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Veröffentlicht am 06.05.2026

ein emotional sehr forderndes Buch

Mit beiden Händen den Himmel stützen
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Dass die Startbedingungen eines Menschen für sein späteres Leben wichtig sind, wissen wir schon lange. Was aber kann mit einer Kinderseele passieren, wenn es diese guten Startbedingungen nicht hat, keine ...

Dass die Startbedingungen eines Menschen für sein späteres Leben wichtig sind, wissen wir schon lange. Was aber kann mit einer Kinderseele passieren, wenn es diese guten Startbedingungen nicht hat, keine Struktur erlebt, keine Wärme, keine Geborgenheit und Verlässlichkeit?
„Mit beiden Händen den Himmel stützen“ von Lilli Tollkien, erschienen im @aufbau_verlage , erzählt die autofiktionale Geschichte von Lale, die in den 80 ziger Jahren in einer Berliner Männerkommune groß wird. Ihre Mutter ist drogenabhängig und muss öfter wegen Beschaffungskrminalität ins Gefängnis und der Grund, warum Lale in die Männer WG einzieht ist, dass ihrer Mutter das Sorgerecht entzogen wurde und ihr Vater gerade wegen Einbruchs im Gefängnis sitzt. So kommt Lale zu einem Freund ihres Vaters.
Das Leben in der WG ist geprägt von Drogenkonsum, wechselnden Partnerschaften der dort wohnenden Männer und sogenannter „antiautoritärer Erziehung“.Lale kann bestimmen , was und wann sie essen und schlafen will, was sie im Fernsehen sehen will und bekommt das Liebesleben der Männer „hautnah“ mit ,im wahrsten Sinne des Wortes, denn auch vor Missbrauch ist sie nicht geschützt.Das „freie Leben“würde ich Verwahrlosung nennen und war schon erstaunt,wie schnell sich ein Jugendamt zufrieden gibt. Als Lale größer wird ,findet sie ein wenig Struktur in der Schule, in die sie gerne geht. Doch die Sozialisation hinterlässt Spuren bei Lale. Sie trudelt durch‘s Leben, ohne ihren Platz darin zu finden. Ihr ganzes Leben besteht aus „losen Fäden“, sie fängt vieles an, bringt aber nichts zu Ende.Da sie auch nie eine verlässliche Bindung zu ihren Eltern hatte, ist sie immer auf der Suche nach Liebe, Geborgenheit und festen Freundschaften, hält sich selbst aber nie für „wertvoll“ genug, um diese einzugehen. Auch sie gerät in einen Strudel von Drogen, bindungslosem Sex und Kriminalität, nur um sich zu spüren. Depressionen bleiben da nicht aus.

Ich muss sagen, dass das mich das Buch emotional stark gefordert hat.Ich hatte eine Wut auf die Erwachsenen, die ihr verantwortungsloses Verhalten hemmungslos auslebten und hatte die ganze Zeit das Verlangen Lale in den Arm zu nehmen, ihr Halt und Stabilität zu geben.
Die sexuellen Übergriffe der Männer waren für mich schwer erträglich und ich spreche hier eine‼️ „T r i g g e r w a r n u n g „ ‼️aus, denn dieses Buch ist an manchen Stellen kaum auszuhalten,vor allem,weil man weiß , dass es Kinder gibt, die genauso aufwachsen.
Erträglich wird dem Leser das Geschriebene ein bisschen dadurch gemacht, dass die Autorin, von der ich annehme, dass sie Ähnliches erlebt hat, mit einer gewissen Distanz zum Geschehen schreibt, als wenn sie das Geschehene als dritte Person beobachtet,doch meine Vorstellungskraft reicht aus, um eine Ahnung davon zu bekommen, was das mit einer Kinderseele macht. Verletzungen, die nie richtig verheilen.

Immer wieder wird mir beim Lesen bewusst, welche Verantwortung man übernimmt, wenn man ein Kind in die Welt setzt.

Dieses Buch trifft mitten ins Herz und benötigt eine stabile Grundstimmung, denn das Schicksal von Lale lässt niemanden kalt. Ich wünsche der Autorin nur das Allerbeste für sich selbst , aber auch für den Erfolg des Buches, der hoffentlich ein Befreiungsschlag für sie war, für mich war es ein sehr intensives Leseerlebnis, das ich nicht so schnell vergessen werde.

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Veröffentlicht am 04.05.2026

Generationenroman

Das schönste aller Leben
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„Das Schönste aller Leben“von Betty Boras ist ein Generationenroman der von einer Familie erzählt, die ihren Ursprung in Rumänien im Banat hat.
Einer Familie, die nach dem Fall Ceausescu‘s mit ihrer Tochter ...

„Das Schönste aller Leben“von Betty Boras ist ein Generationenroman der von einer Familie erzählt, die ihren Ursprung in Rumänien im Banat hat.
Einer Familie, die nach dem Fall Ceausescu‘s mit ihrer Tochter nach Deutschland übersiedelt und denen die Meinung ihrer Mitmenschen immer sehr wichtig war und ist.
Drei Frauengenerationen, die ihren Ursprung beiTherese hat, die im 18. Jahrhundert nach einem Fehltritt in einem Arbeitslager landet, von dort flieht und im Banat mit ihrem Mann eine Familie gründet.

Im 20.Jahrhundert verlassen Ihre Nachfahren Rumänien, um ihrer Tochter Vio ein besseres Leben zu bieten.Sie führen ein arbeitsreiches, bescheidenes Leben, immer darauf bedacht ja nicht aufzufallen und den Mitmenschen zu gefallen. So erziehen sie und die Großeltern auch Vio. Sie bemerkt schnell, dass sie als Aussiedlermädchen in Parallelwelten lebt, passt sich an und gibt sich Mühe im Strom mitzuschwimmen und immer etwas besser zu sein als die anderen.

Als Vio Mutter einer Tochter wird, geschieht ein Unglück, was sie in eine tiefe Depression stürzt, da es das für sie so schwer zu händelnde Thema Anderssein wieder in den Mittelpunkt rückt.

Heimat und Anderssein sind die zentralen Themen dieses Familienromans, der mich z.T. sehr berührt hat, mich manchmal aber auch den Kopf schütteln lassen.

Seine Heimat zu verlassen ist glaube ich das Schwerste, was Menschen tun können, denn man lässt nicht nur ein Land zurück, sondern Menschen und vor allem sehr viele Erinnerungen, nicht nur Gute, aber das gehört zum Leben dazu. Dieses Gefühl wurde in diesem Buch gut vermittelt, auch das Gefühl als „Fremde „ in einem neuen Land, in dem man zwar die gleiche Sprache spricht, denn im Banat wurden deutschstämmigen Menschen angesiedelt, heimisch zu werden, Anerkennung zu finden als „Aussiedler“konnte ich gut nachvollziehen. Dass dann jedes Anderssein ein Hemmschuh sein kann, vor allem als Kind und Jugendliche, man alles tut , um ja zu gefallen und nicht aufzufallen , kann ich auch nachvollziehen und für Vio gab es einiges zu verarbeiten in der Hinsicht.
Ich kann auch nachvollziehen, dass die Brandwunden von Vio‘s Tochter, die sie durch ihre Unachtsamkeit bekommen hat, für Vio ein Problem waren. Man macht sich Gedanken, wie die Umwelt damit umgeht, wie Sophie, ihre Tochter selbst damit umgeht, aber für mich hat dieses Thema etwas zu viel Raum in diesem Roman eingenommen. Ich konnte es zum Teil nachvollziehen, habe aber mit der Zeit gedacht, jetzt ist aber gut. Gib deiner Tochter das Gefühl, dass sie gut ist wie sie ist, dass sie über alles geliebt wird dafür das sie da ist , denn
„mit einer Kindheit voll Liebe, kann man ein ganzes Leben aushalten“.Es macht ihr ja , außer ihr selbst, auch niemand einen Vorwurf. Ich hätte dafür gern mehr über Erfahrungen der Eltern hier in Deutschland erfahren, wie sie es empfunden haben, das wird leider nur oberflächlich erwähnt.

Trotzdem habe ich den Roman gern gelesen, denn schreiben kann die Autorin, sodass ich ihr nächstes Buch sicherlich auch lesen werde.

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Veröffentlicht am 02.05.2026

der erste Roman der Autorin

Der Gesang der See
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„Der Gesang der See“von Trude Teige, erschienen im @sfischerverlage ,ist das erste Buch der Autorin und erzählt abgewandelt das Leben ihrer Ururgroßmutter Gertrud, die im 19. Jahrhundert auf der Insel ...

„Der Gesang der See“von Trude Teige, erschienen im @sfischerverlage ,ist das erste Buch der Autorin und erzählt abgewandelt das Leben ihrer Ururgroßmutter Gertrud, die im 19. Jahrhundert auf der Insel auf der sie lebte nur „die Chefin“ genannt wurde. Sie war viermal verheiratet und drei ihrer Ehemänner kamen ums Leben.

Die Heldin dieser Geschichte heißt Kristiane und ist für die Zeit in der dieses Buch spielt , schon eine sehr selbstbewusste und selbstbestimmte Frau. Sie verliert ihre Eltern und ihren Mann sehr früh, der ein Lotse auf der Insel war, ein sehr angesehener Beruf. Kristiane bleibt mit ihrem Sohn allein und muss sich gegen die Männerwelt zur Wehr setzen, die ihr die Lotsenplakette streitig machen will. Sie aber setzt sich durch, heiratet noch ein zweites Mal,erlebt eine leidenschaftliche Affäre ,wird eine erfolgreiche Geschäftsfrau und sticht mit ihrem Verhalten stark aus dem engen Korsett der Dorfgemeinschaft heraus.

Trude Teige kann einfach schreiben. Ich war sofort in der Geschichte drin und habe das Leben von Kristiane sehr gern verfolgt.Die Autorin erzählt das damalige Leben in Norwegen sehr anschaulich, auch die Schilderungen der Dorfgemeinschaft haben mir gefallen und mich häufig schmunzeln lassen.
Die Autorin beschreibt, dass sie selbst auf einer kleinen Insel an der Westküste Norwegens in traditionell patriarchalischem Umfeld großgeworden ist. Wie müssen ihr die Schilderungen ihrer Tante über ihre ihrer Zeit weit voraus denkenden und lebenden Ururgroßmutter gefallen haben. Ich finde jedenfalls, dass diese Bewunderung in diesem Buch zum Tragen kommt.

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Veröffentlicht am 18.04.2026

wieder spannend

Der Steg
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Der neue Psychothriller aus der Feder von Petra Johann hat es in sich.
Er zeigt zwar auch ein paar Längen auf,aber die Auflösung des Falles war so überraschend und schockierend,dass ich der Autorin diese ...

Der neue Psychothriller aus der Feder von Petra Johann hat es in sich.
Er zeigt zwar auch ein paar Längen auf,aber die Auflösung des Falles war so überraschend und schockierend,dass ich der Autorin diese kleinen Längen verzeihe.
Glänzend konstruiert baut sich diese Geschichte,die gleich zu Anfang mit einem Toten beginnt,langsam auf.Ich habe zu keiner Minute beim Lesen mit diesem Ausgang gerechnet und habe zuletzt in eine ganz andere Richtung gedacht.
Auch die Beschreibung der Charaktere ist derAutorin gut gelungen.Man spürt von Anfang an,dass sich da Ungutes zusammenbraut,muss sich aber lange gedulden, um die Zusammenhänge zu erfahren.

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Veröffentlicht am 18.04.2026

so köönte es werden

Koogland
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„Koogland“ ist ein fiktionaler Krimi,der in einer nicht ganz so fernen Zukunft spielt und wenn man ihn mit unserer Realität abgleicht,gar nicht so unrealistisch wirkt.

In Ostfriesland hat es nach einer ...

„Koogland“ ist ein fiktionaler Krimi,der in einer nicht ganz so fernen Zukunft spielt und wenn man ihn mit unserer Realität abgleicht,gar nicht so unrealistisch wirkt.

In Ostfriesland hat es nach einer verheerenden Sturmflut,bedingt durch den Klimawandel,große Schäden an den Deichen gegeben.Grosse Landstriche zwischen den beiden Deichen,die sogenannten Köge,die besiedelt waren,sind zerstört worden,viele Menschen gestorben.
Die Regierung hat den Eigentümern Entschädigungen angeboten und will den Landstrich nicht wieder besiedeln.Doch einige Einwohner wehren sich,nehmen die Entschädigungen nicht an,machen die Regierung für das Unglück verantwortlich,da sie die Deiche nicht geschützt und ausgebessert hat.
Sie wollen in den Kögen wohnen bleiben,gründen ihre eigene „Republik Koogland“ mit eigenen Gesetzen und Gerichtsbarkeit und einem „Anführer“.Mit Deutschland wollen sie nichts mehr zu tun haben.Sie werben Leute an,die auf den verlassenen Höfen leben und arbeiten sollen.Bis auf wenige Ausnahmen,versucht die Gemeinschaft autark zu leben.

Auch die Krankenschwester Lara strandet hier.Allerdings strebt sie kein Leben in dieser Gemeinschaft an,sondern sucht nach ihrer Schwester Alina,die hier mit ihrem Freund lebt und plötzlich nichts mehr von sich hören lässt.Was ist passiert ?

Das Buch zu lesen war schon gruselig.Ein Leben nach dem Vorbild der „Reichsbürger“, die sich vom Staat und allen Institutionen lösen,ihren eigenen Staat aufbauen und den Staat aushebeln wollen,nach ihren eigenen Gesetzen leben,mit einem Anführer,dem alle blind folgen und anhimmeln wie einen Popstar.
Wer sich für die Gemeinschaft entscheidet,natürlich nach einem Auswahlverfahren in dem der Anführer entscheidet wer geeignet ist oder nicht,lebt hinter einem Zaun und kann nicht mehr raus.

Die Vorstellung erweckt bei mir klaustrophobische Vorstellungen,das System noch mehr,weil es stark autokratische Züge zeigt.

Der Krimi ist interessant,spannend und mal was ganz anderes,deshalb fand ich ihn auch gut.Zwischendurch zeigte er ein paar klizekleine Längen,die mich aber nicht grundsätzlich gestört haben.

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