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Veröffentlicht am 19.02.2025

Über das Streiten, Trösten und Vertragen für ganz Kleine

Mein artgerecht-Geschwisterbuch: Ich zuerst! Nein, ich!
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In der Eichhörnchenfamilie gibt es neben dem kleinen Vincent auch noch dessen jüngere Schwester Sophia, die manchmal etwas nervt... ein Buch über das Streiten, Trösten und Vertragen für ganz Kleine. Die ...

In der Eichhörnchenfamilie gibt es neben dem kleinen Vincent auch noch dessen jüngere Schwester Sophia, die manchmal etwas nervt... ein Buch über das Streiten, Trösten und Vertragen für ganz Kleine. Die Figuren sind unglaublich süß und liebevoll gezeichnet, dass es wirklich eine Freude ist, die Geschichte anzuschauen. Es gibt so viele niedliche Details zu entdecken - z.B. womit spielen kleine Eichhörnchenkinder, die "Parallelstreiterei" zwischen Biene und Marienkäfer. Am Ende gibt es für Eltern auf 2 Seiten nochmal 9 Hinweise, wie aus Geschwistern ein Team wird. Sicherlich ist einem selber als Elternteil vieles bewusst, sehr hilfreich fand ich aber die Beispiele für die konkrete Formulierung z.B. "Statt zu sagen: "Das darfst du nicht sagen! Er ist dein Bruder", sagen wir: "Ja, heute war es wirklich schwierig, aber er wird lernen, deine Grenzen zu beachten, wir üben das gemeinsam."..." Was ich für mich interessant fand, wird gleichzeitig bei uns beim Vorlesen etwas zum Stolperstein, da die letzten beiden Seiten natürlich (!) mit zum Buch gehören und jedes Mal mit vorgelesen werden müssen. Da hilft auch kein "Die bunten Seiten sind deine Seiten, ab hier sind die Mamaseiten". Vielleicht hätte es da auch eine andere Lösung gegeben, z.B. als Beilage in Form eines "Lesezeichens". Insgesamt hat uns die Geschichte aber sehr gefallen und empfehlen wir gerne weiter.

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Veröffentlicht am 16.02.2025

Lebendiger Erzählton und erster interessanter Einblick in eine mir bis dato fremde Kultur

Barfuß in Tetas Garten
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Die Mutter (DDR-)Deutsche und der Vater Libanese, lernen sich die Eltern der Nachrichtensprecherin Aline Abboud in den 80er Jahren in einem Studentenwohnheim in Leipzig kennen und lieben. Die Autorin erzählt ...

Die Mutter (DDR-)Deutsche und der Vater Libanese, lernen sich die Eltern der Nachrichtensprecherin Aline Abboud in den 80er Jahren in einem Studentenwohnheim in Leipzig kennen und lieben. Die Autorin erzählt in ihrem Buch vom Aufwachsen zwischen den beiden Welten Ostdeutschland und Libanon. Dabei ist der Erzählton lebendig. Mit viel Wärme spricht sie über ihre Familie und das Leben während ihrer Sommerurlaube im Libanon - ein Land das die meisten nur aus den Nachrichten kennen als von Krisen geprägte Region. Wer eine Biografie erwartet, wird vermutlich enttäuscht werden. Dazu fehlt die notwendige Introspektion, Auseinandersetzung mit Ambivalenzen und möglichen Reifungsprozessen, kurzum eine gewisse psychologische Tiefe. Vielmehr fühlte es sich für mich beim Lesen wie das Blättern in einem Fotoalbum an. Hübsche Anekdoten, Bilder im Kopf von leckerem Essen und beeindruckender Landschaft, durchaus unterhaltsam und kurzweilig. Auch wenn es mich nicht unbedingt emotional tiefer berührt hat, mein Interesse für die libanesische Kultur ist durch das Buch von Aline Abboud geweckt.

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Veröffentlicht am 01.02.2025

Halbes Leben, doppelte Sorgen

Halbe Leben
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"Ein Haushalt sind diejenigen, die den gleichen Rauch einatmen." S.5

Von hinten rollt der Roman die Geschichte um Klara und Paulina auf. Erstere ist erfolgreich in ihrem Beruf als Architektin, Mutter ...

"Ein Haushalt sind diejenigen, die den gleichen Rauch einatmen." S.5

Von hinten rollt der Roman die Geschichte um Klara und Paulina auf. Erstere ist erfolgreich in ihrem Beruf als Architektin, Mutter einer 11 jährigen Tochter, Ehefrau, jetzt abgestürzt bei einer Wanderung. Paulina - aus der Slowakei, alleinerziehend von 2 Söhnen, die Hälfte des Monats in Klaras Haushalt in Österreich lebend, um deren erkrankte Mutter zu pflegen - hat sie auf dieser Wanderung begleitet. Psychologisch sehr fein zeichnet der Roman die Entwicklung zwischen den beiden Frauen nach. Immer wieder musste ich innehalten, der Roman eröffnet neue Blickweisen und stellt Fragen. Wer ermöglicht denn die eigene berufliche Selbstverwirklichung bzw. schafft zeitlichen Raum, sich mit seinen Hobbies und Interessen zu beschäftigen? Wie gehen wir mit Angehörigen um, die unserer Pflege bedürfen (kleine Kinder, Kranke, Alte)? Zu welchem Preis? Was macht das mit den Pflegenden und ihrem "halbierten Privatleben"? Inwieweit kann Geld die emotionale Belastung kompensieren? Wie eingebunden sind Männer in unserer Gesellschaft in die Care-Arbeit? Sehr gut stellt Susanne Gregor den Egoismus und eine Naivität gegenüber dem Leben und Schicksal der Pflegepersonen dar, verborgen hinter einer vordergründigen "Gutmenschlichkeit" ("Wir haben sie immer gut behandelt [...] und Gefallen außerhalb des Vertrages immer großzügig kompensiert." S.177). Zwar atmen alle im Haushalt den gleichen Rauch ein, gleich sind sie damit noch lange nicht... Beide Frauen eint zwar gleichermaßen eine Zerrissenheit zwischen Beruf und Familie. Allerdings besitzt nur Klara die finanziellen Mittel sie hinreichend zu kompensieren, während Paulinas Familie mehr und mehr auseinanderdriftet. Glücklich sind dennoch beide Frauen nicht, erleben eine zunehmende Gereiztheit und Überforderung. Die Darstellung der männlichen Figuren spiegelt gleichzeitig die gesellschaftliche Realität wider, in der Männer noch wenig in die Care-Arbeit eingebunden sind - der Ex-Mann von Paulina, der die Betreuung der gemeinsamen Söhne in deren Abwesenheit der eigenen Mutter überlässt, um seine eigene Partnerschaft nicht zu belasten. Klaras Chef, der sich aus dem Vordergrundgeschäft zurückgezogen hat, an Wochenenden und nach Feierabend Klara dennoch dirigiert und mit Aufgaben zuschüttet. Klaras Ehemann, selbstständiger Fotograf und kaum ausgelastet mit seiner Arbeit, der sich weder regelmäßig um den Hund, die Tochter noch die Schwiegermutter kümmern kann und möchte. Mir hat sehr gefallen, wie komplex die Frauenfiguren gezeichnet wurden - z.B. Paulina mit ihrem unbewussten Wunsch als "Engel der Familie" Anerkennung zu finden, anhaltende Gefühle von Schuld und Sorgen, dem Neid gegenüber dem scheinbaren Glück - dabei immer realistisch und nachvollziehbar. Der Roman hat mich gleichermaßen berührt wie wütend gemacht. Ich empfehle den Buch gerne weiter an Menschen, die sich für aktuelle gesellschaftliche Themen interessieren.

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Veröffentlicht am 01.02.2025

Komplexes Thema witzig und kindgerecht umgesetzt

Du bist du ... und wunderbar
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Ich gebe es zu, auf den ersten Blick hat mich der Stil der Illustrationen zunächst nicht angesprochen - recht reduziert, farblich eher dezent. Die Botschaft und der Text treten hingegen deutlich in den ...

Ich gebe es zu, auf den ersten Blick hat mich der Stil der Illustrationen zunächst nicht angesprochen - recht reduziert, farblich eher dezent. Die Botschaft und der Text treten hingegen deutlich in den Vordergrund. Das Sachbuch setzt sich auf witzige Weise ohne zu banalisieren oder mit erhobenen Zeigefinger zu belehren mit Geschlechterrollen, Vorurteilen und Fragen der Identität auseinander. Elise Gravel ist bekannt und mehrfach ausgezeichnet für ihre Arbeit, besonders schwierige Themen kindgerecht und witzig darzustellen. Inhaltlich unterstützt wird sie dabei durch Mykaell Blais, selbst transsexuell und bei einer LGBTQ+-Organisation für Jugendliche arbeitend. Sowohl mein 8 Jähriger als auch meine 11 Jährige haben das Buch gerne angeschaut und gelesen. Der Zeichenstil ist eher cartoonhaft, "nicht so babymäßig", was auch ältere Kinder anspricht. Über Fragen wird anfangs zu der Thematik hingeführt, was sehr einlädt, sich auszutauschen. Besonders gefallen hat uns der liebevolle Blick der Illustratorin. Immer wieder haben wir geschmunzelt und zudem einiges Neues erfahren, z.B. dass vor 100 Jahren Modemagazine die Farbe Rosa für Jungen und Blau für Mädchen empfahlen. Ein tolles Buch, das den Horizont erweitert.

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Veröffentlicht am 20.01.2025

Eine nur mäßig unterhaltsame Zugfahrt

In einem Zug
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"Und wir plaudern im steten Bemühen um Gleichklang und Ausgewogenheit über herrlich belanglose Dinge [...]. Kurzum: über die Sättigungsbeilagen des Alltags, die das Leben ausmachen, ohne dass man es merkt." ...

"Und wir plaudern im steten Bemühen um Gleichklang und Ausgewogenheit über herrlich belanglose Dinge [...]. Kurzum: über die Sättigungsbeilagen des Alltags, die das Leben ausmachen, ohne dass man es merkt." S.84

Eduard Brünhofer, ein in die Jahre gekommener Schriftsteller für Liebesromane mit Schreibblockade, trifft im Zug auf dem Weg zu einem unliebsamen Gespräch mit seinem Verlag auf Catrin Meyr, eine eher junge als alte Therapeutin mit der Fähigkeit, Menschen gekonnt auszufragen. Ganz besonders interessiert sie seine Partnerschaft mit seiner Frau Regina sowie seine Einstellung zur Liebe. Grundsätzlich eine hübsche Idee 2 gegensätzliche Personen auf diese Weise miteinander ins Gespräch kommen zu lassen. Allerdings habe ich die Dialoge weder als besonders pfiffig noch in die Tiefe gehend erlebt. Es ruckelt und zuckelt gemächlich wie die Regionalbahn durchs Hinterland ohne besonderes Aufsehen zu erregen. Naja, ganz ohne Aufsehen stimmt eigentlich nicht...genauso wie Eduard empfand ich das bohrende Nachfragen von Catrin zunehmend als unangenehm. Ganz interessant fand ich den Blick des Schriftstellers auf seine Leser und Kritiker - mögliche Ähnlichkeiten mit dem Autor sind selbstverständlich purer Zufall. Es blieb zum Ende das leise Gefühl zurück, von Glattauer an der Nase herumgeführt worden zu sein ("Ihr wollt euren Liebesroman, so, da habt ihr ihn...") und dass die weibliche, liebeshungrige Leserschaft (lese ich zwischen den Zeilen eine leise Verachtung des Autors gegenüber seiner Leserschaft heraus?) mit dem Kauf des Buches sein kleines Weingut mitfinanziert. Für mich war es insgesamt ein unaufgeregter Roman über die Alltäglichkeit einer Langzeitbeziehung, eine Art "Sättigungsbeilagen"-Roman mit der Erkenntnis, dass "so ein gediegenes Spießerleben zu zweit [...] härter erarbeitet [ist], als es den Anschein hat." (S.139). Phasenweise unterhaltsam, nach hinten raus ermüdend.

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