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Veröffentlicht am 11.12.2019

Kleiner Seelenwärmer für dunkle Tage

Im Alt singt jemand falsch
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Maja singt schon lange im Unichor und mindestens genauso lange schwärmt sie heimlich für den gutaussehenden Tenor Tristan. Aber irgendwie läuft es gerade nicht so recht: Der neue Chorleiter, der stocksteife, ...

Maja singt schon lange im Unichor und mindestens genauso lange schwärmt sie heimlich für den gutaussehenden Tenor Tristan. Aber irgendwie läuft es gerade nicht so recht: Der neue Chorleiter, der stocksteife, perfektionistische Wilhelm ist mit den Leistungen der Sänger nicht zufrieden und lässt alle Mitglieder einzeln zum Vorsingen antreten. „Im Alt singt jemand falsch“ vermutet Maja deshalb. Da sie sie nicht gerade mit Selbstbewusstsein gesegnet ist, hält Maja sich selbst für diesen Jemand und fürchtet beim Vorsingen aufzufliegen. Aus Angst, den Chor verlassen zu müssen, möchte sie sich unentbehrlich machen und meldet sich kurzerhand freiwillig für die Organisation eines Chorwochenendes. Und das obwohl die Zeit denkbar knapp ist und die Chaotin über wenig bis gar kein Organisationstalent verfügt. Insgeheim hofft Maja, dass es ihr dabei noch gelingt, Tristan von sich zu überzeugen. Doch dann kommt alles ganz anders.......

Die Figur Maja ist zwar herrlich liebenswert, aber manchmal derart unsicher und verplant, dass ich sie beim Lesen öfter durchschütteln wollte. Trotzdem habe ich mit ihr mitgefiebert. Auch Majas unkonventionelle Familie und ihre netten Freunde musste ich einfach gern haben. Natürlich sind einige Personen, allen voran Tristan und die zickige Lissy klischeehaft und sehr einseitig dargestellt, aber für einen Roman dieser Art, der in erster Linie gut unterhalten soll, gehört das für meine Begriffe genau so. Und Maja, die einem doch recht naiv und verträumt vorkommt, lernt dazu: Nicht nur in Sachen Ordnung und Selbstbewusstsein, sondern auch darüber, was Familie bedeutet und wie man mit Konflikten umgeht.
Maja und Wilhelm sind übrigens prominenten Vorbildern aus einem sehr erfolgreichen Film nachempfunden. Um welche es sich handelt, wird hier aber nicht verraten. Nur soviel: Mir hat der Vergleich großen Spaß gemacht.

Die Chorszenen wirken sehr authentisch. Man merkt, dass sich die Autorin auskennt und selber eine Leidenschaft fürs Chorsingen hegt. Mit ihrer Begeisterung hat sie mich fast ein bisschen angesteckt.

Manchmal, gerade an tristen Wintertagen, neige ich zu trüben Gedanken. Da will ich mich einfach ins Bett oder aufs Sofa kuscheln und ein Buch fürs Herz lesen, das mich den Ärger vergessen und wieder lachen lässt. Für solche Zeiten ist dieser Roman genau das richtige: ein kleiner Seelenwärmer für dunkle Tage, eine gelungene romantische Liebeskomödie zum Lesen.

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Veröffentlicht am 05.12.2019

Schön illustriertes und gut strukturiertes Sachbuch, das auch Erwachsenen noch neue Informationen bietet

Hallo, Frau Elefant!
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„Hallo, Frau Elefant!“, ein Sachbuch für Kinder ab drei Jahren, stellt verschiedene Tiere der Savanne vor. Auf den Seiten finden sich sehr kurze Informationstexte zu Nashorn, Zebra, Gnu, Löwe, Nilpferd, ...

„Hallo, Frau Elefant!“, ein Sachbuch für Kinder ab drei Jahren, stellt verschiedene Tiere der Savanne vor. Auf den Seiten finden sich sehr kurze Informationstexte zu Nashorn, Zebra, Gnu, Löwe, Nilpferd, Krokodil, Gepard, Elefant, Giraffe und Geier. Zusätzlich bieten die gut strukturierten Abschnitte noch Entdeckerklappen zum Öffnen, hinter denen weiteres Spezialwissen verborgen ist. Zum Schluss sind auf einem Bild noch einmal alle Tiere versammelt und sollen von den Kindern gesucht und benannt werden

Ich habe das Buch meinen Kindern (vier und sechs Jahre ) und dem dreijährigen Neffen vorgelesen. Die großen farbenfrohen Bilder haben ihnen sehr gut gefallen, auch ich war recht angetan von den dekorativen, aber nicht überladenen Illustrationen und der interessanten Maltechnik. Das Buch ist liebevoll und hochwertig aufgemacht. Die Klappen und Seiten sind von der Qualität für das angegebene Alter in Ordnung, könnten aber noch etwas dicker und stabiler sein, um auch die Angriffe kleinerer Geschwister schadlos zu überstehen.

Die Auswahl, was inhaltlich zu den einzelnen Tieren erzählt wird, ist für mich toll getroffen. Zunächst werden die exotischen Tiere ganz simpel in Fleisch- und Pflanzenfresser unterteilt. Aber dann erfahren auch erwachsene Vorleser noch viel Neues über sie, zum Beispiel, dass Zebras eigentlich schwarze Haut haben oder dass Gnus schon fünf Minuten nach ihrer Geburt neben ihrer Mutter herrennen können. (Mein Sohn hat dafür immerhin 15 Monate gebraucht ) So ist das Buch auch für Ältere noch interessant und lehrreich.

Eine gute Idee fand ich zudem, dass die Tiere zuerst immer direkt von den Lesern (z.B. mit den Worten „Hallo Frau Nashorn!“ ) begrüßt werden sollen. So werden die kleinen Zuhörer zum Mitsprechen aufgefordert, gerade das hat meinen Kindern großen Spaß gemacht.

Mein sechsjähriger Sohn war etwas irritiert, dass der Titel des Buchs „Hallo, Frau Elefant!“ lautet, im Text aber „Herr Elefant“ begrüßt wird. Auch ist er nach wie vor davon überzeugt, dass die Zungen der Giraffen blau und nicht wie im Buch geschrieben „fast schwarz“ sind.

Von diesen beiden Punkten abgesehen, hat uns Sam Boughtons Buch aber sehr gut gefallen. Wir können es für alle kleinen Tierliebhaber und wissensdurstigen Entdecker ab frühestens zweieinhalb Jahren nur empfehlen.


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Veröffentlicht am 05.12.2019

Ruhige Geschichte über Ängste, Dunkelheit, Licht und seine Schattenseiten

Der kleine Dunkelfresser
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Leonie, genannt Leo, ist schon sieben Jahre alt, hat aber trotzdem noch Angst im Dunkeln, vor allem seit sich ihre Eltern getrennt haben und Leo mit ihrer Mutter in der neuen Wohnung lebt. Bei ihrem Opa ...

Leonie, genannt Leo, ist schon sieben Jahre alt, hat aber trotzdem noch Angst im Dunkeln, vor allem seit sich ihre Eltern getrennt haben und Leo mit ihrer Mutter in der neuen Wohnung lebt. Bei ihrem Opa auf dem Dachboden findet sie ein kleines Wesen, das magisches Fähigkeiten hat: Es frisst die Dunkelheit auf und taucht alles in ein schimmerndes Licht. Mit Hilfe dieses „Dunkelfressers“ schafft es Leonie schließlich, ihre Angst zu überwinden.
Illustratorin Julia Dürr hat die Bilder zur Geschichte gestaltet. Sie sind einfach und naiv gehalten, passen gut zum Inhalt. Vor allem der Dunkelfresser sieht ein wenig aus wie eine Kinderzeichnung. Das ist stimmig, schließlich zeichnet Hauptfigur Leo selbst auch einmal den Dunkelfresser.

Das Buch „Der kleine Dunkelfresser“ beschreibt die Ängste, die sich in einer ungewohnten Umgebung und neuen Situationen entwickeln als verständlich und natürlich. Zusätzlich wird schön dargestellt, dass auch Kinder wie Tom, die eigentlich nach außen hin so cool und -für mich- sehr frühreif wirken, Ängste haben. Diese Ängste können ganz verschieden aussehen: Ängste vor unheimlichen Situationen, davor, was andere Menschen über einen denken oder davor, ausgelacht zu werden. Eines ist sicher: Jeder hat Ängste. (Selbst Leos Opa geht nicht gerne alleine auf den Dachboden.) Wichtig ist nur, sie sich irgendwann selber einzugestehen und zu versuchen, ihnen entgegenzutreten .
Das Buch enthält noch eine weitere relevante Botschaft: Nur durch die Dunkelheit nehmen wir das Licht erst wahr, denn ohne Dunkelheit können wir das Licht gar nicht richtig sehen. Licht und Dunkelheit gehören zusammen und so hat vieles Schöne seine Schattenseiten, die wir akzeptieren müssen. Ohne Schatten kommt auch das Licht nicht zum Tragen.
Die Geschichte spielt in Hamburg. Opas Wohnung am Hafen ist so anschaulich beschrieben, dass bei mir sofort schöne Erinnerungen an die Stadt geweckt wurden. Die Autorin hat dadurch eine angenehme, gemütliche Atmosphäre geschaffen.
„Der kleine Dunkelfresser“ ist eine eher leise Geschichte aus der Lebenswirklichkeit der Kinder. Leos Leben und ihre Ängste sind realistisch dargestellt. Ein wenig mehr Spannung hätte der Handlung allerdings trotzdem gut getan. Meine achtjährige Tochter, mit der ich das Buch zusammen gelesen habe, hätte sich beispielsweise gewünscht, dass der Dunkelfresser selbst eine größere Rolle gespielt hätte und und nicht nur als Randfigur mitwirkt.
Dennoch: Eine recht gelungene Geschichte über Ängste, die kommen und gehen, wenn man sich ihnen stellt.

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Veröffentlicht am 04.12.2019

Brandaktueller Krimi, recht spannend umgesetzt

Das Floriansprinzip
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Als der ehemalige Bankenrevisor Mark Malecki von seiner Freundin und früheren Kollegin Sarah gebeten wird, ihr bei der Aufklärung eines Versicherungsbetrugs zu helfen, findet er eine Leiche. Kurze Zeit ...

Als der ehemalige Bankenrevisor Mark Malecki von seiner Freundin und früheren Kollegin Sarah gebeten wird, ihr bei der Aufklärung eines Versicherungsbetrugs zu helfen, findet er eine Leiche. Kurze Zeit später wird Sarah gar selbst entführt. Auf eigene Faust beginnt Mark zu ermitteln und stößt auf einen hochkriminellen Müllschieberring, der auch vor Mord nicht zurückschreckt.

Erschreckend realistisch und grausam, was in der Geschichte da ans Tageslicht kommt. Getreu dem Floriansprinzip „Heiliger Florian verschone mein Haus, zünde lieber das Dach des Nachbarn an“, produziert die Wohlstandsgesellschaft tonnenweise Müllberge, weigert sich aber, selbst die Konsequenzen dafür zu tragen. Der Müll wird stattdessen in die Dritte Welt verschifft, sollen die Leute dort doch unter den Folgen unseres Müllwahns leiden. Obwohl der Roman schon etwas älter ist, ist das brisante Thema angesichts der Klimaschutzdebatte gerade so aktuell wie selten zuvor. Hauptfigur Mark Malecki weigert sich zunächst, tiefere Nachforschungen anzustellen. Auch ihm ist bewusst, dass es so nicht weitergehen kann. Er will aber erstmal trotzdem nichts an seinem Verhalten ändern oder Anstrengungen unternehmen, dem kriminellen Netzwerk das Handwerk zu legen. 

Überhaupt präsentiert Malecki sich eher als Anti-Held. Von früheren unangenehmen Erfahrungen des Lebens gezeichnet, ist er unfreundlich und abweisend, stur, nimmt wenig Rücksicht, schlägt immer mal wieder über die Strenge und verhält sich manchmal unvernünftiger und verantwortungsloser als seine beiden Kinder. Aber unter der harten Fassade verbirgt sich dann doch ein weicher Kern. Letztendlich riskiert er für seine Lieben gar sein Leben. Mark erzählt die Geschichte als Ich-Erzähler in rauem, lässigen Ton, er kommentiert oft bissig ironisch. Daher wirkt das Ganze stellenweise mehr wie ein amerikanischer Thriller als ein deutscher Krimi. Der Fall ist recht spannend und nimmt rasant an Fahrt auf.
Sprecher Simon Jäger macht seine Sache sehr gut, wenn er die Hauptfigur spricht. Manche Charaktere wie z.B. Daniel, Marks Sohn, stellt er nicht ganz so gelungen dar. Er lässt ihn ziemlich nervig und penetrant wirken, was für mich seinem Charakter gar nicht entspricht.

Auch wenn ich den Fall zunächst nicht ganz so interessant fand -mir persönlich sind klassische Krimis mit Einzeltätern eigentlich lieber- hat mich die Geschichte rasch gefesselt. Dass Maleckis privates Umfeld, seine Familie, im Geschehen eine größere Rolle spielt, empfand ich als positiv. Dadurch wurde „der harte Hund“  Malecki menschlicher und ein wenig nachvollziehbarer. Autorin Gable kenne ich eigentlich nur als Verfasserin von historischen Romanen. Dass sie auch Krimis schreibt und das gar nicht mal schlecht, hat mich überrascht.  Alles in allem ist ihr hier ein solider, kurzweiliger und spannender Krimi gelungen.

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Veröffentlicht am 03.12.2019

Roman mit großem Potential, das leider nicht ganz ausgeschöpft wird

Solange wir lieben
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Julia ist in Berlin Apothekerin mit Leib und Seele, auch ihr Freund Konstantin lebt für die Arbeit. Die beiden führen eine Wochenendbeziehung, da Konstantin die Woche über beruflich in der ganzen Welt ...

Julia ist in Berlin Apothekerin mit Leib und Seele, auch ihr Freund Konstantin lebt für die Arbeit. Die beiden führen eine Wochenendbeziehung, da Konstantin die Woche über beruflich in der ganzen Welt unterwegs ist. Während Konstantin noch überlegt, ein äußerst lukratives Jobangebote in Singapur anzunehmen, erhält Julia einen Brief von ihrer Jugendliebe Tom. Er leidet im Endstadium an der tödlichen Krankheit ALS und möchte Julia noch einmal treffen. Bei dem einmaligen Treffen bleibt es nicht, Julia und Tom nähern sich wieder an. Schließlich begleitet sie ihn, seine Schwester Helke und Toms ehemalige Freundin Elsa noch auf eine Reise nach Florenz, den Ort, an dem Tom früher so glücklich war und den er unbedingt noch einmal sehen will.
Toms Krankheit macht Julia klar, wie zerbrechlich das Leben ist, wie wichtig gute Freunde und eine funktionierend Beziehung sind und worauf es für sie im Leben wirklich ankommt. Dabei überdenkt sie auch die Liebe zu Workaholic Konstantin.

Liv Thomas Roman behandelt hochemotionale Themen. Da geht es um Toms schlimme tödliche Krankheit und darum, wie er mit der Gewissheit umgeht, dass ihm nur noch sehr wenig Zeit bleibt. Auch Julia und Konstantins Beziehung steht im Fokus, die hauptsächlich dadurch definiert ist, das Konstantin mehr Wert auf beruflichen Erfolg und weniger auf das Zusammensein mit Julia legt.
Darf angesichts der Zerbrechlichkeit des Lebens der beruflicher Erfolg eines Partners in einer Beziehung über allem anderen stehen? Kann eine derart ungleiche Beziehung überhaupt funktionieren, ohne dass die Beteiligten leiden? Sollten sie nicht vielmehr im Hier und Jetzt leben, anstatt auf eine Zukunft zu setzen, die vielleicht niemals kommt? Wieviel Geduld ist in einer Beziehung nötig, wann ist die Grenze des Zumutbaren erreicht?


Die Fragen und Themen, um die sich die Geschichte dreht, sind existenziell und wichtig. Ihre Umsetzung im Roman ist meiner Meinung nach nicht ganz ideal gelungen.
Der Schreibstil wirkt stellenweise (auch durch den Gebrauch des Präsens) weniger locker und flüssig, sondern vielmehr hölzern und gestelzt. Auch mit den Figuren hatte ich meine Schwierigkeiten, sie werden mir oft zu klischeehaft, einseitig und eindimensional dargestellt. Julia ist zwar sympathisch, aber für mich nicht ganz nachvollziehbar, sie setzt sich und ihre Interessen für meinen Geschmack viel zu wenig durch und lässt sich zu viel gefallen. Konstantin, der getriebene Karrieretyp, ist für mich deutlich zu überzeichnet. Toms Schwester Helke und Lea, eine Freundin Julias, sind beide sehr ähnlich, haben nach außen eine harte Schale, sind aber verletzlich, während Julias guter Freund Sebastian stark an eine männliche Variante von Julia erinnert. Insgesamt hätten die Figuren wesentlich differenzierter und ausgefeilter charakterisiert werden können. So verkommen Julias eigentlich wichtige Gedanken über den Sinn des Lebens zu Plattitüden. Wenn ich „ Solange wir lieben“ z.B. mit Jojo Moyes Roman „Ein ganz halbes Jahr“ vergleiche, der sich ebenfalls mit einer tödlichen Krankheit befasst und darum, wie der Patient damit umgeht, schneidet Liz Thomas Roman deutlich schlechter ab. Moyes Geschichte hat mich gefesselt. Hier wird der Leser an das Thema herangeführt, betroffen gemacht, aber nicht richtig mitgezogen. Vielleicht, weil die Figuren zu blass bleiben und das Ende fast kitschig wirkt? Ich habe den Roman recht schnell gelesen, habe kurz darüber gegrübelt, weiter nachwirken wird er aber trotz des ernsten und schockierenden Themas wohl nicht.

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