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Veröffentlicht am 03.03.2022

Oh dear, Dublin - Wenn Träume zerplatzen

Boom Town Blues
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"Boomtown Blues" ist der dritte Band aus der Patsy-Logan-Reihe von Ellen Dunne. In letzter Zeit lief es für die Münchner Kommissarin Patsy Logan nicht rund. Ihre Ehe kriselt und beruflich tritt sie ebenfalls ...

"Boomtown Blues" ist der dritte Band aus der Patsy-Logan-Reihe von Ellen Dunne. In letzter Zeit lief es für die Münchner Kommissarin Patsy Logan nicht rund. Ihre Ehe kriselt und beruflich tritt sie ebenfalls auf der Stelle. Als sie eine Auszeit bei ihrer Cousine in Irland nimmt und in Dublin auf den Spuren ihrer väterlichen Wurzeln ist, passiert in der österreichischen Botschaft ein rätselhafter Todesfall. Eine junge deutsche Praktikantin wird vergiftet und so wird Patsy Logan, da sie praktischerweise vor Ort ist, gleich in den Fall mit einbezogen und soll der irischen Polizei zur Seite stehen. Die Autorin erzählt diesen neuen Fall in der Zeit nach dem Platzen der Immobilienblase in Irland. Viele Hypothekenkredite konnten nicht mehr bedient werden, etliche Menschen verloren nicht nur ihre Jobs, sondern verarmten zusätzlich. Profiteure wie so oft skrupellose Investoren und Kredithaie. Inmitten dieser Szenerie nun Patsy Logan, die deutsch-irische Kommissarin, die zwischen die Fronten gerät und im pulsierenden Dublin ihre Ermittlungen vorantreibt. Denn schnell erkennt sie den Zusammenhang mehrerer Todesfälle, die alle eindeutig zusammenhängen zu scheinen. Nach einer längeren Pause und einem Verlagswechsel darf man nun mehr von Patsy Logan lesen, was mich sehr freut. Zur sympathischen Ermittlerin hat man sofort wieder eine Bindung, als wäre sie nie weg gewesen. Ellen Dunne verwebt den persönlichen Werdegang von Patsy hervorragend mit dem Thema des Krimis. Die Kapitel, teils in Rückblenden, bringen dem Leser die Hintergrundstory der "Boom Town" näher und bauen gut aufeinander auf. Teils temporeich entwickelt sich die Story, baut immer mehr an Spannung auf und spiegelt wunderbar die Situation in Irland wieder. Mit Patsy Logan hat Ellen Dunne eine Protagonistin erschaffen, die für mich nicht nur sehr sympathisch wirkt, sondern auch eine überzeugende Ermittlerin ist. Erfrischender Schreibstil der Autorin, man kann nur sagen "Patsy Logan is back". Und das besser denn je. Hatten mir die beiden Vorgängerbände schon gefallen, ist für mich dieser neue Band nochmal eine Steigerung. Das Warten hat sich gelohnt. Mit "Boomtown Blues" ist Ellen Dunne ein hervorragender Krimi gelungen, absolut lesenswert und hoffentlich gibt es von Patsy Logan in nächsten Fällen noch mehr zu lesen.

Veröffentlicht am 28.02.2022

Die Frauenleichen inmitten der Totenblumen

Lilienopfer. Dein Tod gehört mir
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"Lilienopfer - Dein Tod gehört mir" ist der Auftaktband der neuen Jack-Diehl-Reihe von Leo Born. Jack, seines Zeichen Kommissar beim LKA Hessen, Cowboystiefel- und Karohemdenträger, 911-Porschefahrer, ...

"Lilienopfer - Dein Tod gehört mir" ist der Auftaktband der neuen Jack-Diehl-Reihe von Leo Born. Jack, seines Zeichen Kommissar beim LKA Hessen, Cowboystiefel- und Karohemdenträger, 911-Porschefahrer, Whiskytrinker und Johnny Cash Fan - dies ist der Ermittler den Leo Born ins Rennen schickt. Innerhalb weniger Tage werden mehrere Frauenleichen aufgefunden, jeweils geschmückt mit weißen, teils blutgetränkten Lilien. Jede der Frauen wurde grausam ermordet und jeweils ins Szene gesetzt wie bei einer alten Mordserie vor fünf Jahren. Schon damals war Jack mit dem Fall betraut, doch der Mörder sitzt in Haft. Handelt es sich um einen Nachahmungstäter oder steckt noch mehr dahinter? Der Autor lässt den Leser gleich mit den ersten Seiten des Buches mitten ins Geschehen eintauchen. Schnell lernt man das Ermittlerteam rund um Jack Diehl kennen, ebenso wie dessen Eigenheiten und Stil. Songs des Man in Black und jederzeit ein Glas Maker's Mark Whiskey gehören dabei zu dessen Markenzeichen, vielleicht aber manchmal ein wenig zu oft während der Story. Doch der Fall ist von Beginn an spannend aufgebaut. Dabei sind immer wieder Rückblenden in die Vergangenheit eingeflochten, durch die der Leser nach und nach Hintergründe aus der Kindheit des Täters erfährt. Lange Zeit tappt man im Dunkeln, bis sich erste konkrete Hinweise ergeben. Zwar hatte ich einen Verdachtsmoment, dieser wurde aber wirklich erst auf den letzten Seiten bestätigt. Keinerlei unnötige Längen, die Spannungskurve stieg kontinuierlich bis zum Finale. Ein fesselnder erster Fall des neuen Ermittlers, der durchaus Lust auf mehr macht.

Veröffentlicht am 21.02.2022

Der Cold Case der vermissten Rucksacktouristin

Animus
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"Animus" ist der zweite Band der Köln-Krimi-Reihe von Astrid Schwikardi. Kriminalhauptkommissar Mark Birkholz wird zu einer Frauenleiche am Fühlinger See gerufen. Diese weist bereits starke Verwesungsspuren ...

"Animus" ist der zweite Band der Köln-Krimi-Reihe von Astrid Schwikardi. Kriminalhauptkommissar Mark Birkholz wird zu einer Frauenleiche am Fühlinger See gerufen. Diese weist bereits starke Verwesungsspuren auf, als sie aufgefunden wird. Kurze Zeit später verschwindet auch noch der Chef von Mark Birkholz. Alles scheint mit einem alten Vermisstenfall zu tun zu haben, dessen Ermittlungsakte die einzige Spur ist. Was steckt hinter dem ganzen und wie hängt alles zusammen? Es scheint, dass der Vorgesetzte von Birkholz ein persönliches Interesse an dem Fall hat. Es beginnt eine fieberhafte Suche nach dem Chef, die bis über die Grenze in die Niederlande führt. In mehreren Erzählsträngen erzählt die Autorin diesen Krimi, dabei sind die Kapitel jeweils kurz gehalten. Als Leser findet man sich aber schnell zurecht und erfährt nebenbei auch einiges über die Person Mark Birkholz. Er selbst kämpft immer noch mit dem Verlust seiner Schwester, die er ebenfalls durch eine Gewalttat verlor. Es plagen ihn Schuldgefühle und der Täter ist immer noch nicht gefunden. Die Beschreibung der Charaktere ist gelungen und es ist auch eine überschaubare Anzahl davon. Im Grunde ist dadurch der Täterkreis eingeschränkt, aber die Autorin lässt immer wieder diese geschickt agieren, so dass der wahre Täter lange Zeit verborgen bleibt. Dies trägt zur Spannung bei, die über das gesamte Buch gut gehalten wird. Obwohl Fäden teils etwas früher zusammenlaufen verliert der Krimi nie an Fahrt. Teils wartet er sogar mit temporeichen Thrillerelementen auf. "Animus" ist für mich ein gelungener Köln-Krimi und macht Lust auf mehr.

Veröffentlicht am 17.02.2022

Das mörderische Geheimnis der Apfelmänner

Steirerwahn
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"Steirerwahn" ist der zwölfte Band der Steirerkrimi-Reihe von Claudia Rossbacher. Sandra Mohr und ihr Kollege Sascha Bergmann vom LKA Graz bekommen eine neue Chefin. Sascha Bergmann wird dabei mit seiner ...

"Steirerwahn" ist der zwölfte Band der Steirerkrimi-Reihe von Claudia Rossbacher. Sandra Mohr und ihr Kollege Sascha Bergmann vom LKA Graz bekommen eine neue Chefin. Sascha Bergmann wird dabei mit seiner Wiener Vergangenheit konfrontiert. Denn die neue Vorgesetzte ist eine verflossene Freundin von ihm, außerdem hatte er sich selbst Hoffnung auf den Posten gemacht. Dementsprechend ist seine Laune, als sie zu einem Mordopfer in Puch gerufen werden. Ein Obstbauer an der steirischen Apfelstraße wurde erdrosselt. Er war Mitglied der Apfelmänner. Eine Gruppe, die Kutten trägt und sich ein Regelwerk wie Mönche gibt um den Apfelschnaps "Abakus" zu brennen. Warum musste der Obstbauer sterben? Ist der Mörder aus den Reihen der Apfelmänner? Claudia Rossbacher erzählt diesen neuen Fall mit gewohntem steirischen Lokalkolorit, sogar die Apfelmänner und den Abakus gibt es tatsächlich in Puch. Auch das Privatleben der beiden Ermittler kommt nicht zu kurz. Sandra Mohr bekommt einen neuen Nachbar, der sie anzieht aber auch wieder misstrauisch werden lässt. Sascha Bergmann muss mit der alten Liebe als neue Chefin umgehen lernen. Diese Mischung aus Kriminalfall und Privatem ist der Autorin wieder gut gelungen. Die Einführung der neuen Charaktere ist gut umgesetzt und verspricht noch so einiges für die Zukunft der Reihe. Das Buch lässt sich gewohnt zügig lesen, der Schreibstil ist flüssig. Obwohl "Steirerwahn" nicht zu den spannendsten Fällen dieser Reihe zählt, hat er mir gut gefallen. Das Gesamtpaket des neuen "Steirerkrimi" ist wieder gelungen und es macht immer wieder Spaß mit Claudia Rossbachers Ermittlerteam ins Umland von Graz abzutauchen. Am Rande sei auch erwähnt dass die Covergestaltung des Buches dem Gmeiner-Verlag wieder besonders gut gelungen ist. Die Haptik des Seiles aus Herz passt wunderbar zur Tatwaffe.

Veröffentlicht am 16.02.2022

Der Kriminalfall des Holzfrevlers Jakob Trumpfheller

Darmstädter Nachtgesänge
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"Darmstädter Nachtgesänge" ist ein historischer Roman von Ella Theiss. Als im Wald bei Michelstadt ein gräflicher Förster erschlagen wird, gerät schnell der Holzfrevler Jacob Trumpfheller in Verdacht. ...

"Darmstädter Nachtgesänge" ist ein historischer Roman von Ella Theiss. Als im Wald bei Michelstadt ein gräflicher Förster erschlagen wird, gerät schnell der Holzfrevler Jacob Trumpfheller in Verdacht. Obwohl er seine Unschuld beteuert, gerät er schnell in die Mühlen der Justiz. Das Hausmädchen Anna glaubt nicht an Jakobs Schuld, vielmehr hat sie ihren Cousin Rodrich in Verdacht. Diesen soll sie nach dem Willen ihrer Tante sogar heiraten und dieser zwingt sie ihm ein falsches Alibi zu geben. Parallel dazu erzählt die Autorin die Geschichte der Familie Büchner, in dessen Haushalt Anna angestellt ist und deren Sohn Georg Büchner als Revoluzzer im Großherzogtum Hessen-Darmstadt gilt. Ella Theiss verwebt in diesem Roman ein reales Verbrechen aus der Biedermeierzeit 1834 mit der Zeit als junge Revolutionäre wie Georg Büchner als "Politische" verfolgt und ins Gefängnis gesteckt wurden. Armut und Unterdrückung stand damals auf der Tagesordnung, aber es formierten sich auch Bewegungen, die sich gegen diese Unterdrückung positionierten. Obwohl über weite Strecken dieser Roman keinen hohen Spannungsbogen bezüglich des Mordes am gräflichen Förster hat, ist die Geschichte interessant. Immer wieder lässt die Autorin historischen Fakten und Niederschriften mit einfließen, so dass sich ein rundes Bild ergibt. Der Sprachstil unterstützt dabei, dass man sich die Geschehnisse in der damaligen Zeit noch besser vorstellen kann. "Darmstädter Nachtgesänge" ist sicherlich ein historischer Roman abseits vom Mainstream den es derzeit oft zu lesen gibt. Wer sich als Leser darauf einlässt, erhält aber sicherlich einen guten Einblick in die Biedermeierzeit um 1834, die Familie Büchner und einem realen Kriminalfall von damals.