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Veröffentlicht am 11.09.2020

Hunger und wenig Zeit zum Kochen?

Tasty Das Original - Die geniale Jeden-Tag-Küche
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Hunger und wenig Zeit zum Kochen? Dann ist „Tasty- Die geniale Jeden-Tag-Küche“ mit 75 Rezepten samt Variationen genau das Richtige und animiert auch Kochanfänger dazu, auf den Lieferdienst zu verzichten ...

Hunger und wenig Zeit zum Kochen? Dann ist „Tasty- Die geniale Jeden-Tag-Küche“ mit 75 Rezepten samt Variationen genau das Richtige und animiert auch Kochanfänger dazu, auf den Lieferdienst zu verzichten und selbst den Kochlöffel zu schwingen.

Die Gerichte sind durch die Bank weg leicht nachzukochen und erfordern weder besondere Fähigkeiten noch die Ausrüstung einer Profiküche. Allerdings merkt man ihnen bei dem Blick auf die Gewichte an, dass sie ursprünglich für den britischen Markt entwickelt und 1:1 ins Deutsche übertragen wurden. Und auch der Einsatz von Crockpots (Schongarer & Multikocher), dem ein ganzes Kapitel gewidmet ist, lässt darauf schließen, wobei man aber gut darauf verzichten kann, indem man die Garzeit entsprechend anpasst.

Die Rezepte decken sämtliche Bereiche ab: Von der Suppe, über das Hauptgericht, bis hin zum Dessert ist alles vertreten, wobei allerdings Vegetarisches eher mit der Lupe zu suchen ist. Dafür gibt es unzählige Meal Prep Variationen, die aber meiner Meinung nach eher etwas einfallslos daherkommen. Beispiel gefällig? Das Ausgangsrezept ist die Toskanische Bohnensuppe, die Varianten beschränken sich auf – wohlgemerkt jeweils – pürieren und frisch geriebenen Parmesan, auf die Zugabe von Grillhähnchenfleisch, eine Scheibe Brot, eine Handvoll Nudeln. Das wirkt dann doch eher einfallslos. Aber wenn es hilft Reste zu verarbeiten, ist es unter dem Aspekt der Nachhaltigkeit absolut in Ordnung.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Zutatenlisten überschaubar und problemlos überall zu bekommen sind. Die einzelnen Arbeitsschritte sind detailliert beschrieben, was insbesondere für Kochanfänger wichtig ist, und das Endergebnis kann sich sehen lassen und schmeckt. Die großzügige Bebilderung macht Appetit und motiviert zum Nachkochen. Ein ansprechendes Kochbuch mit kleinen Schwächen (s.o.), gleichermaßen für Anfänger und versierte Hobbyköche geeignet.

Veröffentlicht am 08.09.2020

Piries neue Fälle

Das Grab im Moor
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Was haben ein Highlander mit Kilt, zwei Motorräder, Ohrringe von Tiffanys, das schwarze Wohnmobil, die Schatzkarte, der rote Rover 214, der Hundekuchen und die Moorleiche gemeinsam? Richtig, all das spielt ...

Was haben ein Highlander mit Kilt, zwei Motorräder, Ohrringe von Tiffanys, das schwarze Wohnmobil, die Schatzkarte, der rote Rover 214, der Hundekuchen und die Moorleiche gemeinsam? Richtig, all das spielt eine Rolle in „Das Grab im Moor“ von Val McDermid und somit den neuen Fällen für Karen Pirie (Band 5 der Reihe).

Karen Pirie, noch immer in Trauer um Phil, ihren Liebhaber, Seelenverwandten und ehemaligen Vorgesetzten, muss diesmal an verschiedenen Fronten kämpfen. Zum einen hat die Historic Cases Unit zwei knifflige Altfälle auf dem Tisch, zum anderen gilt es, sich gegen Ann Markie, ihre neue Chefin zu behaupten, die, von Missgunst und verletzten Gefühlen getrieben, alles daran setzt, Piries berufliche Reputation zu beschädigen. Und dann ist da noch die Unterhaltung zweier Frauen, die sie per Zufall in ihrem Lieblingscafé mitangehört und sie misstrauisch gemacht hat.

Wieder einmal beweist Val McDermid, dass sie zurecht zur oberen Liga der schottischen Autoren gehört. Natürlich ist es spannend, die Polizeiarbeit an Altfällen zu begleiten, aber genauso interessant ist die Sicht der Autorin auf das Edinburgh der Gegenwart, in dessen Vielfalt ein syrisches Café ebenso seinen Platz hat wie das italienische Gebäck, der schottische Whisky und der Craft-Gin. Und auch die mehr oder weniger in Nebensätzen eingeflochtenen Informationen zur jüngeren Historie und die kritischen Anmerkungen zur Arbeit der Stadtplaner und Bauträger, die gewachsene Viertel zugunsten des Profits zerstören. Durchaus ernste Themen, die McDermid aber mit dem ihr eigenen trockenen Humor auflockert. Und der harmoniesüchtige Leser wird natürlich auch zufriedengestellt. Die Fälle gelöst, der Angriff der Vorgesetzten abgewehrt und der Boden (vielleicht) bereitet für eine neue Beziehung. Also -alles zur absoluten Zufriedenheit erledigt. Aber etwas anderes hätte ich von der Autorin auch nicht erwartet. Daumen hoch!

Veröffentlicht am 03.09.2020

Bruderliebe, Schuldgefühle und jede Menge Drama

Ihr Königreich
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Jo Nesbøs Bücher sind ein Muss. Ganz gleich, ob die Harry-Hole-Reihe, die Macbeth Adaption im Rahmen des Shakespeare-Projekts oder die übrigen Kriminalromane, der Autor hat mich noch nie enttäuscht. Nun ...

Jo Nesbøs Bücher sind ein Muss. Ganz gleich, ob die Harry-Hole-Reihe, die Macbeth Adaption im Rahmen des Shakespeare-Projekts oder die übrigen Kriminalromane, der Autor hat mich noch nie enttäuscht. Nun ist also mit „Ihr Königreich“ ein weiterer Stand alone erschienen, in dessen Zentrum die Beziehung zweier Brüder steht. Auf den ersten Blick kein typischer Nesbø, auf den Zweiten dann aber doch. Liebe, Schuldgefühle, jede Menge Drama und natürlich, wie könnte es anders sein, Mord.

Erzählt wird aus der Perspektive des älteren Bruders Roy, bodenständiger Einzelgänger Typ einsamer Wolf, der den Ort seiner Kindheit nicht verlassen hat. Ganz anders Carl, der Jüngere, der nach vielen Jahren heimkommt, im Schlepptau seine Ehefrau und den Kopf voll Ideen, die den Einwohnern des Dorfes den ersehnten Wohlstand bringen sollen. Aber erstens kommt es anders, und zweitens als man denkt, denn Erlebnisse aus der Vergangenheit werfen lange Schatten.

Der Anfang ist verhalten, es dauert etwas, bis die Handlung in die Gänge kommt, aber das ist wichtig, um die Sozialisationsbedingungen, die Entwicklung und das Verhältnis der Brüder zu verstehen. Deshalb auch die verschiedenen Zeitebenen, die durchaus ihre Berechtigung haben, auch wenn Spannung vorerst nicht wirklich aufkommen will. Aber das ändert sich glücklicherweise im Verlauf der Ereignisse und mit zunehmender Seitenzahl.

Auf der sprachlichen Ebene gibt es, wie immer bei Nesbø, keine Kritikpunkte. Für einen Familienroman mit Krimi-Elementen fast schon literarisch, macht es Freude, „Ihr Königreich“ zu lesen und die tragische und zunehmend komplexe Geschichte der beiden Brüder zu verfolgen, bis sie schlussendlich in dem Unausweichlichen endet.

Veröffentlicht am 01.09.2020

Würdiger Abschluss der Trilogie

Feuerrache
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„Feuerrache“ ist nach „Blutblume“ und „Scheintod“ der Abschlussband von Louise Boije af Gennäs‘ Trilogie um Sara, eine junge Frau, die von einer einflussreichen Organisation verfolgt wird, deren Mitglieder ...

„Feuerrache“ ist nach „Blutblume“ und „Scheintod“ der Abschlussband von Louise Boije af Gennäs‘ Trilogie um Sara, eine junge Frau, die von einer einflussreichen Organisation verfolgt wird, deren Mitglieder offenbar an den Schaltstellen der Macht sitzen. Dreh- und Angelpunkt sind die brisanten Informationen, die ihr Vater ausgegraben und schlussendlich mit dem Leben bezahlt hat und deren Veröffentlichung mit aller Macht verhindert werden soll. Und dabei schrecken die Mächtigen auch nicht vor Mord zurück, um Sara einzuschüchtern. Ihr persönliches Umfeld ist permanent bedroht, Freunde, Familie, alle stehen im Fokus. Und dann ist da noch die geheime Widerstandsgruppe, die ihre eigenen Ziele verfolgt und Sara zum Spielball ihrer Sache machen will. Kann sie ihnen wirklich vertrauen?

Romane, in deren Zentrum Verschwörungstheorien stehen, gibt es zuhauf, aber die Guten kommen im Wesentlichen aus dem skandinavischen Raum. Das mag daran liegen, dass sich diese Nationen gerne als offen, tolerant und sozial präsentieren und ihren Dreck lieber unter besagten Teppich kehren. Louise Boije af Gennäs spielt in ihrer Trilogie mit der Realität, orientiert sich an zeitgenössischen Ereignissen und verknüpft diese mit Fiktion. Oder etwa doch nicht?

Es ist ein spannendes Szenario, das sich in diesem finalen Band rund um die sympathische Hauptfigur entfaltet. Vor allem, weil man davon ausgehen kann, dass die Autorin authentisches Material verwendet hat, um den Sumpf zu beschreiben, in dem auch die schwedische Gesellschaft watet. Aber das wissen wir ja bereits seit Stieg Larssons Milleniums-Trilogie, dem Meilenstein der skandinavischen Spannungsliteratur.

Noch eine kurze Schlussbemerkung: Die drei Bände sollte man unbedingt in Reihe lesen, da immer wieder Bezug auf vorhergehende Ereignisse genommen wird.

Veröffentlicht am 31.08.2020

Peggy G., die Kunst und die Affären

Peggy Guggenheim und der Traum vom Glück
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Guggenheim, Name einer Dynastie, jedem Kunstinteressierten geläufig, sind die von ihnen gegründeten Museen doch rund um den Erdball vertreten. In dem vorliegenden Roman steht Peggy Guggenheim im Zentrum, ...

Guggenheim, Name einer Dynastie, jedem Kunstinteressierten geläufig, sind die von ihnen gegründeten Museen doch rund um den Erdball vertreten. In dem vorliegenden Roman steht Peggy Guggenheim im Zentrum, unkonventionellen Nichte von Solomon Guggenheim, Philantroph, Kunstsammler und Begründer der gleichnamigen Stiftung zur Förderung des Verständnisse für moderne Kunst sowie Namensgeber des weltberühmten Guggenheim-Museums in New York.

Der Roman ist im Wesentlichen auf Peggys Zeit in Europa zwischen 1937 und 1942 fokussiert, in der sie den Grundstock für ihre Sammlung legt. Ganz die verwöhnte Tochter der amerikanischen Upper Class mischt sie sich nicht unter das gewöhnliche Volk, sondern verkehrt in Künstler- und Literatenkreisen. Und das liest sich wie ein Who-is-Who der Berühmtheiten: Joyce, Beckett, Cocteau, Kandinsky, Tanguy, Ernst, um nur einige zu nennen. Sie ist ruhelos, ständig auf der Suche. Und so, wie sie zwischen Paris und London hin und her pendelt, ist es auch mit den Männern. Unzählige, mit denen sie Bett und Tisch teilt, immer auf der Suche nach dem Einen.

Leider sind es diese zahlreichen Beziehungs- und Bettgeschichten, die alles andere überlagern und mir den Zugang zu Peggy Guggenheim als Persönlichkeit, Sammlerin und Mäzenin erschwert haben. Nicht zu vergessen ihr Leben als Jüdin in einem nationalsozialistisch geprägten Europa vor dem Zweiten Weltkrieg und großzügige Unterstützerin des Emergency Rescue Committee, einer Hilfsorganisation für Flüchtlinge vor dem NS-Regime.


Was bleibt ist das Bild einer naiven Salonlöwin auf der Suche nach privatem Glück, die zwar für die Rettung zahlreicher von den Nazis als entartete Kunst bezeichneten Gemälde verantwortlich ist, für die aber Kunst letztendlich ein Mittel zum Zweck war. Schade.

Ein Hinweis an das Lektorat: „Swinging London“ (auf der zweiten Textseite) ist ein Begriff, der in den Sechzigern geprägt wurde und 1937 mit Sicherheit noch nicht gebräuchlich war.