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Veröffentlicht am 16.02.2022

Der Kriminalfall des Holzfrevlers Jakob Trumpfheller

Darmstädter Nachtgesänge
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"Darmstädter Nachtgesänge" ist ein historischer Roman von Ella Theiss. Als im Wald bei Michelstadt ein gräflicher Förster erschlagen wird, gerät schnell der Holzfrevler Jacob Trumpfheller in Verdacht. ...

"Darmstädter Nachtgesänge" ist ein historischer Roman von Ella Theiss. Als im Wald bei Michelstadt ein gräflicher Förster erschlagen wird, gerät schnell der Holzfrevler Jacob Trumpfheller in Verdacht. Obwohl er seine Unschuld beteuert, gerät er schnell in die Mühlen der Justiz. Das Hausmädchen Anna glaubt nicht an Jakobs Schuld, vielmehr hat sie ihren Cousin Rodrich in Verdacht. Diesen soll sie nach dem Willen ihrer Tante sogar heiraten und dieser zwingt sie ihm ein falsches Alibi zu geben. Parallel dazu erzählt die Autorin die Geschichte der Familie Büchner, in dessen Haushalt Anna angestellt ist und deren Sohn Georg Büchner als Revoluzzer im Großherzogtum Hessen-Darmstadt gilt. Ella Theiss verwebt in diesem Roman ein reales Verbrechen aus der Biedermeierzeit 1834 mit der Zeit als junge Revolutionäre wie Georg Büchner als "Politische" verfolgt und ins Gefängnis gesteckt wurden. Armut und Unterdrückung stand damals auf der Tagesordnung, aber es formierten sich auch Bewegungen, die sich gegen diese Unterdrückung positionierten. Obwohl über weite Strecken dieser Roman keinen hohen Spannungsbogen bezüglich des Mordes am gräflichen Förster hat, ist die Geschichte interessant. Immer wieder lässt die Autorin historischen Fakten und Niederschriften mit einfließen, so dass sich ein rundes Bild ergibt. Der Sprachstil unterstützt dabei, dass man sich die Geschehnisse in der damaligen Zeit noch besser vorstellen kann. "Darmstädter Nachtgesänge" ist sicherlich ein historischer Roman abseits vom Mainstream den es derzeit oft zu lesen gibt. Wer sich als Leser darauf einlässt, erhält aber sicherlich einen guten Einblick in die Biedermeierzeit um 1834, die Familie Büchner und einem realen Kriminalfall von damals.

Veröffentlicht am 09.02.2022

Der Rachefeldzug des Schlangenträgers

Das Zeichen
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"Das Zeichen" ist der dritte Band aus der Arne-Stiller-Reihe von Elias Haller. Als der Dresdner Kriminaloberkommissar Arne Stiller zu einem neuen Tatort gerufen wird, ahnt er noch nicht welch schrecklicher ...

"Das Zeichen" ist der dritte Band aus der Arne-Stiller-Reihe von Elias Haller. Als der Dresdner Kriminaloberkommissar Arne Stiller zu einem neuen Tatort gerufen wird, ahnt er noch nicht welch schrecklicher Anblick des Mordopfers ihm bevorsteht. Der Täter hat es anscheinend zu Tode geprügelt und ihm dann die Gesichtshaut mit einem Skalpell abgetrennt. An die Zimmerwand ist ein griechischer Buchstabe und eine Zahl mit Blut geschrieben. Was will der Täter mit dieser Symbolik mitteilen? Arne Stiller ist als Kryptoanalytiker mit all seiner Erfahrung gefragt. Als kurze Zeit später weitere Opfer auf gleiche Weise getötet aufgefunden werden, ist klar dass es sich um denselben Täter handeln muss. Arne Stiller muss all sein Können aufbringen um die Zusammenhänge herauszufinden. Elias Haller setzt seinen schrulligen Oberkommissar in diesem dritten Band erneut in Szene und unter Druck. Nicht nur dass er es mit einem gefährlichen Serientäter zu tun bekommt, er hat auch sonst im Kollegenkreis zu kämpfen. Nathan Schuster wurde ihm als Vorgesetzter vor die Nase gesetzt. Zuletzt ein Kollege, der sich nicht durch besonderen Fleiß hervortat und seine Mitarbeiterin Inge Allhammer kämpft immer noch mit der Verarbeitung der Erlebnisse aus dem vorangegangen Fall. So ist Arne Stiller ziemlich auf sich gestellt, aber ein großer Teamplayer ist er sowieso nicht. Trotz seiner Eigenwilligkeit oder vielleicht gerade deswegen ist er mir als Leser sympathisch. Als Mensch nicht perfekt, aber das Herz am richtigen Fleck. Manches mal schroff, aber immer bestimmt ermittelt er in diesem Fall. Die Tathergänge sind teils brutal geschildert, die psychopathischen Züge des Täters klar erkennbar. Ein Thriller, der zum einen temporeich erzählt ist und zum anderen einen sehr guten Spannungsbogen hat. Von Anfang bis Ende ist man als Leser gefesselt und sehr gut unterhalten. Der Fall ist komplex aufgebaut und bleibt bis zum Ende undurchsichtig. Man denkt man kennt den Täter und doch ist alles anders. "Das Zeichen" ist ein sehr guter Thriller und auch dieser dritte Fall von Arne Stiller überzeugt mich auf voller Länge. Auf einen weiteren Band der Reihe darf man sich schon jetzt freuen.

Veröffentlicht am 01.02.2022

Im Geheimdienst ihrer Majestät

Der Spion der Königin
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"Der Spion der Königin" ist ein historischer Roman von Oliver Clements. Alles beginnt mit der Bartholomäusnacht im August 1572 in Paris. Der englische Diplomat Francis Walsingham muss ein wichtiges Dokument ...

"Der Spion der Königin" ist ein historischer Roman von Oliver Clements. Alles beginnt mit der Bartholomäusnacht im August 1572 in Paris. Der englische Diplomat Francis Walsingham muss ein wichtiges Dokument schnellstens außer Lande schaffen und Elizabeth I. zuspielen. Doch es erreicht nicht sein Ziel und so soll der Gelehrte John Dee es heimlich wiederbeschaffen. Parallel dazu sitzt Mary Stuart im Tower und hofft auf ihre Befreiung und den Umsturz. Soweit die Rahmenbedingungen für diesen historischen Roman, der durchaus vielversprechend beginnt. Der Leser erlebt aber dabei mehrere Perspektiven- und Ortswechsel die lange Zeit irgendwie zusammenhanglos nebeneinander herlaufen. Erst spät führen diese zusammen, aber doch bleibt manches auf der Strecke oder fällt hinten runter. Der Autor wollte sicherlich eine spannende Spionagegeschichte in der Zeit des 16. Jahrhunderts plazieren, aber leider gelingt dies nur stellenweise. John Dee bleibt als Protagonist eher blass und von Francis Walsingham hätte ich mir mehr Finesse am englischen Hof erwünscht. Gerade das Intrigenspiel rund um die Geheimnisse arbeiten einfach andere Autoren viel besser heraus. Hier bleibt Oliver Clements zu oberflächlich mit dieser Geschichte. Das Aufsetzen des englischen Geheimdienst und John Dee als 007 ist am Ende dabei eher ein Brüller. Zwar baute Francis Walsingham ein englisches Spionagenetz auf, aber John Dee als Vorläufer von James Bond scheint mir etwas hoch gegriffen. Der "Spion der Königin" verspricht einiges auf seinem Klappentext, kann aber dann während des Lesens des Romans die Messlatte nicht auf hohem Niveau halten. Zusammenfassend teils spannend, aber nicht mitreißend.

Veröffentlicht am 27.01.2022

Der gefallene Soldat holt die Gegenwart ein

Abels Auferstehung
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"Abels Auferstehung" ist der zweite Band der Paul-Stainer-Reihe von Thomas Ziebula. Nach dem Mord an einem ehemaligen Soldaten und Maler wird der Leipziger Kriminalkommissar Paul Stainer hinzugezogen. ...

"Abels Auferstehung" ist der zweite Band der Paul-Stainer-Reihe von Thomas Ziebula. Nach dem Mord an einem ehemaligen Soldaten und Maler wird der Leipziger Kriminalkommissar Paul Stainer hinzugezogen. Angeblich war dieser zuvor in eine Mensur verwickelt, einem Duell zwischen zwei Mitgliedern von verschiedenen Studentenverbindungen. Es ist Anfang 1920 und Paul Stainer musste gerade nach der Rückkehr aus der Kriegsgefangenschaft den Tod seiner Ehefrau hinnehmen. Verbissen stürzt er sich in den Fall, aber nicht jeder auch aus den eigenen Reihen ist ihm wohlgesonnen. Zur gleichen Zeit wird in Basel ein weiterer ehemaliger Soldat tot aus dem Rhein geborgen, es scheint eine Verbindung nach Leipzig zu geben. Eine junge Journalistin der Leipziger Volkszeitung stellt ebenfalls Nachforschungen an, doch diese werden ihr zum Verhängnis. Paul Stainer hat es mit einem verworrenen Fall zu tun, bei dem ein Zigarettenetui des toten Soldaten aus Basel die einzige Spur nach Leipzig ist. Thomas Ziebula schließt mit diesem zweiten Band nahtlos an die Ereignisse aus Band Eins "Der rote Judas" an. Es empfiehlt sich daher die Reihenfolge der Bände beim Lesen einzuhalten. Das Setting im Leipzig Anfang 1920 ist dabei atmosphärisch gut gestaltet und man spürt sich als Leser in diese Zeit zurückversetzt. Auch der Protagonist Stainer wird mir immer mehr vertrauter. Die politischen Spannungen zwischen Genossen und Nationalisten ist ebenso greifbar wie der aufkeimende Aufbruch der Frauenbewegung, speziell dargestellt durch die junge Journalistin Marlene und die Nachtclubbesitzerin Rosa. Der Mordfall gibt lange Rätsel auf in welchen Reihen der Täter zu suchen ist. Der Spannungsbogen baut sich anfangs noch langsam auf, nimmt aber mit zunehmender Seitenzahl immer mehr zu. Zusammenfassend ein Kriminalroman, der zum einen gut in die damalige Zeit eingebettet ist und andererseits für mich sogar noch ein Tick besser als Band Eins ist. Man darf sich also auf einen dritten Band freuen, um zu sehen wie es mit Paul Stainer weitergeht.

Veröffentlicht am 26.01.2022

Spurlos verschwunden in der Grenzregion Karwendel

Grenzfall - Ihr Schrei in der Nacht
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"Ihr Schrei in der Nacht" ist der zweite Band der Grenzfall-Reihe von Anna Schneider. Dieser schließt kurz nach den Ereignissen des ersten Falles an. Eine junge Frau wird vermisst gemeldet. Eigentlich ...

"Ihr Schrei in der Nacht" ist der zweite Band der Grenzfall-Reihe von Anna Schneider. Dieser schließt kurz nach den Ereignissen des ersten Falles an. Eine junge Frau wird vermisst gemeldet. Eigentlich wäre sie auf dem Weg zu ihren Eltern in der Jachenau gewesen, dort kam sie aber nie an. Die junge Oberkommissarin Alexa Jahn übernimmt die Ermittlungen in dem Vermisstenfall. Zeitgleich kommt es im österreichischen Innsbruck ebenfalls zu einem Vermisstenfall. Zwei Studentinnen sind spurlos verschwunden, man findet Blutspuren in deren Zimmer im Studentenwohnheim. Ein Fall für Bernhard Krammer und seine Kollegin vom LKA Tirol. Jahn und Krammer lernten sich vor kurzem bei den Ermittlungen im ersten Grenzfall kennen und beide erfuhren dabei zum ersten Mal dass sie Vater und Tochter sind. Alexas Mutter hatte dies jahrelang verschwiegen. Eine neue Konstellation, mit der beide sich erst zurechtfinden müssen. Als weitere zwei Personen abgängig sind, wird das Ganze immer mysteriöser. Und auch so mancher möglicher Zeuge in der Jachenau erweist sich nicht gerade als redselig, den Ermittlern läuft die Zeit davon. Über weite Strecken lässt die Autorin die beiden Fälle parallel nebeneinander herlaufen. Sowohl Jahn, als auch Krammer können sich schwer überwinden den ersten weiteren Schritt als Vater und Tochter aufeinander zu zu gehen. Daher offenbart sich auch erst spät der grenzübergreifende Zusammenhang und die gemeinsame Ermittlung der beiden. Während Alexa langsam etwas heimisch bei der Kripo Weilheim wird, hadert Krammer teils immer mehr mit sich und der Welt. Teils unterschiedlicher können die beiden gar nicht sein. Als es aber zum Showdown kommt, kennt Krammer kein Pardon und springt seiner Tochter mutig zur Seite. Neben den Vermisstenfällen steht in diesem Band sicherlich auch die private Entwicklung der Vater-Tochter-Beziehung. Diese ist ebenso interessant zu lesen, wie auch die kriminalistischen Ermittlungen selbst. Wie auch im ersten Band fügt Anna Schneider erst nach und nach ein Puzzlestück ein, mit dem man näher an die Lösung des Falles geführt wird. Bezüglich des Täters hatte ich aber doch sehr früh eine gewisse Vorahnung, die sich dann auch bestätigte. Trotz allem tauchen aber noch Charaktere im Hintergrund auf, die speziell für Krammer vielleicht noch Bedeutung haben. Hier lässt die Autorin Spekulationen für den dritten Fall offen, ich bin mal gespannt wie es dazu weitergeht. "Ihr Schrei in der Nacht" ist in Summe ein gelungener zweiter Band der Grenzfall-Reihe bei dem die beiden Ermittler auch eigene Grenzen langsam überwinden. Man darf also gespannt sein, wie es mit Jahn und Krammer weitergehen wird.