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Gisel

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 24.09.2018

Gut ausgewogener Regionalkrimi

Wut kommt selten allein
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Commissarion Fabio Fameo und sein Freund Carabiniere Tommaso Caruso müssen sich mit zwei Morden beschäftigen, die anscheinend ohne jedes Motiv sind und überhaupt ziemlich mysteriös daherkommen: Es gibt ...

Commissarion Fabio Fameo und sein Freund Carabiniere Tommaso Caruso müssen sich mit zwei Morden beschäftigen, die anscheinend ohne jedes Motiv sind und überhaupt ziemlich mysteriös daherkommen: Es gibt keine Anzeichen dafür, wie die Morde verübt wurden. Auffällig ist dabei, dass immer wieder die Familie Nußbaumer ins Gespräch kommt. Währenddessen laufen im Ort Tirol die Vorbereitungen für das Laienschauspiel, das Zenz Nußbaumer neu übernommen hat und für das er viele neue Ideen entwickeln möchte.

Das Buch ist bereits der siebte Band der Reihe um den Südtiroler Ermittler Fabio Fameo. Ich kenne keinen der Vorgänger, doch das Buch liest sich auch leicht für sich allein, alle wichtigen Informationen werden zum Einstieg gut aufbereitet. Hilfreich war eine Erläuterung der italienischen Polizeiwelt am Schluss des Buches, denn hier gibt es enorme Unterschiede zwischen Deutschland und Italien. In der Geschichte geht der Autor sehr fundiert auf die Eigenheiten des Südtiroler Landstrichs ein, sehr schnell wähnt man sich schon fast selbst dort zu Besuch. Geschickt knüpft er eine verzwickte Fallkonstellation in diese Landschaft ein. Nur mit viel Geduld und mit der Fähigkeit, um die Ecke zu denken wie die berühmten Ermittler aus den Krimireihen können das Motiv und später dann der Täter herausgefunden werden. Das bleibt trotz einiger Längen immer spannend, die Auflösung geschieht dann fast nebenher, ist aber gut hergeleitet. Realität und Fiktion sind gut ineinander gewoben, denn die örtlichen Gegebenheiten werden gut in der Erzählung gespiegelt. Man mag eigentlich sofort die Koffer packen und nachsehen, ob die Schauspieltruppe des Ortes Tirol das Stück „Tee mit Zimt“ immer noch aufführt…

Dieser eher ruhige Krimi überzeugt durch die intelligente Ermittlungsarbeit und den regionalen Anteil. Sehr gerne empfehle ich das Buch weiter.

Veröffentlicht am 22.09.2018

Das dunkle Geheimnis ihrer Mutter

Ein Teil von ihr
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Unversehens geraten Andrea Oliver und ihre Mutter Laura in Lebensgefahr: Ein Amokläufer erschießt im Café zwei Frauen; während Laura ihre Tochter vor ihm beschützt, drängt sie ihre Tochter zur Flucht. ...

Unversehens geraten Andrea Oliver und ihre Mutter Laura in Lebensgefahr: Ein Amokläufer erschießt im Café zwei Frauen; während Laura ihre Tochter vor ihm beschützt, drängt sie ihre Tochter zur Flucht. Von jetzt auf gleich findet Andrea sich auf einer Fahrt mit unbekanntem Ziel wieder – und muss sich Gedanken über ihre Mutter machen, die plötzlich so überraschend anders wirkt. Laura versucht Andrea zu schützen – doch wovor? Und was ist in Lauras Vergangenheit vorgefallen, dass die Gewalt nun plötzlich in ihr Leben einbricht?

Die Autorin Karin Slaughter lässt den Leser zusammen mit ihrer Protagonistin erkunden, wieso Laura plötzlich so verändert ist. In zwei Zeitschienen erzählt sie Lauras Geschichte und enthüllt nach und nach, wie die Vergangenheit in die Gegenwart hineinstrahlt. Anfangs noch etwas unübersichtlich, wird schnell klar, wie die beiden Zeitebenen ineinander greifen – und genauso schnell ist der Leser voll im Sog der Erzählung. Die Seiten fliegen dahin, denn mit Andrea will man diese unbekannte Seite ihrer Mutter kennenlernen. Dabei spart die Autorin auch nicht an der einen oder anderen überraschenden Wendung. Und siehe da, was am Anfang überhaupt nicht möglich erscheint, nämlich die Motive der einzelnen Handelnden zu verstehen, gelingt zum Schluss ohne Probleme…

Mich hat das Buch bestens unterhalten, auch ohne übermäßig blutrünstig zu sein. Der Fokus liegt eher auf dem Verstehen der Gegebenheiten, auf dem Sortieren, wer jetzt zu den Guten gehört und warum. Deshalb vergebe ich sehr gerne eine Leseempfehlung und alle fünf möglichen Sterne.

Veröffentlicht am 21.09.2018

Ein alltäglicher Konflikt und seine sehr originelle Lösung

Mein Freund Otto, das wilde Leben und ich
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Matti und Otto sind beste Freunde schon so gut wie ihr ganzes Leben lang. Für ein Schulprojekt sollen sie einen Rap entwerfen und der Klasse vorführen. Doch Otto meint, sie seien viel zu brav, sie müssten ...

Matti und Otto sind beste Freunde schon so gut wie ihr ganzes Leben lang. Für ein Schulprojekt sollen sie einen Rap entwerfen und der Klasse vorführen. Doch Otto meint, sie seien viel zu brav, sie müssten erst etwas wilder werden, wenn das mit dem Rap überhaupt was werden kann. Doch wie macht man das, dass man plötzlich wilder ist und trotzdem niemand richtig weh tut? Otto und Matti finden tatsächlich ein gutes Thema dazu, aber dann kommt doch alles ganz anders…

Mit den beiden Freunden hat die Autorin Silke Lambeck zwei sympathische Jungs entworfen, die sehr neugierig und aufgeweckt sind und gleichzeitig auch Verantwortung übernehmen. Sie schlagen mal über die Stränge, aber so richtig nur in Ausnahme- und Notfällen. Die Geschichte kommt sehr unterhaltsam herüber, auch wenn sie ernste Untertöne zeigt. Der Text wird gut ergänzt von den Illustrationen, die in schwarz-weiß über das Buch verteilt sind. Das Buch ist kindgerecht geschrieben, es regt ganz nebenbei zum Nachdenken auf, während man sich beim Lesen köstlich amüsieren kann, weil Matti frei von der Leber weg seine Sicht der Dinge schildert. Die Auflösung des Konflikts ist äußerst originell gelöst, die Idee dazu wird bei den jungen Lesern auf jeden Fall gut aufgenommen werden.

Ein richtig gutes Kinderbuch mit einem alltäglichen Konflikt und einer sehr originellen Lösung, die sowohl den Eltern beim Vorlesen wie auch den Kindern beim Selberlesen viel Spaß machen wird. Unbedingt zum Weiterempfehlen!

Veröffentlicht am 21.09.2018

Der Zauber der Pinguine

Unverfrorene Freunde
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Seit dreißig Jahren erforscht Klemens Pütz das Leben von Pinguinen. Dafür reist er regelmäßig für mehrere Monate in die Antarktis und in andere Regionen, in denen Pinguine leben. In diesem Buch erzählt ...

Seit dreißig Jahren erforscht Klemens Pütz das Leben von Pinguinen. Dafür reist er regelmäßig für mehrere Monate in die Antarktis und in andere Regionen, in denen Pinguine leben. In diesem Buch erzählt er einiges aus seinen Forschungen, über das Leben der Tiere an Land und im Wasser wie auch über Veränderungen in deren Populationen über die Jahre hinweg.

Dabei plaudert der Autor Anekdoten aus seinem Forscherleben aus, über die Neugier der Tiere, über die Anstrengungen, die sie für das Überleben der Küken in Kauf nehmen, über den Alltag in der Forschung über die Tiere. Das gelingt ihm so überzeugend, dass der Leser sich schnell in den Zauber der Pinguine einfangen lässt und die Seiten einfach so dahinfliegen. Sämtliche Informationen kann er dabei so nonchalant und kompetent verpacken, dass der Leser einen sehr guten Einblick in die Materie erhält. Bilder und Karten runden die Informationen des Buches ab.

In seine Arbeit steckt der Autor eine Menge Herzblut, und das merkt man dem Buch an. Bei der Beschreibung des Alltags der Pinguine erzählt er eher humorvoll und versucht dabei immer wieder, die Tiere nicht zu vermenschlichen. Eindrücklich wird er, wenn es um die menschengemachten Gefahren geht, die den Tieren drohen, wie z.B. Plastikmüll in den Meeren oder das Verschwinden der Lebensräume mancher Pinguinarten.

Dieses Buch ist so überzeugend geschrieben und so leicht zu lesen, dass ich es unbedingt weiter empfehlen möchte.

Veröffentlicht am 19.09.2018

Einfühlsame Liebesgeschichte voller Dramatik

Der englische Liebhaber
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Kurz nach dem Zweiten Weltkrieg liegt die Stadt Münster in Trümmer. Die junge Anna findet eine Arbeitsstelle bei der britischen Besatzungsmacht und trifft dort auf den Captain Jeremy. Die beiden lernen ...

Kurz nach dem Zweiten Weltkrieg liegt die Stadt Münster in Trümmer. Die junge Anna findet eine Arbeitsstelle bei der britischen Besatzungsmacht und trifft dort auf den Captain Jeremy. Die beiden lernen sich kennen und lieben. Doch just als sie sich entschließen, ihr gemeinsames Leben offiziell zu beginnen, wird Jeremy versetzt, Anna erfährt nichts mehr von ihm. Da sie schwanger von ihm ist, versucht sie noch einige Male, ihn zu erreichen, doch ohne Erfolg. Sie zieht ihre Tochter Charlotte unter widrigen Umständen auf. 40 Jahre später findet Charlotte die Tagebuchaufzeichnungen ihrer Mutter. Dort entdecken sowohl Charlotte wie auch der Leser Annas andere Seite kennen, denn sie hat die Liebe für Jeremy immer in ihrem Herzen bewahrt.

Mit diesem Buch ist Federica de Cesco ein Roman gelungen, der nicht nur die Liebe des Herzens besingt, sondern auch die schweren Jahre der Nachkriegszeit anschaulich wieder auferstehen lässt. Mit Anna erlebt der Leser den Hunger und die Beschwernis der Zeit direkt nach dem Krieg, aber auch die wunderschönen Erlebnisse mit ihrem geliebten Jeremy. Doch auch die Nachteile dieser Liebe werden nicht verborgen, denn beide müssen ihre Liebe sorgfältig verstecken, es ist für beide Seiten verpönt, eine Liaison mit der anderen einzugehen. Auch die Tochter Charlotte erhält den nötigen Raum, um ihre Gefühle und Gedanken Luft zu machen. Die Autorin beschönigt nichts, sie geht einfühlsam mit ihren Hauptfiguren um, so dass der Leser sich schnell in ihre Geschichte einfinden kann. Sehr berührt hat mich folgende Aussage der Protagonistin: „Ich habe verstanden, dass keiner von uns ohne Schuld war. Und dass Menschenleben nicht zählen, wenn die Geschichte rabiat wird. Der größte Zorn der Ameise nützt nichts, wenn sie der Stiefel zerdrückt.“ (S. 65)

Der Roman basiert auf einer wahren Begebenheit, die Autorin verwendet den Nachlass ihrer Tante, die mit ihrem Geliebten eine solche Geschichte voller Leidenschaft und Tragik erlebt hat. Einige Episoden hat sie dafür umgeschrieben. Doch man merkt der Erzählung sowohl das Herzblut der Autorin an und auch, wie realitätsnah dieses Buch geschrieben ist. Diese berührende Geschichte möchte ich sehr gerne weiterempfehlen.