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Veröffentlicht am 09.07.2026

Denn niemand ist ohne Schuld...

Sunshine Man
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Achtzehn Jahre sind vergangen, seit Birdies Schwester Providence tot ist. Allerdings ist die damals Fünfzehnjährige keines natürlichen Todes gestorben, sondern wurde erschossen. James „Jimmy“ Maguire, ...

Achtzehn Jahre sind vergangen, seit Birdies Schwester Providence tot ist. Allerdings ist die damals Fünfzehnjährige keines natürlichen Todes gestorben, sondern wurde erschossen. James „Jimmy“ Maguire, der neunzehnjährige Täter, in schwierigen Verhältnissen groß geworden, wurde deshalb zu einer langen Haftstrafe verurteilt. Diese hat er mittlerweile verbüßt, seine Entlassung steht bevor, weshalb sich Birdie, mit einer Beretta in der Tasche, auf den Weg macht. Schließlich hat sie hat noch eine Rechnung mit ihm offen…

Emma Stonex, bekannt durch ihren Erstling „Die Leuchtturmwärter“, fragt nach Gründen. Warum wird ein Mensch zum Mörder? Warum wird jemand gut, warum wird jemand böse? Sind es die Erbanlagen? Ist es das Milieu? Was geschieht mit einem Kind, dem die elterliche Liebe fehlt? Um das man sich nur halbherzig kümmert?

Sie lässt sowohl Birdie, die Jimmy quer durchs Land auf den Fersen ist, als auch Jimmy in wechselnden Kapiteln zu Wort kommen, wobei nicht immer die Gegenwart, sondern sehr oft die Vergangenheit im Fokus steht, was nicht nur den Blick der Leser schärft, sondern auch die Grenzen zwischen schuldig und unschuldig verschwimmen lässt.

Natürlich stellt sich die Frage nach dem Wer? und dem Warum?, obwohl die Beantwortung dieser Frage gegen Ende zunehmend in den Hintergrund tritt. Es sind die Bilder, die Stonex erschafft, die eine ganz besondere Atmosphäre kreieren, die sich im Kopf festsetzen. Und sie wirken auch dann noch nach, wenn man das Buch längst zugeklappt hat.

Veröffentlicht am 09.07.2026

Gut wieder da zu sein

Die Toten von morgen
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Aktuell gibt es ganz genau drei deutsche Autoren, die mit entlarvendem Blick die Schattenseiten Berlins jenseits von Mitte, Grunewald und Prenzlauer Berg zeigen: Johannes Groschupf, Clemens Murath und ...

Aktuell gibt es ganz genau drei deutsche Autoren, die mit entlarvendem Blick die Schattenseiten Berlins jenseits von Mitte, Grunewald und Prenzlauer Berg zeigen: Johannes Groschupf, Clemens Murath und Kim Koplin aka Edgar Rai, was Koplin bereits in dem genialen Vorgänger „Die Guten und die Toten“ unter Beweis gestellt hat.

Nun also „Die Toten von morgen“, die gelungene Fortsetzung der Geschichte um Nihal, Kommissarin in spe, und Saad, dem syrischen Flüchtling, immer noch auf der Flucht vor dem Marseiller Drogenkartell und Leila, seine kleine Tochter, die Nihal lieb gewonnen hat und in ihr eine Ersatzmutter sieht.

Der Tote in Charlottenburg aus Nihals neuestem Fall ist der Aufhänger für den Drogenkrieg, der die Handlung dominiert, die uns in die Berliner Parallelwelt mit ihren dunkelsten Seiten katapultiert, knallhart und dreckig. Mit jeder Menge Ironie vom Autor beschrieben, so dass man sich stellenweise das Schmunzeln nicht verkneifen kann.

Ein gut konstruierter, stimmiger Plot, spannende Handlung mit jeder Menge Tempo, getrieben von kurzen Kapiteln aus unterschiedlichen Perspektiven – alles vorhanden, was einen guten Thriller auszeichnet und damit jede Menge Lesespaß garantiert. Versprochen!

Veröffentlicht am 09.07.2026

Der Albtraum jeder Mutter

Alles ihre Schuld
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Der Albtraum jeder Mutter und sogleich ein Hinweis darauf, wer die Zielgruppe dieses Thrillers ist: Ein vierjähriges Kind verschwindet nach einem Playdate spurlos. Natürlich schellen dann alle Alarmglocken. ...

Der Albtraum jeder Mutter und sogleich ein Hinweis darauf, wer die Zielgruppe dieses Thrillers ist: Ein vierjähriges Kind verschwindet nach einem Playdate spurlos. Natürlich schellen dann alle Alarmglocken. Eine hektische Suche beginnt, Verzweiflung macht sich breit, schlimmste Vermutungen drängen sich auf. Und alle sind verdächtig.

Aber listen wir mal alle Fakten auf: Die Verabredung wird per Textnachricht festgezurrt. Marissa, die betroffene Mutter, kennt den familiären Hintergrund des anderen Kindes nicht, weiß noch nicht einmal, wo, mit wem und wie es lebt. Die Verantwortung für „das andere Kind“ liegt einzig und allein bei dessen Kindermädchen. Tut mir leid, aber unter diesen Umständen würde ich mein Kind nicht aus der Hand geben.

Und natürlich werden dann auch im Verlauf der Suche nach dem vermissten sämtliche Kind die „dunklen Geheimnisse“ aller Beteiligten ans Licht gezerrt. Oh je!

Seit Freida McFadden scheint es offenbar momentan in Mode zu sein, übersichtliche und eher dünne Stories mit jeder Menge aus dem Hut gezauberten Twists aufzupeppen. Und natürlich speisen diese sich meist aus völlig unvorhersehbaren Quellen und Umständen, deren Hintergründe natürlich auch nicht offensichtlich sind.

Come on, das geht doch wahrlich besser.

Veröffentlicht am 07.07.2026

Von Seethaler bin ich Besseres gewohnt

Die Straße
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Ich hätte es nicht für möglich gehalten, aber jetzt ist es passiert! Ich habe ein Buch des Autors, den ich über die Jahre schätzen gelernt habe, entnervt abgebrochen.

Seit Seethaler „Trafikant“ bin ich ...

Ich hätte es nicht für möglich gehalten, aber jetzt ist es passiert! Ich habe ein Buch des Autors, den ich über die Jahre schätzen gelernt habe, entnervt abgebrochen.

Seit Seethaler „Trafikant“ bin ich ein großer Fan des Autors, habe alle seine Romane nicht nur mit großer Freude, sondern auch persönlichem Gewinn gelesen. Sie haben mich angefasst, weil er immer wieder die grundlegenden Themen der menschlichen Existenz, des Seins, des Miteinanders, in den Mittelpunkt gestellt hat. Absolut gelungen in „Das Café ohne Namen“.

Daran wollte er wohl mit „Die Straße“ anknüpfen, aber meiner Meinung nach ist ihm das hier nicht wirklich gelungen. Zu kurz die Einwürfe der jeweiligen Bewohner, zu wenig Das habe ich leider in diesem Porträt der Straße nicht entdecken können. Zu kurz die jeweiligen Einwürfe, eine Ansammlung von Banalitäten, nichtssagend in ihren Andeutungen einer Gesellschaftskritik.

Und leider lässt auch die (einmal mehr) gewählte Erzählstruktur, ob ihrer kurzen Beiträge und permanent wechselnden Perspektive, ein unbefriedigendes Gefühl zurück, wird der Leserin/dem Leser doch damit nicht nur die Möglichkeit genommen, eine wie auch immer geartete Verbindung zu dem Leben der Sprechenden aufzubauen, ganz zu schweigen davon, eine Vorstellung des Lebensraums dieser Menschen zu bekommen.

Leichte Kratzer an der Oberfläche ohne Empathie und Handlung. Von Seethaler bin ich Besseres gewohnt.

Veröffentlicht am 01.07.2026

Gut gemacht, Frau Hellberg!

Vega Varg – Das Schweigen der Insel
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„Das Schweigen der Insel“ ist der Auftaktband einer neuen Reihe, in der Vega Varg die zentrale Rolle spielt.

Schon das Cover unterscheidet sich deutlich von dem, was man üblicherweise bei skandinavischen ...

„Das Schweigen der Insel“ ist der Auftaktband einer neuen Reihe, in der Vega Varg die zentrale Rolle spielt.

Schon das Cover unterscheidet sich deutlich von dem, was man üblicherweise bei skandinavischen Krimis gezeigt bekommt. Kein farbenfrohes Häuschen am strahlenden blauen Wasser, sondern eine abgerockte Bretterbude in the Middle of nowhere. Gelb-braun-schwarze Düsternis.

Und auch Vega Varg, die Polizeichefin von Koster (zwei dünnbesiedelte Inselchen zwischen Schweden und Norwegen), unterscheidet sich deutlich von den Ermittlern/Ermittlerinnen, mit denen man es üblicherweise in den skandinavischen Krimis zu tun hat. Keine durchtrainierte Superwoman, sondern eine 62jährige Frau mit scharfem Verstand, die wenig Wert auf Äußerlichkeiten legt und mich schon nach den ersten Seiten an Ann Cleeves „Vera“ erinnert hat, obwohl Vega wesentlich empathischer mit ihren Mitmenschen umgeht.

Eine Leiche wird gefunden. Es ist Fredde, ein Kindheitsfreund ihrer beiden Söhne (beide auch bei der Polizei), der als Kind regelmäßig bei ihnen am Tisch saß, wenn es in seinem Zuhause mal wieder dicke Luft gab. Und dann verschwindet auch noch eine Person aus der Gruppe derjenigen, die den Toten gefunden haben, was zur Folge hat, dass Unterstützung aus Oslo anrückt. Lepold Posse, nicht nur Kollege sondern auch bester Freund...

Ja, es dauert etwas, Åsa Hellberg lässt sich Zeit mit ihrer Geschichte, was aber bei einem Reihenauftakt nicht ungewöhnlich ist, muss der Leser/die Leserin doch sowohl die Personen als auch das Setting erstmal kennenlernen. Ihre Erzählweise ist völlig unaufgeregt, fast schon entspannt, und dass sie Routine hat, merkt man. Hat sie ja bereits erfolgreich bewiesen.

Gelungen sind die Perspektiven der verschiedenen Beteiligten, die zur besseren Unterscheidung mit dem jeweiligen Namen kenntlich gemacht sind, was Zuordnungschaos vermeidet. Aber auch die Familienkonstellation Vegas ist interessant, denn wann hat man das schonmal, dass eine ganze Familie bei der Polizei beschäftigt ist und sich der Verbrechensaufklärung widmet?

Ich lese seit Jahrzehnten Krimis und freue mich immer wieder, wenn mich ein/e Autor/in mit Wendungen überrascht, die ich nicht vorhersehen konnte. Und auch die Perspektiven der verschiedenen Beteiligten, die zur besseren Unterscheidung mit dem jeweiligen Namen kenntlich gemacht wurden, fand ich gelungen, weil damit das Zuordnungschaos vermieden wird.

Gut gemacht, Frau Hellberg, und ich freue mich schon auf weitere Fälle mit Vega Varg!