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Veröffentlicht am 18.10.2021

James Bond trifft auf Sherlock Holmes: Malvina ist zurück - ein fulminantes Krimi-Grusel- Abenteuer

Malvina Moorwood (Bd. 2)
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„Wenn die Uhren halten an, kommt der dünne Mann. Greift sodann mit des Todes Finger an.“

Auf Moorwood Castle, dem hässlichsten Schloss Englands, will einfach keine Ruhe einkehren. Bei den Bauarbeiten ...

„Wenn die Uhren halten an, kommt der dünne Mann. Greift sodann mit des Todes Finger an.“

Auf Moorwood Castle, dem hässlichsten Schloss Englands, will einfach keine Ruhe einkehren. Bei den Bauarbeiten für den neuen Pool wird ein Skelett gefunden und Opa Moorwood gerät unter Mordverdacht. Doch anstatt die Sache aufzuklären, macht sich Opa kurzerhand aus dem Staub. Also ist es Malvinas und Toms Aufgabe, Licht ins Dunkel zu bringen. Bei ihren Nachforschungen stoßen sie auf noch mehr Geheimnisse, wie ein unheimliches Gedicht oder eine dubiose Männervereinigung. Die beiden schlittern in ein unglaubliches Abenteuer und schweben dabei nicht nur einmal in großer Gefahr.

Autor Christian Loeffelbein schreibt lebendig und für Kinder klar und gut verständlich aus Malvinas Sicht. Der aussagekräftige und authentische Erzählstil macht es der Leserschaft leicht, sich sofort ins Geschehen hineinzuversetzen. Julia Christians Bilder passen sehr gut zur Handlung. Die Illustrationen stellen manche Szenen und wichtige Gegenstände der Handlung dar, die gezeichneten Figuren sehen charakteristisch und originell aus und zeigen deutlich, was sie fühlen. In der Dunkelheit oder unter der Erde sind die Illustrationen weniger hell, vereinzelt sind ganze Seiten gräulich oder fast schwarz gefärbt, das schafft auch äußerlich eine besondere, düstere Atmosphäre.
Die Kapitel sind recht umfangreich, die Schrift ist nur minimal größer gedruckt als gewöhnlich. Die Geschichte eignet sich für Jungen und Mädchen ab neun Jahren, die im Lesen geübt und ausdauernd sind.

Malvina Moorwood bleibt sich auch im zweiten Band treu. Sie ist neugierig, aufgeweckt und reagiert spontan aus dem Bauch heraus. Mitunter kann sie ziemlich patzig werden, wenn es nicht nach ihrem Kopf geht. Malvina glaubt im Gegensatz zu ihrem Freund Tom durchaus an Übersinnliches und Geister. Tom ist eher rational und dabei so clever, dass er fast jedes Rätsel knackt. Auf Tom kann Malvina jederzeit zählen, für sie lässt er alles stehen und liegen. Einen so zuverlässigen und treuen Freund wie Tom wird sich wohl jedes Kind wünschen.
Auch Malvinas bunte Familie ist wieder mit von der Partie: Opa, der vielleicht Dreck am Stecken hat, Tante Frieda mit ihrem Hang zum Spiritismus, Mama, die sich nach einem Leben in London sehnt, Papa, der sich heimlich mit einer fremden Frau eine Portion Tortellini teilt, die handysüchtigen Zwillinge Amalia und Georgina und Bruder Tristan, der im Reiten leider nicht ganz so talentiert ist wie sich sein Vater das wünscht. Auch Toms Vater, der Polizist Mr. Baxter, greift ins Geschehen ein, diesmal aber mit weniger Tomatenwitz. Hinzu kommen einige alte Männer, die mehr wissen oder nicht und ein ganz schön merkwürdiger, furchteinflößender dünner Mann. Ziemlich viele Figuren mit Geheimnissen….

Ist Opa wirklich ein Mörder? Was hat er noch zu verbergen? Tom und Malvinas Ermittlungen sind unheimlich spannend, stellenweise so gar nichts für schwache Nerven: Grusel, Gefahr und Geheimnisse, wo sie hinkommen und dabei ähnlich viel Action wie bei James Bond. Außerdem müssen Malvina und Tom so genau beobachten wie Sherlock Holmes und dabei ihre grauen Zellen ganz schön anstrengen. „Malvina Moorwood- Das Skelett im Schlossgarten“ ist ein schräges, phantasievolles, turbulentes und ziemlich witziges Krimiabenteuer zum Gruseln und Rätseln. Trotz fast satirischer Anspielungen auf verschiedene Genres, die auch Erwachsenen Spaß machen, hat das Buch seinen ganz eigenen individuellen Mix und Charme. Leichtfüßig werden auch Probleme wie Vorurteile, Gerüchte und psychische Erkrankungen thematisiert. Wer es humorvoll, aufregend und ein bisschen geisterhaft mag, wird die Reihe um Malvina Moorwood lieben, auch wenn die Hauptfigur durchaus ihre Fehler hat. Meine Kinder und ich sind jetzt noch größere Fans geworden und freuen uns schon auf die nächsten Herausforderungen für Malvina und Tom.

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Veröffentlicht am 18.10.2021

Von der Magie und der geheimen Kraft des Gärtnerns

Karline und der Flaschengarten
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Karlines Vater arbeitet als Bestatter. Als Karline auf dem Friedhof auf ihn wartet, beobachtet sie, wie eine Frau eine kleine Figur in ein Grab wirft. Luca, der Sohn der Friedhofsgärtnerin, „rettet“ die ...

Karlines Vater arbeitet als Bestatter. Als Karline auf dem Friedhof auf ihn wartet, beobachtet sie, wie eine Frau eine kleine Figur in ein Grab wirft. Luca, der Sohn der Friedhofsgärtnerin, „rettet“ die Figur für Karline, sie entpuppt sich als USB-Stick. Als Karline sich ansieht, was auf dem Stick gespeichert ist, staunt sie nicht schlecht: es sind Bilder von einem wunderschönen japanischen Garten. Gemeinsam mit ihrer Freundin Grete findet Karline heraus, wo der Garten liegt, nämlich in der Nähe eines verlassenen Fabrikgeländes. Die beiden kümmern sich um den Garten, der niemandem zu gehören scheint. Die Gartenarbeit macht ihnen große Freude und bald schon werden sie dabei von zwei Mitstreitern unterstützt. Ob sie ihren Garten weiterhin geheim halten können? Und was wird passieren, wenn sich der rechtmäßige Besitzer des Gartens meldet?

Autorin Maike Siebold schreibt lebendig, kindgemäß und gut verständlich im Präsens in Ich-Form. Ihr direkter, unterhaltsamer, lockerer Schreibstil lässt sich flüssig lesen und vorlesen. Die Autorin hat viele witzige Ideen, die sie auf ihre Figuren überträgt. So lässt sie beispielsweise Grete sagen: „Man sagt, dass man mit Blumen sprechen soll, damit sie besser wachsen. Funktioniert das auch umgekehrt? Also, wenn ich das Unkraut anschweige, verschwindet es wieder?“
Kai Schüttler hat zur Geschichte passende Bilder gestaltet. Seine Figuren mit den runden Köpfe sehen individuell und sehr drollig aus und motivieren.
Die Schrift ist etwas größer gedruckt, hat einen angenehmen Zeilenabstand, die Kapitel haben eine übersichtliche Länge. Sichere Leser ab acht Jahren können sich die Geschichte schon selbstständig erschließen, das Buch ist auch zum Vorlesen für etwas jüngere Kinder geeignet.

Karline ist eine sehr nachvollziehbare Figur, mit der sich Kinder bestimmt leicht identifizieren können. Sie ist aufgeweckt und neugierig. Ihr Vater hat recht wenig Zeit für sie, daher ist sie viel auf sich alleine gestellt. Karline ist recht willensstark und reagiert manchmal trotzig und ungerecht, was sie für mich als Charakter nur authentischer macht. Dass sie Vorbehalte gegenüber Arve, der neuen Freundin ihres Vaters, hat und manchmal eifersüchtig ist, halte ich für sehr realistisch.
Karlines Freunde Grete, Luca und Imad sind alle ziemlich unterschiedlich. Grete packts an, Luca ist manchmal ein Angeber, aber ein netter und Imad denkt viel nach, er wirkt recht erwachsen und weiß genau, was richtig und was falsch ist.
Mir hat der Charakter Onkel Tom sehr gefallen. Tom führt ein Café und ist Experte für Literatur, daher nennt er Karline immer wieder nach literarischen Figuren und hat für sie oft genau den richtigen Literaturtipp parat.
Manche Erwachsenen wie Arve sorgen im Lauf der Geschichte für ziemliche Überraschungen und auch zwei Charaktere aus „Rille aus dem Luftschacht“ haben erfreulicherweise einen kleinen Gastauftritt.

„Das Leben beginnt mit dem Tag, an dem man einen Garten anlegt“. Dieses Zitat hat Autorin Maike Siebold ihrem Buch vorangestellt. Und was der Ausspruch wirklich meint, verdeutlicht sie in „Karline und der Flaschengarten“. Die Arbeit im Garten macht die Hauptfiguren glücklich, erfüllt sie, beruhigt sie, verbindet sie miteinander. Nebenher gibt es interessante, wissenswerte Informationen über Pflanzen, wie z.B. dass Pflanzen lernen können. Das Buch ist wie eine moderne Version des Klassikers „Der geheime Garten“. Für alle, die wenig Platz für einen echten Garten haben, gibt es im Anhang eine Anleitung für einen Flaschengarten.
Auch wenn Gärtnern besinnlich und entspannend wirken kann, ist Karlines Geschichte alles andere als langweilig. Durchaus spannend zu erfahren ist es, wer der eigentliche geheimnisvolle Besitzer des Gartens ist und was mit dem Garten weiter geschieht.
Eine tolle Idee ist, dass die Kapiteltitel stets Fragen sind, wie z.B „Wo ist das Glück hin?“. Lediglich das letzte Kapitel hat keine Frage in der Überschrift mehr, alle Fragen wurden am Ende beantwortet.
Nach „Rille aus dem Luftschacht“ überzeugt Maike Siebold erneut mit einem originellen, phantasievollen, ungewöhnlichen, manchmal auch schrägen und warmherzigen Kinderbuch über Freundschaft. Karlines Geschichte erinnert daran, dass von der Natur und vom Gärtnern Magisches ausgehen kann. Gärtnern kann Glück bedeuten und dieses Buch war für uns ebenso ein kleines Stück vom Glück.

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Veröffentlicht am 17.10.2021

Raffiniert und überzeugend konstruiertes, spannendes „Krimipuzzle“

Wer das Feuer entfacht - Keine Tat ist je vergessen
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Auf einem Londoner Hausboot wird die Leiche von Daniel Sutherland gefunden. Zunächst zeichnet sich eine rasche Auflösung des Falls ab. Laura hatte mit dem Opfer einen One-Night-Stand und wurde zuletzt ...

Auf einem Londoner Hausboot wird die Leiche von Daniel Sutherland gefunden. Zunächst zeichnet sich eine rasche Auflösung des Falls ab. Laura hatte mit dem Opfer einen One-Night-Stand und wurde zuletzt am Tatort gesehen. Doch während der Ermittlungen zeigt sich, dass der Fall vielleicht doch nicht so eindeutig liegt. Auch Carla, die Tante des Opfers, ihr Mann, der Schriftsteller Theo, und Miriam, die im Hausboot neben Daniels lebt und sich merkwürdig verhält, scheinen ebenfalls irgendwie in die Sache verwickelt.
Vor kurzem starb Daniels Mutter Angela. Steht ihr Tod vielleicht im Zusammenhang mit Daniels Ermordung? Und welche Rolle spielt die liebenswürdige Irene, die ehemalige Nachbarin von Daniel und seiner verstorbenen Mutter?

Paula Hawkings Sprachstil liest sich leicht, unkompliziert und gut verständlich. Sie erzählt nicht chronologisch oder durchgehend aus einer Perspektive, sie schildert die Erinnerungen der Beteiligten und „springt“ so immer wieder durch die Zeit. So fiel es mir trotz der klaren Sprache anfangs schwer, mich zu orientieren. Doch im Laufe der Handlung gelang es mir immer besser, die einzelnen Stränge der Geschichte miteinander zu verknüpfen.

Paula Hawkings interessante Figuren polarisieren zweifelsohne. Alle verdächtigen Frauen Laura, Miriam und Carla haben das gleiche Schicksal erlitten. Sie erlebten einen schrecklichen, „monströsen“ Moment, nach dem sich ihr Leben komplett veränderte. Danach war für sie nichts mehr wie vorher. Carla bringt es auf den Punkt: „Unvorstellbar, ja. Ein paar Sekunden gedankenloser Gleichgültigkeit, eine offene Tür. Und sieh uns jetzt an.“ Diese „monströsen“ Momente können die Frauen nie vergessen, sie sind durch sie für ihr ganzes Leben gezeichnet und geprägt. Während ich für Laura viel Mitleid empfand, obwohl sie sich wiederholt falsch verhält und ihre kriminellen Energien nicht im Griff hat, waren mir Miriam und Carla trotz ihres tragischen Schicksal unangenehm, fast suspekt, sie blieben mir in den meisten Situationen fremd, ebenso wie Carlas Mann Theo. Mit Irene vervollständigt aber auch ein sehr sympathischer, einnehmender Charakter die Figurenkonstellation.

Auch wenn ich anfangs ziemlich verwirrt war und die Personen nicht einordnen und einschätzen konnte, wurde ich später vom Sog der Geschichte mitgerissen. Immer mehr Puzzleteile fügten sich ins komplette Bild der Handlung ein, ich konnte ab der Mitte des Romans kaum mehr erwarten, endlich zu Ende zu lesen und das ganze Rätsel zu lösen. Paula Hawkings hat ihren Roman raffiniert und überzeugend konstruiert, am Schluss bleiben keine Fragezeichen stehen. Für mich ist „Wer das Feuer entfacht“ ein Krimi wie er sein sollte: psychologisch, logisch und nachvollziehbar, mit interessanten Figuren und insgesamt wirklich packend. Nach „Girl on the Train“ ein weiteres lesenswertes Buch der Autorin, das ich Krimiliebhabern nur empfehlen kann.

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Veröffentlicht am 16.10.2021

Ein Ex-Paar in einem kleinem Auto, einige Konflikte und viele Erinnerungen

Drive Me Crazy – Für die Liebe bitte wenden
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„Ich liebe dich“, sage ich und weine. „Ich habe dich sogar geliebt, als ich dich gehasst habe. Ich habe dich geliebt, als alles andere mir lieber gewesen wäre.“

Eigentlich sollte es eine ganz entspannte ...

„Ich liebe dich“, sage ich und weine. „Ich habe dich sogar geliebt, als ich dich gehasst habe. Ich habe dich geliebt, als alles andere mir lieber gewesen wäre.“

Eigentlich sollte es eine ganz entspannte Fahrt für die Schwestern Addie und Deb (und ihren Mitfahrer Rodney) zur Hochzeit ihrer besten Freundin Cherry in Schottland werden. Doch dann fährt ihnen einen Auto auf und darin sitzen keine Unbekannten: Addies Exfreund Dylan und sein Freund Marcus, die zur selben Hochzeit unterwegs sind. Der Wagen der Männer ist nicht mehr fahrtüchtig, also bleibt Addie nichts anderes übrig, als Dylan und Marcus Plätze in ihrem Mini anzubieten. Keine einfache Situation für Addie und Dylan, die sich seit zwei Jahren weder gesehen noch gesprochen haben und die damals nicht im Guten auseinandergingen. Auf so engem Raum können die zwei sich und ihren Erinnerungen natürlich nicht entkommen...

Beth O’Leary schreibt klar verständlich und flüssig im Präsens, abwechselnd aus Dylans und Addies Sicht. Sie schildert sowohl die aktuelle Situation auf der Fahrt nach Schottland als auch Erinnerungen der beiden Protagonisten in Rückblenden. Es geht dabei um die Zeit, als sich die beiden kennenlernen und später als Paar zusammen sind. Durch diese nicht durchgehend chronologische Erzählweise wird im Verlauf immer deutlicher, warum sich Addie und Dylan damals trennten.

Addie und Dylan sind spannende Charaktere, die mir im Verlauf immer vertrauter wurden. Beide sind sensible, feinfühlige Personen, die vom ersten Augenblick an ineinander verliebt sind und eigentlich wie füreinander geschaffen scheinen. Addie arbeitet als Lehrerin, nimmt ihren Beruf ernst, Dylan schreibt leidenschaftlich gern besondere Gedichte wie „Die Kraft, die mir zu eigen ist, gehört mir/ ein Geschenk/ das zurückzufordern ich nun beschließe.“ Doch manche Menschen in seinem Umfeld verunsichern ihn. Er fühlt sich nicht wohl in seiner Haut, sein Vater setzt ihn unter Druck und sein Freund Marcus unterstützt ihn vor allem dann nicht, wenn er es dringend bräuchte. Marcus ist ohnehin ein komplizierter Zeitgenosse, der sich nicht für seine Fehler entschuldigen kann und der andere oft sehr hart kritisiert. Ich empfand ihn häufig als „ziemlich ätzend“. Auch mit Addie hat Markus, der Antiheld, seine Probleme und Dylan gerät immer öfter zwischen die Fronten. Erfrischend dagegen Deb, die ehrlich und direkt sagt, was sie denkt und berechenbar und verlässlich scheint. Wie interessant und reizvoll die Figurenkonstellation ist, wird im engen Raum des Autos schnell deutlich, da treffen so einige Emotionen aufeinander.

Ganz langsam, nach und nach nimmt, die Geschichte Fahrt auf, nach dem Auffahrunfall passiert erst einmal nicht viel, aber gegen Ende, wenn endlich herauskommt, was damals wirklich geschah, entwickelt sich die Handlung zunehmend interessanter, packender und überraschender. Nach etwas längerer Anlaufzeit war ich mitten drin im Geschehen, fieberte mit Addie, spürte die schneidende, unangenehme Atmosphäre im Auto beinahe selbst und wollte unbedingt wissen, warum Addie und Dylan so schlecht aufeinander zu sprechen sind. Beth O’Leary hat einen lesenswerten Liebes- und Beziehungsroman darüber geschrieben, dass sich Menschen durchaus ändern können und dass man manchmal den richtigen Menschen zur falschen Zeit trifft, ein Buch wie ein Roadtrip, der mit der Zeit intensiver wird.
Vielleicht hätte die erste Hälfte etwas straffer erzählt werden können, aber insgesamt habe ich „Drive me Crazy- Für die Liebe bitte wenden“ sehr gerne gelesen. Nicht immer locker leicht, manchmal auch ziemlich ernst und nachdenklich stimmend, aber zu meinem Leserglück auch eine schöne Geschichte mit einer großen Portion Romantik fürs Herz.

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Veröffentlicht am 14.10.2021

Finnisch-unkonventionell, turbulent, witzig und manchmal ziemlich kurios

Flora Salmanteri und die Mini-Piraten Band 1
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Das kann ja heiter werden. Mama und Papa haben eine wichtige Dienstreise und so müssen Lilli und Mikko ihre Ferien bei ihrem fürchterlichen kinderhassenden Onkel Jim verbringen. Zum Glück ist Jim den ganzen ...

Das kann ja heiter werden. Mama und Papa haben eine wichtige Dienstreise und so müssen Lilli und Mikko ihre Ferien bei ihrem fürchterlichen kinderhassenden Onkel Jim verbringen. Zum Glück ist Jim den ganzen Tag über nicht zu Hause und die Geschwister lernen ganz heimlich Flora Salmanteri, Jims schrullige Nachbarin, kennen. Die sieht zwar aus wie eine harmlose, nette Oma, ist aber alles andere als „normal“. Mit ihr und ihrem Freund Tom Holzbein-Vorsteen schlittern die beiden Kinder in ein irrsinnig verrücktes und unglaubliches Abenteuer.

Autorin Noora Kunnas schreibt unterhaltsam, kindgemäß und lebendig mit viel direkter Rede in der ersten Vergangenheit. Ihre Schreibstil ist gut verständlich. Zeichner Teemu Juhani hat komische, charakteristische und sehr individuelle Bilder zur Handlung gezeichnet, die die teils skurrilen Situationen aus der Geschichte anschaulich darstellen.
Das Buch eignet sich für Selber-Leser ab acht Jahren, zum Vorlesen auch schon für jüngere Kinder.

Während sich die kleinen Leserinnen und Leser mit den „durchschnittlichen“, netten, aufgeweckten Kindern Lilli und Mikko bestimmt gut identifizieren können, die sich neugierig und abenteuerlustig auf die neue Bekanntschaft mit Flora einlassen, sind einige anderen Figuren doch eher unkonventionell und teilweise ganz schön schräg. Flora Salmanteri beispielsweise ist schon ziemlich weit in der Welt herumgekommen, kann mit einem 3D-Drucker umgehen und zeigt sich für eine ältere Dame erstaunlich umtriebig. So möchte sie lateinamerikanische Tänze lernen und spielt mit ihrem Freund Holzbein-Vorsteen in einer Band. Holzbein-Vorsteen wirkt zunächst auf die Kinder ein bisschen erschreckend und gruselig, doch das ändert sich, als sie ihn näher kennenlernen. Der plappernde Hahn Pedro und die Minipiraten sind ebenso ziemlich kuriose Figuren. Und mit Rita und ihrem Mann Malte gibt es auch ausgewachsene Bösewichte, der egoistische Onkel Jim komplettiert die Riege der unsympathischen Figuren. Schlagersängerin Monika hält für alle noch eine extra Überraschung bereit. Eine ziemlich abwechslungsreiche und besondere Figurenkonstellation.

Lilli und Mikko erleben eine unerwartet aufregende Zeit bei Onkel Jim. Da können nicht nur Hähne sprechen und Gartenzwerge werden lebendig, es gibt auch einen Kriminalfall zu lösen und
ein Blumen- und Dekorationswettbewerb entwickelt sich überaus spannend. Langeweile ist bei „Flora Salmanteri und die Minipiraten“ Fehlanzeige, Humor dagegen reichlich vorhanden. Wer es turbulent, chaotisch und überdreht mag, liegt mit diesem phantasievollen, originellen Kinderbuch aus Finnland richtig. Meiner sechsjährigen Tochter hat das Buch, das durch die vielen finnischen Namen fast exotisch wirkt, jedenfalls viel Spaß gemacht. Sie ist schon neugierig auf das nächstes Abenteuer der lustigen Truppe.

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