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Gisel

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 19.11.2024

Am Ende eines Lebens

Reise nach Laredo
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Der zurückgetretene König Karl hat sich in ein abgelegenes Kloster in Spanien zurückgezogen. Er ist krank und gebrechlich, wartet dort auf sein Ende. Als der elfjährige Geronimo auftaucht, sein illegitimer ...

Der zurückgetretene König Karl hat sich in ein abgelegenes Kloster in Spanien zurückgezogen. Er ist krank und gebrechlich, wartet dort auf sein Ende. Als der elfjährige Geronimo auftaucht, sein illegitimer Sohn, der allerdings nicht weiß, wer sein Vater ist, beschließen die beiden gemeinsam, auf ein Abenteuer aufzubrechen. Nachts treffen sie sich, Pferd und Maulesel sind gesattelt, und auf geht es, in einige ungewisse Tage. Karl lernt einiges kennen, was er bisher trotz seiner Funktion als König nie kennenlernen konnte: Freundschaft, Liebe, Unbeschwertheit, ja Freiheit, das Leben allein im Augenblick.

Es mutet fantastisch an, trotz all der Gebrechlichkeit des sterbenden Königs auf ein Abenteuer aufzubrechen, das ihm die Augen öffnet für ein Leben, das er nie haben durfte. Ist es Realität, ist es eher ein Traum, der den alternden König so kurz vor dem Tod noch einige Höhepunkte beschert? So richtig weiß man es nicht, man ahnt es nur. Doch irgendwann überwiegt die Düsternis der Erzählung, und hier konnte ich mit der Geschichte nicht mehr wirklich mitgehen. Vor allem aber fehlte mir die Spannung in der Erzählung, meistens plätschert die Geschichte ein bisschen vor sich hin.

So richtig überzeugt hat mich das Buch nicht, so dass ich 3 von 5 Sternen vergebe.

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Veröffentlicht am 19.11.2024

Eine Geschichte nach einer wahren Begebenheit

Die Gräfin
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Als 1944 vor der Hallig Südfall ein Flugzeug abstürzt, ist es für die dort zurückgezogen lebende achtzigjährige „Hallig-Gräfin“ selbstverständlich, ihn zu retten. Doch auf beiden Seiten herrscht Misstrauen: ...

Als 1944 vor der Hallig Südfall ein Flugzeug abstürzt, ist es für die dort zurückgezogen lebende achtzigjährige „Hallig-Gräfin“ selbstverständlich, ihn zu retten. Doch auf beiden Seiten herrscht Misstrauen: Der junge Pilot muss erst eruieren, ob man ihm feindlich gegenübersteht, ja vielleicht auch verrät; die Gräfin und ihr Haushalt müssen ihn so verstecken, dass keiner von seiner Anwesenheit ahnt, ist sie doch bereits den überzeugten Nazis aufgefallen. Das Leben auf der Hallig ändert sich plötzlich und schlagartig, und das löst Emotionen und Erinnerungen aus.

Die Geschichte stützt sich auf die Erzählungen von der historisch verbrieften Gräfin, von der man sich auch heute noch erzählt. So könnte es tatsächlich damals gewesen sein, denkt man beim Lesen. Die Geschichte wird sehr stringent erzählt und ist teilweise sehr von plattdeutschen Sätzen gespickt; hier kam ich leider immer wieder aus dem Lesefluss, weil ich mir so manches erst zusammenreimen musste. So originell ich das Plattdeutsche finde, so erschließt sich nicht immer alles sofort. Dabei ist die Erzählung recht kurz geraten und überrascht mit einem völlig offenen Ende, was mich äußerst irritiert hat.

Die Erzählung hat mich nicht in jeder Hinsicht überzeugen können, so spannend ich das Geschehen auch finde. Ich vergebe 3 von 5 Sternen.

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Veröffentlicht am 19.11.2024

Eindrücklich bedrückend

Als wir Schwäne waren
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Ein Junge von zehn Jahren landet im Ruhrgebiet, er ist mit seiner Familie aus dem Iran geflohen. Hier lebt er in einer Siedlung, wo man die Armut an allen Ecken und Enden spürt – und sie auch beim Betreten ...

Ein Junge von zehn Jahren landet im Ruhrgebiet, er ist mit seiner Familie aus dem Iran geflohen. Hier lebt er in einer Siedlung, wo man die Armut an allen Ecken und Enden spürt – und sie auch beim Betreten der Hausfluren riecht. Die Mutter ist Soziologin, der Vater ein Schriftsteller, in dessen Sprache es fünfzehn verschiedene Begriffe für Stolz gibt. Doch auf den Straßen Deutschlands herrscht Gewalt, hier muss sich der Junge erstmal zurechtfinden. Er wird zum Beobachter und versucht das Land zu begreifen. In ihm wächst die Wut über dieses Leben…

Die Geschichte ist vermutlich mit autobiografischen Elementen durchsetzt, so dass ich zunächst sehr gespannt darauf war, Deutschland mit fremden Augen zu erfahren. Doch je mehr ich las, umso mehr Wut kam in mir auf, Wut über diese Gewalt, in der sich die jungen Menschen in dieser Siedlung zurechtfinden müssen. Die Erzählungen sind sehr emotional, sie zeigen das Ringen um Würde, während der soziale Abstieg droht. Das war schwer zu ertragen beim Lesen – umso mehr als ich mir nicht sicher sein kann, wieviel Stolz über die kriminellen Taten hier noch mitschwingen. Zudem fehlte mir zunehmend der rote Faden der Geschichte.

Die Erzählung dieses Jungen hat mich sehr wütend hinterlassen, letztendlich aber auch ein bisschen hilflos darüber, wie ich das Gelesene wirklich einordne. So wichtig ich den Inhalt finde, konnte ich mich mit dem Stil der Erzählung nicht ganz anfreunden. Ich vergebe 3 von 5 Sternen.

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Veröffentlicht am 16.11.2024

Interessantes Ermittlerduo

Tode, die wir sterben
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Im Brennpunktviertel Hermodsdal wird ein Teenager erschossen. Von Anfang an ist klar, dass dies den Drogenbandenkriegen zuzurechnen ist. Der frischverwitwete Kommissar Jan Nordh und die strafversetzte ...

Im Brennpunktviertel Hermodsdal wird ein Teenager erschossen. Von Anfang an ist klar, dass dies den Drogenbandenkriegen zuzurechnen ist. Der frischverwitwete Kommissar Jan Nordh und die strafversetzte nordschwedische Ermittlerin Svea Karhuu sollen hier ermitteln. Für Jan soll dieser Fall nicht nur die Rückkehr in den Beruf bedeuten, sondern er will damit auch an Informationen über den Unfall seiner Frau kommen. Svea möchte sich durch diesen Fall bewähren, weil ein vorheriger Undercover-Einsatz auf tragische Weise schief ging. Und so kämpfen beide nicht nur gegen einen unerbittlichen Gegner an, sondern auch mit ihrer schwierigen Vergangenheit.

Es ist keine einfache Konstellation, in der die beiden Ermittler hier Erfolge einholen sollen. Die Bandenkriege sind dafür bekannt, brutal zu sein, und doch scheint der Tod des Teenagers einen besonderen Tiefpunkt aufzuzeigen. Bedrückend ist es, vom Leben in diesem Problemviertel zu lesen, vor allem, weil dies nicht der letzte Tote sein wird. Die Ermittler sind auch privat in einer schwierigen Situation, sie stehen unter dem Druck der Öffentlichkeit, aber auch dem Bewährungsdruck, weil vom Ergebnis ihrer Ermittlungen ihre Zukunft abhängt. Dabei überrascht die Geschichte mit einigen unerwarteten Wendungen. Ich bin schon auf weitere Fälle mit diesem Ermittlerpaar neugierig.

Mich hat das Buch bestens unterhalten können, so dass ich es sehr gerne weiter empfehle. Ich vergebe 4 von 5 Sternen.

Veröffentlicht am 14.11.2024

Das Dickicht der Vergangenheit

Das Dickicht
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Juha Korhonen und sein Kollege Lucas Adisa, genannt Lux, vom LKA Hamburg werden zu einem Entführungsfall hinzugezogen, erinnern die Umstände doch sehr an eine Entführung von vor fast zwei Jahrzehnten. ...

Juha Korhonen und sein Kollege Lucas Adisa, genannt Lux, vom LKA Hamburg werden zu einem Entführungsfall hinzugezogen, erinnern die Umstände doch sehr an eine Entführung von vor fast zwei Jahrzehnten. Es war einer der ersten Fälle von Juha, sein damaliger Kollege war bis zu seinem Tod getrieben davon, den tragischen Fall von damals doch noch zu lösen. Damals starb der vierzehnjährige Daniel Boysen nach einer Entführung in einer Kiste im Wald, jede Hilfe kam zu spät. Der Täter beging kurz danach Suizid. Doch nun machen sich Juha und Lux nochmal Gedanken über den alten Fall, und ihnen fallen Unstimmigkeiten auf, die zu einer neuen Sichtweise auf die damaligen Geschehnissen führen…

Es ist spannend, wie ein neuer Fall zu einem Cold Case führt und die Ermittler dazu bringt, ihn erneut aufzunehmen. Sie dringen tief in das Dickicht der Vergangenheit ein und finden Hinweise, die damals übersehen wurden. Die beiden Kommissare sind äußerst unterschiedlich, doch genau deshalb ergänzen sie sich aufs Beste und können sich in diesen Fall so vertiefen, dass sie tatsächlich neue Erkenntnisse gewinnen. Die Auflösung hat es in sich: Auch wenn ich irgendwann ahnte, worauf es hinausläuft, war ich letztendlich doch davon überrascht. Auf weitere Fälle dieser beiden Ermittler bin ich schon sehr gespannt.

Mich hat dieser Kriminalfall bestens unterhalten können, so dass ich ihn sehr gerne weiter empfehle. Ich vergebe 4 von 5 Sternen.

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