Nicht meins
Der FährmannAn den meisten Büchern scheiden sich bekanntlich die Geschmäcker. Seltener ist es wohl, dass alle Leser(innen) von der Lektüre begeistert sind und nur eine(r) aus der Reihe tanzt.
In dem Fall bin ich ...
An den meisten Büchern scheiden sich bekanntlich die Geschmäcker. Seltener ist es wohl, dass alle Leser(innen) von der Lektüre begeistert sind und nur eine(r) aus der Reihe tanzt.
In dem Fall bin ich das und so will ich versuchen, zu begründen, warum das so ist.
Die Geschichte "Der Fährmann" von Regina Denk spielt an der Grenze zwischen Deutschland und Österreich. Zwei Dörfer, getrennt durch die Salzach, sind nur über eine Fähre zu erreichen. Dem 6jährigen Hannes Winkler ist es bestimmt, später einmal Fährmann zu werden, dabei entkommt er im November 1894 nur knapp dem Ertrinken. Das ganze Dorf betet für ihn in der Kirche, nur die 3 Jahre jüngere Lisi hat sich zu ihm ins Zimmer geschlichen und singt mit einem Spielzeugengel in der Hand an seinem Bett. Hannes überlebt, sein Schicksal ist besiegelt.
Die Dritte im Bunde ist die Wirtshaustochter Annemarie, die in jungen Jahren nur knapp einem sexuellen Übergriff durch einen Stammgast entgeht. Gerettet wird sie von Josef, dem Jungbauern vom Steinerhof, der sich im Laufe der Geschichte allerdings als etwas ganz anderes entpuppen wird.
Die Kindheit ist kurz, Elisabeth (Lisi) wird an den Steiner Josef verheiratet, der eine geheime Liebesbeziehung zu Annemarie unterhält. Lisi liebt Hannes, Hannes liebt Lisi, Annemarie liebt ebenfalls Hannes, kurzum: Es ist kompliziert
Josef ist in Wahrheit ein echter Kotzbrocken und der "Böse" in der 4er-Konstellation, hat aber das meiste Geld. Hannes darf als Fährmann nicht heiraten und Annemarie schuftet in der Wirtschaft ihrer Eltern.
Es sind harte Zeiten mit strengen Regeln. Frauen haben nichts zu melden und Männer nur, wenn sie einen gewissen Status mitbringen. Aber selbst der Steiner Josef steht unter der Fuchtel seines Vaters und lässt die Gewalt wiederum an Annemarie und an seiner Angetrauten Elisabeth aus.
Aus diesen Zutaten entwickelt Regina Denk eine Geschichte, die sicherlich nicht untypisch für die damalige Zeit ist, die mir aber leider nicht so recht gefallen hat. Zum einen ist sie sehr brutal, zum anderen fand ich die Figuren der Lisi und des Hannes zu farblos. Die eine wird mitunter wie ein "Geist" beschrieben, der andere ist passiver Beobachter, der erst zum Schluss aus dieser Rolle ausbricht. Beide sind "die Guten", wogegen Josef "der Böse" ist. Mir fehlten da ein bisschen die Grautöne. Am besten hat mir noch die Figur der Annemarie gefallen, die auch nicht in ihrer Opferrolle verharrt, sondern sich im Laufe der Geschichte allmählich entwickelt.
Die Sprache passt sicherlich zur Gegend, in der die Geschichte spielt, konnte mich auf Dauer aber ebenfalls nicht begeistern. Es gibt eben Bücher, die nichts für mich sind und "Der Fährmann" ist eben leider ein solches.