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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 01.11.2025

Bleibt etwas an der Oberfläche

Einfach Weike - Nicht perfekt, aber genau richtig
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"Einfach Weike" ist ein Kinderbuch für 10–12-Jährige und wurde von unserer 12jährigen Tochter gelesen, daher gibt die Rezension vor allem ihre Meinung wider.
Weike zieht eher unfreiwillig aus der Großstadt ...

"Einfach Weike" ist ein Kinderbuch für 10–12-Jährige und wurde von unserer 12jährigen Tochter gelesen, daher gibt die Rezension vor allem ihre Meinung wider.
Weike zieht eher unfreiwillig aus der Großstadt auf's Land, wo sie erst ihren Platz mit Freunden und Zugehörigkeit finden muss. Jedes Kapitel wird mit einer passenden Illustration eingeleitet, die die Handlung widerspiegeln. Inhaltlich streift das Buch viele Themen, die eigentlich viele Kinder kennen und wiedererkennen wie Freundschaft, authentisch sein, Selbstfindung, Mut. Das könnte durchaus unterhaltsam sein, erweckt hier jedoch irgendwie einen oberflächlichen Eindruck. Immer wieder gibt es originelle Szenen mit einem charmanten Humor. Allerdings bleiben die Charaktere – inklusive Weike – blass und schemenhaft.
Für Kinder in Umbruchphasen oder mit Fragen zum Dazugehören kann "Einfach Weike" durchaus inspirierend sein. Unsere Tochter konnte das Buch jedoch nicht wirklich packen. Alles in allem ein nettes Kinderbuch, das man aber vielleicht nicht unbedingt gelesen haben muss.

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Veröffentlicht am 01.11.2025

Über die kleinen Glücksmomente im Leben

6 aus 49
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Zugegeben, das Cover hat leider dazu geführt, dass ich das Buch anfangs völlig übersehen hab. Sah es für mich irgendwie nach IKEA, Fußball und Glücksspiel aus. Erst durch die positiven Leserstimmen bin ...

Zugegeben, das Cover hat leider dazu geführt, dass ich das Buch anfangs völlig übersehen hab. Sah es für mich irgendwie nach IKEA, Fußball und Glücksspiel aus. Erst durch die positiven Leserstimmen bin ich doch neugierig geworden.
Vordergründig erzählt Jaqueline Kornmüller vom Leben ihrer Großmutter Lina, die aus einfachsten Verhältnissen stammte und mit viel Fleiß und Lebenstüchtigkeit ein Hotel in Garmisch-Partenkirchen führte. Daneben besaß sie eine große Gabe - das Glück zu sehen und beim Schopfe zu packen. Es hat etwas Berührende, mit wieviel Wärme und Respekt diese Großmutter beschrieben wird.
"In meinem Leben war Lina sicherlich mein persönlicher Sechser im Lotto. Vor allem, weil sie etwas Liebevolles, etwas Konstanten und zugleich etwas Irrlichterndes hatte. Das Irrlichternde war kostbar, weil sie dadurch den Raum zur Verfügung hatte, den andere in sich verschlossen hatten."(S.114)
Doch "6 aus 49" ist mehr als eine reine Familienchronik. In der Metabene behandelt Kornmüller auf eine leise Weise auch den Umgang der Deutschen mit ihrer eigenen Vergangenheit und braunen Historie.
Die verwendeten Ausdrücke haben manchmal etwas Verspieltes und Leichtes. Wenn Beziehungen kompliziert bzw. komplexer sind, schafft die Autorin durch Benennungen wie "Tochter von Lina" (für ihre Mutter) oder "Bindestrich" (für Garmisch-Partenkirchen) eine eigenwillige, fast schon poetische Distanz.
Für mich war es ein Buch mit feinen Zwischentönen, das etwas Helles und Lebensbejahendes hat. Ich empfehle das Buch gerne allen weiter, die Geschichten über Familie und die kleinen Glücksmomente im Leben mögen.

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Veröffentlicht am 31.10.2025

Eine literarische Annäherung an das Trauma

Die Ausweichschule
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Der Autor nähert sich in seinem Roman "Die Ausweichschule" einem Teil seiner eigenen Biografie an - das Erfurter Attentat, welches er als 5.Klässler selber miterlebte. Dabei wechselt er zwischen
Schulerinnerungen, ...


Der Autor nähert sich in seinem Roman "Die Ausweichschule" einem Teil seiner eigenen Biografie an - das Erfurter Attentat, welches er als 5.Klässler selber miterlebte. Dabei wechselt er zwischen
Schulerinnerungen, Schreibprozessreflexionen und Fremdstimmen (ehemaliger Mitschüler, damals behandelnde Therapeutin, Dramaturg).
Schmunzeln musste ich über den Einstieg, in dem sich der Autor mit einem Lektor unterhält, der ihm rät, doch mehr wie Joachim Meyerhoff zu schreiben. Ok, ganz wie Meyerhoff klingt der Roman dann nicht... Immer wieder geht es um die Metaebene - warum schreibt man über Gewalt? Warum braucht es gerade vom Autor eine solche Auseinandersetzung? Und trotz einem gewissen Hang zum Intellektualisieren und einer fast Hyperselbstreflexion liest man zwischen den Zeilen die Spuren heraus, die dieses für die Stadt Erfurt traumatische Ereignis beim Autor hinterlassen hat. Wenngleich er immer wieder betont, ja eigentlich nichts gesehen zu haben, erfährt man
viel über die anschließende (Nicht-)Verarbeitung.
Als Leser muss man vielleicht eine gewisse Freude für das stete Wechseln von Perspektiven und bisweilen Artifizielle haben. Dennoch habe ich den Roman gerne gelesen - tolle Sprachbilder, kluge Gedanken, interessante Perspektiven. Ich hab hier das Schreiben des Autors vielleicht sogar als eine Art Sich-Freischreibens erlebt und ihn gerne dabei begleitet.

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Veröffentlicht am 27.10.2025

Abstrus-witzig

Elon & Jeff on Mars
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Als Fan von Marc-Uwe Kling, seine selbsteingesprochenen Kinderhörbücher haben uns auf vielen Autofahrten erheitert, war ich neugierig auf seine Satire im Comicformat über zwei Milliardäre im Weltall.
Elon ...

Als Fan von Marc-Uwe Kling, seine selbsteingesprochenen Kinderhörbücher haben uns auf vielen Autofahrten erheitert, war ich neugierig auf seine Satire im Comicformat über zwei Milliardäre im Weltall.
Elon und Jeff (Ähnlichkeiten sind selbstverständlich rein zufällig und nicht beabsichtigt) - die beiden reichsten Männer der Welt und narzisstische Egomanen wie sie im Buche stehen - landen auf dem Mars, wo sie sich mit irdischen Themen auseinandersetzen müssen. Von anfänglichen Konkurrenten werden sie zunehmend zu Mitbewohnern. Mit viel Spaß und Gedankenfreude stürzt sich Marc-Uwe Kling in das Hirn der beiden Supermilliardäre. Heraus kommt ein Comic voll verschrobener Dialoge und abstrus-witziger Ideen. Es ist kein Langstreckencomic, sondern vielmehr eine Zusammenstellung einzelner absurder Situationen. Die Wiederholung bestimmter Gag-Schemas hält das ganze zusammen und bildet einen gewissen Rahmen.
Während Marc-Uwe Kling den Text und Dialoge beigesteuert hat, übernahm Bernd Kissel die Illustrationen. Die Abbildungen sind fein koloriert, Mimik und Gestik stehen eindeutig im Vordergrund. Es macht Spaß, sich auf den Humor in den Bildern einzulassen und Kleinigkeiten zu entdecken. Die Gesellschaftskritik wird wie auch in anderen Büchern des Autors überspitzt und humorvoll thematisiert. Wenngleich man manchmal glaubt, die Realität könnte durch eine weitere Überspitzung kaum noch getoppt werden...
Das Ende ist offen gehalten und ich kann mir gut vorstellen, dass der kreative Tausendsassa hier noch einige Bände folgen lassen wird. Der Stoff wird ihm angesichts der aktuellen politischen Tagesthemen vermutlich nicht ausgehen.

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Veröffentlicht am 22.10.2025

Emotional berührend und Mut machend

Himmel ohne Ende
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Zugegeben, ich, Anfang 40, war zunächst etwas skeptisch. Kann mich ein Roman über eine 15 Jährige abholen? Oder werde ich etwas aus dem Off zuschauen mit dem milden Blick des Alters auf die Jugend? - Ich ...

Zugegeben, ich, Anfang 40, war zunächst etwas skeptisch. Kann mich ein Roman über eine 15 Jährige abholen? Oder werde ich etwas aus dem Off zuschauen mit dem milden Blick des Alters auf die Jugend? - Ich muss sagen, mich hat lange kein Roman mehr so tief berührt.
Charlie ist 15, wächst bei ihrer Mutter auf. Der Vater ist vor einiger Zeit gegangen. Charlie versteht sich selber nicht, versteht die anderen nicht, fühlt sich unglaublich einsam. Tausend Gedanken und Gefühle schwirren durch ihren Kopf. Sie möchte einen Platz finden, irgendwie gemocht werden. Ein spannendes Leben führen, von dem sie nicht weiß, wie sie daran kommt.
"Ich will unbedingt wissen, was ich werde, dabei weiß ich noch nicht mal, wer ich bin. [...] Ich will nichts mehr, als irgendwann jemand für jemanden sein, nichts mehr, als dass mich jemand sieht und versteht, wie ich bin, und gleichzeitig hab ich Angst davor, dass jemand wirklich alles sieht." (S.202)
Sprachlich fand ich insbesondere die Gefühlswelt von Charlie wunderbar beschrieben und als Leserin war ich ihr sehr zugetan. Vereinzelt tauchten kurze Passagen auf, die ich ein bisschen wie altkluge Postkartenweisheiten empfand. Dennoch empfehle ich den Roman gerne weiter. Es ist eine einfühlsame Geschichte über Familie und Freundschaft, vielleicht auch darüber, wie man beginnt etwas Eigenes aus seinem Leben zu machen und Mut machend, wenn es darum geht, schwierige Zeiten zu überstehen. Themen, die in jedem Alter Fragen aufwerfen und berühren.

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