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Veröffentlicht am 27.02.2017

Dubiose Selbstmorde

Das Lächeln des Bösen
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Alexandra Koswig hat nach der Geburt ihres Kindes Lea postnatale Depressionen. Sie wird von einem Zug überfahren. Vor ihrem Tod hat sie sich ein Auge ausgerissen. Das sind die Fakten. Ihr Ehemann, der ...

Alexandra Koswig hat nach der Geburt ihres Kindes Lea postnatale Depressionen. Sie wird von einem Zug überfahren. Vor ihrem Tod hat sie sich ein Auge ausgerissen. Das sind die Fakten. Ihr Ehemann, der Rechtmediziner Emil Koswig, diagnostiziert bei der Autopsie eindeutig Selbstmord. So furios beginnt der Thriller „Das Lächeln des Bösen“ von Petra Busch. Ein Jahr später stirbt die Ärztin Frauke Bach in ihrer Badewanne. Vor ihrem Tod hat sie sich ein Stück Haut aus dem Unterarm geschnitten. Auch diesmal ergibt sich anhand der Untersuchung eindeutig die Todesursache Selbstmord. Doch Fraukes Schwester Nina Bach zweifelt dieses Ergebnis an. Sie selbst führt ein ungebundenes Leben und erfüllt leidenden Menschen ungewöhnliche Wünsche. Um weitere Informationen und Hintergründe zum angeblichen Selbstmord Fraukes einzuholen, wendet Nina sich an Emil Koswig. Dabei entwickelt sie Gefühle für ihn, die über Freundschaft hinausgehen und die er zu erwidern scheint. In Gegenwart von anderen Personen gibt er sich ihr gegenüber aber distanziert. Dann geschieht ein weiterer dubioser Selbstmord.

Schon nach wenigen Seiten begegnet der Leser dem stellenweise arroganten Emil Koswig. Sein Verhalten gegenüber seinen Mitmenschen machte ihn mir von Beginn an unsympathisch. Die Autorin nimmt eine allwissende Perspektive ein und so erhält der Leser auch Motive für das Handeln des Rechtsmediziners. Doch an einigen Stellen war sein Tun, auch im Rückblick gesehen, mir unerklärlich. Die Erzählung lebt von Zufällen, Betrügern und ignoranten Personen. Obwohl mir Nina als liebenswert erschien, konnte ich ihre Reaktionen in Bezug auf Emil Koswig nicht nachvollziehen. Bis etwa zur Hälfte der Geschichte fand ich, dass sie sich selbst treu blieb. Die Schilderungen der Bekannten ihrer Schwester über Frauke stimmen nicht mit dem Bild überein das Nina in ihrer Erinnerung hat, weswegen sie findet, dass auch der Selbstmord nicht zu Frauke passt. Sie macht sich auf die Suche nach Erklärungen für diese Änderung, auf die die Autorin aber nur kurz eingeht. Stattdessen verharrt der Krimi immer wieder in Szenen zwischen Nina und Emil mit heftigen Gefühlsumschwüngen. Vor allem in der zweiten Buchhälfte war mir Ninas Verhalten öfters nicht nachvollziehbar.

Den aufzulösenden Kriminalfall fand ich ungewöhnlich, die Kindheitsgeschichten der beiden Protagonisten Emil und Nina beeindruckend geschildert. Der Spannungsbogen nahm dadurch, dass die Beziehung zwischen Emil und Nina meiner Meinung nach zu sehr in den Vordergrund gestellt wurde, zwischenzeitlich etwas ab. Beim Lesen hatte ich schon einen vagen Verdacht in Bezug auf eine Person und den Zusammenhang mit den Taten, der sich zum Schluss auch bestätigte, aber der Fall wird erst zum Ende hin vollständig aufgeklärt. Spannungssteigernd wirken sich die Einschübe aus die in Kursivschrift gesetzt sind und in denen eine Person fokussiert wird, die ein Eigeninteresse an bestimmten körperlichen Teilen hat.

Das Buch konnte mich nicht gänzlich überzeugen, weil mir die Begründungen für manches Handeln zu unwahrscheinlich erschienen. Nichtsdestotrotz war der Thriller unterhaltsam mit einigen nicht erwarteten Wendungen.

Veröffentlicht am 27.02.2017

Ein Buch dem ich noch viele Leser wünsche

The Power of the Heart
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Im Buch „The Power oft he Heart – Finde den wahren Sinn deines Lebens“ ebnet Baptist de Pape dem Leser einen Weg dahin, die Macht seines Herzens zu erkennen. Im Gespräch mit 18 der größten Denker, spirituellen ...

Im Buch „The Power oft he Heart – Finde den wahren Sinn deines Lebens“ ebnet Baptist de Pape dem Leser einen Weg dahin, die Macht seines Herzens zu erkennen. Im Gespräch mit 18 der größten Denker, spirituellen Lehrer, Schriftsteller und Wissenschaftlern hat der Autor ergründet, welche Rolle unser Herz dabei spielt unsere wahre Bestimmung zu finden. Nach einem persönlichen Vorwort folgen drei größere Teile, die nochmals in verschiedene Kapitel unterteilt sind. Im ersten Teil bringt Baptist de Pape uns die Intelligenz unseres Herzens nahe, den Zusammenhang aller körperlichen Funktionen zum Rhythmus dieses Organs. Die Weisheit des Herzens übertrifft die des Verstands bei weitem und wer innehält und auf die Stille lauscht, wird die Botschaften erkennen. Doch das ist zunächst nicht so einfach. Hilfreich dabei sind die Kontemplationen am Ende jeden Kapitels.

Zu erkennen, wie wichtig es ist, authentische Macht zu entwickeln, erfährt der Leser im zweiten Teil des Buchs. Auch hierbei helfen die Übungen am Ende der Kapitel. Um uns dem Leben gegenüber zu öffnen, sollte unser Herz mittels Intuition sprechen. Folgen wir der Sprache unseres Herzens können wir Vertrauen aufbauen. Mit diesem Verständnis beschreibt nun der dritte Buchteil wie wir uns in der Welt zurechtfinden können, d.h. wie wir so unterschiedlichen Gefühlen wie Angst und Liebe begegnen können. Auch wenn wir mit offenem Herzen in die Welt gehen bleiben wir verletzlich. Der Autor weicht diesen Problemen nicht aus, sondern gibt Ratschläge wie wir damit umgehen können.

Schon seit Schulzeiten versuche ich im Leben einen für mich bestimmten Sinn zu finden. In diesem Buch bin ich Menschen begegnet, deren Worte mich tief berührt haben und die mir aus der Seele heraus und in die Seele hinein gesprochen haben. Neben Ausschnitten aus den Interviews hat Baptist de Pape seinen Text mit vielen wunderschönen Sprüchen weiterer Denker und spiritueller Lehrer ergänzt und bereichert. Gerne werde ich immer wieder dieses Buch zur Hand nehmen um sie nachzulesen.
Das Buch verlangt nicht nur danach im Text einzutauchen, sondern vor allem sich damit auseinanderzusetzen. Beim Lesen des ersten Teils kamen mir ungeduldige Gedanken. Statt innezuhalten eilten diese voraus und warfen Ängste auf. Doch auch auf diese Sorgen geht der Autor letztlich ein. Aus meiner Erfahrung heraus, weiß ich, dass mein inneres Gefühl mir schon oft die richtige Richtung gewiesen hat. Mitgefühl und Verständnis für seine Mitmenschen aufzubringen gehört sicher zu den schwierigeren Übungen, sehr oft spielt das gegeneinander abwiegen im Eigeninteresse des Verstands in die Handlungsentscheidung hinein. Der Weg zu unserem Herzen ist kein einfacher.

Diesem Buch wünsche ich noch viele Leser und hoffe, dass es ihre Denkweise so verändert, dass sie ihr Herz sprechen lassen und damit die Welt etwas friedlicher machen.

Veröffentlicht am 27.02.2017

Eine schwierige Entscheidung

Der dunkle Weg
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Im Buch „Der dunkle Weg“ nimmt Susanne Goga den Leser mit nach Dublin ins Jahr 1912. In Irland schließen sich immer mehr Iren zusammen, um gemeinsam für die Selbstbestimmung des Landes zu kämpfen, nicht ...

Im Buch „Der dunkle Weg“ nimmt Susanne Goga den Leser mit nach Dublin ins Jahr 1912. In Irland schließen sich immer mehr Iren zusammen, um gemeinsam für die Selbstbestimmung des Landes zu kämpfen, nicht nur mit Waffen, sondern auch mit Worten. Der dunkle Weg ist nicht der einfache, angepasste, er ist stattdessen schwierig und steinig, vor ihm kommt die Angst ihn zu betreten. Vor der Entscheidung diesen Weg an der Seite ihrer Freunde zu beschreiten steht die Protagonistin des Romans Ida Martens.

Ida, aus einer reichen Hamburger Kaufmannsfamilie stammend, ist Malerin. Auf Einladung ihrer Freundin Grace, mit der gemeinsam sie in London studiert hat, begibt sie sich auf eine Reise nach Dublin. Sie ist von der Stadt fasziniert und erwägt schon bald einen längeren Aufenthalt. Der Verkauf einiger ihrer Arbeiten und eine feste Arbeitsstelle ermöglichen es ihr schließlich, unabhängig von ihren Eltern zu leben. Durch Bekannte lernt sie den jungen Arzt Cian O’Connor kennen, der ihr gegenüber zunächst aber Abstand hält. Mit der Zeit entdecken beide jedoch ihre Sympathien zueinander. Cians Freunde kämpfen für ein von England unabhängiges Irland und Cian steht auf ihrer Seite. Teilweise arbeitet er unentgeltlich für die arme Bevölkerung der Stadt, die sich keinen Arzt leisten können. Mit Sorgen blickt Ida nach Österreich-Ungarn. Als Deutsche in Irland spürt Ida das Misstrauen der Bevölkerung gegenüber ihrem Heimatland. Die Schatten des ersten Weltkriegs überlagern sogar den Freiheitskampf Irlands. Ida muss sich entscheiden, ob sie in Dublin an der Seite Cians bleibt und sich für die Ziele ihrer Freunde einsetzt oder zurück in die Heimat kehrt.

Die Autorin hat einen Roman geschrieben, der mich schon sehr bald in seinen Bann gezogen hat. Ida und ihre Freundin Grace sind liebenswerte und selbstbewusste junge Frauen sind, die mich für sich eingenommen haben. Susanne Goga schildert die innere Zerrissenheit der Protagonisten in Bezug auf deren Gefühle, denn Ida muss sich entscheiden zwischen Hamburg und ihrer Wahlheimat, zwischen ihren Eltern und ihren neuen Freunden. Die Charaktere handeln wirklichkeitsnah und nachvollziehbar.

Neben dem Freiheitskampf der Iren gibt es vor Ort ein weiteres Problemfeld, das der Religionszugehörigkeit. Auch dieses Thema spiegelt sich in der Erzählung wieder. Grace ist eine historisch verbürgte Person, deren Vater und Brüder Katholiken, deren Mutter und Schwestern aber Protestanten sind. An diesem Beispiel zeigt die Autorin die Schwierigkeiten auf, die bei der Wahl von Freunden und Partner unterschiedlicher Glaubensrichtungen entstehen können. Der historische Hintergrund ist genau recherchiert und in den Roman eingearbeitet, ohne jedoch auszuschweifen. Zur Untermalung sind zahlreiche Bücher, Bilder und Theaterstücke erwähnt, die man zu der Zeit in der die Geschichte spielt gelesen, betrachtet beziehungsweise angesehen hat. Das Geschehen der damaligen Zeit konnte so vor meinen Augen lebendig werden.

Ganz nebenher macht die Autorin deutlich, wie wichtig Freundschaft und Vertrauen aufeinander sind. Obwohl Ida es in Dublin nicht leicht hat, gefiel es mir, sie auf einem kleinen Stück ihres fiktiven Lebenswegs zu begleiten. Insgesamt hat mir das Buch sehr gut gefallen und gerne empfehle ich es daher weiter, vor allem an Leser historischer Romane.

Veröffentlicht am 27.02.2017

Der sechste Fall für das Sonderdezernat Q

Verheißung Der Grenzenlose
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„Verheissung“ von Jussi Adler-Olsen ist der sechste von geplanten zehn Fällen für Carl Morck und seinem Team vom Sonderdezernat Q. Der Untertitel beziehungsweise die Übersetzung des Originaltitels lautet ...

„Verheissung“ von Jussi Adler-Olsen ist der sechste von geplanten zehn Fällen für Carl Morck und seinem Team vom Sonderdezernat Q. Der Untertitel beziehungsweise die Übersetzung des Originaltitels lautet „Der Grenzenlose“, damit ist ein Charakter des Krimis gemeint, der sich mit esoterischen Lehren auseinandergesetzt hat und diese mit eigener Gefolgschaft inzwischen lebt. Das Pendel auf dem Cover ist ein Requisit mit dem Carl Morck in Berührung kommt. Eine wichtige Rolle spielt es nicht, steht aber sinnbildlich für die in diesem Buch erwähnten verschiedenen Kulte.

Im Prolog stellt der Autor eine junge Frau vor, die gerade von einem Auto angefahren worden ist. Später stellt sich schnell heraus, dass sie danach verstarb. Die Geschichte spielt drei Jahre nach dem letzten Band. Es scheint Ruhe im Alltag des Sonderdezernats Q eingekehrt zu sein. Das Telefon läutet und der kurz vor der Pensionierung stehende Kollege Habersaat aus dem fernen Bornholm verlangt ausdrücklich nach Morck. Er bittet ihn, einen bestimmten Fall aufzugreifen, doch Carl wimmelt ihn ab mit dem Hinweis, dass die Kapazitäten erschöpft sind. Tags darauf, bringt der Kollege sich um. Carl greift den Fall nun doch auf und reist mit seinen Assistenten Rose und Assad auf die Insel. Dort wurde vor 17 Jahren eine junge Frau getötet, Habersaat hatte die Leiche kopfüber in einem Baum hängend gefunden und bekam dieses Bild nicht mehr aus dem Kopf. Der Verursacher des Unfalls wurde nie gefunden. Die Beweise, die der Bornholmer Kollege zusammengetragen hat, führen Carl Morck und sein Team auf die Spur eines Sonnenkults, dessen Meister zur Zeit des Unfalls vor Ort war.

Neben diesem Haupterzählstrang gibt es eine parallele Handlung, die im Jahr 2013 beginnt. Pirjo, um die 40 Jahre alt, ist die Organisatorin eines Zentrums, das einer esoterischen Bewegung anhängt, seit vier Jahren besteht und von Atu geleitet wird. Dieser hat ihre Liebe nie erwidert, doch sie tut bis dato alles, damit sich dies ändert. Sie geht förmlich sogar über Leichen.
Das Sonderdezernat Q besteht schon seit sieben Jahren und das Team hat sich gut eingespielt und anscheinend etliche Fälle aufgearbeitet. Carl Morck weiß um die Qualitäten aber auch Schwierigkeiten seiner Kollegen, deren besondere Charaktere der Autor auch in diesem neuen Fall wieder ausspielt. Doch eine weitere Entwicklung ist kaum zu sehen, die Vergangenheit von Rose und Assad bleiben weiter im Dunkeln und erst in der zweiten Hälfte des Buchs gibt es ein paar kleine Details, die sich aber nicht einordnen lassen. Auch im Privatleben von Morck gibt es rückblickend kaum Neues. Sobald Carl sich des Falls angenommen hat, geht er den Ermittlungen mit all den ihm zur Verfügung stehenden Mitteln nach, auch über Widerstand hinweg. Da der Fall schon sehr lange zurückliegt, ist jedes Detail wichtig, auch wenn es eventuell nicht weiterhilft. Das führt dazu, dass sich die Ermittlungen hinziehen. Glücklicherweise blendet die Geschichte zur Abwechslung immer wieder zu Pirjo über. Längst glaubt der Leser zu wissen, wer der Verursacher des Unfalls war. Doch zwischenzeitlich gibt es einige unerwartete Wendungen und ein spannendes Ende.

Das Buch ist in sich abgeschlossen und kann unabhängig von den anderen Bänden gelesen werden. Im Lauf der Erzählung kommt nochmal die Rede auf den schwierigen Fall vor Gründung des Sonderdezernats Q bei dem Carl Morck angeschossen wurde, so dass der Leser über den Hintergrund des Dezernatsleiters informiert wird. Die Ausführung über die unterschiedlichen Kulte erschienen mir gut recherchiert. Der Wortwitz in den Dialogen zwischen Carl und Assad führt zu manchem Schmunzler im Laufe des Lesens. Insgesamt gesehen ist "Verheissung" ein unterhaltsamer Krimi, für alle Morck-Fans ein Muss.

Veröffentlicht am 27.02.2017

Vielschichtige Familiengeschichte mit gut gehüteten Geheimnissen

Meer des Schweigens
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Ein Geheimnis, eine Lüge und eine Rache sind grob gefasst nach Angabe des Klappentextes die Zutaten zum Buch „Meer des Schweigens“, dem Debütroman der gebürtigen Deutschen, heute aber in Namibia wohnenden ...

Ein Geheimnis, eine Lüge und eine Rache sind grob gefasst nach Angabe des Klappentextes die Zutaten zum Buch „Meer des Schweigens“, dem Debütroman der gebürtigen Deutschen, heute aber in Namibia wohnenden Iris Grädler. Wie auf dem Coverbild ziehen über einem kleinen Küstenort Cornwalls dunkle Wolken auf, als zuerst ein toter Hund und drei Tage später eine männliche Leiche, die in eine Plane gewickelt ist, angeschwemmt werden. Für den zuständigen Detective Inspector Collin Brown ist es der erste Mordfall seit er sich vor einigen Jahren von Southhampton an die Küste versetzen ließ. Entsprechend ungewohnt für die Teammitglieder ist die Vorgehensweise, da sie eher an beschaulich vonstattengehende Ermittlungen gewöhnt sind. Doch die Bewohner befürchten weitere Morde und drängen auf eine schnelle Aufklärung. Diese Sorge fand ich etwas zu übertrieben dargestellt. Aber zunächst sieht es so aus als ob das Meer sein Geheimnis nicht preisgeben will, wer der Tote ist und warum er ermordet wurde.

Die Erzählung besteht aus drei Erzählsträngen, die parallel verlaufen und zu denen die Autorin ohne festen Rhythmus wechselt. Neben den Mordermittlungen lernt der Leser Elisabeth kennen, die aus Australien nach Southhampton zur Beerdigung ihres Bruders Anthony gereist ist, mit dem sie zuletzt vor 20 Jahren Kontakt hatte. Warum das so, offenbart sich im Laufe des Romans. Anthonys beste Freundin und Exfrau Martha zweifelt den attestierten natürlichen Tod von ihm an.

In einer dritten Geschichte geht es um den gutsituierten, allein stehenden Frührentner Elroy Smitton und Su, die mit ihrer Tochter in einer Wohnung auf seinem Grundstück lebt. Su hat bisher wenig Glück gehabt und sieht es nun als ihre Aufgabe sich nebenher ein wenig um Elroy zu kümmern mit der Hoffnung auf eine Beziehung. Argwöhnisch und misstrauisch beobachtet sie, dass Elroy eine andere Frau kennenlernt, der er offensichtlich sehr zugeneigt ist. Unterbrochen werden die Handlungen von insgesamt zehn Geboten, die jedoch mit den allgemein Bekannten der Bibel wenig zu tun haben, sondern stattdessen einem kranken Geist zuzuordnen sein können. Der Zusammenhang wird wie so vieles es ganz zum Ende hin begreifbar.

Diese drei Erzählungen stehen zunächst ohne Zusammenhang nebeneinander bevor die erste Verknüpfungspunkt erscheint. Iris Grädler widmet sich den einzelnen Figuren ihrer Geschichte sehr ausführlich. Es entsteht jeweils eine facettenreiche Charakterisierung, die dem Leser interessante Persönlichkeiten näher bringen. Ihnen ist meistens bereits viel Unbill im Leben widerfahren. Manches mal blickt sie dabei auch unter die Oberfläche der Gesellschaft. Der Leser könnte nun aufgrund der ausführlichen Schilderungen begreifen, warum die Personen so und nicht anders handeln, wenn die Autorin nicht die wohldosierten Hintergrundinformationen erst nach und nach offenlegen würde, so dass sich auf der Suche nach weiteren Fakten ein schnelles Weiterlesen lohnt. Das trägt zum Spannungserhalt bei. Überhaupt bleibt der Spannungsbogen bis zum Schluss bestehen, flacht aber mittig durch allzu weite Ausschweifungen etwas ab. Eine der Geschichten wird unerwartet erst zum Ende hin weiter- und mit den anderen beiden Erzählungen zusammengeführt.

Ebenso wie die Personen vermag die Autorin die Umgebung so ausführlich zu beschreiben, dass man sich diese sehr gut vorstellen kann. Irritierend war jedoch eine Dienstreise Collins nach Manchester, also in den Norden Englands, in deren Zusammenhang aber mehrmals von Schotten und Schottland gesprochen wurde. Etwas übertrieben fand ich die Sorge der Bewohner des Küstenstädtchens in Hinsicht auf weitere Morde.

„Meer des Schweigens“ ist ein Kriminalroman, aber auch eine vielschichtige Familiengeschichte mit gut gehüteten Geheimnissen. Immer im Hinterkopf blieb mir die im Klappentext erwähnte Rache, die denn am Ende als Handlungsmotiv die Erzählungen miteinander verbindet und das Buch zu einem lesenswerten und unterhaltsamen Buch macht.