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Veröffentlicht am 21.08.2020

Die Mutter der Haunted House-Geschichten

Spuk in Hill House
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"Spuk in Hill House" stammt aus der Feder der amerikanischen Autorin Shirley Jackson und erschien bereits 1959. Ein Klassiker und Meilenstein im Gothic-Horror-Genre und für mich die „Mutter“ aller Haunted-House-Geschichten. ...

"Spuk in Hill House" stammt aus der Feder der amerikanischen Autorin Shirley Jackson und erschien bereits 1959. Ein Klassiker und Meilenstein im Gothic-Horror-Genre und für mich die „Mutter“ aller Haunted-House-Geschichten. Als bekennende Liebhaberin dieses Sub-Genre sah ich mich dazu verpflichtet dieses Buch zu lesen und ich habe es (trotz kleiner Abzüge in der B-Note) nicht bereut.

Dr. Montague hat es sich zum Ziel gesetzt übernatürliche Aktivitäten nachzuweisen. Als Ort für seine Studien scheint „Hill House“ perfekt. Gemeinsam mit seinen Assistenten Luke, Eleanor und Theodora möchte er den Spuk in diesen alten Gemäuern untersuchen. Recht schnell häufen sich seltsame Ereignisse…

Natürlich merkt man dem Buch sehr schnell an, dass es bereits 1959 geschrieben wurde. Die Sprache und der Stil unterscheiden sich an manchen Stellen deutlich von heutiger Horror-Literatur. Ob das jedem gefällt, ist die andere Frage. Ich persönlich empfand beim Lesen direkt ein wohlig, nostalgisches Gefühl und war angetan von dem altmodischen Charme.

„Es lag eine beständige Stille auf dem Holz und den Steinen von Hill House, und was immer dort wandelte, es wandelte allein.“ Seite 7

Besonders gut ist es Shirley Jackson gelungen, die Atmosphäre in und um Hill House einzufangen. Ich habe alles genau vor meinem Auge gehabt: die Hügel, den nahe gelegenen Bach, die verwinkelten Gänge. Ich habe die knarzenden Dielen gehört, den kalten Hauch an der Schwelle zum Kinderzimmer gespürt. Wirklich toll ausgearbeitet fand ich auch die Geschichte um Hill House selbst und die dadurch gegebene Erklärung, wieso das Haus „böse“ ist. Das Buch ist einfach unheimlich atmosphärisch und intensiv erzählt. Das gefiel mir ausgesprochen gut und ist in meinen Augen einer der wichtigsten Punkte bei einer Haunted-House-Geschichte.

Leider war der Erzählstil Jacksons jedoch in meinen Augen bei den Dialogen nicht immer gelungen. Die Dialoge waren teilweise sehr gewöhnungsbedürftig. Sie wirkten oft so, als würden die Personen komplett aneinander vorbeireden. Es gab Gedankensprünge und Szenen-Wechsel, die ich nicht verstanden habe und die mich kurz aus dem Lesefluss rissen oder gar die Spannung an der einen oder anderen Stelle zunichtemachten.

„Ich bin wie ein kleines Tier, das von einem Ungeheuer verschlungen wird, dachte sie, und das Ungeheuer spürt in sich meine winzig kleinen Bewegungen.“ Seite 57

Die Charaktere des Buchs waren sehr unterschiedlich und in meinen Augen komplett unsympathisch. Tatsächlich mochte ich die schrullige Haushälterin und den ruppigen Hausmeister am liebsten. Die Szenen mit diesen beiden Figuren waren einfach göttlich. Die Hauptfiguren jedoch blieben für mich alle undurchsichtig und blass. Die Gründe für ihr Handeln und ihre Worte erschlossen sich mir einfach nicht. Dadurch fehlte mir der Bezug zu ihnen. Einzig bei Eleanor blitzten Ansätze davon durch. Sie war mir aber zu naiv und sprunghaft in ihrer Meinung, um sie wirklich „zu mögen“.

Da Ende des Romans war dann wieder ganz nach meinem Geschmack und mir fallen immer wieder neue Wege ein, wie man es deuten könnte.

„Spuk in Hill House“ ist anders als erwartet, aber aufgrund seiner bedrückenden Atmosphäre und der bildgewaltigen, fast poetischer, Sprache von Jackson durchaus lesenswert. Zusammenfassend kann ich sagen, dass ich mich gut unterhalten fühlte. Falls ihr solche Geschichten, genauso gern mögt, wie ich, solltet ihr euch gern an diesem Klassiker probieren. Unter Beachtung des Erscheinungsjahrs des Buchs gebe ich vier von fünf Sternen.

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Veröffentlicht am 19.08.2020

Grausame Wahrheit!

EVIL
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"Jack Ketchums Horrorthriller ist ein Meisterwerk der psychologischen Spannung und gleichzeitig eines der schockierendsten Werke der modernen Literatur." Stephen King im Vorwort zu "Evil"

Diese Rezension ...

"Jack Ketchums Horrorthriller ist ein Meisterwerk der psychologischen Spannung und gleichzeitig eines der schockierendsten Werke der modernen Literatur." Stephen King im Vorwort zu "Evil"

Diese Rezension kostet mich viel Überwindung und doch bin ich der Meinung, dass ich sie unbedingt schreiben muss. "Evil" hat mich nämlich einfach zutiefst schockiert und beim Lesen regelrecht zerrissen. Es ist das wohl bekannteste Buch aus der Feder von Jack Ketchum und auch der erste Roman, den ich von ihm gelesen habe. Die Art und Weise, wie Ketchum schreibt, hat mich unheimlich ans Buch gefesselt, bedrückt und emotional zutiefst berührt. "Evil" zeigt, dass man auch in einer Vorstadtidylle nicht in den Kopf der Mitmenschen oder gar hinter die vier Wände der Nachbarn schauen kann. Und auch wenn das Buch bereits in den 50er Jahren spielt, so gilt das wiederum leider auch noch in der heutigen Zeit. Es ist unfassbar, was Menschen anderen Menschen antun können.

Für alle, die von dem Buch noch nichts gehört haben, möchte ich den Inhalt kurz anreißen:
David ist 12 Jahre alt und mit den Kindern seiner Nachbarin Ruth befreundet. Er geht bei ihnen ein und aus, als wäre er dort zu Hause. Ruth ist alleinerziehend und für eine Mom - finden die Jungs - ziemlich cool. Sie erlaubt es ihnen zum Beispiel ab und an ein Bier zu trinken. Ruth selbst trinkt und raucht ziemlich viel, scheint mit ihrer Aufgabe als Alleinerziehende überfordert und ist unfassbar unzufrieden mit ihrem Leben. Diese Unzufriedenheit verschlimmert sich enorm, als sie durch einen tragischen Autounfall auch noch Vormund für ihre beiden Nichten, Meg und Susan, wird und beide bei sich aufnimmt.

Da Davids "Erwachsenes Ich" zu Beginn des Buchs nur andeutet, dass er etwas Schlimmes gesehen und erlebt hat, möchte man unbedingt erfahren, was passiert ist. Ketchum nimmt uns zunächst mit in die Idylle der Vorstadt und zeigt auf, in welcher Umgebung David aufgewachsen ist. Dabei lernt man als Leser die Nachbarskinder und ihre Charakterzüge kennen. Recht früh im Buch habe ich dadurch ein Gespür entwickelt, wer später noch eine Rolle spielen wird.

Sobald die Grausamkeiten anfingen, konnte ich das Buch einfach nicht aus der Hand legen. Ich wollte, dass es aufhört! Das klingt vielleicht seltsam, aber bei diesem Buch ist es so gewesen. Ich wollte das Leid nicht länger "ansehen". Denn obwohl das Buch aus Sicht des Nachbarsjungen David erzählt wird, spürt man die psychische und physische Gewalt, die den beiden Mädchen im Verlauf des Buchs angetan wird, fast am eigenen Körper. Ich möchte hier nicht ins Detail gehen, aber so etwas habe ich bis dahin noch nicht gelesen. Ganz besonders Meg scheint sich zum Feindbild ihrer Tante zu entwickeln. Ruth scheint immer mehr den Bezug zur Realität zu verlieren und dem Wahnsinn zu verfallen. (Zumindest konnte ich mir ihr Handeln nicht anders erklären.) Ihre drei Söhne genießen es dabei regelrecht Meg leiden zu sehen. Nach und nach verlassen sie ihre Rollen als Zuschauer und beginnen ebenfalls Meg zu foltern. Es scheint nur noch eine Figur mit Gewissen zu geben: David. Je schlimmer die Grausamkeiten im Nachbarshaus werden, umso mehr kämpft er mit sich. Ich wollte ihn regelrecht an den Schultern packen und schütteln, damit wenigstens er zur Vernunft kommt! Die Entwicklung von David und den anderen Kindern war auch der ausschlaggebende Punkt, der "Evil" für mich zu einem echten Pageturner machte. Der Text erzeugte dabei auf mich so eine hohe Spannung, da der Autor Kapitel und Absätze dramaturgisch geschickt in Szene setzte. Er blendete nicht ab, wo ein Film es tun würde. Er erzeugte Kontraste, in dem man von einer Folterszene zu Davids Frühstück wechselte. Ich wurde mitgerissen, obwohl ich mich davor fürchtete. Ketchum drängte mich als Leser in die Rolle des Voyeurs, in Davids Rolle, obwohl ich überhaupt nicht dort sein wollte. Er zwang mich auf jeder Seite neu zu entscheiden, ob ich auf Davids (und mein) Gewissen vertraue. Er hat mich tief in das moralische Dilemma des 12-Jährigen hineingezogen und ich fühlte genauso mit ihm, wie ich es mit Meg tat.

Das für mich grausamste am Buch jedoch war, zu wissen, dass der Autor vieles davon gar nicht frei erfunden hat. Diese unverzeihlichen Verbrechen sind tatsächlich einem Mädchen in den USA angetan worden. Ich habe nach dem Beenden des Buchs recherchiert, wie ich es immer tue, wenn ich weiß, es wurde an eine wahre Begebenheit angelehnt. Was ich dabei gefunden habe, hat mich zutiefst schockiert! Jack Ketchum hat sich nicht sehr viel ausdenken müssen, um "Evil" zu schreiben. Ein Großteil der Grausamkeiten hat er nur adaptiert. (Für alle, die der True Crime-Anteil ebenfalls interessiert, schaut auf Wikipedia nach dem "Mordfall Sylvia Likens".)

Nachdem ich nun weiß, was wirklich in den USA passiert ist, finde ich es umso wichtiger, dass jemand darüber geschrieben hat. Wir als Leser nennen es "Horrorthriller", für Sylvia Likens war es jedoch grausame Realität. Viele Leser nehmen Anstoß daran, dass Ketchum kein Blatt vor den Mund nimmt und die Taten niedergeschrieben hat. "Andeutungen hätten doch auch gereicht." Nein! Hätten sie nicht! Es ist wichtig, dass man das volle Ausmaß der Brutalität vorgezeigt bekommt. Dieses Wissen und das widerliche Gefühl, das ich beim Lesen hatte, sind die Dinge, die mich immer wieder dazu bringen würden, die Behörden einzuschalten, wenn ich einen Verdacht habe, dass jemand seine Kinder schlecht behandelt oder vernachlässigt. Andere Leser schreiben, das Buch sei klasse, aber die ersten 150 Seiten "Gelaber" hätte sich der Autor sparen können. Diese Menschen haben in meinen Augen nicht verstanden, worum es geht und wären vermutlich aus Sensationslust selber zu Meg in den Bunker gestiegen.

Ich empfehle dieses Buch gern an alle, die es sich zutrauen. Psychische und physische Gewalt werden hier im Detail beschrieben. Es ist kein Buch, was man zwischendurch lesen kann: Es nimmt dich mit, es zieht dich hinunter, es kaut dich einmal durch und dann spuckt es dich wieder aus! Wenn du diese seelische Achterbahnfahrt nicht scheust, dann lies dieses literarische Meisterwerk!

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Veröffentlicht am 14.08.2020

Auf der Jagd

Das Spiel – Es geht um Dein Leben
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Das Buch wurde mir von der Bloggerbetreuerin des Penguin Verlags empfohlen und ich konnte bei dem Klappentext sowie dem tollen Cover einfach nicht nein sagen. Auch wenn das Cover im Nachhinein betrachtet ...

Das Buch wurde mir von der Bloggerbetreuerin des Penguin Verlags empfohlen und ich konnte bei dem Klappentext sowie dem tollen Cover einfach nicht nein sagen. Auch wenn das Cover im Nachhinein betrachtet keinen Sinn ergibt, wenn man die Geschichte gelesen hat. Ein Skorpion wäre hier viel passender gewesen.

Also kurz zum Inhalt:
Im Darknet kursiert ein „Jagdspiel“. Mit einem Startgeld in Höhe von 100.000 € kann man an der Jagd auf Menschen teilnehmen. Die Opfer sind im Spielportal mit einem Foto und ihrem letzten bekannten Aufenthaltsort benannt. Wenn ein Jäger ein Opfer erkennt, muss er eine Aufgabe erfüllen und die Erledigung mit Fotos beweisen, um dafür dann eine Trophäe im Spiel zu erhalten. Der Jäger mit den meisten Trophäen gewinnt. Inga Björk ist Ermittlerin bei Europol in Den Haag und auf der Suche nach den Drahtziehern dieses perfiden Spiels. Christian Brand wiederum arbeitet bei der Spezialeinheit COBRA in Österreich und hat mit all dem nichts zu tun, wird aber plötzlich für den Personenschutz Björks angefordert.
Mehr möchte ich euch nicht verraten.

Wie der Inhalt erahnen lässt, geht es in diesem Buch ziemlich zur Sache. Das Erzähltempo ist hoch, es gibt einige actionreiche Momente und der Autor scheut sich auch nicht Gewaltszenen detailliert zu beschreiben. So geht es zum Beispiel schon im Prolog direkt zur Sache! Teilnehmer des Jagdspiels „jagen und erlegen“ ihr erstes Opfer. Die Szene war sehr schaurig und bedrückend, da Jan Beck sie sehr bildlich in Worte gefasst hat. Genauso spektakulär ging es dann auch weiter, als ich als Leserin direkt im Anschluss den männlichen Protagonisten des Buchs kennenlernte: Christian Brand erledigte einen Attentäter außerhalb des Dienstes im Alleingang. Wie Ihr euch sicher denken könnt, war ich also recht schnell von der Geschichte mitgerissen.

Jan Beck hat sich beim Schreiben des Buchs für stets wechselnde Perspektiven entschieden. Opfer, Täter, Ermittler… immer wieder ändert sich die Perspektive und somit ändern sich auch die Informationen, die man als Leser bekommt. Aber nicht nur das macht es abwechslungsreich und spannend. Auch der Einblick in die Gefühlswelt der Figuren war somit teilweise sehr tief und ich habe recht schnell Verbundenheit und Sympathie empfunden. Auf einige Charaktere stößt man immer wieder und lernt sie besonders gut kennen. Manche Figuren dienen Jan Beck jedoch nur als Mittel zum Zweck, in dem sie Szenen wiedergeben können, bei denen die Hauptfiguren nicht beteiligt sind. Das Stilmittel setzt der Autor sehr gekonnt ein. Es wirkt zu keiner Zeit effekthaschend. Besonders gern mochte ich Krake und Mavie. Inga Björk jedoch bleibt, obwohl sie eine Hauptfigur ist, sehr undurchsichtig und kaum greifbar. Aber ich gehe stark davon aus, dass das auch das Anliegen des Autors war. Bei Brands Figurenzeichnung hingegen ist leider etwas sehr in die Klischeekiste gegriffen wurden (ihr wisst schon, der Ermittler mit den psychischen Problemen, die er aber nicht einsehen will).

Die Handlungsstränge und Figuren bieten jedoch genug Spannung und es kommt immer wieder zu kleineren überraschenden Wendungen. Die Fäden laufen dann immer mehr zusammen bis es zum großen Finale kommt, das (so viel verrate ich schon) jedoch nicht alle Figuren lebend erreichen werden. Der Täter hat mich dann doch sehr überrascht, obgleich die Hintergründe der Tat für mich etwas dünn waren. Das Ende des Buchs ist zwar auserzählt, wirft jedoch immer noch genug Fragen hinsichtlich der Figuren auf, um sich auf einen zweiten Band zu freuen.

Fazit: Tempo- und abwechslungsreich, bildlich und solide erzählt, spannender Plot, den man nicht an jeder Ecke findet... das Buch sollte auch eure Thrillerfan-Herzen höher schlagen lassen. Ich gebe vier von fünf Sternen.

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Veröffentlicht am 12.08.2020

Ermüdend und anstrengend zu lesen

Das Tor
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Ich hatte mir von diesem dystopischen Roman viel versprochen und fand die Plot-Idee sehr originell. Erhofft hatte ich mir eine gesellschaftskritische Auseinandersetzung mit dem Thema totalitäres Regime, ...

Ich hatte mir von diesem dystopischen Roman viel versprochen und fand die Plot-Idee sehr originell. Erhofft hatte ich mir eine gesellschaftskritische Auseinandersetzung mit dem Thema totalitäres Regime, Unterdrückung der Frau, Fake-News und politische Ungerechtigkeit. Vermutlich findet man all diese Ansätze auch im Buch, soweit habe ich es jedoch nicht geschafft. Leider konnte mich das Buch nämlich gar nicht überzeugen.
Der Schreibstil war sehr nüchtern und emotionslos. Dies machte es für mich anstrengend und ermüdend. Irgendwie hatte ich beim Lesen auch das Gefühl, dass die Handlung einfach nicht beginnt. Immer werden neue Puzzleteile aufs Papier gebracht, die vermeintlich nichts mit dem zuvor Gelesenen zu tun hatten und nur noch mehr Fragen aufwarfen. Leider entstand für mich dabei auch keinerlei Spannungsmoment. Ich habe das Buch sogar mehrmals zur Seite gelegt und neu begonnen, weil ich einfach dachte, dass es eventuell nur nicht der richtige Tag für dieses Buch war. Aber auch nach drei Anläufen kam der Funke nicht zum Überspringen, sodass ich das Buch schweren Herzens abgebrochen habe.
Es tut mir leid, aber ich kann leider keine Empfehlung aussprechen.

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Veröffentlicht am 19.06.2020

Fesselnd

Die Frau ohne Namen
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Hendricks und Pekkanen verstehen es einfach mich zu unterhalten. Bereits ihr erstes Buch "Die Wahrheit über ihn" (ehemaliger Titel "The Wife between us") hat mich damals echt begeistert. Natürlich konnte ...

Hendricks und Pekkanen verstehen es einfach mich zu unterhalten. Bereits ihr erstes Buch "Die Wahrheit über ihn" (ehemaliger Titel "The Wife between us") hat mich damals echt begeistert. Natürlich konnte ich mir auch das zweite Buch der beiden Autorinnen nicht entgehen lassen.

"Die Frau ohne Namen" ist definitiv anders als ihr Debüt. Ich würde hart sagen: Es hat einfach weniger Thrill. Das ist aber in meinen Augen absolut nicht hinderlich gewesen, das Buch in kurzer Zeit zu lesen und mitzufiebern.

Während das Debüt des Duos stets sehr bedrückend war, fängt "Die Frau ohne Namen" viel lockerer an. Man begleitet Jess, die stets knapp bei Kasse ist, da sie z.B. ihre Eltern finanziell unterstützt. Sie arbeitet als mobile Kosmetikerin und kann jeden Dollar gebrauchen. Als sie davon hört, dass Frauen für eine Moralstudie gesucht werden und durch das Beantworten von einigen Fragen gut zuverdienen können, fackelt sie nicht lang und "mogelt" sich an Stelle einer ihrer Kundinnen in die Tests. Die leitende Wissenschaftlerin Dr. Lydia Shields kommt im Roman ebenfalls direkt zu Wort und ist von Jess, alias Testperson 52, beeindruckt. Sie unterzieht sie nach und nach immer merkwürdigeren Tests, die jedoch auch immer besser bezahlt werden. Nach und nach entwickeln die beiden Frauen eine Art Abhängigkeit voneinander. Doch Dr. Shields hat ganz eigene Pläne.

Mehr möchte ich inhaltlich gar nicht verraten. Während der Anfang des Buchs also eher ruhig ist und man die Befragungen miterlebt, die teils aus Jess und Dr. Shields Sicht wiedergegeben werden, merkt man doch, dass irgendetwas nicht stimmt. Die Stimmung kippt plötzlich sehr schnell und man fühlt dann doch wieder die Bedrückung, Angst und Zweifel, die man auch in "The Wife between us" erlebt hat. Ich wusste irgendwann tatsächlich nicht mehr, wem hier zu trauen ist und habe mit Jess mitgelitten. Die Geschichte wurde immer komplexer und verworrener, was mir persönlich sehr gut gefiel, da ich jedes kleine Detail verstehen und zuordnen möchte (ich bin vermutlich mit Monk verwandt).

Der Schreibstil war das ganze Buch über hinweg sehr flüssig und angenehm zu lesen. Die abwechselnden Perspektiven, vor allem die aus Dr. Shields Sicht fand ich großartig. Man verfolgt Dr. Shields Gedanken, in denen sie Jessica immer mit "Du" anspricht, was den Kapitel etwas besonders Unheimliches einhauchte.

Das Ende konnte mich vollends überzeugen und ich fand auch den Epilog fantastisch. Ein kleiner Kritikpunkt ist natürlich auch für mich zu finden: Das Buch wirkt natürlich sehr konstruiert, je weiter es auf das Ende zugeht. Allerdings möchte ich es ja auch spannend haben und wenn es weniger komplex geplottet gewesen wäre, hätte ich auch etwas zu meckern gehabt. Ich möchte es hier vor allem für diejenigen erwähnen, die sich daran stören, wenn etwas nicht mehr authentisch wirkt. Ich persönlich jedoch habe die Geschichte den beiden Autorinnen komplett abgekauft, da die Figuren einfach extrem gut und tief gezeichnet waren. Eventuell geht das dem einen oder anderen Leser, der es temporeich mag, auch auf Kosten der Spannung. Mir gefiel es jedoch sehr gut und ich werde das nächste Buch der beiden wieder kaufen ohne den Klappentext zu lesen.

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