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Gisel

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 17.11.2018

Fieberhafte Suche nach der Wahrheit

Die Elemente des Todes
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Hauptkommissar Kiefer Larsen kehrt nach einem Amerika-Aufenthalt zurück nach Bremen. Und schon ist er mittendrin in einem Fall, der eine Weile unlösbar erscheint: Eine Serie brutaler Morde erschüttert ...

Hauptkommissar Kiefer Larsen kehrt nach einem Amerika-Aufenthalt zurück nach Bremen. Und schon ist er mittendrin in einem Fall, der eine Weile unlösbar erscheint: Eine Serie brutaler Morde erschüttert Norddeutschland. Keine der Spuren ist eindeutig, kein Beweis hilft wirklich weiter. Und noch scheint das Ende nicht in Sicht…

Die Autoren Axel Petermann und Claus Cornelius Fischer haben einen True-Crime-Thriller geschrieben, der sowohl die Sichtweise der Polizei wie auch der Täter beschreibt. So gelingt ein guter Einblick in deren menschliche Abgründe, wobei mir die Taten doch ein bisschen zu ausführlich geschildert sind. Die fieberhafte Suche der Polizei, hier vor allem von Kiefer Larsen, nach der Wahrheit ist sehr realistisch nachempfunden. Dass die Erzählung auf reellen Geschehnissen beruht, lässt einem beim Lesen immer wieder kalte Schauer über den Rücken fahren, denn so detailliert der Leser Einblick in die Gedanken der Täter erhält, so wenig kann man diese wirklich nachvollziehen.

Sehr schade fand ich, dass die Erzählung immer wieder in der Zeitschiene vor und zurück sprang. Das hat mich sehr aus dem Lesefluss gerissen, immer wieder musste ich mich orientieren, was wann genau geschah und wie es mit allem anderen in Zusammenhang stand. Manche Stellen erscheinen zudem etwas langatmig, hier hätte man durchaus kürzen können.

Insgesamt hat das Buch mir einige spannende Lesestunden geschenkt, deshalb vergebe ich vier von fünf Sternen. Für Leser von True-Crime-Geschichten ist das Buch sehr gut zu empfehlen, wobei man sich durchaus der Brutalität der Geschehnisse bewusst sein muss.

Veröffentlicht am 15.11.2018

Doris' bewegtes Leben

Das rote Adressbuch
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Von ihrem Vater hat Doris ein rotes Adressbuch erhalten, als sie zehn Jahre alt war. Nun, mit 96 Jahren und an der Schwelle des Todes, erzählt sie ihrer Großnichte Jenny anhand dieses Adressbuches ihre ...

Von ihrem Vater hat Doris ein rotes Adressbuch erhalten, als sie zehn Jahre alt war. Nun, mit 96 Jahren und an der Schwelle des Todes, erzählt sie ihrer Großnichte Jenny anhand dieses Adressbuches ihre Lebensgeschichte: eine Erzählung, die über mehrere Länder, gar Kontinente und über viele Jahrzehnte geht.

Doris ist eine taffe Frau, die viele Stationen in ihrem Leben durchgemacht hat, doch geprägt wurde sie von der Liebe zu Allan, den sie in Frankreich traf. Ihre Liebe sollte allerdings nicht zu einem gemeinsamen Leben führen, der Krieg trennte sie. Jenny liebt ihre Großtante, die ihr in schweren Zeiten beigestanden hat, so dass die Nichte aus Amerika nach Stockholm fliegt, als Doris ins Krankenhaus kommt. Jenny ist schnell fasziniert von Doris‘ Erzählungen. Aber auch der Leser wird umgehend gefesselt von den Erlebnissen, die die alte Dame zu erzählen hat. Ihre Erlebnisse entwickeln sich vor dem Leser wie ein großartiger Kinofilm.

Der Autorin Sofia Lundberg ist eine berührende und tiefsinnige Geschichte gelungen über eine alte Dame, die sehr früh die Liebe ihres Lebens gefunden und wieder verloren hat, die sich durch viele Hindernisse im Leben kämpfen musste und dabei nie den Lebensmut verloren hat. Sehr berührt haben mich die beiden letzten Sätze des Buches: „Am Ende ist Liebe das einzige, was zählt. Hast du genug geliebt?“

Ganz klar ein Buch, das ich sehr gerne weiter empfehle. Sehr gerne vergebe ich auch alle fünf möglichen Sterne.

Veröffentlicht am 14.11.2018

Gebrandmarkte Liebe unter dem Hakenkreuz

Mag’s im Himmel sein, mag’s beim Teufel sein
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Was passierte mit Paaren in Nazideutschland, wenn sie nicht der „arischen“ Norm entsprachen? Wenn ein Ehepartner jüdischen Glaubens oder zumindest entsprechend eingetragen war? Am Beispiel von den sogenannten ...

Was passierte mit Paaren in Nazideutschland, wenn sie nicht der „arischen“ Norm entsprachen? Wenn ein Ehepartner jüdischen Glaubens oder zumindest entsprechend eingetragen war? Am Beispiel von den sogenannten „gemischtrassigen“ Paaren im Rampenlicht zeigt die Autorin Evelyn Steinthaler exemplarisch, welchen Schikanen und Repressalien die Eheleute ausgesetzt wurden.

Die Autorin gibt dafür zunächst einen guten Überblick über die damalige Situation und zeigt, welche verschiedenen Wege dermaßen gebrandmarkte Ehepartner in einer gefährlichen Zeit gingen: Viele Künstler bzw. deren Ehepartner entschieden sich zur Emigration, manche lebten als „Mitläufer“ in einer schwierigen Zeit, einige davon erhielten eine besondere Genehmigung. Neben den Künstlern, die in Lager deportiert wurden, gab es auch einige, die scheiterten und als Familie Selbstmord verübten, wie z.B. Joachim Gottschalk. Stellvertretend für viele andere zeigt die Autorin an drei weiteren Paaren im Einzelnen, welchen Weg sie gefunden haben: „Everybodys Darling“ Heinz Rühmann und Hertha Feiler, Kurt Weill und seine temperamentvolle Ehefrau Lotte Lenya sowie der Superstar des deutschen Kinos, Hans Albers und seiner Lebensgefährtin Hansi Burg.

Sehr sachlich bleibt die Autorin dabei in ihrem Sprachstil, der Leser kann sich selbst eine Meinung bilden über die Gräuel der damaligen Zeit. Erst im Schlusswort zeigt sie ihre eigene Meinung zu den Geschehnissen und warnt davor, dass ein solch dramatischer und zerstörerischer Einfluss der Politik schnell wieder entstehen kann, wenn wir dem nicht entgegenwirken. Die Geschichten hinter dem Buch sind genau recherchiert, der flüssige Erzählstil liest sich sehr flott. Bilder der Künstler, allein und mit Ehepartner, ergänzen diese aufrüttelnde Auseinandersetzung mit der deutschen Politik während der Nazi-Zeit.

Die erzählten Schicksale berühren den Leser, treffen bis ins Mark, wenn man überlegt, wie politisch Liebe damals sein konnte, wie sehr der Staat ins Innerste der Familie eingriff. Ein Buch, das ich unbedingt weiter empfehlen möchte, und das von mir alle fünf möglichen Sterne erhält.

Veröffentlicht am 14.11.2018

In den Fängen des organisierten Verbrechens

Sektenmord in Neuharlingersiel. Ostfrieslandkrimi
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Die achtzehnjährigen Zwillinge Simon und Daniel Spiekermann müssen aus ihrer Heimat fliehen, weil sie unfreiwillig einen Mord unter Bandenmitgliedern beobachtet haben. Sie schlüpfen unter auf dem Bauernhof ...

Die achtzehnjährigen Zwillinge Simon und Daniel Spiekermann müssen aus ihrer Heimat fliehen, weil sie unfreiwillig einen Mord unter Bandenmitgliedern beobachtet haben. Sie schlüpfen unter auf dem Bauernhof einer Sekte in Neuharlingersiel, wo niemand nach den Geschehnissen der Vergangenheit fragt. Bald ermitteln die Kommissare Bert Linnig und Nina Jürgens in mehreren Mordfällen…

Dies ist nun schon der fünfte Band um das sympathische Ermittlerpaar Bert und Nina. Für mich ist es der zweite Band, ich habe bereits den Vorgänger aus dieser Reihe kennengelernt. Der Fall ist in sich abgeschlossen, man kann also jederzeit in die Geschehnisse einsteigen, das Vergnügen ist aber größer, wenn man auch die Entwicklungen bei den Ermittlern mit verfolgen kann.

Während ich zwischen den Zeilen die Liebe des Autors für seine Heimat sehr gut herauslesen kann, habe ich mich diesmal mit dem Fall selbst ein bisschen schwer getan. Die Dialoge erschienen mir teilweise etwas schwerfällig, die Protagonisten zu zweidimensional geraten. Wirkliche Sympathie habe ich für das zwielichtige Zwillingspärchen nicht empfinden können, aber auch nicht für ihre Eltern. So konnte mich dieser Fall nicht wirklich berühren, er bleibt für mich etwas farblos.

Da mir jedoch der Fall davor sehr gut in Erinnerung geblieben ist, hoffe ich, dass dies eher ein kleiner Ausreißer ist und der nächste Fall aus der Feder des Autors mich wieder mehr begeistern kann.

Veröffentlicht am 14.11.2018

Hüttenfeier à la Jennerwein

Im Schnee wird nur dem Tod nicht kalt
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Jennerweins Team will in einer abgelegenen Hütte das zehnjährige Bestehen feiern, untereinander und ganz ohne Fachsimpeleien. Dafür bietet sich Jennerweins Hütte an, und so treffen sie sich dort, kommen ...

Jennerweins Team will in einer abgelegenen Hütte das zehnjährige Bestehen feiern, untereinander und ganz ohne Fachsimpeleien. Dafür bietet sich Jennerweins Hütte an, und so treffen sie sich dort, kommen nacheinander an, bereit für viel Glühwein und gemeinsames Essen und einen gemütlichen Abend. Doch nichts wird’s daraus, denn während Jennerwein, mit Blick auf seine alte Schule, von seinen allerersten Ermittlungen erzählt, wird ihm klar, dass irgendetwas nicht richtig ist…

Die Krimis um Kommissar Jennerwein und sein Team sind inzwischen Kult. Dies ist nun schon der elfte Band, in dem sie ermitteln dürfen. Während sich der Klamauk bereits auf den ersten Seiten des Buches zeigen darf - Jennerwein hat den Schlüssel zu seiner Hütte verschusselt, ein Horror-Gedanke für jeden Gastgeber -, kommt die Dramatik des Falles zunächst schleichend daher, bis sie in der besten Manier eines Katastrophenfilmes zuschlägt. Die Charaktere sind spannend und teilweise richtig skurril angelegt, jeder ist auf seine eigene Weise irgendwie besonders. Der fesselnde Schreibstil lässt die Seiten nur so weiter blättern, während man das Buch gar nicht aus der Hand legen mag. Unerwartete Wendungen heizen die Handlung zusätzlich auf. Oh ja, ich kann mir die Geschichte als Film vorstellen, Action gibt es dafür genügend!

Für alle Jennerwein-Fans ist das Buch unverzichtbar. Aber nicht nur für diese: Wer sich auf einen Krimi freut, der auf unterhaltsame Weise zusammengesponnen ist, mit viel Humor und originellen Charakteren, ist mit diesem Buch bestens bedient. Deshalb empfehle ich es gerne weiter und vergebe alle fünf möglichen Sterne.