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Veröffentlicht am 02.11.2025

Bella Italia auf dem Teller

Il mondo della Pasta
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Domenico Gentile ist zwar in der Pfalz geboren, aber seine Liebe gilt Italien, und hier insbesondere Kalabrien, der ländlichen Region an der italienischen Stiefelspitze, Heimat seines Vaters. Seine bisher ...

Domenico Gentile ist zwar in der Pfalz geboren, aber seine Liebe gilt Italien, und hier insbesondere Kalabrien, der ländlichen Region an der italienischen Stiefelspitze, Heimat seines Vaters. Seine bisher veröffentlichten Kochbücher zeichnen sich dadurch aus, dass sie sich der klassischen italienischen Alltagsküche widmen, wie sie schon seit Generationen in den Familien auf den Tisch kommen. Gleichzeitig tauchen sie aber auch tief in die jeweiligen Regionen ein und vermitteln so Einblicke in Kultur, Lebensgefühl und Traditionen, kurz gesagt in das Herz Italiens.

Das ist ihm auch in „Il mondo della Pasta“, außerordentlich gut gelungen. In seinem neuen Kochbuch nimmt er uns einmal mehr mit auf eine Reise von Nord nach Süd und widmet sich der Pasta in allen Variationen und Regionen von der Lombardei bis Kalabrien.

Bevor Domenico Gentile ins Detail geht, gibt es zum Einstieg eine geballte Portion „Pastawissen“, ein ausführliches Kapitel zu den Basics rund um die Nudel. Anschließend folgen Grundrezepte und Anleitungen zum Selbermachen von Pasta Fresca, illustriert mit detaillierten, anschaulichen Fotos zu den einzelnen Arbeitsschritten, gefolgt von Pasta Ripiena, bei denen die Pasta gefüllt wird (btw. eine Heidenarbeit, vor der ich größten Respekt habe).

Danach geht es in die verschiedenen Regionen Italiens: In Brodo, Asciutta, al Forno werden wir mit den Einsatzmöglichkeiten der verschiedenen Pasta-Sorten plus den dazugehörigen Rezepten für Suppen, Eintöpfe, Ragouts, Aufläufe und begleitenden Würzpasten vertraut gemacht, bevor Gnocchi in allen Variationen (Kartoffeln, Polenta, Mehl) sowie Dolci den Rezeptteil beenden. Klasse!

Wir lieben die italienische Küche und haben deshalb auch einige Pasta-Kochbücher im Regal stehen, aus denen regelmäßig gekocht wird, aber keines davon ist, wenn man mehr als die üblichen Verdächtigen kochen möchte, so alltagstauglich wie dieses hier. Da müssen sich die Signori Contaldo und Carlucci leider hinten anstellen. Sorry.

Ich koche sehr gerne, backe seit Jahren Brot und mache auch hin und wieder Nudelteig selbst (für Maultaschen). Aber ich bemängele nicht den Einsatz von Nudeln aus der Packung, haben wir doch glücklicherweise im Nachbarort einen großen italienischen Supermarkt mit einer riesigen Auswahl an Pasta in allen Formen, Farben und Qualitäten. Denn wer hat schon Zeit und Lust, sich nach einem Arbeitstag noch stundenlang in die Küche zu stellen, damit das Essen Stunden später auf den Tisch kommt?

Veröffentlicht am 27.10.2025

Hanna kocht lecker und saisonal

Was kocht Hanna
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Hanna Reder, ausgebildete Köchin und Finalistin in der Kochshow The Taste, zeigt in ihrem Kochbuch „Was kocht Hanna“ wie man mit einfachen, saisonalen Zutaten Gerichte auf den Tisch bringen kann, für deren ...

Hanna Reder, ausgebildete Köchin und Finalistin in der Kochshow The Taste, zeigt in ihrem Kochbuch „Was kocht Hanna“ wie man mit einfachen, saisonalen Zutaten Gerichte auf den Tisch bringen kann, für deren Zubereitung man nicht stundenlang am Herd stehen muss, die die Jahreszeiten feiern, richtig lecker schmecken und auch noch den Geldbeutel schonen.

Es ist insbesondere die Aufteilung der Rezepte nach den vier Jahreszeiten, was mich sofort an diesem Kochbuch begeistert hat. Als langjährige Abonnentin einer Bio-Gemüsekiste, die wöchentlich ins Haus kommt und immer mit saisonalen Gemüsen, Salaten und Kräutern bestückt ist, freue ich mich jedes Mal, wenn ich neue Inspirationen bekomme. Und die gibt es, neben bekannten Beilagen Basics, bei Hanna Reder zuhauf. Manche sind in der Zubereitung schnell und einfach, bei anderen (z.B. Kartoffel-Trüffel-Pavé) sollte man sich etwas mehr Zeit nehmen.

Gekocht und gegessen wurden bei uns zwischenzeitlich die äußerst leckere Ribollita (Schwarzkohl wurde, da nicht erhältlich, durch Wirsing ersetzt), die Zwiebel-Tarte-Tatin (mit einem Salat ein wunderbare Hauptgericht) und die Kartoffel-Focaccia (prima für Gäste geeignet), wobei dies eventuell problematisch werden könnte, da hierfür Sauerteig als Triebmittel eingesetzt wird. Für uns kein Problem, da wir unser Sauerteigbrot schon lange selbst backen.

Die meisten Zutaten sind ohne Aufwand zu beschaffen, wobei Hanna immer wieder dazu ermuntert, sich nicht sklavisch an die Rezepte zu halten, sondern auch für Experimente aufgeschlossen zu sein und Einzelbestandteile auszutauschen.

Ein gut durchdachtes, schön bebildertes Kochbuch mit kreativen Rezepten, gleichermaßen für Anfänger als auch für erfahrene Hobbyköchinnen und –köche geeignet, das in keiner Küchenbibliothek fehlen sollte.

Veröffentlicht am 25.10.2025

Gelungen. Mit Abstrichen.

Kälter
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Amrun, ein Inselidyll. In der kleinsten Polizeidienststelle Deutschlands gibt es für die Dienststellenleiterin Luzy „mit weichem z“ Morgenroth und ihren Kollegen Jörgen nicht viel zu tun. Ein entlaufener ...

Amrun, ein Inselidyll. In der kleinsten Polizeidienststelle Deutschlands gibt es für die Dienststellenleiterin Luzy „mit weichem z“ Morgenroth und ihren Kollegen Jörgen nicht viel zu tun. Ein entlaufener Hund, hin und wieder eine Verkehrskontrolle. Ein gemächliches Leben, genau das wollte Luzy, früher als Personenschützerin in Diensten des BKA.

Dass Wünsche ein Verfallsdatum haben und einem die Vergangenheit immer wieder einholen kann, zeigt sich spätestens am Abend ihres 50. Geburtstages. Draußen tobt der Sturm, drinnen ist man in Partylaune, als beim Einlaufen der Fähre ein Besatzungsmitglied vermisst wird. Die Umstände seines Verschwindens machen Luzy misstrauisch, wecken alte Instinkte, alles deutet darauf hin, dass es kein Unfall war. Und dieser Eindruck soll sich bestätigen, denn es zeigt sich, dass auf der Fähre Personen mit brisanter Fracht an Bord waren, die den Tod auf die Insel bringen. Als im Laufe eines Schusswechsels ihr Kollege und Freund Jörgen getötet wird, hat Luzy nur einen Gedanken. Sie will und muss ihn rächen, die Fähigkeiten reaktivieren, die sie sich in ihrem alten Leben antrainiert hat. Und schon sind wir inmitten eines Spionagethrillers in der Zeit des Kalten Krieges, in der Doppelagenten sich die Klinke in die Hand geben, und sowohl die RAF als auch der Mauerfall die Schlagzeilen bestimmen.

Operation Rubikon, die Jenny Aaron-Trilogie, Ritchie Girl und Wie Sterben geht, ich habe sie alle gerne gelesen. In „Kälter“ verzichtet Pflüger zwar auf den großen Knall zu Beginn, brennt aber nachfolgend ein Action-Feuerwerk ab, in dem kaum Zeit zum Luftholen bleibt. Alle Szenen sind sehr gut choreografiert, hier merkt man den versierten Drehbuch-Autor. Und natürlich darf man sich auch auf ein Wiedersehen mit Jenny, Nina und Rem freuen.

Pflüger recherchiert akribisch, weshalb auch hier die Verbindung von Fiktion und Zeitgeschichte wieder sehr gut gelungen ist. Allerdings nehmen diesmal die zahlreichen Erwähnungen von Musik, Filmen, Schauspielern und Kunst, sowie gegen Ende die ausufernde Einbindung der Hawking’schen Theorie meiner Meinung nach überhand. Und dann ist da noch Luzy, die sympathische Protagonistin, eine fünfzigjährige Super Woman, nach deren körperlicher Verfassung sich jeder Ninja Warrior die Finger lecken würde. Scheint mir eher realitätsfern.

„Kälter“ ist zwar wesentlich besser als das, was man ansonsten auf dem deutschsprachigen Thriller-Markt findet, aber meiner Meinung nach an vielen Stellen zu überzeichnet und deshalb nicht so gut gelungen wie die Vorgänger. Leider.

Veröffentlicht am 19.10.2025

Lieber ein Ende mit Schrecken...

Die dunkelste Stunde der Nacht
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Ach John, jetzt begleite ich dich schon seit 25 Jahren, seit deinen Tagen in der Polizeistation in der Great London Road in Edinburgh („Verborgene Muster“, 2000) und habe mich immer wieder auf unser Wiedersehen ...

Ach John, jetzt begleite ich dich schon seit 25 Jahren, seit deinen Tagen in der Polizeistation in der Great London Road in Edinburgh („Verborgene Muster“, 2000) und habe mich immer wieder auf unser Wiedersehen gefreut, auch wenn dies in den letzten Jahren spürbar angenommen hat. Mit leichtem Grummeln im Bauch habe ich deinen Kontakt zur Unterwelt in Gestalt von Big Ger Cafferty beobachtet und mich immer wieder gefragt, wohin das führen wird. Jetzt weiß ich es, mitten hinein in HMP Saughton, Edinburgh, wo du auf deine Berufungsverhandlung wartest, weil du ihm ein Kissen aufs Gesicht gedrückt und er den Abgang gemacht hat. Nicht das sicherste Umfeld für einen ehemaligen Copper, oder? Aber du hast ja schon wieder jemanden gefunden, der dort seine Hand zumindest teilweise schützend über dich hält. Darryl Christie (erster Auftritt in „Mädchengrab“, 2013), der dort ebenfalls einsitzt, mittlerweile Big Gers Nachfolger. Aber kannst du ihm wirklich trauen, zumal er einen Rivalen im Nacken sitzen hat, der die Gunst der Stunde nutzen will?

Als einer deiner Mitgefangenen ermordet wird, blitzt zumindest das, was dich in der Vergangenheit ausgezeichnet hat, wieder kurz auf. Allerdings hatte ich den Eindruck, als ob du mit angezogener Handbremse fährst, und von deinen ehemaligen Kollegen, die den Fall aufklären sollen, hast du ja auch keinerlei Hilfe zu erwarten. Aber erfreulicherweise hält zumindest Siobhan zu dir, deren Suche nach einer verschwundenen Jugendlichen eine Verbindung zu dem ermordeten Häftling ergibt. Und natürlich ist auch der intrigante Malcolm Fox wieder mit an Bord und freut sich insgeheim, dass es dich jetzt erwischt hat. Aber wer im Glashaus sitzt, sollte tunlichst nicht mit Steinen werfen...

Mich konnte dieser Band 25 leider nicht überzeugen. Langweiliger Fall, zu wenig Tempo, Spannung Fehlanzeige. Seit deinem Ausscheiden aus dem aktiven Dienst hat die Qualität der Fortsetzungen eh schon kontinuierlich abgenommen, aber dieser Rebus-in-Prison Kriminalroman rangiert auf meiner persönlichen Hitliste am untersten Ende der Reihe. Scheint so, als sei (zumindest für mich) die Zeit des Abschiednehmens gekommen, aber lieber ein Ende mit Schrecken…Schade. So sorry, John.

Veröffentlicht am 19.10.2025

Bonne appétit

Provenzalischer Wintergenuss
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Alle Jahre wieder suche ich nach einem Rezept für einen „Buche de Noel“, der so schmeckt, wie ich es aus Frankreich kenne. Leider konnte mich bisher keines, das ich ausprobiert habe, überzeugen. Aber nun ...

Alle Jahre wieder suche ich nach einem Rezept für einen „Buche de Noel“, der so schmeckt, wie ich es aus Frankreich kenne. Leider konnte mich bisher keines, das ich ausprobiert habe, überzeugen. Aber nun scheint es, als hätte ich eines gefunden, das meinen Erwartungen gerecht wird, denn das Rezept, und noch viel wichtiger, das Endergebnis aus Sophie Bonnets neuem Kochbuch, trifft das ersehnte Geschmackserlebnis auf den Punkt. Aber das allein reicht nicht aus, um die Qualität eines Kochbuchs zu bewerten.

„Provenzalischer Wintergenuss“ ist ohne Wenn und Aber gelungen, bietet es doch viel mehr als eine bloße Auflistung von Rezepten. Sophie Bonnet aka Heike Koschyk, Schöpferin der erfolgreichen Krimireihe mit Kommissar Durand, nimmt uns mit in einen Teil Frankreichs, den die meisten wahrscheinlich eher aus den Sommermonaten kennen, der aber gerade im Herbst und Winter eine ganz andere Atmosphäre vermittelt. Sie taucht nicht nur in die Bräuche und Kulturgeschichte Südfrankreichs ein, sondern stellt auch deren Bezug zu den Gerichten her, die in dieser besonderen Zeit des Jahres dort vermehrt auf den Tisch kommen. Garniert wird dies mit wunderschönen, stimmungsvollen Fotografien, die dazu animieren, sich gleich selbst an den Herd zu stellen und den Kochlöffel zu schwingen.

Vertreten sind neben den Herbst- und Weihnachtsklassikern aber auch Gerichte für den Alltag, die sich durch die Auswahl der Zutaten klar an der französischen Herbstküche orientieren und nicht an die Region gebunden sind. Ich empfehle nachdrücklich die gefüllten Wirsingpäckchen „Choux Farci“, problemlos zu realisieren, superlecker und viel eleganter als unsere schweren Kohlrouladen.

Falls ihr noch ein ganz besonderes Weihnachtsgeschenk sucht, hier ist es: Ein rundum gelungenes Lese- und Kochbuch für Liebhaber/innen der französischen Küche, für die Fans des französischen Südens vom Luberon bis in die Haute Provence und natürlich auch solche, die es noch werden wollen.