ein überzeugendes Debüt
Passend zur Pressemitteilung, dass die häuslichen Missbrauchsfälle weiter angestiegen sind, habe ich das Debüt " Nest" von Roisin O`Donnel gelesen und muss sagen, dass mich dieses Buch voll und ganz überzeugt ...
Passend zur Pressemitteilung, dass die häuslichen Missbrauchsfälle weiter angestiegen sind, habe ich das Debüt " Nest" von Roisin O`Donnel gelesen und muss sagen, dass mich dieses Buch voll und ganz überzeugt hat. Von Seite eins an verfolgt man gebannt die Geschichte von Ciara und fragt sich, wie das endet.
Ciara Fay ist Lehrerin aus England. Sie ist mit einem Iren verheiratet und hat 2 kleine Töchter. Eines Tages entschließt sie sich ihren Mann zu verlassen .Der charmante, aufmerksame Mann , den sie geheiratet hat, wird für sie immer mehr zur Bedrohung. Sie fühlt sich nicht mehr sicher in ihrer Ehe, die psychischen Misshandlungen nehmen immer mehr zu, sie merkt, sie ist nicht mehr der Mensch , der sie einmal war und sie wartet jeden Tag darauf, dass alles eskaliert.
Als Leser verfolgen wir Ciara Fay auf ihrem Weg , der es in sich hat. Von der ersten Seite an baut dieses Buch Spannung auf und man erfährt nach und nach, was Ciara erleiden musste, wie sie immer mehr klein gemacht und unterdrückt wurde , ihre Bedürfnisse und Wünsche ignoriert wurden, bis sie nicht mehr der Mensch war, der diese Ehe einging.
Mitzuverfolgen, wie sich eine Frau in einer Ehe fühlt in der psychische Gewalt ausgeübt wird und wie schwer es ist , sich aus diesem Kreislauf zu befreien, war erschreckend mitanzusehen. Ich glaube jeder, der so etwas nicht mitelebt hat, kann nicht ermessen, wieviel Kraft es kostet, sich von solch einem Menschen zu befreien. Allein den ersten Schritt zu wagen kostet Kraft und Mut und das ist ja erst der Anfang.
Mir ist es oft kalt über den Rücken gelaufen und ich habe oft gedacht, warum reagiert Ciara jetzt so, warum setzt sie ihm nichts entgegen, aber ich denke wirklich, dass man nur nachempfinden kann, wieviel Angst man hat, wenn man es selbst erlebt hat.
Der Autorin gelingt es wirklich ausgezeichnet die Gefühle und Ängste der Protagonistin darzustellen. Ihre vielen Versuche der Befreiung, ihr widerholtes Scheitern, immer in Angst, dass die Kinder keinen Schaden nehmen und das Wissen, dass man mit vielen Problemen ganz allein darsteht.
Auch die Sprache dieses Buches hat mir gut gefallen und hat das Lesen, abgesehen von dem Thema zu einem Vergnügen gemacht. Ich bin gespannt, was wir von dieser Autorin noch hören.
Eine überraschendes und überzeugendes Debüt, dem ich eine große Leserschaft wünsche.