt die zäh verlaufende Befragung der Anwesenden, von denen ihm viele bekannt sind und mit denen er zum Teil auch befreundet ist. Nicht nur für mich zogen sich die Ermittlungen in die Länge, denn auch Kate Rhodes lässt den Ich-Erzähler Ben nebenbei bemerken, dass er auch nach etlichen Befragungen kein brauchbares Ergebnis vorweisen kann. Dadurch herrscht eine angespannte Stimmung auf der Insel, die in den Schilderungen der Autorin spürbar wird. Schließlich folgen noch weitere Straftaten.

Die Figuren sind gut ausformuliert. Manche leben sehr gerne auf Bryher, andere möchten lieben auf dem Festland wohnen. Es ist verständlich, warum man sich ein Leben außerhalb der Inseln aufgrund der einsamen Lage wünscht und genauso ist es nachvollziehbar, warum es einen Künstler reizt, sich hier zum Malen niederzulassen. Auf der Insel gibt es unangenehme Zeitgenossen genauso wie sympathische. Erst zum Ende des Buchs erfolgt die unvermittelte Auflösung der Tathergänge, deren Erklärung mich leider nicht vollständig überzeugen konnte.

Insgesamt gesehen ist „Nachts schweigt das Meer“ ein solider konstruierter Krimi mit einigen Längen aufgrund der sich hinziehenden Befragungen. Das besondere Flair der Insel Bryher konnte die Autorin mir vermittelt, es trägt aber nicht zur Spannung der ruhig verlaufenden Kriminalhandlung bei.

Veröffentlicht am 27.05.2019

Gute Grundidee, aber viel Potential verschenkt

Böses Geheimnis
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Die Psychiaterin Olivia Hofmann sowie Levi Kant, Dozent an der Polizeiakademie und ein früherer Leiter der Mordkommission in Wien, versuchen im gleichnamigen Thriller des Autorenduos B.C. Schiller ein ...

Die Psychiaterin Olivia Hofmann sowie Levi Kant, Dozent an der Polizeiakademie und ein früherer Leiter der Mordkommission in Wien, versuchen im gleichnamigen Thriller des Autorenduos B.C. Schiller ein „Böses Geheimnis“ aufzudecken. Es ist fünf Jahre her, dass der Teenager Lisa Manz ermordet wurde, Levi war in die Ermittlungen involviert. Immer wieder wurde Lisa aufgrund psychischer Probleme in einer Klinik behandelt. Einer der Patienten Olivias erzählt ihr vom Rucksack der Toten, den er zu Hause aufbewahrt und bietet ihr an, sich diesen anzusehen. Als sie sich dem Mehrfamilienhaus nähert, in der ihr Patient wohnt, sieht sie zu, wie er vom Fensterbrett seiner Wohnung im vierten Stock springt. Olivia glaubt, dass er gestoßen wurde. Gemeinsam mit Levi geht sie weiteren Hinweisen nach, mit der dringenden Frage, ob Lisa eventuell noch lebt.

Als Leser konnte ich einen Blick auf ein Stück problematischer Vergangenheit bei beiden Protagonisten werfen. Es ist, wie der angebliche Tod von Lisa, auch fünf Jahre her, dass Ehemann und Tochter von Olivia verschwunden sind. Hierzu gibt es aber enttäuschender Weise später nur kurze Erklärungen. Levi hat seit fünf Jahren Eheprobleme, denn seine Frau wünscht, dass er den Fall Lisa Manz endgültig ruhen lässt und fordert Konsequenzen. Die Kommunikation der Eheleute über das Thema ist nicht genug ausgeführt, so dass ich den Zorn der Ehefrau als nicht gerechtfertigt ansehe.

Leider wurde beim Ausbau des Thrillers viel Potential verschenkt. Es wirkte für mich seltsam, dass Levi Auskünfte erhält, die anderen verwehrt wurden, nur weil er angibt, dass er Polizist ist. Das Autorenduo flicht eine bewegende Geschichte rund um seine Großmutter ein, die allerdings zu den Ermittlungen in keiner Beziehung steht und auch zu keiner anderen Handlung hinführt. Ein Beweisstück wird versteckt und wird nach fünf Jahren jetzt doch plötzlich zur Verfügung gestellt, ein anderes wird vernichtet, obwohl der Besitzer sich über die Möglichkeit von Fingerabdrücken im Klaren sein sollte. Sicher, zur Steigerung der Spannung tragen Stilmittel bei, hier werden sie jedoch teils unpassend angewendet. Die Charaktere blieben für mich blass, ich konnte nicht mit ihnen fühlen, wahrscheinlich weil ich auch die Logik ihrer Handlungen nicht immer nachvollziehen konnte.

Die Geschichte fließt nicht aus dem Ablauf der Geschehnisse heraus, insgesamt wirkt der Thriller versatzstückartig. Die Grundidee der Geschichte ist gut und der tatsächliche Ablauf der Tat und der Täter bleiben lange verborgen. Doch leider hat mir der Thriller aufgrund der oben aufgeführten Punkte nicht gefallen.