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Veröffentlicht am 06.04.2026

Nicht meins

Der Fährmann
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An den meisten Büchern scheiden sich bekanntlich die Geschmäcker. Seltener ist es wohl, dass alle Leser(innen) von der Lektüre begeistert sind und nur eine(r) aus der Reihe tanzt.

In dem Fall bin ich ...

An den meisten Büchern scheiden sich bekanntlich die Geschmäcker. Seltener ist es wohl, dass alle Leser(innen) von der Lektüre begeistert sind und nur eine(r) aus der Reihe tanzt.

In dem Fall bin ich das und so will ich versuchen, zu begründen, warum das so ist.

Die Geschichte "Der Fährmann" von Regina Denk spielt an der Grenze zwischen Deutschland und Österreich. Zwei Dörfer, getrennt durch die Salzach, sind nur über eine Fähre zu erreichen. Dem 6jährigen Hannes Winkler ist es bestimmt, später einmal Fährmann zu werden, dabei entkommt er im November 1894 nur knapp dem Ertrinken. Das ganze Dorf betet für ihn in der Kirche, nur die 3 Jahre jüngere Lisi hat sich zu ihm ins Zimmer geschlichen und singt mit einem Spielzeugengel in der Hand an seinem Bett. Hannes überlebt, sein Schicksal ist besiegelt.

Die Dritte im Bunde ist die Wirtshaustochter Annemarie, die in jungen Jahren nur knapp einem sexuellen Übergriff durch einen Stammgast entgeht. Gerettet wird sie von Josef, dem Jungbauern vom Steinerhof, der sich im Laufe der Geschichte allerdings als etwas ganz anderes entpuppen wird.

Die Kindheit ist kurz, Elisabeth (Lisi) wird an den Steiner Josef verheiratet, der eine geheime Liebesbeziehung zu Annemarie unterhält. Lisi liebt Hannes, Hannes liebt Lisi, Annemarie liebt ebenfalls Hannes, kurzum: Es ist kompliziert

Josef ist in Wahrheit ein echter Kotzbrocken und der "Böse" in der 4er-Konstellation, hat aber das meiste Geld. Hannes darf als Fährmann nicht heiraten und Annemarie schuftet in der Wirtschaft ihrer Eltern.

Es sind harte Zeiten mit strengen Regeln. Frauen haben nichts zu melden und Männer nur, wenn sie einen gewissen Status mitbringen. Aber selbst der Steiner Josef steht unter der Fuchtel seines Vaters und lässt die Gewalt wiederum an Annemarie und an seiner Angetrauten Elisabeth aus.

Aus diesen Zutaten entwickelt Regina Denk eine Geschichte, die sicherlich nicht untypisch für die damalige Zeit ist, die mir aber leider nicht so recht gefallen hat. Zum einen ist sie sehr brutal, zum anderen fand ich die Figuren der Lisi und des Hannes zu farblos. Die eine wird mitunter wie ein "Geist" beschrieben, der andere ist passiver Beobachter, der erst zum Schluss aus dieser Rolle ausbricht. Beide sind "die Guten", wogegen Josef "der Böse" ist. Mir fehlten da ein bisschen die Grautöne. Am besten hat mir noch die Figur der Annemarie gefallen, die auch nicht in ihrer Opferrolle verharrt, sondern sich im Laufe der Geschichte allmählich entwickelt.

Die Sprache passt sicherlich zur Gegend, in der die Geschichte spielt, konnte mich auf Dauer aber ebenfalls nicht begeistern. Es gibt eben Bücher, die nichts für mich sind und "Der Fährmann" ist eben leider ein solches.

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Veröffentlicht am 06.03.2026

Sommer 1991 auf Perigo Island, Neufundland

Sommer auf Perigo Island
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Der 12jährige Pierce hat mit 9 Jahren seinen Vater verloren, der eines Tages nicht mehr vom Fischen zurückkam und dessen Leichnam nie gefunden wurde. Diese Wunde sitzt tief und äußert sich z.B darin, dass ...

Der 12jährige Pierce hat mit 9 Jahren seinen Vater verloren, der eines Tages nicht mehr vom Fischen zurückkam und dessen Leichnam nie gefunden wurde. Diese Wunde sitzt tief und äußert sich z.B darin, dass er einen regelrechten Widerwillen gegen das Meer entwickelt hat,, obwohl er sich gleichzeitig sträubt, das Boot seines Vaters zu verkaufen.

Mit seinen Freunden verbringt Pierce die Ferien damit, sich ein Zubrot im Hafen bei der Fischverarbeitung zu verdienen.Gegenspieler sind Ross Coles und die Arschlöcher, eine Gruppe von Jungs, die bereits auf dem Festland zur Schule gehen und die Jüngeren regelmäßig schikanieren.

Und dann gibt es da noch Anna, ein Mädchen, mit dem Pierce sich angefreundet hat und die eines Tages spurlos verschwindet. Pierce und seine Freunde schmieden den Plan, Anna zu suchen. Einen Verdächtigen haben sie schnell ausgemacht: Solomon, einen Fremden, der die Sommermonate auf der Insel verbringt und den Pierce dabei beobachtet hat, wie er in seinem Boot Knochen transportiert.Die Freunde beschließen daraufhin, bei ihm in der Hütte einzubrechen.

"Sommer auf Perigo Island" ist eine warmherzige Coming-of-Age-Story, die Themen wie Verlust, Trauer und das Überwinden von Traumata behandelt, ohne diese direkt in den Fokus zu stellen. Es ist ein Sommer des Erwachsenwerdens, mit Abenteuern, Einsichten und ein bisschen erster Liebe. Eigentlich kann man den Roman auch als Jugendbuch lesen. Für erwachsene Leser ist er meiner Meinung nach nur bedingt geeignet.

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Veröffentlicht am 31.03.2025

Unglaubwürdig

HEN NA E - Seltsame Bilder
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In meiner Kindheit hatten wir einen Nachbarn, der konnte Dinge verschwinden lassen, indem er sie in die Luft warf. Ich habe geschaut und geschaut, wohin diese sich verflüchtigt hatten, konnte das Rätsel ...

In meiner Kindheit hatten wir einen Nachbarn, der konnte Dinge verschwinden lassen, indem er sie in die Luft warf. Ich habe geschaut und geschaut, wohin diese sich verflüchtigt hatten, konnte das Rätsel aber nicht lösen (ich war damals eben noch sehr klein).

Wenn mir heute allerdings jemand etwas verkaufen will, das so haarsträubend ist, wie die soeben gelesene Geschichte, dann falle ich nicht mehr darauf herein, sondern rolle höchstens mit den Augen.

In Japan wurde einst bekanntermaßen das Tamagotchi erfunden, jenes elektronische Wesen, das man nur am Leben erhalten konnte, indem man sich rund um die Uhr um es kümmerte. Da war ich glücklicherweise schon aus dem Alter heraus, in dem man solche Moden vielleicht noch mitmacht.

Der japanische Autor Uketsu (ein Name, der sich aus den Zeichen für Regen und Loch zusammensetzt, also ein Regenloch?) hat nun in Japan einen neuen Trend losgetreten, indem er rätselhafte Geschichten mit Krimi- und Horrorelementen schreibt, bei denen auch Bilder eine Rolle spielen. Es dauert eine Weile, bis man versteht, wie die einzelnen Kapitel und ihre Personen zusammenhängen, aber nach und nach kommt man hinter das Geheimnis bzw. bekommt die Erklärungen vom Autor direkt geliefert. Diese Erklärungen sind so abstrus, dass ich mich wundere, wie solch ein Krimi in Deutschland funktionieren kann, wo es doch bei dem sonntäglichen Tatort stets eine regelrechten Shitstorm gibt, wenn dieser ins Phantastische oder Experimentelle abdriftet.

Ich habe mich z.T. wie in einem Manga oder Superhelden-Film gefühlt. Die Personen agieren völlig unrealistisch (so tötet ein 11jähriges Mädchen seine Mutter, indem es sie niedertritt und ihr mit aller Kraft auf ihren Bauch springt) und es gab zahlreiche weitere Stellen, die ich hier leider nicht verraten kann.

Dass der Autor in der Öffentlichkeit eine weiße Maske und einen schwarzen Ganzkörperanzug trägt, wird den Hype um seine Bücher sicherlich noch befeuern, obwohl ich ihm - zumindest als Buchautor und Zeichner - kein großes Talent zuspreche. Verglichen damit ist Banksy, dessen wahre Identität ja ebenfalls nicht bekannt ist, ein echtes Genie!

Die Sprache des Buches ist schlicht und an manchen Stellen hatte ich das Gefühl, als würde bei der Übersetzung bereits KI eingesetzt. Die Übersetzerin Heike Patzschke hat ein weiteres Buch übersetzt, das ich seinerzeit ebenfalls mit nur 2 Sternen bewertet habe. Das muss nicht an der Übersetzerin liegen, allerdings würde ich Ausdrücke wie "mit grün und blau geschlagenen Händen" gerne im Original sehen, um mir einen Reim darauf machen zu können, wie das in der Praxis funktionieren soll.

Ich war tatsächlich neugierig auf das Buch und habe dem Autor zu Beginn noch so einiges durchgehen lassen, aber je weiter die Geschichte fortschritt, umso weniger hatte ich Lust, überhaupt weiterzulesen und das Ende fand ich so merkwürdig wie den ganzen Rest.

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Veröffentlicht am 02.03.2025

nach ca. 200 Seiten ein echter Pageturner

Der Gott des Waldes
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Die Geschichte startet mit Louise. Louise ist eine der Betreuerinnen in Camp Emerson, wo ein Haufen KInder und Jugendlicher an einem Sommercamp teilnimmt. Beim morgendlichen Wecken muss sie feststellen, ...

Die Geschichte startet mit Louise. Louise ist eine der Betreuerinnen in Camp Emerson, wo ein Haufen KInder und Jugendlicher an einem Sommercamp teilnimmt. Beim morgendlichen Wecken muss sie feststellen, dass eins der Betten leer ist. Verschwunden ist ausgerechnet die 13-jährige Barbara, Tochter der einflussreichen Familie Van Laar, der das Naturreservat gehört. Doch nicht nur das: Vor 14 Jahren verschwand bereits ihr Bruder Bear in der Wildnis und tauchte auch nach groß angelegter Suche nicht wieder auf.

Während der erste Teil zwischen den Monaten Juli und August des Jahres 1975 hin und her springt und sich mit der Zeit "vor" und "nach" Barbaras Verschwinden beschäftigt, geht es im zweiten Teil bis in die 1950er Jahre zurück und man lernt Alice, die Mutter der KInder näher kennen: wie sie ihren späteren Mann Peter kennenlernte und mit gerade einmal siebzehn Jahren in die Familie Van Laar einheiratete.

Auch die Suche nach Bear im Jahr 1961 wird näher beleuchtet und immer sind es ein paar einzelne Personen, deren Sicht geschildert wird.

Nach etwa 200 Seiten war ich so richtig "drin" in der Geschichte und habe gespannt verfolgt, wie sich die Beteiligten entwickeln und natürlich gerätselt, wer von ihnen mit dem Verschwinden der KInder zu tun haben könnte. Auch ein entflohener Sträfling, genannt "der Schlitzer" steht unter Verdacht oder war es vielleicht der Großvater, mit dem der Junge wandern wollte?

Liz Moore hat zahlreiche Fährten gelegt, auf die Lösung kommt man trotzdem nicht. Das ist auch gut so, denn schließlich hat ihr Spannungsroman 588 Seiten. Da wäre es arg enttäuschend, wenn man bereits nach der Hälfte beide Fälle gelöst hätte.

Doch "Der Gott des Waldes" ist nicht nur ein Krimi, sondern auch eine interessante Milieustudie. Da gibt es auf der einen Seite die reichen Van Laars und auf der anderen Seite die Bewohner des nächstgelegenen Ortes, die wirtschaftlich alle von der Familie abhängig sind.

Ich mochte das Buch und seine Auflösung. Für mich war es ein fesselnder Schmöker, der mich nicht nur gut unterhalten hat, sondern auch mit einem überraschenden und schlüssigen Ende aufwarten kann.

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Veröffentlicht am 20.02.2025

Es ist kompliziert

Halbe Leben
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Klara, erfolgreiche Angestellte eines Architekturbüros, Mutter einer pubertierenden Tochter und Ehefrau eines erfolglosen Fotografen, gerät aus dem Tritt als ihre Mutter Irene einen Schlaganfall erleidet ...

Klara, erfolgreiche Angestellte eines Architekturbüros, Mutter einer pubertierenden Tochter und Ehefrau eines erfolglosen Fotografen, gerät aus dem Tritt als ihre Mutter Irene einen Schlaganfall erleidet und mit einem Male pflegebedürftig ist. Eine Lösung muss her, organisiert von einer Agentur, die der Familie in einem Turnus von 14 Tagen 2 Pfleger(innen) aus der Slowakei schickt.

Die eine, Paulína, entwickelt sich schon bald zu einer unersetzbaren Hilfe, die man auch schon mal um ein paar Extra-Gefallen bittet - gut bezahlt, versteht sich.

Eigentlich sollten beide Seiten von diesem Arrangement profitieren. Klara kann weiter arbeiten gehen und die Verantwortung für ihre Mutter an die Pflegekraft abgeben und Paulina verdient in Österreich mehr als das in ihrer Heimat möglich gewesen wäre und spart auf eine größere Wohnung.

Das Problem ist nur, dass Paulina 2 Söhne in der Slowakei zurücklassen musste, die sie jetzt nur noch alle 14 Tage sieht und die sich durch die lange Trennung immer mehr von ihrer Mutter entfremden.

Am Ende der Geschichte steht der Unfalltod Klaras, der von der Erzählerin aber bereits vorweggenommen wird. Doch war es auch wirklich ein Unfall?

"Halbe Leben" lautet der Titel dieses lesenswerten Romans und er macht deutlich, dass nicht nur die beruftstätige Klara einen Balanceakt zwischen Beruf und Familie hinkriegen muss, sondern vor allem Paulina, die durch den stetigen Wechsel zwischen Zuhause und österreichischem Arbeitgeber in eine ernsthafte Krise gerät.

Man kann sich gut in ihre Situation hineinversetzen. Daneben wirkt Klaras Problem schon wieder fast wie ein "Luxusproblem", denn immerhin hat sie das nötige Geld und einen Partner, die es ihr ermöglichen, "Lösungen" für ihr Dilemma zu finden.

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