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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 20.01.2025

Eine nur mäßig unterhaltsame Zugfahrt

In einem Zug
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"Und wir plaudern im steten Bemühen um Gleichklang und Ausgewogenheit über herrlich belanglose Dinge [...]. Kurzum: über die Sättigungsbeilagen des Alltags, die das Leben ausmachen, ohne dass man es merkt." ...

"Und wir plaudern im steten Bemühen um Gleichklang und Ausgewogenheit über herrlich belanglose Dinge [...]. Kurzum: über die Sättigungsbeilagen des Alltags, die das Leben ausmachen, ohne dass man es merkt." S.84

Eduard Brünhofer, ein in die Jahre gekommener Schriftsteller für Liebesromane mit Schreibblockade, trifft im Zug auf dem Weg zu einem unliebsamen Gespräch mit seinem Verlag auf Catrin Meyr, eine eher junge als alte Therapeutin mit der Fähigkeit, Menschen gekonnt auszufragen. Ganz besonders interessiert sie seine Partnerschaft mit seiner Frau Regina sowie seine Einstellung zur Liebe. Grundsätzlich eine hübsche Idee 2 gegensätzliche Personen auf diese Weise miteinander ins Gespräch kommen zu lassen. Allerdings habe ich die Dialoge weder als besonders pfiffig noch in die Tiefe gehend erlebt. Es ruckelt und zuckelt gemächlich wie die Regionalbahn durchs Hinterland ohne besonderes Aufsehen zu erregen. Naja, ganz ohne Aufsehen stimmt eigentlich nicht...genauso wie Eduard empfand ich das bohrende Nachfragen von Catrin zunehmend als unangenehm. Ganz interessant fand ich den Blick des Schriftstellers auf seine Leser und Kritiker - mögliche Ähnlichkeiten mit dem Autor sind selbstverständlich purer Zufall. Es blieb zum Ende das leise Gefühl zurück, von Glattauer an der Nase herumgeführt worden zu sein ("Ihr wollt euren Liebesroman, so, da habt ihr ihn...") und dass die weibliche, liebeshungrige Leserschaft (lese ich zwischen den Zeilen eine leise Verachtung des Autors gegenüber seiner Leserschaft heraus?) mit dem Kauf des Buches sein kleines Weingut mitfinanziert. Für mich war es insgesamt ein unaufgeregter Roman über die Alltäglichkeit einer Langzeitbeziehung, eine Art "Sättigungsbeilagen"-Roman mit der Erkenntnis, dass "so ein gediegenes Spießerleben zu zweit [...] härter erarbeitet [ist], als es den Anschein hat." (S.139). Phasenweise unterhaltsam, nach hinten raus ermüdend.

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Veröffentlicht am 14.01.2025

Wenn das Leben erst im Angesicht des Todes leicht wird

Nach uns der Himmel
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Das Buch würde von mir sofort die Auszeichnung "Coverliebling" bekommen, da es sehr schön mit Perspektiven spielt. Von außen hat man den Eindruck, durch Flugzeugfenster nach draußen zu blicken. Geöffnet ...

Das Buch würde von mir sofort die Auszeichnung "Coverliebling" bekommen, da es sehr schön mit Perspektiven spielt. Von außen hat man den Eindruck, durch Flugzeugfenster nach draußen zu blicken. Geöffnet zeigt sich innen dann ein weites Meer, darüber der Himmel, das aber eher wie eine Leinwand wirkt. Ähnlich geht es den Passagieren eines Urlaubsfliegers. Dieser gerät während des Fluges in heftige Turbulenzen, so dass die Passagiere in einer Art Zwischenstadium zwischen Leben und Tod auf einer Urlaubsinsel landen. Diese entpuppt sich zunehmend als eine Art Schuhkarton, als eine Art Schein, zunehmend kleiner werdend, sich auflösende. Gleichzeitig entwickeln sich die Beziehungen der Figuren zunehmend weiter, finden sich neue Paare, moralische Grenzen werden überschritten, eine neue Freiheit entdeckt. Wo vorher Bitterkeit, Traurigkeit und Neid vorherrschte, entsteht plötzlich Liebe und Lebenslust. Vergangenes ist zunehmend schwerer erinnerbar, löst sich auf zugunsten eines friedlichen Hier-und-Jetzt-Zustandes. Das hört sich fast etwas traumartig an, dabei ist der Stil sehr klar und direkt. Die Dynamik in den Partnerschaften fand ich sehr spannend zu lesen, wie die Figuren sich von den Zwängen des Alltags lösen und immer mehr zu sich selber und ihren eigenen Bedürfnissen finden. Alles in allem erscheint es, als würden die Figuren erst im Angesicht des Todes viel lebendiger werden. Ich könnte mir den Roman super als Theaterfassung auf der Bühne vorstellen. Es ist ein Buch, das trotz der Thematik rund um den Tod eine Leichtigkeit hat und über das man im Anschluss gut noch etwas philosophieren kann.

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Veröffentlicht am 13.01.2025

Geschickte Lesetäuschung à la M.C.Escher

Wackelkontakt
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Seit langem habe ich nicht mehr ein so auffälliges Cover gesehen, grundsätzlich schlicht, kneift man beim Lesen des verwackelten Titels unwillkürlich etwas die Augen zusammen und staunt dann über sich ...

Seit langem habe ich nicht mehr ein so auffälliges Cover gesehen, grundsätzlich schlicht, kneift man beim Lesen des verwackelten Titels unwillkürlich etwas die Augen zusammen und staunt dann über sich selber, dass die optische Täuschung bis hin zum Verziehen der Augenpartie so gut geklappt hat. Der Roman erzählt die Geschichte von Franz Escher, einem Trauerredner und passionierten Puzzlespieler, sowie Marco Steiner, einem Ex-Mafioso und in seiner neuen Identität als Elektriker arbeitend, die jeweils die Geschichte des anderen in einem Buch lesen. Beide Handlungsstränge sind auf diese Art geschickt miteinander verwoben, wie ich es bisher noch nicht gelesen habe und was eindeutig den Reiz des Buches ausmacht. Das einer der Protagonisten den Namen Escher hat, ist sicher mit Bedacht vom Autor gewählt, so erinnert die Geschichte doch sehr an das Bild von M.C. Escher mit den sich gegenseitig zeichnenden Händen. Immer wieder musste ich über die Alltagskomik und den Wortwitz schmunzeln, habe ein bisschen etwas über gute Trauerreden und alte Meister gelernt und der Auflösung entgegengefiebert. Alles in allem ist es kein Buch, das man unbedingt gelesen haben muss. Aber es ist in jedem Fall ein Buch, dessen Erzählweise ich sehr interessant fand und das gut unterhält.

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Veröffentlicht am 22.12.2024

Sehr abwechslungsreiches Sachbuch für kleine Leseanfänger

Wieso? Weshalb? Warum? Erstleser, Band 15 - Mein Körper
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Keine "langweilige" Geschichte zum Lesenlernen, sondern viel Wissen rund um den menschlichen Körper findet sich hier in dem schön gemachten Erstlesebuch. Es gibt viel anzuschauen. Große Leseabschnitte ...

Keine "langweilige" Geschichte zum Lesenlernen, sondern viel Wissen rund um den menschlichen Körper findet sich hier in dem schön gemachten Erstlesebuch. Es gibt viel anzuschauen. Große Leseabschnitte wechseln mit kleineren Erklärungen, Sticker- und Buchstabenrätseln. Neben dem Körper kommen auch Themen der Psyche aber auch der Abgrenzung (Mein Körper gehört mir!) nicht zu kurz. Es gab beim Lesen einige Aha-Momente (unser Zweitklässler: "Mama, wußtest du, dass das Herz auch ein Muskel ist?!") und ich glaube, dass das Buch anders als andere Erstlesebücher sicher noch öfter zur Hand genommen wird. Allerdings muss ich sagen, dass für unseren Zweitklässler die Text- und Informationsmenge durchaus anspruchsvoll war. Auch sind die Rätsel gerade für Erstleser teilweise ganz schön knifflig und brauchten manchmal den einen oder anderen Tip von außen, damit es nicht zu frustran wurde. Insgesamt aber ein wirklich schön gemachtes Buch für Leseanfänger.

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Veröffentlicht am 17.12.2024

Holt kleine Fans von Superlativen gut ab

Guinness World Records für Erstleser - Die besten Rekorde für Erstleser
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Während andere Bücher für Erstleser zum Thema Rekorde aus dem Ravensburger Verlag sich einem bestimmten Thema widmen (z.B
Fahrzeuge), führt dieser Band kleine Fans von Superlativen durch die ganze Bandbreite ...

Während andere Bücher für Erstleser zum Thema Rekorde aus dem Ravensburger Verlag sich einem bestimmten Thema widmen (z.B
Fahrzeuge), führt dieser Band kleine Fans von Superlativen durch die ganze Bandbreite von Besonderem und Herausragendem. Dabei ist das Buch in einzelne Kapitel unterteilt (z.B. Tiere), die jeweils noch farblich gekennzeichnet sind, so dass man sich als Leseanfänger rasch orientieren kann. Überhaupt fällt auf, dass das ganze Buch sehr gut strukturiert ist. Kleine Symbole machen direkt auf einen Blick klar, worum es geht. Der Bildanteil ist hoch im Vergleich zum Textanteil. Die Sprache ist einfach und klar verständlich. Ich kann mir gut vorstellen, dass Kinder, die von einfachen Leseanfängergeschichten rasch gelangweilt sind und wenig Lesemotivation haben, zu diesem Buch immer wieder gerne greifen, weil es so voll an spannenden Informationen ist. Ich würde das Buch Kindern ab der 2.Klasse empfehlen, evtl. auch schon engagierte Leser Ende der 1.Klasse.

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