ein sehr intensives Leseelebnis
Puh, das war auch wieder ein intensives Leseerlebnis, was mich nachhaltig beeindruckt hat.
„Halbe Leben“von der Schriftstellerin Susanne Gregor, die selbst aus der ehemaligen Tschechoslowakei kommt, hat ...
Puh, das war auch wieder ein intensives Leseerlebnis, was mich nachhaltig beeindruckt hat.
„Halbe Leben“von der Schriftstellerin Susanne Gregor, die selbst aus der ehemaligen Tschechoslowakei kommt, hat ein Buch geschrieben, was sich mit der Situation von Pflegekräften aus den osteuropäischen Ländern beschäftigt.
Paulína ist so eine Pflegekraft. Sie kommt aus der Slowakei, hat zwei Söhne , die noch relativ jung sind, 12 und 8 Jahre alt und ist von ihrem Mann getrennt. Sie entscheidet sich als ausgebildete Krankenschwester den Schritt zu wagen in einer österreichischen Familie als Pflegekraft zu arbeiten. 14 Tage lebt sie bei der Familie, danach ist sie 14 Tage bei ihren Söhnen,die in ihrer Abwesenheit bei ihrer Schwiegermutter leben.
Die Familie in Österreich, bei der sie eine Schlaganfallpatientin betreut, ist Paulina sehr zugetan. Bisher hat Irene alle Pflegerinnen abgelehnt, nur Paulina hat einen Zugang zu ihr gefunden. Klara, Irenes Tochter und ihr Mann, leben in finanziell sehr guten Verhältnissen, Klara hat sich ganz auf ihre Karriere konzentriert. Ihr Tochter ist von ihrer Mutter betreut worden und so sehen sie sich jetzt mit der Pflege der Mutter in der Verantwortung und da man genug Geld hat, hat man Pfleger engagiert, die diese schwere Arbeit leisten. Paulina macht sich unentbehrlich, nicht nur weil Irene sie akzeptiert, sondern weil Paulina nebenher noch anstandslos den ganzen Haushalt schmeißt. Irenes Familie genießt weiterhin ihr unbeschwertes Lesen, bürdet Paulina immer mehr Arbeit auf und Paulina verpasst den Zeitpunkt Grenzen zu setzen. Sie wird immer wieder mit Extrazahlungen belohnt, doch sie merkt selbst, dass das Leben was sie da führt, weder ihr , noch ihren Söhnen gut tut. Sie verliert immer mehr den Draht zu ihren Kindern, ist in entscheidenden Momenten nicht bei ihnen, was die Beziehung immer mehr belastet.
Als es dann zu einer entscheidenden Situation kommt, die Paulina zeigt, dass sie, obwohl man ihr immer weiß machen will, dass sie ein Familienmitglied ist, sie doch nur die ausländische Arbeitskraft ist, zeigen sich bei Paulina körperliche und psychische Anzeichen der Überforderung, die in einem Unglück münden. Dieses Buch ist ein Buch das tief ins Herz trifft. Wie unbedacht gehen wir mit Menschen hier mit Pflegekräften um, die sich um unsere Liebsten kümmern und dabei Schwerstarbeit leisten.Die Geschichte dieses Buches zeigt, wie wenig die Menschen gewertschätzt werden.
Ich habe teilweise große Wut beim Lesen dieses Buches in mir gespürt. Wie kann man so unsensibel und egoistisch sein, seine eigenen Bedürfnisse ständig über die anderer Menschen zu stellen, nur weil man meint mit Geld alles ausgleichen zu können.
Wie kann man Menschen, die Familie haben die Heimreise verweigern, nur weil man selbst für sich eine Auszeit beansprucht.
Ich glaube, viele Menschen machen sich keine Vorstellungen davon, was es heißt, regelmäßig von der Familie getrennt zu sein, im Ausland arbeiten zu müssen, um sich ein wenig Luxus leisten zu können.
Der Schriftstellerin gelingt es gut diesen Zwiespalt darzustellen und aufzuzeigen, was diese Pflegekräfte leisten psychisch und auch physisch. Dabei schreibt sie so eingängig, dass ich das Buch nicht zu Seite legen konnte und ich lange brauchte, um mit der Thematik abzuschließen und zu einem neuen Buch zu greifen.
Ein sehr empfehlenswertes Buch zu diesem wichtigen Thema.