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Veröffentlicht am 07.03.2026

Ein surrealer Traum

Ich, die ich Männer nicht kannte
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Das Buch ist schwer zu beschreiben. Es liest sich ein bisschen wie ein Traum, hat dabei etwas Beklemmendes und Unwirkliches. Jemand hat mal beschrieben, der Roman sei wie ein Rorschachtest: Was ein Leser ...

Das Buch ist schwer zu beschreiben. Es liest sich ein bisschen wie ein Traum, hat dabei etwas Beklemmendes und Unwirkliches. Jemand hat mal beschrieben, der Roman sei wie ein Rorschachtest: Was ein Leser in dem Roman für sich herausliest, sagt viel über den Leser selbst.
Jacqueline Hartmann schafft eine surreale Welt. Zunächst begleitet man eine Gruppe von Frauen, eingesperrt unter der Erde, ohne dass man als Leser die Hintergründe näher versteht. Nach einer Havarie können die Frauen aus ihrem Gefängnis unter der Erde fliehen und irren fortan durch die Landschaft – was sich durchaus auch auf das Leben übertragen lässt.
Es geht um innere Themen, die uns antreiben: das Streben nach Wissen und Begreifen, nach miteinander verbunden sein. Aber auch die Feststellung, dass letztendlich jeder auf seine Weise allein im Leben ist.
Ich habe den Roman sehr gerne gelesen. Viele Bilder sind in meinem Kopf hängen geblieben und haben ein Gefühl hinterlassen, das sich schwer beschreiben lässt. Vielleicht geht es um eine grundlegende Sinnlosigkeit und zugleich darum, was wir als Menschen daraus machen. Wer sehr empfindsam auf Logiklücken reagiert, dem würde ich von dem Buch eher abraten. Wer jedoch ein philosophisches und besonderes Buch sucht, hat mit „Ich, die ich Männer nicht kannte" eine kleine Perle gefunden.

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Veröffentlicht am 20.02.2026

Farbenfroh illustriert, das Ende hätte phantasievoller sein dürfen

Vom kleinen Spatz, der eine große Amsel werden wollte
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Von Werner Holzwarth kennen die meisten vermutlich "Vom kleinen Maulwurf, der wissen wollte, wer ihm auf den Kopf gemacht hat". Sein neues Buch "Vom kleinen Spatz, der eine große Amsel werden wollte" lebt ...

Von Werner Holzwarth kennen die meisten vermutlich "Vom kleinen Maulwurf, der wissen wollte, wer ihm auf den Kopf gemacht hat". Sein neues Buch "Vom kleinen Spatz, der eine große Amsel werden wollte" lebt direkt auf den ersten Blick von seinen Illustrationen - ausgesprochen farbenfroh und fröhlich leuchten sie dem Leser entgegen. Der Text ist wunderbar für kleine Kinder geeignet. Es gibt einen gewissen Rhythmus durch die Wiederholung der Erzählweise, was kleine Kinder oft sehr lieben. Das Buch macht unglaublich neugierig auf den ersten Seiten und man möchte direkt erfahren, ja, was wird denn aus dem kleinen Spatz, der kleinen Amsel, der kleinen Taube,... wenn sie mal groß sind. Das Ende hat uns dann leider nicht überzeugt. Gerade weil die Großen seitenweise so nüchtern gegenüber den kleinen Vogelkindern argumentieren, fiebert man als Leser auf ein besonders kreatives und phantasievolles Finale zu, was dann leider ausbleibt.
So ist es insgesamt ein wirklich wunderbar illustriertes Kinderbuch, inhaltlich blieb es zum Ende jedoch hinter unserer Erwartung zurück.

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Veröffentlicht am 20.02.2026

Persönlich und berührend

Love and be loved
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"Love and be loved" ist ein typisches Geschenkbuch, das man aber auch gerne selber in einer ruhigen Minute in die Hand nimmt. "Mögest du..." - so beginnt eine jede Seite und es folgt ein Wunsch, der wirklich ...

"Love and be loved" ist ein typisches Geschenkbuch, das man aber auch gerne selber in einer ruhigen Minute in die Hand nimmt. "Mögest du..." - so beginnt eine jede Seite und es folgt ein Wunsch, der wirklich von Herzen zu kommen scheint. Manchmal ist dieser direkt anrührend, vielleicht auch zum Nachdenken anregend, hin und wieder inspirierend, Wünsche an eigene liebe Menschen zu formulieren. Es gibt aber auch immer mal wieder Wünsche, die mich nicht so überzeugt haben. Vielleicht liegt es auch an einer etwas unaufmerksamen Übersetzung.
Die Illustrationen wirken in ihrer schlichten und persönlichen Gestaltung auf eine zarte Weise berührend. Insgesamt ist es mit dem großen Format recht hochwertig gestaltet und eignet sich sicher gut zum Verschenken, z.B. Geburt, 18.Geburtstag...
Es ist vielleicht kein Buch, das man unbedingt besitzen muss, wenn man es aber mit etwas Muße durchblättert, einen warmes und wohliges Gefühl hinterlässt.

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Veröffentlicht am 09.02.2026

Familiengeschichte mit einem ganz eigenen, wunderbarem Charme

Wenn du es heimlich machen willst, musst du die Schafe töten
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Dieses Buch ist etwas Besonderes und ich habe es ausgesprochen gerne gelesen. Im Grunde ist es eine Familiengeschichte. Als Leser begleitet man die Familie über mehrere Generationen - angefangen während ...

Dieses Buch ist etwas Besonderes und ich habe es ausgesprochen gerne gelesen. Im Grunde ist es eine Familiengeschichte. Als Leser begleitet man die Familie über mehrere Generationen - angefangen während des Krieges in einem norddeutschen Dorf nahe der Küste bis hin zu späteren Generationen im Süden. Man erlebt sie in ihren Verstrickungen, (un)erfüllten Träumen, Gewohnheiten und ganz individuellen Besonderheiten. Während andere Familiengeschichten opulent und ausschmückend erzählt werden, bleibt dieser Roman fragmentarisch. Aber gerade das hat für mich einen großen Reiz ausgemacht und mich zum Teil mit wenigen Worten sehr berührt. Besonders geliebt habe ich die Passagen, wenn magische Elemente mit eingeflochten und so der Familienaberglaube fein mit eingesponnen wurde. Ein absolut lesenswertes Buch mit einem ganz eigenen, wunderbarem Charme.

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Veröffentlicht am 06.02.2026

Ein intensives Kammerspiel über Freundschaft, Grenzen und Weiblichkeit

Es ist hell und draußen dreht sich die Welt
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„Weil sie ein bisschen stolz war auf ihre Fähigkeit, einen Unterschied zu machen, statt immer nur das Nötigste, damit alle überleben. Seit wann war sie so sehr damit beschäftigt? So beschäftigt damit, ...

„Weil sie ein bisschen stolz war auf ihre Fähigkeit, einen Unterschied zu machen, statt immer nur das Nötigste, damit alle überleben. Seit wann war sie so sehr damit beschäftigt? So beschäftigt damit, Bedürfnisse zu befriedigen, dass darüber hinaus nichts mehr möglich war. Es gibt so viele Bedürfnisse. Unendlich viele. Befriedigt man eins, kommen drei nach, und wer kann entscheiden, welches ignoriert werden darf, ja, vielleicht sogar sollte?" (S. 110)

Der Roman „Es ist hell und draußen dreht sich die Welt" von Dita Zipfel fühlt sich beim Lesen wie ein intensives Kammerspiel an. Zwei Paare reisen gemeinsam in den Urlaub nach Südfrankreich: das eine mit ihren beiden Kindern, gut situiert und Gastgeber; das andere Paar mit unerfülltem Kinderwunsch. Die Männer sind seit Schulzeiten eng befreundet. Die Frauen nähern sich zunehmend aneinander an, dabei so unterschiedlich – die eine fast archaisch-wild. Die andere in ihrer weichen Art vordergründig zufrieden-angepasst.
Die Sprache ist kraftvoll und zugleich auch irgendwie zart. Die Annäherung zwischen Eva und Linn hat mich an den französischen Film „Liebe mich, wenn du dich traust" aus dem Jahre 2003 erinnert: dieses sich gegenseitige Antreiben, über Grenzen bringen, immer ein bisschen am Rande des Wahnsinns.
Was mir besonders gefallen hat, war die Darstellung der beiden unterschiedlichen Frauenfiguren. Beide so besonders und speziell, dass es eine Freude war, ihnen in ihren Gedankengängen zu folgen, die zugleich so vertraut sind. Sie als Leserin bei ihren Taten zu begleiten, die zum Teil nachvollziehbar sind, hat sich mitunter irritierend angefühlt.
Das Ende kam für mich tatsächlich etwas abrupt und hat mich mit hundert Fragezeichen im Kopf zurückgelassen. Ich hätte mir ein anderes Ende gewünscht – andererseits passt es irgendwie auch wieder sehr gut zu den beiden Frauen mit ihrer in sich schlummernden ungezähmten Wildheit. Letztendlich war es wie eines dieser Bühnenstücke, bei dem am Ende alle nackt über die Bühne laufen und sich gegenseitig mit Tomaten bewerfen und man als Zuschauer sich fragt: Was will die Autorin uns damit sagen? Es ist auf jeden Fall ein emotionales Leseerlebnis, zum Teil wild, dann wieder überraschend feinfühlig. Und auch die Fragezeichen, die die Autorin zum Ende mit Wucht platziert, hallen noch nach.

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