Profilbild von Havers

Havers

Lesejury Star
offline

Havers ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Havers über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 12.01.2026

Zum passenden Zeitpunkt erschienen

Minnesota
1

Jo Nesbøs Harry Hole ist Geschichte, sein Nachfolger wird Bob Oz (zumindest darf man das vermuten). Und natürlich wird auch Jo Nesbøs neues Buch als Kriminalroman vermarktet – nichts anderes erwarten die ...

Jo Nesbøs Harry Hole ist Geschichte, sein Nachfolger wird Bob Oz (zumindest darf man das vermuten). Und natürlich wird auch Jo Nesbøs neues Buch als Kriminalroman vermarktet – nichts anderes erwarten die Leser von diesem Autor – aber „Minnesota“ ist mehr.

Der Autor nimmt uns mit nach Minneapolis, diese Metropole, die aktuell in sämtlichen Medien präsent ist, da einmal mehr Beamte der ICE (United States Immigration and Customs Enforcement) ihre Waffen nicht stecken lassen konnten und mit ihren schnellen Fingern am Abzug das Leben eines Menschen ausgelöscht haben. Ihr Name war Renee Nicole Good, und sie tat nichts, was diesen Todesschuss gerechtfertigt hätte. Ähnlich wie 2020 George Floyd, der damals bei einem Einsatz der City Police getötet wurde und an den Jo Nesbø hier erinnert.

Was muss ein Mensch erlebt haben, damit alle Dämme reißen, blind vor Wut Waffen eingesetzt um seine Rache zu bekommen? Kann es daran liegen, dass die Gewalt auch von offiziellen Stellen geduldet und von mächtigen Organisationen gefördert wird?

Diese Frage bestimmt in diesem Kriminalroman über weite Strecken die Handlung, nicht zuletzt durch die drei Akteure, deren Wege sich in der Dunkelheit der Stadt kreuzen: Bob Oz, der alkoholabhängige Detective auf der Suche, der den Unfalltod seiner kleinen Tochter bis heute nicht verkraftet hat und von seiner Frau verlassen wurde. Typ einsamer Wolf, traumatisiert, wütend und vom Dienst suspendiert. Ein Shooter, Typ einsamer Rächer, der seit Jahren sein Unwesen in der Stadt treibt und dessen nächstes Ziel der Bürgermeister ist. Ein Autor auf der Suche nach Oz, der in eine geschundene Stadt kommt, um Recherchearbeit für sein Buch zu betreiben und kaum glauben kann, was er sieht.

Nesbø erzählt die Geschichte in zwei Zeitebenen aus wechselnden Perspektiven und legt nicht nur Stück für Stück die Motivation seiner Protagonisten offen, sondern zeigt uns auch eine Metropole mit all ihren Schattenseiten, die insbesondere, aber nicht nur, in der Nacht zutage treten. Ein düstere Portrait, in dem die Schwärze aus jeder Seite dringt. Sehr gut gelungen und genau zum richtigen Zeitpunkt erschienen.

Veröffentlicht am 10.01.2026

Lest lieber "Shutter Island"

Die stumme Patientin
0

War okay, leidlich spannend, aber mehr auch nicht.

"Faszinierend, kunstvoll geplottet, ausßergewöhnlich" - die Blurbs der Autorenkollegen überschlagen sich förmlich. Aber offenbar hat noch keine/r von ...

War okay, leidlich spannend, aber mehr auch nicht.

"Faszinierend, kunstvoll geplottet, ausßergewöhnlich" - die Blurbs der Autorenkollegen überschlagen sich förmlich. Aber offenbar hat noch keine/r von ihnen Dennis Lehans "Shutter Island" gelesen...

Veröffentlicht am 31.12.2025

Historie light

Lebensbande
0

Mechtild Borrmann bleibt auch in „Lebensbande“ ihrem Stil und der zeitlichen Einordnung treu. Rund um den Zweiten Weltkrieg bis zu Beginn der neunziger Jahre lässt sie ihre Leserinnen an Leben, Lieben ...

Mechtild Borrmann bleibt auch in „Lebensbande“ ihrem Stil und der zeitlichen Einordnung treu. Rund um den Zweiten Weltkrieg bis zu Beginn der neunziger Jahre lässt sie ihre Leserinnen an Leben, Lieben und Leiden dreier Frauen - Lene, Lieselotte und Nora - teilhaben. Verbindendes Element sind hier die Tagebuch-Aufzeichnungen der ehemaligen Krankenschwester Nora. Und ja, da Borrmann das Buch für die weibliche Leserschaft geschrieben hat (man schaue sich nur das misslungene Cover an), darf natürlich auch eine zarte Lovestory nicht fehlen.

Im Zentrum stehen jedoch Lene und deren Sohn Leo, der nach Komplikationen bei der Geburt gehandicapt ist, bei Schuleintritt auf den Radar des NS-Regimes gerät und mit dem Stempel „unwertes Leben“ und „Reichsausschusskind“ versehen wird. Und wie mit diesen Kindern verfahren wurde, sollte uns allen bekannt sein. Zusätzlich zur Euthanasie packt die Autorin aber auch noch Zwangsarbeiter in der Landwirtschaft, Einmarsch der Russen, Vergewaltigung, Verschleppung gen Osten in einen Gulag etc. in ihre Geschichte ein.

Allerdings werden die meisten dieser Themen nur en passant und mit abgeschliffenen Kanten angerissen. Das große Mank dieses Romans. Alles sehr oberflächlich, weichgespült und leicht lesbar. Aber wahrscheinlich war das die Intention der Autorin, um Schockeffekte für die Leserschaft zu vermeiden. Was allerdings auffallend ist, im persönlichen Umfeld der Protagonistinnen gab es keine Sympathisanten, keine Mitläufer, keine Funktionsträger, keinerlei Anhänger der NS-Ideologie. Sehr verwunderlich.

Eigentlich reicht es schon, wenn man nur den Klappentext liest, denn der Roman hat kaum mehr als diese Zusammenfassung zu bieten, ist nicht mehr als Historie light, und konnte meine Erwartungen noch nicht einmal in Ansätzen erfüllen. Sehr enttäuschend.

Veröffentlicht am 23.12.2025

Jackson und die Joes

Bad Actors
0

Es gibt nur wenige Reihen aus dem Krimi-/Thrillerbereich, deren Bücher ich ein zweites oder drittes Mal in die Hand nehme. Zwei Autoren gibt es aber, die mich zur Wiederholungstäterin machen: Alan Parks ...

Es gibt nur wenige Reihen aus dem Krimi-/Thrillerbereich, deren Bücher ich ein zweites oder drittes Mal in die Hand nehme. Zwei Autoren gibt es aber, die mich zur Wiederholungstäterin machen: Alan Parks mit der im Glasgow der 70er Jahre verortete Harry McCoy-Reihe und Mick Herron, dessen Einzelbände um die abgeschobenen MI5-Agenten ich ausnahmslos mehrfach lese, um im zweiten, dritten oder vierten Durchgang in den beiläufig hingeworfenen Sätzen dessen geistreiche und immer zutreffende Kommentare zur politischen Gegenwart Großbritanniens zu genießen. Insbesondere dann, wenn man Spionageromane nicht mag, ist es schon allein deshalb einen Versuch wert.

Nun also „Bad Actors“ (Bd. 8), und wer damit gemeint ist, wird sich im Lauf der Handlung herausstellen. Im Haifischbecken tummeln sich die altbekannten Akteure: Ein unfähiger Premier, Geheimdienstchefin Diana Taverner sowie Jackson Lamb und seine Slow Horses. Ergänzt wird dieses Personentableau durch Claude Wheelan (Taverners Vorgänger auf dem Chefposten), den mehr als zwielichtigen Sonderberater und Strippenzieher des Premiers, einen Neuzugang im Slough House sowie der spurlos verschwundenen Schweizerin aus dem politischen Thinktank des Premiers, mit deren Auffinden Wheelan beauftragt wird. Als ein Red-Queen-Alarm ausgelöst wird, der den Kopf der „Königin“ fordert, eskaliert die Situation. Die einzigen, die jetzt noch helfen können, sind Lamb und die Slow Horses. Aber wehe, jemand vergreift sich an ihnen, denn auch wenn es scheint, als ob Lamb nicht viel von ihnen halten würde, sind sie doch seine „Joes“. Und deshalb sollte man sich tunlichst nicht mit Lamb anlegen.

Die Slow Horses-Reihe und so auch „Bad Actor“ lebt von ihren schrägen Charakteren, den bissigen Dialogen, dem schwarzer Humor und den punktgenauen Analysen der britischen Gegenwartspolitik. Das alles sprachlich on top und hervorragen übersetzt von Stefanie Schäfer. Wer allerdings knallharte Action sucht, wird enttäuscht sein, denn die Story ist vielschichtig und verzwickt, entwickelt sich langsam und braucht ihre Zeit, bis sämtliche Informationen in ihrer Komplexität verbunden sind – was übrigens für alle Bände der Reihe gilt, die ich euch uneingeschränkt empfehlen kann.

Als Einstieg ist meiner Meinung dieser Band allerdings meiner Meinung nach nicht geeignet, fehlen doch sehr viele Hintergrundinformationen/Vorgeschichten sowohl zu den Personen als auch zu einschneidenden Geschehnissen aus den Vorgängern.

Veröffentlicht am 16.12.2025

Nur peinlich - für Autor und Verlag

Stonehenge - Die Kathedrale der Zeit
0

Die Kingsbridge-Reihe habe ich geliebt, aber dieses Buch hat in etwas soviel Substanz und Niveau wie ein Groschenroman. Dazu kommt die rattenschlechte Übersetzung. Wörter, die so nie und nimmer in den ...

Die Kingsbridge-Reihe habe ich geliebt, aber dieses Buch hat in etwas soviel Substanz und Niveau wie ein Groschenroman. Dazu kommt die rattenschlechte Übersetzung. Wörter, die so nie und nimmer in den 2000er v. Chr. Jahren Verwendung gefunden haben. Wie ein Lektorat so etwas durchwinken kann, ist mir ein Rätsel. Nur peinlich.

Wer etwas über Stonehenge erfahren möchte, wird mit jeder Doku aus den Mediatheken besser bedient und unterhalten.