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Gisel

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 28.05.2019

Deutsch-deutsche Geschichte lebendig erzählt

Was uns erinnern lässt
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Die alleinerziehende Mutter Milla findet im ehemaligen Grenzgebiet im Thüringer Wald einen „verlorenen Ort“: Einstmals stand dort das Hotel Waldeshöh, nun gibt es nur noch einen versteckten Keller. Milla ...

Die alleinerziehende Mutter Milla findet im ehemaligen Grenzgebiet im Thüringer Wald einen „verlorenen Ort“: Einstmals stand dort das Hotel Waldeshöh, nun gibt es nur noch einen versteckten Keller. Milla forscht nach, findet die Familie, der das Hotel gehörte, und findet auch die dazugehörige Geschichte. Mit Christine, einer der Töchter des verlorenen Hauses, freundet sie sich an, und bald nimmt eine ganz besondere Idee Gestalt an.

Die Geschichte wird in zwei Handlungssträngen erzählt, einmal in der Gegenwart, über die Bemühungen Millas und Christines, die Geschichte des Hauses wiederzufinden. Dazu kommen noch die Rückblenden, die von den letzten Tagen des Krieges bis in die Achtziger Jahre des letzten Jahrhunderts erzählen. Eine ungewöhnliche Geschichte rollt sich auf, von einem gutgehenden Hotel im Thüringer Wald, das durch die Teilung Deutschlands in die Sperrzone geriet. Was kann Heimat bedeuten, wenn das eigene Haus zum Spielball der Herrschenden wird? Sehr anschaulich schildert die Autorin Kati Neumann, wie dieses Haus zu einem „verlorenen Ort“ wurde, nur um später durch seine Geschichte wiedergefunden zu werden. Diese Geschichte berührt den Leser, denn die Autorin erzählt sehr einfühlsam und doch mit dem nötigen Abstand, und so gelingt es ihr, für alle Beteiligten Sympathie zu wecken. Die Geschehnisse sind sehr real geschildert und ziehen den Leser schnell in ihren Bann.

Dieses Buch ist ein sehr berührendes und lebendig erzähltes Beispiel für die deutsch-deutsche Geschichte. Mich hat zum Schluss noch ein bisschen die Frage umgetrieben, wie die Autorin zu dieser Geschichte kam, da hätte ich gerne als Anhang noch ein paar Worte gelesen. Doch dies ist nur ein kleiner Wermutstropfen zu diesem Buch, das ich unbedingt weiter empfehlen möchte.

Veröffentlicht am 27.05.2019

Gute Idee schwach umgesetzt

Gefangen im Riesenbuch (3)
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Emily soll bis zum nächsten Schultag ein Buch gelesen haben, dabei liest sie gar nicht gern und wäre viel lieber mit ihrem Sitzscooter unterwegs. Doch plötzlich findet sie sich wieder in einer geheimnisvollen ...

Emily soll bis zum nächsten Schultag ein Buch gelesen haben, dabei liest sie gar nicht gern und wäre viel lieber mit ihrem Sitzscooter unterwegs. Doch plötzlich findet sie sich wieder in einer geheimnisvollen Welt, eingesperrt in einem Gebäude, das wie ein Buch aussieht, zusammen mit Julian, der sie hineingezerrt hat. Und dann behauptet ihr Begleiter auch noch, dass das Riesenbuch sofort sterben wird, wenn sie es nicht sofort retten…

Dies ist einer der Bände um die Fantasy-Reihe in Mirathasia, dem Land der Fantasie, zu dem nur Kinder Zugang haben. Während dieses Land für alle Lesefüchse ein Paradies ist, fühlt Emily sich nicht darin wohl: So viele Bücher, das sind ihr eindeutig zu viele, wie überhaupt dieses Riesenbuch, in dem sie sich plötzlich ohne Ausgang wiederfindet. Das Buch wendet sich an Kinder ab 9 Jahren und möchte ihre Lesebegeisterung wecken bzw. weiter anfachen. Die Beschreibung von Mirathasia ist sehr eindrucksvoll, die Autorin hat viele fantastische Ideen eingearbeitet, und das beigelegte Blatt mit einer Zeichnung dieses Erlebnislandes ist sehr spannend ausgefallen. Doch fürchte ich, dass genau jene Kinder wie Emily, die gar nicht gerne lesen, überhaupt nicht von diesem Buch angesprochen werden, und auch Emilys Veränderung ist nicht wirklich nachvollziehbar. Überhaupt kann ich mich ganz schlecht in sie hinein fühlen. Das Buch ist im Selbstverlag erschienen, und dementsprechend ist das Buch als Paperback und mit gerade mal knapp 80 Seiten eher etwas teuer geraten.

Wirklich überzeugt hat mich das Buch nicht. Die Träume, die dahinterstecken, bieten einiges an Potenzial, das aber m.E. noch nicht ganz ausgereift ist. Mich hat das Buch nur bedingt begeistern können.

Veröffentlicht am 27.05.2019

Mit spitzer Feder erzählt

Der Zopf meiner Großmutter
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Max ist mit seinen Großeltern nach Deutschland gekommen. Die Großmutter soll früher eine gefeierte Tänzerin gewesen sein. Nun hat sie im Flüchtlingswohnheim ein hartes, aber herzliches Regime eingeführt, ...

Max ist mit seinen Großeltern nach Deutschland gekommen. Die Großmutter soll früher eine gefeierte Tänzerin gewesen sein. Nun hat sie im Flüchtlingswohnheim ein hartes, aber herzliches Regime eingeführt, in dem sie vor allem ihren Enkel vor dem schädlichen Einfluss der Welt bewahren will. Sie merkt es erst als Letzte, dass ihr Mann sich verliebt hat. Doch auch damit geht die Großmutter auf ihre ganz eigene Weise um.

Ich habe die Bücher von Alina Bronsky für ihren pointierten Schreibstil und die faszinierende Beobachtungsgabe der Autorin schätzen gelernt. Scheinbar sachlich, dafür aber mit spitzer Feder erzählt sie über die Eigenheiten ihrer Protagonisten, und dennoch merkt man ihr an, dass sie ihren Figuren Sympathie entgegenbringt. Da springt beim Lesen sehr schnell das Kopfkino an und lässt den Leser immer wieder lachen. Lange habe ich allerdings nach den Gründen für dieses Verhalten gesucht, erst gegen Ende gab es einige eher spärliche Erklärungen dazu. Dadurch gerät die Oma ein bisschen zu sehr in die Ecke der Psychopathin, was das Buch zu sehr in die skurrile Richtung schiebt.

Diese Geschichte kann nicht so ganz mithalten mit ihrem letzten Buch, „Baba Dunjas letzte Liebe“, dennoch hat mich der bitterböse Erzählton und die pointierte Erzählung der Geschichte gut gefallen. In diesem Sinne empfehle ich das Buch etwas verhalten weiter.

Veröffentlicht am 26.05.2019

Licht- und Dunkelmagie

Golden Darkness. Stadt aus Licht & Schatten
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Lucie ist Lichtmagierin, sie ist aus der verarmten Dunkelstadt Brooklyn in die reiche Lichtstadt Manhattan geflohen. Sie hat gelernt, ihre Geschichte zu verstecken. Doch da taucht Carwyn auf, ein Magier ...

Lucie ist Lichtmagierin, sie ist aus der verarmten Dunkelstadt Brooklyn in die reiche Lichtstadt Manhattan geflohen. Sie hat gelernt, ihre Geschichte zu verstecken. Doch da taucht Carwyn auf, ein Magier aus der Dunkelstadt und Doppelgänger ihres Freundes Ethan. Als es dann Tote gibt, gerät Lucies Welt völlig aus den Fugen.

In ein New York der Zukunft hat die Autorin Sarah Rees Brennan ihre Geschichte verlegt um zwei Städte, in denen das Leben der Dunkel- bzw. der Lichtmagier völlig verschieden voneinander verläuft. Berührungspunkte sind äußerst gefährlich, dabei könnten sich die Magier gegenseitig ergänzen. Die Autorin entwirft eine neuzeitliche Version von Charles Dickens‘ „Geschichte zweier Städte“ und unterfüttert sie mit viel Magie. Diese magischen Anteile sind sehr fantasievoll ausgefallen, wobei ich vor allem anfangs immer wieder das Gefühl hatte, dass mir einige Informationen fehlen. Lange war mir unklar, in welche Richtung sich die Geschichte entwickeln wird, das Ende war dann eher überraschend, macht aber Lust auf eine Fortsetzung.

Besonders erwähnen möchte ich die wunderschöne Gestaltung des Covers, das unbedingt auffällt und das Buch zu etwas Besonderem macht.

Die Geschichte hätte durchaus mehr Potenzial gehabt, wenn der Leser die Magie der beiden Städte besser hätte verstehen können. Insgesamt aber liest sich die Geschichte sehr schnell, und ich möchte dem zweiten Band eine Chance geben. Insgesamt spreche ich eine bedingte Leseempfehlung aus.

Veröffentlicht am 26.05.2019

Abenteuerlicher Unterricht im Zoo

Die wilde Baumhausschule, Band 1: Raubtierzähmen für Anfänger
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Gretas erster Schultag an ihrer neuen Schule verläuft so ganz anders als erwartet: Kaum ist sie auf ihrem Elefanten dort angekommen, kracht eine Wand ein. Der Unterricht wird flugs in den Zoo von Gretas ...

Gretas erster Schultag an ihrer neuen Schule verläuft so ganz anders als erwartet: Kaum ist sie auf ihrem Elefanten dort angekommen, kracht eine Wand ein. Der Unterricht wird flugs in den Zoo von Gretas Eltern verlegt! Doch dort läuft einiges schief: Die Futterlieferungen klappen nicht richtig, und dann sind auch noch zwei Krokodile ausgebüxt…

Welches Kind träumt nicht von einem Unterricht, der so aufregend ist wie in der Klasse von Frau Paganotti, dazu noch in einem Zoo mit Wildtieren, die ganz zahm sind? Dumm nur, dass alle Theo im Verdacht haben, wenn etwas nicht klappt, denn er ist bekannt für seine Streiche. Doch alle Probleme können geklärt werden. Die Geschichte ist kindgerecht erzählt, die große Schrift und der Sprachstil genau richtig für Leseanfänger. Die Kinder der Schulklasse sind sehr individuell angelegt und bieten sich als Helden an, mit denen man gerne mitfiebert. Die Illustrationen passen hervorragend zum Text und ergänzen diesen aufs Beste. Da wird sich ganz sicher so manches Kind auf ein weiteres Abenteuer mit Greta und Theo freuen. Und nebenbei gibt’s einige Informationen über die Tierwelt, da merkt man gar nicht, dass man was Neues gelernt hat…

Ein schönes Abenteuerbuch für Jungs und Mädchen zugleich, mit einer bezaubernden Geschichte, die ich sehr gerne weiter empfehle.