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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 17.06.2026

Lebensbejahend, wissensreich und wohltuend selbstbestimmt

Light my Fire
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„Light my Fire" von Sheila de Liz ist ein Buch über erfüllte weibliche Sexualität und Lust ab 45 Jahren – und es ist anders als man vielleicht erwartet. Die Autorin schreibt ausgesprochen nahbar und herzlich, ...

„Light my Fire" von Sheila de Liz ist ein Buch über erfüllte weibliche Sexualität und Lust ab 45 Jahren – und es ist anders als man vielleicht erwartet. Die Autorin schreibt ausgesprochen nahbar und herzlich, ohne dabei an Tiefe zu verlieren. Das Buch ist vollgepackt mit fundiertem Wissen und räumt mit so manchem Mythos auf.
Der Aufbau ist klar und durchdacht: Der erste Teil widmet sich der Frage, warum Sexualität im Alter wichtig ist, und vermittelt Wissen über weibliche Lustentwicklung, Anatomie und Hormonhaushalt. Der zweite Teil befasst sich mit medizinischen Problemen und ihren Lösungsansätzen, der dritte mit sexueller Heilung. Eingestreut sind zum Teil leicht verspielte Illustrationen zur Anatomie sowie sinnliche Abbildungen von Paaren, die ich als sehr passend und stimmig empfand.
Was das Buch so gut lesbar macht, sind neben dem offenen und unterhaltsamen Ton der Autorin auch die zahlreichen Fallbeispiele, die die Inhalte lebendig und greifbar machen. Etwas zu kurz kommt die kritische Auseinandersetzung mit den Nebenwirkungen einer Hormontherapie. Und für den einen oder anderen mag die ausgeprägte Fokussierung auf erfüllte Sexualität als Garant für Lebensglück etwas über das Ziel hinausschießen.
Andererseits liest sich das Buch wohltuend motivierend, unterstützend und überaus lebensbejahend. Was ich besonders mochte, war die Haltung der Autorin, Frauen in ihrer Selbstbestimmung stärken zu wollen – dabei wirkt es nie belehrend, sondern stets einladend und ermunternd.

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Veröffentlicht am 08.06.2026

Glanz und Leere – über den Hunger nach Anerkennung in der französischen Elite

Die Liebeshungrigen
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Was man gleich zu Beginn sagen muss: „Die Liebeshungrigen" ist eher Futter für den Intellekt als für die Seele. Es geht um männlichen Machtverlust und -missbrauch, den Bedeutungsverlust von Frauen mit ...

Was man gleich zu Beginn sagen muss: „Die Liebeshungrigen" ist eher Futter für den Intellekt als für die Seele. Es geht um männlichen Machtverlust und -missbrauch, den Bedeutungsverlust von Frauen mit zunehmendem Alter, den Weg weiblicher Emanzipation.
Der Roman startet sehr langsam mit der Reflexion des abgewählten französischen Ex-Präsidenten Dan Lehmann, der über seine Karriere philosophiert und seine innere Leere mit viel zu viel Alkohol zu betäuben versucht. Karine Tuil nimmt sich Zeit, bis alle Figuren platziert und in Beziehung zueinander ausgerichtet sind. Sind die Frauen zunächst eher ohnmächtig und stellen ihr eigenes Leben den Bedürfnissen der Männer unter, kommt es zunehmend zu einer Weiterentwicklung – und die Frauen ziehen an Lehmann vorbei.
Der Roman spielt in der Elite der französischen Politik und Kunst. Die Figuren sind überwiegend orientierungslos und eitel, was seinen Höhepunkt bei den Filmfestspielen in Cannes im letzten Drittel des Buches findet. Emotional konnten mich die Figuren wenig berühren – allein die Ex-Frau des Präsidenten war für mich etwas nahbarer und erlebbarer.
Es ist ein Roman, der intellektuell anregt und gesellschaftlich hochrelevant ist. Die Mechanismen in Politik und Filmbranche werden mit ihrer Doppelbödigkeit – insbesondere im Hinblick auf Frauen – wunderbar herausgearbeitet und bieten einiges an Diskussionsstoff. Wer Nahrung für den Kopf sucht, wird hier fündig. Wer jedoch ein emotional bewegendes Leseerlebnis erwartet, könnte enttäuscht werden.

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Veröffentlicht am 23.05.2026

inspirierend

Was dein Leben leichter macht
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In zwanzig Kapiteln erzählt der Psychotherapeut Sina Haghiri Geschichten aus dem Alltag – über Gesellschaft, Gesundheit und das, was uns als Menschen psychisch bewegt. Die eingeflochtenen persönlichen ...

In zwanzig Kapiteln erzählt der Psychotherapeut Sina Haghiri Geschichten aus dem Alltag – über Gesellschaft, Gesundheit und das, was uns als Menschen psychisch bewegt. Die eingeflochtenen persönlichen Geschichten und Begegnungen machen die Kapitel sehr nahbar, und gleichzeitig sind sie mit Fachwissen gespickt, sodass ich als Leserin viele Kapitel mit einem kleinen Aha-Moment abgeschlossen habe.

Besonders mochte ich tatsächlich das Kapitel zum Thema Sterben – mit seinen Fragen rund um Würdezentriertheit hat es mich wirklich zum Nachdenken gebracht. Es ist selten, dass ein Sachbuch dieses Thema so einfühlsam und gleichzeitig klar behandelt.

Positiv hervorzuheben ist auch, dass das Buch zu keiner Zeit belehrend wirkt – es verhilft vielmehr zu eigenen Einsichten, was ich als sehr angenehm empfunden habe. Man kann es von vorne bis hinten durchlesen oder sich gezielt einzelne Kapitel heraussuchen, die einen gerade interessieren – beides funktioniert gut.

Natürlich zündet nicht jedes Kapitel gleichermaßen: Manche haben mir neue Erkenntnisse für Herz und Verstand geschenkt, andere haben mich weniger berührt. Insgesamt habe ich das Buch als inspirierend und anregend erlebt – allerdings war es für mich kein Buch, das man in einem Zug liest. Ich konnte es immer nur in kleinen Portionen zu mir nehmen, um die Inhalte wirklich verdauen zu können.

Was die äußere Aufmachung betrifft, hat mich das Buch etwas weniger überzeugt. Das Design ist sehr schlicht gehalten, das Papier wirkt eher „pappig" und hätte gerne hochwertiger sein dürfen. Bei einem Buch, das man naturgemäß mit vielen kleinen Pausen liest, hat mir ein Leseband tatsächlich gefehlt.

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Veröffentlicht am 23.05.2026

Unterhaltsam

Yesteryear
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Wer auf der Suche nach gepflegter Langeweile ist, Hände weg von diesem Buch! Allen anderen sei das Buch empfohlen – innerhalb von 2 Tagen hatte ich das Buch gelesen und mich dabei bestens unterhalten gefühlt.
Äußerlich ...

Wer auf der Suche nach gepflegter Langeweile ist, Hände weg von diesem Buch! Allen anderen sei das Buch empfohlen – innerhalb von 2 Tagen hatte ich das Buch gelesen und mich dabei bestens unterhalten gefühlt.
Äußerlich macht das Buch ebenfalls eine gute Figur: Der halbtransparente Umschlag mit "doppeltem Boden" und das graue Leseband passen sehr gut zu dem Thema des Romans.
Im Mittelpunkt steht Natalie, die als klassische Trade Wife mit ihrer Familie auf einer Farm lebt und dieses vermeintlich idyllische Landleben für ihre Follower inszeniert – und damit ordentlich Geld verdient. Was die Kamera nicht zeigt: Nannys, Produzenten, Farmarbeiter, die das ganze Konstrukt am Laufen halten, aber auch die Familienspannungen und -konflikte. Als Natalie sich plötzlich ohne jede Unterstützung in eben jener Welt wiederfindet, die sie bislang nur vermarktet hat, nimmt der Roman Fahrt auf.
Besonders interessant ist dabei die Figur der Natalie selbst: Das Buch zeigt, wie jemand aus einer tief empfundenen Sehnsucht nach Sicherheit und Struktur allmählich in die Rolle einer Trade Wife hineinwächst – und wie sie damit zugleich eine Sehnsucht bedient, die viele Menschen in einer chaotischen Welt nach der guten alten Zeit mit ihren traditionellen Werten verspüren. Natalie ist als Figur mit ihrer vermeintlichen Überlegenheit und sarkastischem Ton ausgesprochen unsympathisch gezeichnet – und dennoch folgt man ihr gerade deswegen gebannt. Es gibt sogar Momente, in denen ich ihr innerlich zustimmend genickt habe, etwa wenn sie die Zerrissenheit von Frauen zwischen beruflichen Anforderungen und familiären Bindungen und Verpflichtungen beim Namen nennt.
Das Buch öffnet viele Themen: Social Media und Authentizität, Geschlechterrollen, den Preis des perfekten Lebens. Allerdings werden die wenigsten davon in der Tiefe weiter ausgeleuchtet. Ob das ein Manko ist, ist vermutlich Geschmackssache. Einzelne Bilder oder Zitate, die mich noch lange nach dem Lesen begleiten, habe ich zwar nicht mitgenommen – aber als kurzweilige, kluge Unterhaltung ist Yesteryear auf jeden Fall eine Empfehlung wert.

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Veröffentlicht am 03.05.2026

Eine besondere Kinderbuchreihe – geheimnisvoll und fesselnd

Mika Mysteries - Die Spur der Meisterdiebin
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Im Vergleich zum ersten Teil empfanden unser neunjähriger Sohn und ich diesen zweiten Band vielleicht etwas langatmiger. Gleichzeitig besticht der Roman durch seine geheimnisvolle und wunderbar erzählte ...

Im Vergleich zum ersten Teil empfanden unser neunjähriger Sohn und ich diesen zweiten Band vielleicht etwas langatmiger. Gleichzeitig besticht der Roman durch seine geheimnisvolle und wunderbar erzählte Atmosphäre im Stockholm der Jahrhundertwende. 

Zur Handlung: Stockholm 1881: Die Stadt fiebert der Rückkehr des Forschungsschiffs Vega entgegen, während im Waisenhaus einige Kinder spurlos verschwinden. Als Kommissar Hoff Mika wegen einer Diebstahlserie um Hilfe bittet, gerät sie in einen gefährlichen Konflikt zwischen Loyalität und Gerechtigkeit.

Ungewöhnlich für ein Kinderbuch haben die Charaktere eine bemerkenswerte Tiefe. Das ganze Buch hat durchaus etwas Düsteres, was Kinder einerseits als faszinierend erleben, aber möglicherweise nicht für empfindsame Kinder geeignet ist. Johan Rundberg traut seinen jungen Lesern in der Darstellung durchaus viel zu.

Mir hat es sehr viel Spaß gemacht, das Buch vorzulesen und unser 9 jähriger Sohn war trotz kleiner Längen in der Mitte immer gespannt dabei. Für uns eine besondere Buchreihe zwischen all den anderen Kinderbüchern. Johan Rundberg wurde für den ersten Band "Der Ruf des Nachtraben" 2021 mit dem renommierten schwedischen Augustpreis ausgezeichnet – zu Recht!

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