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Veröffentlicht am 21.05.2026

ein emotionaler Schmöker

Ein weites Leben
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„Ein weites Leben“ von M.L.Stedman, erschienen im btb Verlag bei @penguinrandomhouse ,ist ein sehr emotionaler Schmöker, den ich gerne weiterempfehle.

Im Mittelpunkt dieses Romans steht die Familie MacBride, ...

„Ein weites Leben“ von M.L.Stedman, erschienen im btb Verlag bei @penguinrandomhouse ,ist ein sehr emotionaler Schmöker, den ich gerne weiterempfehle.

Im Mittelpunkt dieses Romans steht die Familie MacBride, die auf einer Schaffarm im australischen Outback lebt, einsam und weit entfernt von anderen Nachbarn.
Ein schwerer Verkehrsunfall verändert das Leben der Familie von eine Sekunden auf die andere auf dramatische Art und Weise.Der Vater und der erstgeborene Sohn sterben, der siebzehnjährige Matthew überlebt schwer verletzt und kehrt nach einer langen Genesungsphase, aber immer noch eingeschränkt , zurück zu seiner Mutter und seiner Schwester auf die Farm.Auf ihm lastet nun die Verantwortung für den Betrieb, seine Angestellten, aber auch für Mutter und Schwester.
Doch dieser Schicksalschlag bleibt nicht der einzige. Wenn auch nicht körperlich, so fordert der nächste ihn psychisch schwer und er betrifft nicht nur ihn,sondern die ganze Familie.Die Stärke dieses Romans sind aber die psychologischen Schilderungen der einzelnen Familienmitgliedern, ihre Weiterentwicklung unter den gegeben Umständen.

Die Autorin legt hier eine Geschichte vor, die berührt. Der Leser verfolgt auf den 528 Seiten, wie eine traumatisierte Familie wieder versucht ins Leben zurückzufinden, jeder auf seine Art. Nicht jede Reaktion ist nachvollziehbar, aber verständlich.
Es war sehr bewegend zu erleben, wie jeder einzelne versucht mit dem
Verlust, der Trauer,aber auch der Schuld umzugehen und seinen Weg zurück ins Leben zu finden.

Die Schilderungen des australischen Outbacks, seine Weite und das Leben auf der Farm , das sehr entbehrungsreich ist,wurden sehr atmosphärisch und bildhaft beschrieben und passten zu der Grundstimmung des Romans.

Ein Buch, das sicherlich Emotionen auch bei eher weniger zartbeseiteten Menschen hervorruft und über die 528 Seiten seine Sogwirkung nicht verliert.
Daumen hoch für Liebhaber emotionaler Schmöker.

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Veröffentlicht am 19.05.2026

ein Teil der Geschichte, den ich noch nicht kannte

Wo der Wind die Namen trägt
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Der neue Roman der Autorin Anja Jonuleit „Wo der Wind die Namen trägt“, erschienen bei @penguinrandomhouse, ist ein Buch der Autorin zu dem sie durch ihre Mutter inspiriert wurde. Die Autorin ist zwar ...

Der neue Roman der Autorin Anja Jonuleit „Wo der Wind die Namen trägt“, erschienen bei @penguinrandomhouse, ist ein Buch der Autorin zu dem sie durch ihre Mutter inspiriert wurde. Die Autorin ist zwar am Bodensee aufgewachsen, ihre Mutter kommt aber aus der Lüneburger Heide dessen Handlungsort dieser Roman ist, der auf drei verschiedenen Zeitebenen spielt.
Dem Roman liegen historische Ereignisse zugrunde, die auch hinten im Buch erwähnt werden. Die Autorin hat sich aber schriftstellerische Freiheiten vorbehalten.

Helga, eine Journalistin, erhält in den 70 ger Jahren den Auftrag eine Chronik über die Lüneburger Heide zu erstellen. Dabei erfährt sie nicht nur, dass der Hauptorganisator des Holocaust,Adolf Eichmann, nach dem Krieg dorthin geflohen ist , dort einige Jahre gelebt hat und tatkräftige Unterstützung der Bewohner bei seiner Flucht erhielt, sondern, dass sich dort auch einige historisch verbürgte Gräueltaten ereignet haben. Außerdem geschieht auch ein Mord an einer jungen Frau, der niemals aufgeklärt wurde.Helga versucht die Täter der Gräueltaten vor Gericht zu bringen, damit sie ihre gerechte Strafe erhalten, scheitert aber, wie so viele andere auch, weil die Verbrecher geschützt werden und sich darauf berufen, nur auf Befehl gehandelt zu haben.
Außerdem lernen wir Inge kennen, sowohl im Kindesalter , als auch im Alter von 86 Jahren, die die Tochter einer Ärztin war, die durch ihre Taten traurige Berühmtheit erlangte, weil sie an der Tötung behinderter Kinder beteiligt war, was Inge aber erst im Greisenalter erfährt und zwar durch die Chronik, die Helga erstellt hat.

Dieses Buch zu lesen hat wieder viele Gefühle bei mir hervorgerufen, Wut, Unverständnis, aber auch die Erkenntnis,dass eine Entnazifizierung im Grunde genommen nie richtig statt gefunden hat, was mir einiges zum aktuellen Zeitgeschehen erklärt.
Der Leser erfährt von den Gräueltaten, die in der Lüneburger Heide stattgefunden haben und von denen ich wenig wusste, obwohl ich diesen idyllischen Ort schon einige Male aufgesucht habe, aber auch wie die Bewohner dieses Landstriches damit umgegangen sind und teilweise sogar beteiligt waren, wie bei der „Celler Hasenjagd"Teilweise bin ich dieser spannend aufbereiteten Geschichte atemlos gefolgt, immer wieder kopfschüttelnd, dass so etwas so lange verborgen blieb und dass so viele Nazischergen dort so lange unbehelligt leben konnten, teilweise bis in die neunziger Jahre des letzten Jahrhunderts.

Helga gerät in der Geschichte sogar in Gefahr, weil sie für Gerechtigkeit sorgen will, was dem Buch einige Spannung verleiht.

Für mich war dieses Buch ein spannendes, aber vor allem interessantes Leseerlebnis das ich gerne weiterempfehle.

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Veröffentlicht am 19.05.2026

ein Buch das mich tief beeindruckt hat

In den Flügeln das Licht
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„In den Flügeln das Licht“ von Aidin Halimi, erschienen im @gutkind_verlag ,ist ein Buch mit biographischem Hintergrund das nicht aktueller sein könnte und das mich tief beeindruckt hat.

Die Handlung ...

„In den Flügeln das Licht“ von Aidin Halimi, erschienen im @gutkind_verlag ,ist ein Buch mit biographischem Hintergrund das nicht aktueller sein könnte und das mich tief beeindruckt hat.

Die Handlung spielt im Iran nach der Machtergreifung Khomeini‘s Anfang der Achtziger Jahre. Erzählt wird die Geschichte von Sohrab und Tara und ihren beiden Kindern Abtin und Kaveh und über den stillen Widerstand der iranischen Frauen.

Sohrab ist ein linker Oppositioneller , der im Widerstand arbeitet und sich jeden Tag in Lebensgefahr begibt. Die Hoffnung der Iraner , dass nach der Flucht des Schah‘s das Leben im Iran besser wird, hat sich nicht erfüllt. Gewalt und Repressionen gegen Menschen, die nicht mit der Regierung Khomeini‘s konform gehen,sind an der Tagesordnung.
Wir erfahren, wie Sohrab und Tara sich kennen gelernt haben, wie sie ihre Familie gegründet haben und Sohrabs Widerstand begann.
Er wird inhaftiert und später hingerichtet. Wie die Familie damit lebt, erfahren wir von den einzelnen Familienmitgliedern.
Tara, die die Familie durchbringen muss, weil der Verdiener weggefallen ist und deren Bestreben es ist, ihre Familie nicht zerbrechen zu lassen. Sohrab, der bei den Besuchen der Familie im Gefängnis versucht eine gewisse Normalität aufrecht zu erhalten und mit seiner Liebe der Familie gegenüber dem Grauen einen liebevollen Anstrich zu geben und dabei eine unheimliche Stärke beweist.
Wir erfahren,wie die beiden Brüder versuchen ,jeder auf seine Art ,dem Schicksal zu begegnen. Kaveh wendet sich den Büchern zu, unterstützt von der Bibliothekarin Medadi, die ihm die Liebe zu Büchern nahe bringt und sein kritisches Denken und die Sicht auf die Welt unterstützt .Und dann Abtin, ein kleiner Rebell, der das Lernen als überflüssige Pflicht ansieht und versucht das Leben in diesen Zeiten zu genießen.

Es war schon beeindrucken zu erleben wie die Menschen im Iran unter diesen Umständen ihr Leben meistern, allen voran die Frauen, die nicht laut, sondern mit stillem Protest ihre Waffen gegen das Regime einsetzen.

Der Autor schreibt sein Buch in einem sehr bildhaften Schreibstil, der für mich ein Genuß war und das Lesen zu einem besonderen Erlebnis gemacht hat. Seine Figuren wurden für mich sehr lebendig, so dass ich mich ihnen sehr nahe gefühlt habe. Die liebevolle Art mit der Tara und Sahrab ihre Kinder erzogen haben in einer Welt , die durch Hass und Gewalt bestimmt wird, hat mich tief beeindruckt.
Auch die Stärke der einzelnen Frauen, ob es nun Medadi, , Frau Loft , Tara oder die vielen anderen waren, die sich mit ihrer aufrechten Haltung und im stillen Protest diesem Unrechtsregime entgegenstellten, hat mich tief berührt.

Ich wünsche diesem Buch viele Leser und dem Iranischer Volk Frieden und Freiheit. Ihnen gilt meiner großer Respekt.

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Veröffentlicht am 19.05.2026

ein verwirrender Thriller

Home Before Dark
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Bei „Home before Dark“ von Eva Björg AEgisdottir, erschienen im @kiwi_verlag , handelt es sich um einen soliden Psychothriller, der etwas braucht, um in Fahrt zu kommen und bis zum Ende für einige Verwirrung ...

Bei „Home before Dark“ von Eva Björg AEgisdottir, erschienen im @kiwi_verlag , handelt es sich um einen soliden Psychothriller, der etwas braucht, um in Fahrt zu kommen und bis zum Ende für einige Verwirrung sorgt.

Erzählt wird dieser Psychothriller auf zwei Zeitebenen, in den Sechziger und den Siebziger Jahren mit einem Zeitabstand von 10 Jahren.
1967 verschwindet die siebzehnjährige Kristin auf dem Heimweg spurlos. Ihre Schwester Marsibel fühlt sich verantwortlich, hatte sie doch in Kristins Namen eine Brieffreundschaft aufgebaut und wollte sich an diesem Abend mit dem Brieffreund in der Gegend treffen, in der Kristin verschwand.
10Jahre später kommt Marsibel zurück in ihr Elternhaus, um herauszufinden, was mit ihrer Schwester passiert ist.

Ich fand die Grundidee dieser Geschichte wirklich gut und versprach mir ein spannendes Leseerlebnis. Eine gewisse Grundspannung von Anfang an kann man auch nicht abstreiten, aber mir haben so einige Aspekte das Lesen schwer gemacht. Als erstes die vielen Namen, die sich für mich als Nichtisländerin manchmal ähnelten, sodass ich immer zurück blättern musste, wer jetzt wer ist. Es gab auch viele verschiedene Handlungsstränge, die nicht immer stringent waren, viele mögliche Täter wurden präsentiert, die der Spannung zwar zuträglich waren, aber auch verwirrten, weil einfach zu viele Handlungsstränge aufgemacht wurden.
Nach und nach kristallisierte sich heraus, dass das Trauma des Verschwindens von Kristin die ganze Familie psychisch zerstört hat. Starker Alkoholkonsum bei den Eltern, Familien,- und Eheprobleme und noch ein Geheimnis aus der Vergangenheit, kein Wunder , dass Marsibel in psychologische Behandlung muss und häufig nicht zwischen Traum und Wirklichkeit unterscheiden kann.Auch das war manchmal etwas mühsam zu lesen.

Im letzten Drittel steigert sich die Spannung aber, es löst sich einiges auf, doch es bleiben Fragen, die mein logisches Verständnis nicht lösen konnte.Ich möchte jetzt nicht Spoilern, deshalb kann ich es nicht genauer erklären.

Wer Psychthriller mag, die sich ganz langsam entwickeln, vor vielen Namen und Handlungssträngen nicht zurückschreckt und bei dem nicht immer alles logisch sein muss, der wird sicherlich auf seine Kosten kommen.

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Veröffentlicht am 06.05.2026

ein emotional sehr forderndes Buch

Mit beiden Händen den Himmel stützen
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Dass die Startbedingungen eines Menschen für sein späteres Leben wichtig sind, wissen wir schon lange. Was aber kann mit einer Kinderseele passieren, wenn es diese guten Startbedingungen nicht hat, keine ...

Dass die Startbedingungen eines Menschen für sein späteres Leben wichtig sind, wissen wir schon lange. Was aber kann mit einer Kinderseele passieren, wenn es diese guten Startbedingungen nicht hat, keine Struktur erlebt, keine Wärme, keine Geborgenheit und Verlässlichkeit?
„Mit beiden Händen den Himmel stützen“ von Lilli Tollkien, erschienen im @aufbau_verlage , erzählt die autofiktionale Geschichte von Lale, die in den 80 ziger Jahren in einer Berliner Männerkommune groß wird. Ihre Mutter ist drogenabhängig und muss öfter wegen Beschaffungskrminalität ins Gefängnis und der Grund, warum Lale in die Männer WG einzieht ist, dass ihrer Mutter das Sorgerecht entzogen wurde und ihr Vater gerade wegen Einbruchs im Gefängnis sitzt. So kommt Lale zu einem Freund ihres Vaters.
Das Leben in der WG ist geprägt von Drogenkonsum, wechselnden Partnerschaften der dort wohnenden Männer und sogenannter „antiautoritärer Erziehung“.Lale kann bestimmen , was und wann sie essen und schlafen will, was sie im Fernsehen sehen will und bekommt das Liebesleben der Männer „hautnah“ mit ,im wahrsten Sinne des Wortes, denn auch vor Missbrauch ist sie nicht geschützt.Das „freie Leben“würde ich Verwahrlosung nennen und war schon erstaunt,wie schnell sich ein Jugendamt zufrieden gibt. Als Lale größer wird ,findet sie ein wenig Struktur in der Schule, in die sie gerne geht. Doch die Sozialisation hinterlässt Spuren bei Lale. Sie trudelt durch‘s Leben, ohne ihren Platz darin zu finden. Ihr ganzes Leben besteht aus „losen Fäden“, sie fängt vieles an, bringt aber nichts zu Ende.Da sie auch nie eine verlässliche Bindung zu ihren Eltern hatte, ist sie immer auf der Suche nach Liebe, Geborgenheit und festen Freundschaften, hält sich selbst aber nie für „wertvoll“ genug, um diese einzugehen. Auch sie gerät in einen Strudel von Drogen, bindungslosem Sex und Kriminalität, nur um sich zu spüren. Depressionen bleiben da nicht aus.

Ich muss sagen, dass das mich das Buch emotional stark gefordert hat.Ich hatte eine Wut auf die Erwachsenen, die ihr verantwortungsloses Verhalten hemmungslos auslebten und hatte die ganze Zeit das Verlangen Lale in den Arm zu nehmen, ihr Halt und Stabilität zu geben.
Die sexuellen Übergriffe der Männer waren für mich schwer erträglich und ich spreche hier eine‼️ „T r i g g e r w a r n u n g „ ‼️aus, denn dieses Buch ist an manchen Stellen kaum auszuhalten,vor allem,weil man weiß , dass es Kinder gibt, die genauso aufwachsen.
Erträglich wird dem Leser das Geschriebene ein bisschen dadurch gemacht, dass die Autorin, von der ich annehme, dass sie Ähnliches erlebt hat, mit einer gewissen Distanz zum Geschehen schreibt, als wenn sie das Geschehene als dritte Person beobachtet,doch meine Vorstellungskraft reicht aus, um eine Ahnung davon zu bekommen, was das mit einer Kinderseele macht. Verletzungen, die nie richtig verheilen.

Immer wieder wird mir beim Lesen bewusst, welche Verantwortung man übernimmt, wenn man ein Kind in die Welt setzt.

Dieses Buch trifft mitten ins Herz und benötigt eine stabile Grundstimmung, denn das Schicksal von Lale lässt niemanden kalt. Ich wünsche der Autorin nur das Allerbeste für sich selbst , aber auch für den Erfolg des Buches, der hoffentlich ein Befreiungsschlag für sie war, für mich war es ein sehr intensives Leseerlebnis, das ich nicht so schnell vergessen werde.

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