Platzhalter für Profilbild

Gisel

Lesejury Star
offline

Gisel ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Gisel über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 19.11.2024

Eine Geschichte nach einer wahren Begebenheit

Die Gräfin
0

Als 1944 vor der Hallig Südfall ein Flugzeug abstürzt, ist es für die dort zurückgezogen lebende achtzigjährige „Hallig-Gräfin“ selbstverständlich, ihn zu retten. Doch auf beiden Seiten herrscht Misstrauen: ...

Als 1944 vor der Hallig Südfall ein Flugzeug abstürzt, ist es für die dort zurückgezogen lebende achtzigjährige „Hallig-Gräfin“ selbstverständlich, ihn zu retten. Doch auf beiden Seiten herrscht Misstrauen: Der junge Pilot muss erst eruieren, ob man ihm feindlich gegenübersteht, ja vielleicht auch verrät; die Gräfin und ihr Haushalt müssen ihn so verstecken, dass keiner von seiner Anwesenheit ahnt, ist sie doch bereits den überzeugten Nazis aufgefallen. Das Leben auf der Hallig ändert sich plötzlich und schlagartig, und das löst Emotionen und Erinnerungen aus.

Die Geschichte stützt sich auf die Erzählungen von der historisch verbrieften Gräfin, von der man sich auch heute noch erzählt. So könnte es tatsächlich damals gewesen sein, denkt man beim Lesen. Die Geschichte wird sehr stringent erzählt und ist teilweise sehr von plattdeutschen Sätzen gespickt; hier kam ich leider immer wieder aus dem Lesefluss, weil ich mir so manches erst zusammenreimen musste. So originell ich das Plattdeutsche finde, so erschließt sich nicht immer alles sofort. Dabei ist die Erzählung recht kurz geraten und überrascht mit einem völlig offenen Ende, was mich äußerst irritiert hat.

Die Erzählung hat mich nicht in jeder Hinsicht überzeugen können, so spannend ich das Geschehen auch finde. Ich vergebe 3 von 5 Sternen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 19.11.2024

Eindrücklich bedrückend

Als wir Schwäne waren
0

Ein Junge von zehn Jahren landet im Ruhrgebiet, er ist mit seiner Familie aus dem Iran geflohen. Hier lebt er in einer Siedlung, wo man die Armut an allen Ecken und Enden spürt – und sie auch beim Betreten ...

Ein Junge von zehn Jahren landet im Ruhrgebiet, er ist mit seiner Familie aus dem Iran geflohen. Hier lebt er in einer Siedlung, wo man die Armut an allen Ecken und Enden spürt – und sie auch beim Betreten der Hausfluren riecht. Die Mutter ist Soziologin, der Vater ein Schriftsteller, in dessen Sprache es fünfzehn verschiedene Begriffe für Stolz gibt. Doch auf den Straßen Deutschlands herrscht Gewalt, hier muss sich der Junge erstmal zurechtfinden. Er wird zum Beobachter und versucht das Land zu begreifen. In ihm wächst die Wut über dieses Leben…

Die Geschichte ist vermutlich mit autobiografischen Elementen durchsetzt, so dass ich zunächst sehr gespannt darauf war, Deutschland mit fremden Augen zu erfahren. Doch je mehr ich las, umso mehr Wut kam in mir auf, Wut über diese Gewalt, in der sich die jungen Menschen in dieser Siedlung zurechtfinden müssen. Die Erzählungen sind sehr emotional, sie zeigen das Ringen um Würde, während der soziale Abstieg droht. Das war schwer zu ertragen beim Lesen – umso mehr als ich mir nicht sicher sein kann, wieviel Stolz über die kriminellen Taten hier noch mitschwingen. Zudem fehlte mir zunehmend der rote Faden der Geschichte.

Die Erzählung dieses Jungen hat mich sehr wütend hinterlassen, letztendlich aber auch ein bisschen hilflos darüber, wie ich das Gelesene wirklich einordne. So wichtig ich den Inhalt finde, konnte ich mich mit dem Stil der Erzählung nicht ganz anfreunden. Ich vergebe 3 von 5 Sternen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 16.11.2024

Interessantes Ermittlerduo

Tode, die wir sterben
0

Im Brennpunktviertel Hermodsdal wird ein Teenager erschossen. Von Anfang an ist klar, dass dies den Drogenbandenkriegen zuzurechnen ist. Der frischverwitwete Kommissar Jan Nordh und die strafversetzte ...

Im Brennpunktviertel Hermodsdal wird ein Teenager erschossen. Von Anfang an ist klar, dass dies den Drogenbandenkriegen zuzurechnen ist. Der frischverwitwete Kommissar Jan Nordh und die strafversetzte nordschwedische Ermittlerin Svea Karhuu sollen hier ermitteln. Für Jan soll dieser Fall nicht nur die Rückkehr in den Beruf bedeuten, sondern er will damit auch an Informationen über den Unfall seiner Frau kommen. Svea möchte sich durch diesen Fall bewähren, weil ein vorheriger Undercover-Einsatz auf tragische Weise schief ging. Und so kämpfen beide nicht nur gegen einen unerbittlichen Gegner an, sondern auch mit ihrer schwierigen Vergangenheit.

Es ist keine einfache Konstellation, in der die beiden Ermittler hier Erfolge einholen sollen. Die Bandenkriege sind dafür bekannt, brutal zu sein, und doch scheint der Tod des Teenagers einen besonderen Tiefpunkt aufzuzeigen. Bedrückend ist es, vom Leben in diesem Problemviertel zu lesen, vor allem, weil dies nicht der letzte Tote sein wird. Die Ermittler sind auch privat in einer schwierigen Situation, sie stehen unter dem Druck der Öffentlichkeit, aber auch dem Bewährungsdruck, weil vom Ergebnis ihrer Ermittlungen ihre Zukunft abhängt. Dabei überrascht die Geschichte mit einigen unerwarteten Wendungen. Ich bin schon auf weitere Fälle mit diesem Ermittlerpaar neugierig.

Mich hat das Buch bestens unterhalten können, so dass ich es sehr gerne weiter empfehle. Ich vergebe 4 von 5 Sternen.

Veröffentlicht am 14.11.2024

Das Dickicht der Vergangenheit

Das Dickicht
0

Juha Korhonen und sein Kollege Lucas Adisa, genannt Lux, vom LKA Hamburg werden zu einem Entführungsfall hinzugezogen, erinnern die Umstände doch sehr an eine Entführung von vor fast zwei Jahrzehnten. ...

Juha Korhonen und sein Kollege Lucas Adisa, genannt Lux, vom LKA Hamburg werden zu einem Entführungsfall hinzugezogen, erinnern die Umstände doch sehr an eine Entführung von vor fast zwei Jahrzehnten. Es war einer der ersten Fälle von Juha, sein damaliger Kollege war bis zu seinem Tod getrieben davon, den tragischen Fall von damals doch noch zu lösen. Damals starb der vierzehnjährige Daniel Boysen nach einer Entführung in einer Kiste im Wald, jede Hilfe kam zu spät. Der Täter beging kurz danach Suizid. Doch nun machen sich Juha und Lux nochmal Gedanken über den alten Fall, und ihnen fallen Unstimmigkeiten auf, die zu einer neuen Sichtweise auf die damaligen Geschehnissen führen…

Es ist spannend, wie ein neuer Fall zu einem Cold Case führt und die Ermittler dazu bringt, ihn erneut aufzunehmen. Sie dringen tief in das Dickicht der Vergangenheit ein und finden Hinweise, die damals übersehen wurden. Die beiden Kommissare sind äußerst unterschiedlich, doch genau deshalb ergänzen sie sich aufs Beste und können sich in diesen Fall so vertiefen, dass sie tatsächlich neue Erkenntnisse gewinnen. Die Auflösung hat es in sich: Auch wenn ich irgendwann ahnte, worauf es hinausläuft, war ich letztendlich doch davon überrascht. Auf weitere Fälle dieser beiden Ermittler bin ich schon sehr gespannt.

Mich hat dieser Kriminalfall bestens unterhalten können, so dass ich ihn sehr gerne weiter empfehle. Ich vergebe 4 von 5 Sternen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 14.11.2024

Queere Ermittlerin

Verbrannte Gnade
0

Schwester Holiday ist eine von vier Schwestern, die in einer Klosterschule unterrichten. Ein Brand in der Schule führt dazu, dass der Hausmeister Jack stirbt. Holiday fühlt sich als Hobbydetektivin berufen, ...

Schwester Holiday ist eine von vier Schwestern, die in einer Klosterschule unterrichten. Ein Brand in der Schule führt dazu, dass der Hausmeister Jack stirbt. Holiday fühlt sich als Hobbydetektivin berufen, umso mehr als die Polizei kaum zu ermitteln scheint. Holidays Ermittlungen führen sie zu Verdächtigungen gegenüber ihren Mitschwestern, was die hitzige Atmosphäre weiter aufheizt. Auf eine überraschende Weise führt dieser Fall dazu, dass sich Schwester Holiday mit ihrer eigenen Vergangenheit auseinandersetzen muss.

Schwester Holiday entspricht so überhaupt nicht dem, was man sich so von Nonnen erwartet: Zu einer schwierigen Vergangenheit gehören auch eine tätowierte Haut und die Liebe zum Punkrock sowie das Kettenrauchen. Vor allem aber ist es Schwester Holiday wichtig, sich dazu zu bekennen, dass sie queer ist. Doch so ganz konnte ich mich in sie nicht hineinfühlen, zu sehr scheint sie dafür zu kämpfen, sich als queer und Detektivin und Nonne darzustellen, das alles noch mit einer schwierigen Vergangenheit. Den Schreibstil habe ich als sehr gewöhnungsbedürftig empfunden, teilweise kam er mir sehr stakkato-artig daher. Ich habe mich schon bald nur noch durch das Buch durchgequält, eine weitere Folge mit dieser ermittelnden Schwester werde ich sicher nicht lesen.

Der Stil dieses Buches liegt mir eindeutig nicht, so dass ich mich schwer tue mit einer Empfehlung. Zum Glück aber sind die Geschmäcker äußerst unterschiedlich, so dass sich andere Leser besser mit diesem Buch zurechtfinden können. Ich vergebe 3 von 5 Sternen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere