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Veröffentlicht am 01.12.2024

Abenteuerliche Detektivgeschichte mit mystischen Elementen

Baskerville Hall - Das geheimnisvolle Internat der besonderen Talente
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Der Roman „Baskerville Hall – Das geheimnisvolle Internat der besonderen Talente“ nimmt Kinder ab 10 Jahre, Jugendliche und Erwachsene mit ins 19. Jahrhundert, genauer gesagt ins Jahr 1968. Die US-amerikanische ...

Der Roman „Baskerville Hall – Das geheimnisvolle Internat der besonderen Talente“ nimmt Kinder ab 10 Jahre, Jugendliche und Erwachsene mit ins 19. Jahrhundert, genauer gesagt ins Jahr 1968. Die US-amerikanische Autorin Ali Standish hat für ihren fiktiven Protagonisten bewusst den Namen Arthur Doyle gewählt. Damit nimmt sie Bezug auf den Schriftsteller; der die Roman über den Detektiv Sherlock Holmes geschrieben hat. Nach dessen Freund Dr. John Watson ist ein Lehrer des Protagonisten benannt. In der Geschichte begegnet der Lesende noch mehr bekannten Namen aus den Büchern des berühmten Autors. Beispielsweise heißt Arthurs bester Freund James Moriarty und weitere Mitschülerinnen sind Mary Morstan und Irene Eagle.

Der neunjährige Arthur ist bisher in ärmlichen Verhältnissen in Edinburgh aufgewachsen. Er beschließt, sich eine Arbeit zu suchen, statt weiter zur Schule zu gehen. Doch dann erhält er eine Einladung dazu, bereits ab dem nächsten Tag das englische Internat Baskerville Hall zu besuchen. Es fallen für die Familie keine Kosten an. Er wundert sich zwar, aber seine Mutter ist begeistert. Die Unterrichtsmethoden der Schule sind unkonventionell. Leider findet Arthur nicht nur Freunde. Eines Tages erhält er ein mysteriöses Schreiben, dass ihn zu mehreren Prüfungen auffordert. Nach deren Bestehen würde er einer geheimen Vereinigung angehören, die dafür sorgt, dass ihre Mitglieder nach Abschluss der Schule erfolgreich im Berufsleben sind. Nach ersten Bedenken kann Arthur sich keine bessere Möglichkeit vorstellen, damit seine Familie stolz auf ihn ist.

In diesem Auftakt einer Reihe vermischt die Autorin klassische Elemente eines Detektivromans mit solchen, die man aus der Fantasy kennt. Es gibt ungewöhnliche Tiere, mysteriöse Figuren und einen Zeitreisefaktor. Immer wieder kommt es zu Situationen, in denen Arthurs Beobachtungsgabe und seine Logik gefragt sind. Dann schlussfolgert der Protagonist genauso wie sein Vorbild, nach dem Ali Standish ihn erdacht hat. Die Talente der Schule beschäftigen sich mit Technik, die für die 1860er Jahre fortschrittlich und zukunftsweisend ist. Arthur lernt viel Neues, dass auch für die Lesenden interessant ist.

Durch eine erste Szene, bei der Arthurs kluger Verstand gefragt ist, kommt direkt Spannung auf. Bei seinem Eintreffen im Internat lernt er zunächst seine Mitschülerinnen und Mitschüler sowie die Lehrenden kennen. Danach steigt die Spannungskurve erneut an und bleibt auf einem höheren Level bis zum Schluss. Arthur beteiligt sich an der Aufklärung eines Einbruchs und des mehrfachen Herunterfallens eines Gemäldes. Nicht immer handelt er konform mit den Schulregeln und manchmal bangt der Lesende darum, ob er vom Internat verwiesen wird.

Am Ende des Buchs gibt es außerhalb der Geschichte einen kurzen Abriss zum Leben des Schriftstellers Arthur Conan Doyle, dem sich Fotos und Zeichnungen seiner Person anschließen. Ein Cliffhanger am Schluss lässt mich ungeduldig auf den nächsten Band der Kinderbuchreihe warten, der Anfang 2025 erscheinen wird. Gerne empfehle ich diese abenteuerliche Detektivgeschichte mit mystischen Elementen weiter.

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Veröffentlicht am 30.11.2024

Misslich verlaufende Beziehung eines Paars in den 1920ern

Der Drahtzieher
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Im Roman „Der Drahtzieher“ von Sarah Pines wird es Herbst im Jahr 1927 im Sauerland. Vor nicht allzu langer Zeit ist Theodor Hasselt, der das Drahtzieher-Unternehmen seines Vaters übernommen hat, aus Südafrika ...

Im Roman „Der Drahtzieher“ von Sarah Pines wird es Herbst im Jahr 1927 im Sauerland. Vor nicht allzu langer Zeit ist Theodor Hasselt, der das Drahtzieher-Unternehmen seines Vaters übernommen hat, aus Südafrika zurückgekehrt. Er ist mittleren Alters und lebt mit seiner Mutter in einer herrschaftlichen Villa in Iserlohn. Ein Auftrag hatte ihn in den Süden Afrikas geführt, wo er Alba kennenlernte. Sie ist eine Tochter aus der ersten Ehe seiner angeheirateten Tante, die dort mit ihrem Ehemann eine Farm bewirtschaftet. Schnell hatte es zwischen den beiden zu knistern begonnen. Er bittet sie, seine Frau zu werden, auch weil sie von ihm angeblich schwanger ist.
Bereits auf der zweiten Seite des Romans kommt Theodors Widersacher in Thema Liebe ins Spiel: der wenig ältere Albert, seines Zeichens Sohn eines Stahlfabrikanten. Bald nach der Ankunft von Alba hat er ein Auge auf sie geworfen, während Theodors erste Freundin Marthe sich auf die Hochzeit mit ihm freut. Albert ist Theodors bester Freund, denn sie erhielten eine ähnliche strenge Erziehung und teilen gleiche Maßstäbe. Sie stehen jedoch in finanzieller Hinsicht auch in ständiger Konkurrenz zueinander. Im Vergleich mit ihm schneidet Theodor immer etwas schlechter ab. Als Leserin konnte ich verstehen, dass der Drahtzieher darüber missmutig ist. Mit Alba an seiner Seite erhofft er sich mehr Anerkennung in gesellschaftlichen Kreisen. Im Sauerland wird aber zunehmend der diffuse Charakter seiner Geliebten offenbar.
Sarah Pines bleibt bei ihrer Geschichte nicht immer an der Seite von Theodor, sondern beschreibt auch die Gedankenwelt von Alba, manchmal auch von der gut betuchten Marthe. Albas Verhalten erklärt sich dem Lesenden, nicht aber der Titelfigur, aus ihrer Kindheit und Jugend. Der Drahtzieher liebt es, Anweisungen zu geben, sowohl im Unternehmen wie auch zu Hause, vor allem bei der Gestaltung von Mahlzeiten und Tischtafeln. Alba versucht einiges, um die nach außen getragene raue Schale von Theodor zu durchdringen. Sie möchte sich aus den ihr vermittelten Tugenden befreien und gesellschaftliche Konventionen durchbrechen. Zunehmend verlieren beide das angemessene Maß für einen liebevollen Umgang miteinander. Sowohl Alba wie auch Marthe sind Frauen, die ihre eigenen Ideen umsetzen, jedoch auf verschiedene Weise.
Die Handlung spielt Mitte der 1920er Jahre, aber trotz gängiger Mode, Kunst und Musik stellte sich bei mir als Leserin kein tieferes Eindruck der Zeit ein. Eventuell lag es an den überwiegend unabhängig agierenden Frauen im Umfeld von Theodor, was gutzuheißen ist. Die Autorin nutzt manchmal Ausdrücke mit Lokalkolorit. Neben Rückblicken auf Theodors Aufenthalt in Afrika greift die Autorin greift sie hin und wieder vor und lässt die Zukunft von Theodor, aber auch die des Sauerlands aufblitzen. Wenige Wochen nach Theodors Wiederkehr ist kaum noch Bewegung im Geschehen rund um das Kleeblatt der Liebenden. Die Stärke der Geschichte liegt mit Fokus auf den Charakteren und ihrer Gedanken- und Gefühlswelt.
„Der Drahtzieher“ von Sarah Pines zeigt die misslich verlaufende Beziehung eines Paars, dass es nicht schafft, über den eigenen Schatten zu springen. Über der gesamten Erzählung liegt der Hauch eines Augenzwinkerns.

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Veröffentlicht am 21.11.2024

Beim Lesen verbindet man seine Vorstellungskraft mit unerklärbaren Phänomenen

Wintergeister
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Das Buch „Wintergeister“ versammelt sechs Geschichten verschiedener AutorInnen und wird dem Untertitel „Schaurige Geschichten für frostige Nächte“ gerecht. Die Erzählungen sind jeweils rund vierzig Seiten ...

Das Buch „Wintergeister“ versammelt sechs Geschichten verschiedener AutorInnen und wird dem Untertitel „Schaurige Geschichten für frostige Nächte“ gerecht. Die Erzählungen sind jeweils rund vierzig Seiten lang und nehmen die Lesenden mit in vergangene Zeiten, die etwa fünfzig bis über zweihundert Jahre zurückliegen. Lange raschelnde Kleider der Damen, weitläufige Räumlichkeiten in Herrenhäusern und steife Umgangsformen tragen zu der durchgehend düsteren Grundstimmung bei.

Mal glaubt eine Schriftstellerin mit Schreibblockade einen Dämon zu sehen. In einer anderen Geschichte erfährt ein Schauspieler, der seit Jahren zu Silvester im gleichen Stück spielt, dass daran plötzliche Änderungen vorgenommen wurden. Ein älteres Waisenkind hat den Auftrag, einen Séancetisch zu bedienen. Eine andere Story handelt von einer jungen Frau, die mit einer nur für sie sichtbaren Kreatur spricht. Dagegen muss die Fächermacherin Honoria auf dem Weg zu ihrem Geschäft den sogenannten Witwenweg nehmen, was ein Pfad ist, der nur von einer hohen Hecke vom Friedhof verläuft. In der letzten Geschichte des Buchs erzählt eine Gouvernante den von ihr betreuten Kindern zur Abschreckung vom Kramper, der in manchen Gegenden eine den Nikolaus begleitende Schreckgestalt ist.

Vielleicht hört sich das Vorstehende nicht unbedingt schaurig an, aber den jeweiligen Gruselfaktor möchte ich nicht verraten. Geschrieben wurden die Erzählungen von den erfolgreichen Schriftstellerinnen Bridget Collins, Jess Kidd, Catriona Ward, Susan Stokes-Chapman, Laura Purcell sowie dem preisgekrönten Autor Andrew Michael Hurley. Beim Lesenden wird die Vorstellungskraft angesprochen, mit dem Gelesenen unerklärbare Phänomene zu verbinden. Wer sich gerne gruselt, der wird sein Vergnügen an jeder der schaurig-schönen Geschichten haben.

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Veröffentlicht am 21.11.2024

Agatha Christis Klassiker als schön gestaltete Graphic Novel

Agatha Christie Classics: Hercule Poirots Weihnachten
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Der Klassiker der berühmten Krimiautorin Agatha Christie „Hercule Poirots Weihnachten“ ist im Verlag Carlsen Comics als Graphic Novel für Erwachsene erschienen. Das Szenario wurde von Isabelle Bottier ...

Der Klassiker der berühmten Krimiautorin Agatha Christie „Hercule Poirots Weihnachten“ ist im Verlag Carlsen Comics als Graphic Novel für Erwachsene erschienen. Das Szenario wurde von Isabelle Bottier gestaltet, während Callixte die Zeichnungen erstellt hat. Bisher habe ich den zugrundeliegenden Roman nicht gelesen, so dass ich die Handlung nicht vergleichen kann. Auf dem Vorsatz des Buchs wird eine schön in Szene gesetzte Übersicht mit den Handlungsorten der verschiedenen Hercule Poirots Krimis der erfolgreichen, längst verstorbenen britischen Schriftstellerin gegeben. Die vorliegende Geschichte spielt im Herrenhaus Gorston Hall im englischen Longdale.

Der betagte Unternehmer Simeon Lee lässt kurz vor Weihnachten seine Familie zusammenkommen. Es versammeln sich der älteste Sohn George mit seiner verschwenderischen Angetrauten, der unterwürfige Alfred mit seiner Frau, der seiner Mutter nachtrauernde David mit Ehefrau Hilda sowie den bisher des Hauses verbannten Harry. Hinzu gesellen sich noch die allseits bisher unbekannte Enkelin des Hausherrn, deren Mutter inzwischen in Spanien verstorbenen ist und der Sohn eines Geschäftsfreunds von Simeon Lee. Einige Zeit, nachdem der Unternehmer verkündet hat, dass er sein Testament ändern werde, wird er in seinem Zimmer ermordet aufgefunden. Die Tür ist von innen verschlossen. Zwischen umgestürzten Möbeln findet die Enkelin ein Stück Gummi, das zu einem wichtigen Beweisstück wird.

Der Krimi spielt an wenigen Tagen in einem begrenzten Umfeld. Jeder der Anwesenden, einschließlich des alterssichtigen Butlers und eines zufällig anwesenden Polizeibeamten könnte einen Grund gehabt haben, dem despotischen Simeon Lee das Leben zu nehmen. Hercule Poirots wird nur deshalb hinzugerufen, weil er einem guten Freund einen Gefallen tun möchte. Die Titelfigur beobachtet, achtet auf Details und spricht mit den Anwesenden, so wie man es auch aus anderen Fällen von ihm kennt. Obwohl die Illustrationen nur jeweils einen statischen Moment wiedergeben können, spiegeln sich im Minenspiel und den dargestellten Gesten die Gefühle der Personen wider, so dass Wut, Entrüstung, Erstaunen und Erschrecken klar zu erkennen sind. Im Finale versammelt sich der erweiterte Kreis der Familie. Der belgische Privatdetektiv bringt seine Argumente überzeugend vor. Während es in der kriminellen Handlung bereits Wendungen gab, sorgt das Ende mit der Entlarvung des Täters für eine besondere Überraschung.

Als Leserin verfolgte ich die Missgunst der Familienmitglieder und sammelte die vorgebrachten Motive ebenso wie die Alibis für das Verbrechen. Auf diese Weise konnte ich miträtseln, wer die Tat verübt hat. Gerne empfehle ich diese umgearbeitete, gekürzte Fassung des Krimiklassikers an Lesende von Kriminalromanen weiter.

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Veröffentlicht am 20.11.2024

Zeigt, wie verschieden das Recht von Männern und Frauen im Hamburg des Jahres 1914 war

Im Nordlicht
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wodurch sich zeigt, dass Glück nicht mit Geld zu kaufen ist. Insgesamt ist die Stimmung im gesamten Roman recht bedrückend. Dank guter Recherche basieren die Beschreibungen der Autorin auf vergleichbaren ...

wodurch sich zeigt, dass Glück nicht mit Geld zu kaufen ist. Insgesamt ist die Stimmung im gesamten Roman recht bedrückend. Dank guter Recherche basieren die Beschreibungen der Autorin auf vergleichbaren Geschehnissen, gegebenen Konventionen und geltenden Gesetzen. Sie lotet die Möglichkeiten aus, die Frauen in der damaligen Zeit besaßen, um eine gleichberechtigte Ehe zu führen.
In ihrem Roman „Im Nordlicht“, der bis auf die Rückblicke in die Vergangenheit von Alice vor Kriegsbeginn im Jahr 1914 spielt, lässt Miriam Georg noch einmal die Gegensätzlichkeiten der Gesellschaftsschichten in Hamburg, aber auch die Unterschichte in der Gesetzgebung für Mann und Frau deutlich werden. Die vielen tragischen Begebenheiten sind ergreifend. Die Cliffhanger aus dem ersten Band werden bis zum Ende hin weitgehend geklärt. Der Schluss ermöglicht eine Fortsetzung der Dilogie. Gerne vergebe ich eine Leseempfehlung.

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