Profilbild von Helena89

Helena89

Lesejury Star
offline

Helena89 ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Helena89 über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 14.03.2024

Die Entscheidung

Die sieben Türen
0

„Plötzlich war ich da. Ich wusste, dass ich ein kleines Leuchten im Nichts war. Ein Glimmen. Aber mehr wusste ich nicht.“ Das kleine Leuchten im Nichts trifft auf die Raupe Yara und wird zu ihrem Protegé. ...

„Plötzlich war ich da. Ich wusste, dass ich ein kleines Leuchten im Nichts war. Ein Glimmen. Aber mehr wusste ich nicht.“ Das kleine Leuchten im Nichts trifft auf die Raupe Yara und wird zu ihrem Protegé. Yara öffnet sieben Türen für das kleine Leuchten und unterhält sich mit ihm. Hinter den Türen befinden sich das Licht und die Dunkelheit, der Mut und die Angst, die Liebe und der Hass, das Glück und die Trauer, das Jetzt und die Unendlichkeit, alles und nichts sowie zum Schluss das Leben und der Tod. Das kleine Leuchten darf hinter jeder Tür so viele Fragen stellen wie es möchte und bekommt Antworten darauf. Am Ende soll es sich entscheiden, ob es sein Wissen mitnehmen und in ein höheres Bewusstsein aufsteigen, also zu einem allwissenden Stern am Firmament werden möchte oder ob es alles, was es erfahren hat, vergessen und das Leben eines Menschen führen möchte.

„Die sieben Türen“ ist ein schön gestaltetes Buch. Der Text, der von Adrian Draschoff stammt, wird äußerst passend von Natascha Baumgärtners Illustrationen untermalt und getragen. Die Illustrationen stellen nicht nur eine Ergänzung zu dem Geschriebenen dar, sondern spiegeln es wider und erweitern es um eine visuelle Dimension. So entsteht eine kongeniale Konstruktion aus Text und Bild, die sich gegenseitig beeinflussen und tragen. Dadurch wird „Die sieben Türen“ zu einer innovativen Lektüre. Die Illustrationen gefallen mir sehr gut, sie sind so gestaltet, dass sie die Fantasie des Betrachtenden wecken und eigene Bilder, Erweiterungen der Illustrationen entstehen lassen. Weniger gefallen hat mir der Text. Tatsächlich finde ich ihn nicht philosophisch, wie es eigentlich bei diesem Thema zu erwarten wäre. Vielmehr liest es sich wie ein Lebensratgeber und nicht wie ein Buch, das die existentiellen Fragen unseres Daseins zu erklären versucht. Als es zum Beispiel um die Zeit geht, heißt es unter anderem: „Die Menschen reden gerne und viel über mich, aber verstehen doch nicht, wie kostbar ich bin. […] Erst wenn sie merken, dass ich ihnen davonlaufe, bekommen sie Angst und versuchen sich in einem Wettrennen gegen mich. […] Akzeptiere die Vergangenheit und umarme die Zukunft. […] Nutze jeden Moment.“ Das ist für mich keine philosphische Betrachtung der Zeit. Das klingt einfach nach einem Lebensratgeber. Und ist auch nichts Neues. Ich denke, alles, was in dem Buch steht, weiß eigentlich auch jeder erwachsene Mensch. Mit einer Sache stimme ich sogar nicht mit dem Autor überein: In dem Kapitel, wo es um Liebe und Hass geht, heißt es, Hass wäre die Abwesenheit von Liebe. Ich finde aber, dass die Abwesenheit von Liebe Gleichgültigkeit ist, nicht Hass. Summa summarum: Es ist eine schöne Idee, das Buch, und die Illustrationen sind sehr gelungen, den Text fand ich dagegen leider nicht besonders anspruchsvoll oder inspirierend. Dennoch denke ich, dass das Buch die Mehrheit ansprechen wird. Insgesamt vergebe ich drei Sterne: Für die Idee und das kongeniale Zusammenspiel aus Bild und Text.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 08.03.2024

Vom Weggehen und Zurückkommen

Kosakenberg
0

„Das Leben in Kosakenberg war wie Marmelade in einem Glas konserviert, ein anderes Jahrhundert.“

Kathleen ist 26 Jahre alt, als sie Kosakenberg endgültig hinter sich lässt. In London wird sie als Grafikerin ...

„Das Leben in Kosakenberg war wie Marmelade in einem Glas konserviert, ein anderes Jahrhundert.“

Kathleen ist 26 Jahre alt, als sie Kosakenberg endgültig hinter sich lässt. In London wird sie als Grafikerin arbeiten und sich dort ein neues Leben aufbauen. Sie ist glücklich, dass sie ihre alte Heimat, ein ehemaliges Dorf der DDR hinter sich lässt. Denn weg möchte eigentlich jeder von den Jungen. „Wir verließen nicht nur unsere Familien, unsere Häuser, unsere Dörfer, sondern auch unsere Vergangenheit. Wir wollte andere werden und in dem Wollen steckte schon die Trauer um den Verlust. Wie gingen weg, um zu suchen, was wir gleichzeitig verloren. Eine Heimat. […] Es hieß, wir gingen wegen der Arbeit, zum Studieren, es hieß, wir gingen aus Abenteuerlust, es hieß, wir gingen, weil der Westen die Zukunft war, aber wir gingen auch, weil wir nicht mehr konnten. Nicht mehr atmen konnten. Vom Dorf in die Stadt, von der Stadt in die Großstadt und dann weiter weg, immer weiter. Weg von den Schmerzen der eigenen Haut. In der Hoffnung, der Gestalt zu entfliehen, die uns aufgezwungen wurde.“ Zehn Heimfahrten soll es für Kathleen geben, seit sie sich ein neues Leben in London aufbaut. Die Anlässe sind verschieden: Um ihren festen Freund der Mutter vorzustellen, um auf der Hochzeit einer Freundin da zu sein oder auch, um auf eine Beerdigung zu gehen. Jede Heimreise wird zu einer schmerzhaften Erfahrung. Denn einerseits sind hier Kathleens Wurzeln, ist hier ihr Elternhaus und ihre Vergangenheit. Andererseits weiß sie mit dem Leben, das die Bewohner Kosakenbergs führen, nichts anzufangen. Es ist ihr vollkommen fremd geworden. „Heimreisen, das hatte ich inzwischen gelernt, waren Manöver durch energetische Felder. Es war, als kreiste man um einen Magnet, der einen entweder anzog oder abstieß.“ Als die Mutter das Elternhaus an Nadine, eine ehemalige Freundin von Kathleen, verkauft, wird Kathleen schmerzhaft bewusst, dass sie eine enge Bindung zu ihrem Heimatdorf verspürt, die sich nicht leugnen lässt. „Ich hatte geglaubt, wenn ich mich lossagen würde, wenn ich das Haus verlassen würde, wenn ich ein Leben fern von dem Haus und jenen, die es bevölkerten, leben würde, wenn ich meine Wurzeln mit aller Macht herausreißen würde, dann könnte ich mich neu erfinden und jemand anderes werden. Nun vermisste ich das Mädchen von früher. Vielleicht ließen sich Wurzeln nie ganz entfernen. Vielleicht schaffte man das bei sich selbst gar nicht.“

Sabine Rennefanz Roman „Kosakenberg“ hat mich tief bewegt. Ich habe noch nie ein Buch gelesen, das so gut in Worte fasst, was es bedeutet, seine Heimat zu verlassen, sich eine andere Wahlheimat zu suchen und sich zwischen diesen beiden Polen zu bewegen. Es ist ein sehr analytisches und gleichzeitig ein sehr persönliches Buch. Kathleens Geschichte ist individuell und lässt sich trotzdem auf jeden anderen Weggehenden anwenden. Die Wunde, die beim Verlassen der Heimat entsteht, verheilt niemals gänzlich. Die Ich-Erzählerin versucht eine Mauer um ihre Gefühlswelt aufzubauen, damit sie nichts verletzen kann, was in ihrem alten Heimatdorf passiert, gesagt oder getan wird. Doch es gelingt ihr nicht. Kathleen bleibt verletzlich und emotional an dem Geschehen im Dorf beteiligt. Ein immer wiederkehrendes Motiv in dem Roman ist das Motiv des größer werdenden Flecks: Als Kathleens Mutter ihr eine Packung Eier nach London schickt und eins der Eier zerbricht, wird der Fleck auf dem Teppich trotz Kathleens verzweifelter Versuche, den Fleck zu entfernen, immer größer. Auch nachdem Nadine Kathleens ehemaliges Elternhaus kauft und in ein Ferienhaus umwandelt, kehrt irgendwann der nasse Fleck an der Hauswand, der von einem undichten Wasserrohr herrührt, zurück. Der Fleck steht symbolisch für Kathleens Herkunft: Je angestrengter sie versucht, diese zu verbergen, zu negieren, desto stärker tritt sie wieder hervor. Doch das letzte Kapitel des Romans lautet „Wiederkommen“ – ein Versprechen, eine Vorahnung für die letztliche Versöhnung mit der eigenen Herkunft und Vergangenheit?

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 12.02.2024

Eine Freundschaft in Rumänien

Lichtungen
0

„Ob es im Westen alles gab? Ob man wirklich überall hinreisen konnte? Ob eine Sprache für ein Land reichte? Für das Sagbare und Unsagbare, Offensichtliche und Verborgene, Wahre und Unwahre?“

Lev und Kato ...

„Ob es im Westen alles gab? Ob man wirklich überall hinreisen konnte? Ob eine Sprache für ein Land reichte? Für das Sagbare und Unsagbare, Offensichtliche und Verborgene, Wahre und Unwahre?“

Lev und Kato verbindet eine besondere Freundschaft. Als Lev sich am tiefsten Punkt in seinem Leben befand, war Kato diejenige, die ihn aus dem Zustand größter Hoffnungslosigkeit herausholte. Seitdem sind die beiden unzertrennlich und vertrauen einander bedingungslos. Als Kato das Heimatdorf und auch die Landesgrenzen hinter sich lässt, fühlt sich Lev verraten und er lässt viel Zeit verstreichen bevor er Kato in Zürich besuchen kommt. Zusammen mit Lev erleben wir das Wiedersehen und lernen in umgekehrt chronologischer Reihenfolge die Phasen und Ereignisse in Levs Leben kennen, die ihn als Menschen besonders geprägt haben.

Mit „Lichtungen“ legt uns die Autorin Iris Wolff einen sehr atmosphärischen Roman vor, den man am besten als ein Buch der leisen Klänge bezeichnen könnte. Es ist ein unaufgeregtes, aber trotzdem sehr intensives Buch. Mit nur wenigen Worten wird eine ganze (Innen)Welt erschaffen, die da Erzählte hautnah miterleben lässt. Wir tauchen in Levs Innen- und Außenleben ein und erfahren auf diese Weise wie ein empfindsamer Mensch im kommunistischen Rumänien aufwächst und wie er seine innere Freiheit trotz widriger politischer Umstände bewahrt. Iris Wolff hat sich in ihrem Roman „Lichtung“ für die zeitlich umgekehrte Chronologie der Erzählung entschieden. Mir persönlich hat diese Erzählweise etwas den Zugang zu dem Erzählten, der Hauptfigur und den weiteren in Erscheinung tretenden Figuren erschwert und ich weiß nicht, ob ich den Roman in klassisch chronologisch erzählter Form nicht besser gefunden hätte. Nichtsdestotrotz ist „Lichtungen“ ein wahrer Schatz unter den Neuerscheinungen, da Iris Wolff ohne Zweifel zu den Autorinnen gehört, die das „Sagbare und Unsagbare, Offensichtliche und Verborgene, Wahre und Unwahre“ in Worte zu kleiden weiß.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 19.10.2023

Enttäuschend

Florence Butterfield und die Nachtschwalbe
0

Nachdem die alleinstehende Florence Butterfield einen Unfall erleidet und an den Rollstuhl gefesselt ist, wird klar, dass sie nicht mehr alleine in ihrem Cottage wohnen kann. Ihre Suche nach einer geeigneten ...

Nachdem die alleinstehende Florence Butterfield einen Unfall erleidet und an den Rollstuhl gefesselt ist, wird klar, dass sie nicht mehr alleine in ihrem Cottage wohnen kann. Ihre Suche nach einer geeigneten Seniorenresidenz ist schließlich erfolgreich. Babbington Hall ähnelt eher einem Herrenhaus mit seinem großen, verwinkelten Garten voller Obstbäume und Wildblumen als einem Altersheim. Hier fühlt sich Florence unglaublich wohl. Doch ihr Glück wird sehr schnell getrübt: Zuerst erleidet ein Bewohner der Seniorenresidenz einen tödlichen Unfall, kurz darauf stürzt Ranata, die Leiterin des Heims, aus dem Fenster. Florence glaubt nicht an einen tragischen Unfall und stellt Nachforschungen an, die sie immer näher an die Wahrheit bringen…

Die Autorin Susan Fletcher war mir bereits durch ihren Vorgängerroman „Das Geheimnis von Shadowbrook“ bekannt und so war ich sehr gespannt auf ihren neuesten Roman, bei dem das Cover als auch der Klappentext mich gleichermaßen angesprochen haben. Doch so sehr ich „Das Geheimnis von Shadowbrook“ mochte, so sehr war ich von „Florence Butterfield und die Nachtschwalbe“ enttäuscht. Während der Vorgängerroman geheimnisvoll, spannend und voller unerwarteter Wendungen war, plätschert die Geschichte des gegenwärtigen Romans gemächlich vor sich hin. Während das Geschehen in „Das Geheimnis von Shadowbrook“ glaubwürdig und schlüssig ist, sind die Handlung und die Begebenheiten in „Florence Butterfield und die Nachtschwalbe“ ziemlich weltfremd, naiv und unglaubwürdig. Während die Figuren in „Das Geheimnis von Shadowbrook“ interessant, vielschichtig und originell waren, sind die Figuren in „Florence Butterfield und die Nachtschwalbe“ uninspiriert, einfältig und flach. In gewisser Weise ist die Auflösung des Kriminalfalls in dem Roman nachvollziehbar, aber die Charaktere, ihr Innenleben und das Romangeschehen haben schon derartig an meinen Nerven gezogen, dass ich einfach nur froh war, den Roman beendet zu haben. So sehr ich gewillt war, den neuesten Roman von Susan Fletcher zu mögen – leider war mir dies nicht möglich. Von Susan Fletchers Gabe, eine Geschichte geheimnisvoll und spannend bis zum Ende erzählen zu können, ist hier leider nichts zu spüren.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 13.10.2023

Sezierung einer Mutter-Tochter-Beziehung

Die Wahrheiten meiner Mutter
0

„Bitte lass mich deine Augen sehen! Deine großen dunklen Augen! Sie sind kalt, ja, das weiß ich! Aber lass sie mich anschauen, lass mich tief in sie hineinsehen und sehen, ob es in der tiefsten Tiefe einen ...

„Bitte lass mich deine Augen sehen! Deine großen dunklen Augen! Sie sind kalt, ja, das weiß ich! Aber lass sie mich anschauen, lass mich tief in sie hineinsehen und sehen, ob es in der tiefsten Tiefe einen Gedanken für mich gibt, einen kleinen guten Gedanken über mich!“

Johanna, eine angesehene Künstlerin, die auf die sechzig zugeht, hat vor über dreißig Jahren ihr Elternhaus und ihren Ehemann verlassen und dabei ein ‚sicheres Leben‘ für Freiheit und einen anderen Mann aufgegeben. Nach dem Tod dieses Mannes kehrt Johanna in ihre Heimatstadt zurück – etwas drängt sie unaufhörlich, sich mit ihrer Vergangenheit auseinanderzusetzen. Ihr Vater, vor dem sie immer Angst hatte, ist vor einigen Jahren gestorben, und zu der jüngeren Schwester hat Johanna nie ein enges Verhältnis gehabt. Was Johanna interessiert, ja geradezu schmerzhaft bedrängt, ist der Gedanke an ihre Mutter. Was für ein Mensch war und ist sie? Wie war ihre Kindheit, Jugend und Elternzeit? Wie hat sie ihre Ehe empfunden? Wie war ihr Verhältnis zu Johanna und sind ihre Erinnerungen mit denen von ihrer Tochter kompatibel? Hat sie Johanna geliebt und wie war es für sie, als ihre Erstgeborene das Zuhause für immer verlassen hat? Möchte sie aus freien Stücken keinen Kontakt mehr zu Johanna haben oder ist es nur der Wille ihrer jüngeren Tochter? Diese und viele weitere Fragen beschäftigen die Ich-Erzählerin. Da die Mutter Johannas Telefonanrufe nicht entgegennimmt, fährt die Ich-Erzählerin zu der Straße, auf der die Mutter wohnt, versteckt sich, macht sich mit deren Angewohnheiten vertraut und folgt ihr regelmäßig mit ein paar Metern Entfernung. Ihr Verhalten hat etwas Wahnhaftes an sich. Doch je mehr man in das Innenleben und die Vergangenheit der Protagonistin eintaucht, desto besser kann man ihr Handeln nachvollziehen. Als es schließlich zu einer unmittelbaren heftigen Konfrontation zwischen Mutter und Tochter kommt, erkennt Johanna, dass es keinen Austausch auf einer Ebene mit ihrer Mutter geben kann. Da sich die Mutter nie den Wahrheiten in ihrem Leben gestellt hat, kann Johanna ihre ehemalige Heimat und auch ihre unaufgearbeitete Vergangenheit schließlich für immer hinter sich lassen.

Es ist ein einzigartiges Erlebnis, in die Gedankenwelt der Ich-Erzählerin einzutauchen. Vigdis Hjorth verfügt über eine wunderschöne, subtile, leichtfüßige Sprache, die gleichzeitig eine Direktheit, Intensivität und Gewalt ausübt, dass der Leserin buchstäblich der Atem wegbleibt. Man fühlt sich wie von einer Schlingpflanze umwoben, die zunächst zart und schmeichelnd die Seele berührt, dann aber immer fester zuschnürt. Ich ziehe meinen Hut vor dieser schriftstellerischen Meisterleistung, die einer Mutter-Tochter-Beziehung so tief auf den Grund gehen und dabei auch die Leserin dauerhaft in ihrem Denken prägen kann.

„Die Mutter ist ein Spiegel, in dem die Tochter sich selbst in der Zukunft sieht, und die Tochter ist ein Spiegel, in dem die Mutter ihr verlorenes Ich sieht, vielleicht will Mutter mich nicht sehen, um nicht zu erfahren, was sie verloren hat? Vielleicht muss ein Kind gegen die Eltern aufbegehren, um seinen eigenen Willen zu entdecken und seinen eigenen Weg zu finden, und wenn die Eltern das ertragen und damit umgehen können, können alle Beteiligten danach eine gleichwertige Beziehung entwickeln, weil sich in der Hitze des Gefechts alle nackt und verletzlich gezeigt haben und weil alle versucht haben, komplizierte und ambivalente Gefühle in Worte zu fassen, etwas, das Mutter und ich nie getan haben. Das ist es, was geschehen muss, damit der Teufelskreis aus Schmerzen gebrochen werden kann.“

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere