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Gisel

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 10.02.2018

Rasant und fesselnd

Schlüssel 17
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Tom Babylon vom LKA Berlin wird zu einem Fall gerufen, der ihn bald mehr beschäftigt, als er zugibt: Die Dompfarrerin Brigitte Riss wird ermordet aufgefunden, aufgehängt in der Kuppel des Doms, bei ihr ...

Tom Babylon vom LKA Berlin wird zu einem Fall gerufen, der ihn bald mehr beschäftigt, als er zugibt: Die Dompfarrerin Brigitte Riss wird ermordet aufgefunden, aufgehängt in der Kuppel des Doms, bei ihr ein Schlüssel mit der Zahl 17. Tom kennt Brigitte Riebe, deren Tochter war Teil seiner Clique aus seiner Jugendzeit, und ein Schlüssel mit der Zahl 17 spielte auch eine Rolle, als seine Schwester Viola verschwand. Tom ist immer noch auf der Suche nach Viola, und deshalb kniet er sich in diesen Fall, zusammen mit der Psychologin Sita Johanns, wobei er sich oftmals nicht an das vorgeschriebene Vorgehen hält, sondern immer wieder mal am Rand der Legalität tätig wird.

Marc Raabe hat sich inzwischen mit seinen Thrillern einen Namen gemacht. Mit dem Ermittlerpaar Babylon und Johanns hat er zwei ausgefallene, aber auch geniale Ermittler geschaffen, die sich gegenseitig bestens ergänzen, auch wenn sie das selbst anfangs nicht so sehen. Etwas gewöhnungsbedürftig sind sie, mit ihrer jeweiligen Vergangenheit und ihrem Umgang damit. Lange lässt der Autor den Leser (und seine Ermittler) im Unklaren über die Bedeutung des Schlüssels, nur um dann eine umso gewaltigere Erklärung abzuliefern, die in einem furiosen Show-Down gipfelt. Der Spannung tut das während der gesamten Geschichte keinen Abbruch, im Gegenteil, die Seiten blättern sich fast von selbst weiter, so rastlos wie seine Protagonisten treibt auch der Leser durch die Erzählung hindurch. Doch nicht alle Handlungsfäden werden aufgelöst, es bleibt Stoff genug für eine Fortsetzung der Reihe, die sicherlich genauso rastlos und fesselnd daherkommen wird.

Nachdem Marc Raabe es bereits mit seinem ersten Thriller geschafft hat, mir äußerst spannende Lesestunden zu bereiten, bin ich ein Fan seiner Bücher geblieben und wurde dabei kein einziges Mal enttäuscht. Ganz klar vergebe ich auch hier eindeutige 5 Sterne sowie eine Leseempfehlung an alle, die an einem rasanten, aber auch blutigen Thriller mit einer klug aufgebauten Auflösung und überraschenden Wendungen interessiert sind.

Veröffentlicht am 09.02.2018

Den Platz in der Welt finden

Eine Insel zwischen Himmel und Meer
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Crow hat ihr junges Leben auf einer Insel verbracht, an die sie als neugeborener Säugling angespült wurde. Osh, der einzige Bewohner der Insel, hat sie bei sich aufgenommen, immer wieder unterstützt von ...

Crow hat ihr junges Leben auf einer Insel verbracht, an die sie als neugeborener Säugling angespült wurde. Osh, der einzige Bewohner der Insel, hat sie bei sich aufgenommen, immer wieder unterstützt von Miss Maggie von der Nachbarinsel. Crow möchte ihre Herkunft kennen, möchte wissen, wer sie als hilflosen Säugling liebevoll in ein anderes Leben geschickt hat. Osh und Miss Maggie unterstützen sie dabei, doch ihre Suche führt sie zu einem gefährlichen Abenteuer.

Crow begibt sich auf die Suche nach ihren Wurzeln, ein Thema, das uns Menschen beschäftigt, vor allem, wenn diese Wurzeln unbekannt sind. Sehr schön dargestellt ist Crows eher ungestüme Ungeduld, mehr über sich zu erfahren, während andererseits Osh alle Brücken zu seiner Vergangenheit abgebrochen hat. Und beide finden dabei ihren Platz in der Welt. Während das Geheimnis um Crows Eltern doch recht schnell gelöst wurde, bildet die Suche nach (und der anschließende Umgang mit) dem Schatz, dem Erbe der Mutter, einen weiteren Schwerpunkt, der Gelegenheiten gibt für viele Abenteuer. Erst dann ist Crow fester Bestandteil der Inselgesellschaft.

Wunderschön gestaltet ist das Coverbild: Mit den beiden Inseln und dem Boot sowie der stilisierten Feder stimmt es auf den Inhalt des Buches ein. Genauso stimmungsvoll ist die Geschichte erzählt, eine Mischung aus märchenhaften Anteilen und sehr authentisch wirkenden realistischen Charakteren. Sehr gut zeigt sich Crows Geborgenheit in ihrer völlig unüblichen Pflegefamilie von Anfang an, verbunden mit ihrer Entwicklung hin zu dem Erwachsenen, der sie mal werden wird.
Berührend erzählt, vielschichtig angelegt, kommt mir die Geschichte selbst vor wie ein kleiner Schatz. Die Sprache ist der jugendlichen Crow angemessen, doch kommt sie gleichzeitig so poetisch daher, dass es eine Freude ist, sich auf diese Erzählung einzulassen. Gerne empfehle ich diese Geschichte weiter, nicht nur an Jugendliche, sondern auch an Erwachsene.

Veröffentlicht am 07.02.2018

Spannende Exkursion zur Kultur der Inka

Geheimakte / Geheimakte Inkarrí
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Universitätsprofessor Crichton bricht mit fünf Studenten zu einer Exkursion nach Peru auf, auf der Suche nach der legendären Inka-Stadt Paititi, zusammen mit einem peruanischen Expertenteam. Doch sie geraten ...

Universitätsprofessor Crichton bricht mit fünf Studenten zu einer Exkursion nach Peru auf, auf der Suche nach der legendären Inka-Stadt Paititi, zusammen mit einem peruanischen Expertenteam. Doch sie geraten in Lebensgefahr. Da scheint jemand auf der Suche nach Reichtümern zu sein, während andere Verfolger die Expeditionsteilnehmer daran hindern möchten, sich auf die Spuren der Inkas zu begeben.

Dieses Buch ist Teil einer Reihe um den Studenten Max Falkenburg, dessen Eltern berühmte Archäologen waren. Dennoch lässt sich die Geschichte auch ohne Vorkenntnisse lesen, sie ist in sich abgeschlossen. Allerdings erschließen sich wohl einige Feinheiten besser, wenn man die verschiedenen Bände miteinander verknüpfen kann.

Bereits der Einstieg in die Geschichte ist spannend gestaltet, der Spannungsbogen bleibt konstant hoch bis zum Show-Down zum Ende der Geschichte. Die historischen Hintergründe um die Kultur der Mayas sind sorgfältig recherchiert und gut aufbereitet in diese Geschichte eingearbeitet, so dass man das Buch auch ohne Vorkenntnisse lesen kann. Mythologisches Wissen wird gekonnt aufgepeppt mit eigenen Ideen, daraus entstanden ist eine spannende Mischung, die bis zum Schluss zum Mitfiebern und Miträtseln einlädt. Überraschende Wendungen bringen zusätzlich Würze in die Geschichte.

Eine spannende Abenteuergeschichte nach Indiana-Jones-Art, mit geschichtlich fundiertem Wissen veredelt – das hat mir spannende Lesestunden beschert, deshalb von mir eine Leseempfehlung mit vier von fünf Sternen.

Veröffentlicht am 29.01.2018

Ein Buch mit vielen Facetten

All die Jahre
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21 Jahre alt ist Nora, als sie 1957 zusammen mit ihrer jüngeren Schwester Theresa nach Amerika auswandert. Dort trifft sie ihren Verlobten Charlie, sie hoffen auf eine bessere Zukunft als in ihrem Dorf ...

21 Jahre alt ist Nora, als sie 1957 zusammen mit ihrer jüngeren Schwester Theresa nach Amerika auswandert. Dort trifft sie ihren Verlobten Charlie, sie hoffen auf eine bessere Zukunft als in ihrem Dorf in Irland. Doch dann wird Theresa schwanger, und ihre Pläne werden völlig über den Haufen geworfen. Fünfzig Jahre später ist Theresa Priorin eines Nonnenklosters und Nora die Mutter von vier Kindern. Da stirbt ihr Ältester bei einem Autounfall. Nora und Theresa, jahrelang ohne Kontakt zueinander, müssen sich überlegen, ob sie aufeinander zugehen.

Sehr einfühlsam beschreibt die Autorin J. Courtney Sullivan, wie die beiden Schwestern mutig und erwartungsvoll in ihrem neuen Leben ankommen, die eine hat bisher die Mutterrolle der Jüngeren übernommen, da die Mutter selbst sehr früh gestorben war. Die Innigkeit der beiden Schwestern, ihre Verbundenheit kommen glaubwürdig herüber, um so unverständlicher erscheint es, dass der Kontakt der beiden irgendwann abbricht. Nach und nach lüftet die Autorin den Schleier des Familiengeheimnisses, das zu diesem Zerwürfnis geführt hat, fasst die Gedanken beider Frauen in Worte, so dass der Leser die Geschehnisse nachvollziehen kann. Wobei das Geheimnis selbst sehr schnell erraten ist, es geht eher darum, wie es zwangsläufig zu der Distanz zwischen den beiden Schwestern geführt hat.

Es sind die leisen Töne, die in diesem Buch berühren, die Zweifel, was das Richtige, Bessere gewesen wäre in der Situation, mit den Gegebenheiten der damaligen Zeit. Der kapitelweise Wechsel zwischen Gegenwart und Vergangenheit verbindet „all die Jahre“ miteinander. Sehr gut gelungen finde ich die Rückblenden in die Jugendjahre der Protagonistinnen, der Autorin gelingt es sehr gut, ein authentisches Bild der Einwanderergesellschaft speziell im irischen Milieu darzustellen.

Ein Buch mit vielen Facetten, das noch eine Weile nach dem Lesen nachwirkt. Von mir gibt es deshalb überzeugte vier Sterne und eine Leseempfehlung.

Veröffentlicht am 22.01.2018

Zwei Frauen auf der Suche nach sich selbst

Die Lichter von Paris
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Die junge Amerikanerin Madeleine scheint ein perfektes Leben zu haben: einen erfolgreichen Mann, ein schönes Zuhause und eine gute finanzielle Absicherung. Dennoch ist sie nicht glücklich. Sie hat sich ...

Die junge Amerikanerin Madeleine scheint ein perfektes Leben zu haben: einen erfolgreichen Mann, ein schönes Zuhause und eine gute finanzielle Absicherung. Dennoch ist sie nicht glücklich. Sie hat sich zeit ihres Lebens den Vorgaben anderer angepasst, ihre Wünsche und Träume sind auf der Strecke geblieben. Da entdeckt sie eines Tages auf dem Dachboden ihres Elternhauses die Tagebücher ihrer Großmutter. Beim Lesen erlebt sie deren Jugendzeit wieder und merkt, dass das auch Auswirkungen auf ihr eigenes Leben hat…

Die Autorin Eleanor Brown erzählt in zwei Zeitebenen die Geschichte von zwei Frauen auf der Suche nach sich selbst. Dadurch erlebt der Leser die Entwicklung beider Frauen sehr unmittelbar mit, wie sie sich zunächst den Zwängen ihrer Zeit (die sich erstaunlich ähnlich sind, trotz der Jahrzehnte dazwischen) anzupassen versuchen, dann aber merken, wie einengend diese sind. Besonders interessant fand ich hier den Weg der Großmutter, die im Paris der Zwanziger Jahre einen leuchtenden Sommer erlebt. Dennoch blieb einiges für mich eher unrealistisch, Maggies Erlebnisse werden wohl eher untypisch sein für ihre Zeit. Aber auch Madeleine erscheint mir nicht wie eine Frau kurz vor der Jahrtausendwende, zu sehr scheint sie ein Korsett vergangener Zeiten zu drücken. Dadurch wirkte das Buch für mich zeitweise sehr langatmig. Faszinierend bleibt, wie geschickt die Autorin die Handlungsfäden miteinander verknüpft, wie das Lesen der Tagebücher Madeleines Leben beeinflusst – und nebenbei noch ein Familiengeheimnis aufdeckt.

Leider hat mich das Buch nicht wirklich überzeugt, denn vor allem Madeleine scheint nicht in unsere Zeit zu gehören. Sie lässt sich zu viel vorschreiben von ihrem Mann, davor von ihren Eltern, hat panische Angst vor einer Scheidung und ist äußerst unselbständig. Dieser „goldene Käfig“ passt nicht in die Zeit, die die Autorin für die junge Frau ausgesucht hat, und so habe ich mich mit dieser Figur kaum identifizieren können, die Geschichte erscheint mir eher unrealistisch. Deshalb kann ich leider nur 3 von 5 Sternen vergeben.