Die Legende von den Siegelmeistern
Der SiegelmeisterGroßvater Michael erzählt seinem Enkel Jonathan einmal in der Woche Gute-Nacht-Geschichten. Ein Highlight für den 10-jährigen, auf dass er sich jede Woche freut und dem er entgegen harrt. Doch weiß Jonathan ...
Großvater Michael erzählt seinem Enkel Jonathan einmal in der Woche Gute-Nacht-Geschichten. Ein Highlight für den 10-jährigen, auf dass er sich jede Woche freut und dem er entgegen harrt. Doch weiß Jonathan nicht das ganze, hat keine Ahnung, was es mit den spannenden Geschichten über die Siegelmeister wirklich auf sich hat. Als dann, Jahre später, ein Unglück geschieht, sieht Jonathan sich einer ganz neuen Realität gegenüber ...
Was fast wie ein Kinderbuch beginnt, verwandelt sich spätestens ab Seite 117 in einen Krimi. Jonathan, der Junge, dem der Großvater früher Geschichten über Siegelmeister und Sagengestalten erzählte, erwacht nach einem Mord in einer vollkommen anderen Realität. Und plötzlich ergeben die früheren Gute-Nacht-Geschichten seines Großvaters einen schrecklichen Sinn. Und Jonathan muss sich die Frage stellen, ob er bereit ist, in die Fußstapfen des alten Herrn zu treten oder ob er all das hinter sich lässt.
Der Roman ist spannend geschrieben. Man legt ihn kaum aus der Hand. Die Figuren sind ausreichend gezeichnet, wenn ich auch nur bei Jonathan und dem Mörder eine wirklich dunkle Seite entdeckte. Ersterer kann die seine überwinden - oder so scheint es. Letzterer ... nun ja.
Was dem Roman sichtlich gut getan hätte wären ein paar mehr Absätze gewesen. So sieht sich der Leser einem fast ausschließlichem Blocksatz gegenüber, was mit der Zeit frustrierend zumindest auf die Rezensentin wirkte. Das allerdings ist auch schon meine größte Kritik an dem gesamten Werk. Der Roman ist in sich schlüssig geschrieben und man erkennt auch sehr schnell den Hintergrund des ersten Kapitels, das sich doch recht drastisch vom Rest der Handlung abhebt. Aber es ist auch gut so.
Dass der Roman in Frankfurt, besser einigen Stadtteilen, spielt, lernt man schnell, ist aber kein Abbruch. Die Rezensentin war noch nie in Frankfurt, konnte sich aber trotz diverser Straßennamen und Wegebeschreibungen sehr gut zurechtfinden im Buch. Ehrlich gesagt, hat der Roman einen gewissen Wunsch geweckt, sich die Stadt, oder zumindest die beschriebenen Örtlichkeiten, einmal anzusehen. Frankfurt scheint um einiges mehr zu sein als nur die Skyline mit ihren Highrisings.
Die Figuren sind, wie bereits gesagt, ausreichend beschrieben, um mit ihnen fühlen zu können. Gerade die Perspektiven von Großvater Michael und später Enkel Jonathan ließen mich immer wieder mitfiebern und mitleiden mit den beiden. Zudem liegt hier und da auch ein gewisser Humor, der den Leser immer wieder zum Schmunzeln bringt. So macht das Lesen Spaß! Vor allem, weil es durchweg spannend bleibt und man tatsächlich erst fast am Ende erfährt, wer denn nun der Mörder ist.
Vor allem ließ mich immer wieder die Beschreibungen der Kobolde schmunzeln mit ihrem ... wirren Modeverstand (Paisleyhemd und Gummistiefel - zum Schreien!). Auch hier wurde sehr viel Wert darauf gelegt, die Spannung zu erhalten, während die Begegnungen selbst eher humorig zu lesen sind. Erlebach verkauft seine eigene Fantasyspielart wirklich überzeugend und mit einem zwinkernden Auge.
Alles in allem ist der Roman kurzweilig und lesenswert, gerade wenn man über die Blocksatz-Hochhäuser klettert und sich von der Geschichte mitreißen lässt. Es steht offensichtlich zu hoffen, dass Nachfolger folgen werden. Also werde ich meine Augen danach offen lassen. Ich persönlich würde nur zu gern wissen, wie Jonathan seinen Weg zum Siegelmeister fortschreitet.