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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 10.03.2018

Unterhaltsam und amüsant

Planetenpolka
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Stella Albrecht, Astrologin und intensive Beobachterin ihrer Umwelt, hegt den Verdacht, dass die alte Freundin ihrer Großmutter Cäcilie von Breidenbach nicht eines natürlichen Todes gestorben ist. Laut ...

Stella Albrecht, Astrologin und intensive Beobachterin ihrer Umwelt, hegt den Verdacht, dass die alte Freundin ihrer Großmutter Cäcilie von Breidenbach nicht eines natürlichen Todes gestorben ist. Laut Aussage ihrer Oma Maria war Cäcilie kerngesund. Sie wollte sogar mit ihrer Nichte Undine eine Weltreise unternehmen. Zahlreiche Beobachtungen und Recherchen seitens Ihres Freundes, des Journalisten Ben, bestärken sie in ihrem Verdacht. Vertrauensvoll wendet sie sich an die Polizei. Bei Kriminalkommissar Arno Tillikowski war sie da erst einmal an der falschen Stelle, ohne verwertbare Beweise könne er nichts unternehmen. Und überhaupt halte er von Astrologie gar nichts. Aber Stella ermittelt mithilfe ihres Freundes und ihrer Oma weiter und gegen seinen Willen ist auch Arnos Jagdinstinkt geweckt.

Das Genre Krimödie war mir bis heute unbekannt, hat sich aber als unterhaltsame und amüsante Lektüre erwiesen. Was an Spannung im ersten Drittel fehlte, wurde durch kurzweilige Vorstellung der etwas ungewöhnlichen Hausgemeinschaft der Damen Maria Schmitz, ihrer Tochter Felicitas Albrecht und ihrer Enkelin Stella Albrecht wettgemacht. Die Erbengemeinschaft der verstorbenen Cäcilia von Breidenbach lernen wir durch die Nachforschungen des Journalisten und Freundes von Stella, Ben Glaeser, kennen. Auch der ungläubige, aber durchaus gründliche Kriminalkommissar Arno Tillikowski recherchiert im Rahmen seiner Möglichkeiten. Hausgemeinschaft und das Nachforschungsteam werden uns sicher ebenso wie der nette und hilfsbereite Onkel Otto in den folgenden Fällen dieser neuen Reihe begleiten.
Es hat Spaß gemacht Stella und ihre Freunde beim Fachsimpeln und Schlussfolgern zu beobachten. Ein bisschen über Astrologie oder besser über die Möglichkeiten der Scharlatanerie haben wir lernen dürfen, vor allem dass Vieles mit Beobachtungsgabe zu tun hat.
Ein bisschen mehr Ruhrpott-Slang hätte ich mir gewünscht. Gleich auf Seite 6 wurde ich mit einem Monolog im besten Ruhrpott-Dialekt begrüßt, aber leider fanden die folgenden Dialoge alle in Hochdeutsch statt. Wenn man den Ruhrpott kennt, konnte man allerdings auch ohne Dialekt in Art und Weise des Verhaltens und Gedankenaustauschs den Ruhrpottler erkennen.
Der Kriminalfall schien mir allerdings etwas konstruiert, aber das ist Geschmacksache. Die Kombination Krimi und Komödie ist gelungen. Es war amüsant und kurzweilig. Dafür schon mal danke und ich freue mich auf mehr.

Veröffentlicht am 22.02.2018

Spannend und hintergründig - mehr als nur ein Thriller

Aisha
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Vizekriminalkommissar Axel Steen wird überraschenderweise an den Tatort eines außergewöhnlich brutalen Mordes gerufen, hatte man ihm doch nach seiner Rekonvaleszenz nur harmlose Fälle zugeteilt. ...

Vizekriminalkommissar Axel Steen wird überraschenderweise an den Tatort eines außergewöhnlich brutalen Mordes gerufen, hatte man ihm doch nach seiner Rekonvaleszenz nur harmlose Fälle zugeteilt. Ein ehemaliger Kollege des dänischen Geheimdienstes PET wurde gefoltert, seine Augenlider wurden bei lebendigem Leibe entfernt und anschließend getötet. Kurze Zeit später entdecken Steen und der ihm zugeteilte PET-Beamte Khalid einen weiteren toten Kollegen. Steen vermutet den Auslöser der Verbrechen in einem 4 Jahre alten Antiterroreinsatz des PET an dem beide Kollegen beteiligt waren. Aber er wird ausgebremst vom Leiter der PET Jens Jessen, seiner Freundin Henriette, auch PET Beamtin, sowie von seinem neuen Partner.
Natürlich ermittelt er auf eigene Faust weiter. Er wird rückfällig in alte Strukturen, gefährdet das Leben seiner Familie und spürt dem Schicksal von Aisha nach.

Dies ist der vierte Band der Steen-Reihe, aber mein Erster.
Axel Steens Vorleben wird immer wieder reflektiert, so dass auch ein Serienanfänger die Hintergründe nachvollziehen kann. Der Thriller ist durchweg spannend, wird in zwei Zeitebenen erzählt und in jeder fieberte ich dem Fortgang entgegen.

Neben dem äußerst brutalen und kniffeligen Fall reißt er viele wichtige und aktuelle Themen an und legt den Finger in die offenen Wunden, zum Beispiel die Antiterrorpraktiken der USA und ihre Zusammenarbeit mit den Geheimdiensten anderer Nationen, Rassismus im Allgemeinen und gegen Moslems im Besonderen, Karrierechancen von Frauen, die immer besser, härter, taffer und flexibler als ihre Kollegen sein müssen.

Der Thriller ist gut strukturiert und logisch aufgebaut. Als Leser hat man immer wieder Information an die Hand bekommen, so dass man munter mitermitteln konnte. Auch bei mir wechselten die Verdächtigen, obwohl der letztlich Verdächtige immer wieder im Spot beleuchtet wurde.

Einige wenige Schwächen, Steens zu lange Befindlichkeitsbeschreibung oder auch bei der Entführung der Kinder, da empfand ich Emmas Einsatz als übertrieben und unrealistisch, haben aber meine Begeisterung nicht getrübt.

Für die Fortsetzung der Reihe ist auch gesorgt. Der Fall konnte nicht in jeder Hinsicht gelöst werden. Einige Fragen blieben noch offen und ich freue jetzt schon auf Steens Strategie und Reaktion.

Veröffentlicht am 19.10.2017

Spannend aber auch irritierend

Schmidt ist tot
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Schmidt Patrick, wie er sich gerne vorstellt, erhält am frühen Morgen ein verwirrendes Telefongespräch von einem Herrn Müller von der Wiener Kriminalpolizei. Ihm wird in wenigen dünnen Worten mitgeteilt, ...

Schmidt Patrick, wie er sich gerne vorstellt, erhält am frühen Morgen ein verwirrendes Telefongespräch von einem Herrn Müller von der Wiener Kriminalpolizei. Ihm wird in wenigen dünnen Worten mitgeteilt, dass sein Bruder René Schmidt verstorben sei. Patrick möge nach Wien kommen. Nach mehreren Rückfragen erfährt Patrick, dass sein Bruder als Terrorist verdächtigt, verhaftet wurde und in der Haft Selbstmord begangen hat. Obwohl Patrick die ganze Affäre immer noch für einen Scherz seines Bruders hält, begibt er sich nach Wien um der Sache auf den Grund zu gehen. In Wien geschehen seltsame Dinge und Patrick fühlt sich verfolgt.
Wer ist die Frau auf der Beerdigung? Ist René jemand, der Selbstmord begeht? Fragen, die es zu beantworten gilt.

Ich habe mich etwas schwer getan mit diesem Roman. Die besondere Art der Erzählweise und der Dialoge war mir bereits in der Leseprobe aufgefallen. Die Denk- und Handlungsweise von Patrick sorgt nicht gerade für ein furioses Tempo, hat aber auch einen besonderen Charme. Trotzdem verspürte ich immer wieder Ungeduld aufwallen und hatte das Gefühl von Patricks Gedankengänge eingelullt zu werden.
Die Handlung geht in winzigen Schritten, die auch stets von Rückblendungen zu gemeinsamen Erlebnissen der Brüder unterbrochen wird, voran. Trotzdem gelingt es dem Autor die Situation um Patrick immer geheimnisvoller und bedrohlicher werden zu lassen. Im letzten Drittel überschlagen sich die Ereignisse und der Roman entwickelt sich zu einem richtigen Krimi. Mir erschien das Ende allerdings etwas übertrieben.
Versöhnt hat mich dann etwas der Prolog am Ende des Romans sowie der Epilog, der in eine positive Richtung blicken ließ.

Veröffentlicht am 30.09.2017

Düstere Vergangenheit

Nachts am Brenner
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Commissario Grauner und sein neapolitanischer Kollege Ispettore Saltapepe haben es mit einen mysteriösen Fall zu tun, in dem sie anfänglich keine Zusammenhänge finden können. Zwei alte Männer, Mitglieder ...

Commissario Grauner und sein neapolitanischer Kollege Ispettore Saltapepe haben es mit einen mysteriösen Fall zu tun, in dem sie anfänglich keine Zusammenhänge finden können. Zwei alte Männer, Mitglieder einer Kartenspielgruppe, die ihr Leben gelebt haben, werden auf brutale Weise nach einander ermordet. Sind die anderen beiden Mitglieder der Gruppe, die täglich zusammen sitzen, auch gefährdet? Ist etwas in der Vergangenheit dieser Männer passiert, das den Beiden jetzt zum Verhängnis wurde? Sind die veränderten Strukturen und Lebensbedingungen am Brenner die Ursache?
Grauner befürchtet aufgrund einer am Tatort gefundenen Visitenkarte, dass auch der nie geklärte Mord an seinen Eltern etwas mit diesen Verbrechen zu tun hat. Eine zermürbende und die Seele belastendende Ermittlungsarbeit beginnt.

Schon das Cover gibt einen Einblick in die Stimmung dieses Krimis. Ich habe selten einen Krimi mit so viel Lokalkolorit gelesen. Lenz Koppelstätter versteht es meisterlich die Seele und Gedankenwelt der Südtiroler insbesondere der Einheimischen vom Brenner aufzufächern. Die Sehnsüchte und Vorstellung des aus Neapel stammenden Kollegen Saltapepe zeigen deutlich den Unterschied zu den anderen Regionen Italiens.
Für mich als Niederrheinerin waren die Karten am Anfang und Ende des Buches besonders hilfreich und interessant. Die vielen Informationen über die ehemalige Grenzstation und die strukturellen Veränderungen nach dem Öffnen der Grenzen und den Autobahnbau waren für mich völlig neu und haben zum besseren Verständnis der heutigen Situation geführt.

Dieser Krimi aus Südtirol ist tiefgründig und vielschichtig. Die Spannung, die sich nach den beiden brutalen Morden aufbaut verliert nie an Intensität, weil nach jeder Sackgassenspur eine neue Spur, ein neuer Hinweis in Erscheinung tritt. Die Qualen, die Grauner während seiner privaten Ermittlungen erleiden muss, machen das Erspüren neuer Schlussfolgerungen immer dringlicher. Die Figur des etwas eigensinnigen Ermittlers Grauner ist ganz genau gezeichnet. Man hat das Gefühl die Person vor sich zu sehen und zu hören.

Es hat Spaß gemacht diesen Krimi zu lesen. Es war mein erster Krimi von Lenz Koppelstätter, aber bestimmt nicht mein letzter.

Veröffentlicht am 21.09.2017

Dunkel, Gefährlich, Erbarmungslos

SOG
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Der zweite Fall für Kommissar Huldar und Kinderpsychologin Freyja. Zunächst geht es um einen „Dummen-Jungen-Streich“. In einer Zeitkapsel wird ein Aufsatz mit Mordankündigungen gefunden. Steckt mehr dahinter? ...

Der zweite Fall für Kommissar Huldar und Kinderpsychologin Freyja. Zunächst geht es um einen „Dummen-Jungen-Streich“. In einer Zeitkapsel wird ein Aufsatz mit Mordankündigungen gefunden. Steckt mehr dahinter? Kommissar Huldar geht der Sache auf den Grund. In der Folge macht die Mordkommission grausame Funde. Abgetrennte Hände, eine Leiche mit kuriosem Auffindungsszenarium, abgetrennt Füße, niemand hat etwas gesehen und niemand sieht Zusammenhänge.
Wird Kommissar Huldar einen Weg durch dieses Chaos finden, nachdem er nach seinem letzten Fall degradiert wurde?

Dunkel, gefährlich, erbarmungslos, genauso kommt dieser Thriller daher.
Zunächst wird die Hintergrundgeschichte von Kommissar Hulda und Kinderpsychologin Freyja weiter beleuchtet, aber schon bald holt den verunsicherten Huldar das grausame Szenarium ein. In mühevoller Kleinarbeit kommt er Stück für Stück den Zusammenhängen auf die Spur. Neben den grausamen Verbrechen, die immer mehr zu Tage treten, wird viel von der erfolglosen und zermürbenden Ermittlungsarbeit sichtbar gemacht. Es zeigt sich schnell, dass Kommissar Huldar zwar nicht der geborene Chef in der Mordkommission ist, aber dass er flexibel in seinen Ermittlungen ist und dadurch Zusammenhänge erkennt, die andere nicht wahrhaben wollen. Während er akribisch jede Spur verfolgt, stolpert er tollpatschig durch seine Privatleben. Immer wieder wird im Kontrast zu den grausamen Verbrechen die emotionale Gedankenwelt von Huldar und Freyja eingeblendet. Wobei die Dramatik ihrer Beziehung unbedeutend anmutet in Hinblick auf die zu ermittelnden Grausamkeiten, aber sie lassen den Leser kurz durchatmen bei den zu lesenden Abscheulichkeiten.

Der Thriller ist spannend bis zur letzten Seite. Die Sprache ist einfach und gut zu lesen.
Die Lösung beziehungsweise Täterermittlung ist logisch und nachvollziehbar aufgebaut.
Manche Szenen waren zu hart und brutal für mich, aber das eigentlich brutale war nicht die Beschreibungen der Autorin, sondern das Kopfkino, was sie auslösten.

Yrsa Sigurdardóttir hat hier einen liebenswerten, aber auch stahlharten Ermittler geschaffen, der sicher noch viele Fälle mit der Kinderpsychologin lösen wird.