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Veröffentlicht am 22.04.2021

"Out of the Dark" und die Auer-Mühlbach-Gang

Pfaffensud
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"Pfaffensud" ist der sechste Band der Sanktus-Reihe von Andreas Schröfl. Sanktus Tochter Martina hat Firmung und natürlich gibt sich dessen Freund Quirin Himsl, besser bekannt unter dem Spitznamen Graffiti, ...

"Pfaffensud" ist der sechste Band der Sanktus-Reihe von Andreas Schröfl. Sanktus Tochter Martina hat Firmung und natürlich gibt sich dessen Freund Quirin Himsl, besser bekannt unter dem Spitznamen Graffiti, ebenfalls die Ehre. Doch als der Abt nach der Zeremonie erschlagen in der Sakristei liegt und Graffiti dort mit blutverschmierten Händen ebenfalls vorzufinden ist, ist der Hauptverdächtige natürlich klar. Anscheinend hatte der Graffiti mit dem Abt eine alte Rechnung offen. Und als noch zwei Geistliche getötet werden, sprechen weitere Beweise immer mehr für die Schuld vom Graffiti. Doch der Sanktus vertraut seinem alten Freund bei dessen Unschuldsbeteuerungen und versucht dem Geheimnis der Luzifermorde auf die Spur zu kommen. Zum sechsten Mal schickt Andreas Schröfl nun schon seinen Bierbrauer Sanktus in München Haidhausen auf Detektivspuren. Und diesmal wird es richtig international bezüglich Dialekten und Sprachwirrwarr. Da ist die sächsische Birthe, der fränkische Kommissar Rudi Bergmann, der schwäbische Kollege und Bierbrauer Haiberle, Pater Mbewu aus Südafrika und natürlich der altbekannte indische Wirt Bhuphinder. Diese Vielfalt an Dialekten vereint in den Dialogen treibt einen teilweise nur die Tränen in die Augen. Aber nicht weil die Geschichte so traurig ist, sondern weil man dabei herzhaft lachen kann. Dieser Krimi hat natürlich auch seine spannenden Momente, aber er lebt von den Figuren und ihren zwischenmenschlichen Beziehungen. Auch diesmal hatte ich das Gefühl fast in eine Art großer Familie mitten in München einzutauchen. Ein wenig "Münchner Geschichten", etwas "Monaco Franze" und eine Prise "Zur Freiheit". Charmant bayerisch und doch ein Krimi. Wenigen Autoren gelingt dies in der breiten Masse der Regionalkrimis für den Leser so liebenswert darzustellen, Andreas Schröfl gehört für mich absolut dazu. Die Sanktus-Reihe ist mir seit dem ersten Band an mein Münchner Herz gewachsen und mit "Pfaffensud" ist dem Autor wieder ein Volltreffer gelungen. Auch wenn ich schon gerne wieder dem Sanktus eine Mitfahrt im Tuk-Tuk vom Bhuphinder gegönnt hätte (wo ihm immer so herrlich schlecht wird), hat mich dieser humorige Bierkrimi wieder bestens unterhalten. Eine klare Leseempfehlung von mir, wenn es mal wieder beim Krimi nicht nur bierernst sein muss.

Veröffentlicht am 17.04.2021

Die Spuren des Beghilos-Alphabet

Der Kryptologe
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"Der Kryptologe" ist der Auftaktband zur neuen Arne-Stiller-Reihe von Elias Haller. Sein neuer Ermittler kehrt nach über einem Jahr in seine alte Dienstelle im Dresdner Kommissariat zurück. Wegen eines ...

"Der Kryptologe" ist der Auftaktband zur neuen Arne-Stiller-Reihe von Elias Haller. Sein neuer Ermittler kehrt nach über einem Jahr in seine alte Dienstelle im Dresdner Kommissariat zurück. Wegen eines Vergehens war er freigestellt und degradiert worden. Doch es erwarten ihn keine Willkommensgrüße, eher wird ihm sehr reserviert begegnet. Sein neues Büro eine bessere Abstellkammer und als Assistentin wird ihm Inge zur Seite gestellt, eine Mitarbeiterin, die immer wieder mit Alkoholproblemen kämpfte und nie lange in einer Abteilung blieb. Doch als die Frau eines Reporters ermordet wird und dessen Tochter verschwunden ist, wird Arne Stiller mit dem Fall betraut. Die Leiche der Frau weißt eingeritzte Zahlenkombinationen auf. Was steckt dahinter und wo ist die kleine Liliana abgeblieben? Mit Arne Stiller schickt Elias Haller einen Ermittler ins Rennen, der ein Einzelgänger mit Ecken und Kanten ist. Sein Umfeld bekommt dies auch zu spüren, er lässt selten Fettnäpfchen aus. Aber er ist auch teils ein besessener Ermittler. Er verbeißt sich in Vorgänge, bleibt hartnäckig und kommt so nach und nach dem Täter auf die Spur. Genau diese Spuren legt der Autor geschickt für den Leser aus. Nach und nach ergibt sich für den Leser ein Gesamtbild (teils durch Kapitel mit Rückblenden) und doch kann man den Täter nicht eindeutig identifizieren. So bleibt die Spannung bis zum Schluss erhalten, bis sich alles auflöst. Die Assistentin von Arne Stiller hat mir als Person in diesem Krimi gut gefallen. Im Verlauf der Story schafft sie es den eigenwilligen Arne zu überzeugen und beiden wachsen mehr und mehr zu einem Team zusammen. Der Täter bedient sich des Beghilos-Alphabet zur Verschlüsselung seiner Botschaften, hier hätte ich mir gewünscht das der Kryptologe dies dem Leser ein wenig bzgl. der Codierung näherbringt. Dies beeinflusst aber nicht den Kriminalfall, der dem Autor gelungen ist. "Der Kryptologe" ist ein guter und spannender Einstieg in diese neue Reihe rund um den Dresdner Kriminaloberkommissar Stiller und ich bin gespannt auf seinen nächsten Fall.

Veröffentlicht am 12.04.2021

Die Rückkehr nach Bebbanburg

Der Flammenträger
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"Der Flammenträger" ist der zehnte Band der Uhtred-Saga von Bernard Cornwell. Uhtred will seinem großen Ziel endlich näher kommen, er will seine Heimat Bebbanburg zurückerobern. Doch vorerst kommt ihm ...

"Der Flammenträger" ist der zehnte Band der Uhtred-Saga von Bernard Cornwell. Uhtred will seinem großen Ziel endlich näher kommen, er will seine Heimat Bebbanburg zurückerobern. Doch vorerst kommt ihm König Constantin von Schottland in die Quere, der es ebenfalls auf die Burg abgesehen hat. Als er auch noch seinem Schwiegersohn nach Northumbrien zur Hilfe eilen muss, sieht er seine Felle wieder davonschwimmen. Erneut gilt es listenreich vorzugehen um letztendlich seinem Schwiegersohn ein weiteres Jahr Frieden mit Wessex und Mercien zu garantieren. Doch Uhtred hat sein großes Ziel nicht aus den Augen verloren und es beginnt ein Wettlauf Richtung Bebbanburg. Wenn Uhtred diesen verliert, dann ist die Burg für ihn verloren. Den der mächtige Æthelhelm will Uhtreds Wege durchkreuzen. Ein Gegner, der noch gefährlicher ist als die schottischen Belagerer vor der Burg. Bernard Cornwell gibt in seinem Nachwort offen zu, das dieser zehnte Band hauptsächlich der Fiktion entsprungen ist und nur wenige historische Details enthält. Dies schmälert diesen Band aber keineswegs. Es ist ein klassischer Band dieser Reihe. Sehr viel blutiges Schlachtgetümmel, Listen und Fallen, teils neue Feinde. Und so dient diese spannende Fiktion doch mit durchdachten Übergängen die Entstehungsgeschichte Englands weiterzuführen. Gleichzeitig kommt der alternde Uhtred seinem langen Ziel der Rückkehr nach Bebbanburg immer näher. Ich mag diese Reihe sehr und kann auch diesen Band nur empfehlen. Nichts für zarte Seelen, aber für mich spannende gute Lektüre.

Veröffentlicht am 04.04.2021

Mord und Intrigen im engsten Familienkreis

Wenn Rache nicht genügt
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"Wenn Rache nicht genügt" ist der sechzehnte Band der Alexander-Gerlach-Reihe von Wolfgang Burger. Der Heidelberger Kripochef wird von einem befreundeten Bewährungshelfer auf einen Fall aufmerksam gemacht, ...

"Wenn Rache nicht genügt" ist der sechzehnte Band der Alexander-Gerlach-Reihe von Wolfgang Burger. Der Heidelberger Kripochef wird von einem befreundeten Bewährungshelfer auf einen Fall aufmerksam gemacht, der sechs Jahre zurückliegt. Der angebliche Mörder ist mittlerweile aus der Haft entlassen, aber beteuert immer noch seine Unschuld. Anfangs noch voller Widerwillen recherchiert Gerlach immer mehr über den alten Fall und bekommt mehr und mehr Zweifel, dass damals der richtige Täter verurteilt wurde. Die Familie des Opfers hat anscheinend mehr zu verbergen und es gilt ein Geflecht aus widersprüchlichen Aussagen und Lügen zu entwirren. Wolfgang Burger schickt seinen Ermittler im gewohnten Umfeld an den Start. Der Lokalkolorit von Heidelberg, die Familie von Gerlach sowie sein gesamtes Umfeld. Der Leser bewegt sich daher mit diesem Band auf gewohntem Terrain, dass treue Begleiter der Reihe schätzen. Gerlach feiert mittlerweile seinen 50. Geburtstag, natürlich nicht ohne Planung seiner Zwillingstöchter und seiner Lebensgefährtin. Gerade diese Passagen mag ich sehr an dieser Reihe, halten sie immer den ein oder anderen Schmunzler parat. Der Fall ist dagegen diesmal klassische Ermittlung mit Befragungen, Recherchen und Konfrontation von Aussagen der Beteiligten. Keine blutige Kost oder rasante Action. Braucht dieser Krimi aber auch nicht, denn trotz Heidelberger Beschaulichkeit lässt er sich gewohnt flüssig und schlüssig lesen. Bei Alexander Gerlach geht es mir ähnlich wir bei einer anderen Frankfurter Reihe, der Ermittler ist einem im Laufe der Jahre ans Herz gewachsen und man begleitet ihn bei seinen Fällen seit vielen Jahren. Dieser sechzehnte Band aus der Reihe gefällt mir wieder gut, auch wenn er nicht mit Hochspannung glänzt.

Veröffentlicht am 27.03.2021

Die Welt der Familie von Plesow im Glanze des Grand Hotel

Das Grand Hotel - Die mit dem Feuer spielen
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"Die mit dem Feuer spielen" ist der zweite Band der Grand-Hotel-Saga von Caren Benedikt. Nach dem Tod des Sohnes Alexander wirkt Bernadette von Plesow erschöpft. Immer schwerer fällt es ihr in ihrer Trauer ...

"Die mit dem Feuer spielen" ist der zweite Band der Grand-Hotel-Saga von Caren Benedikt. Nach dem Tod des Sohnes Alexander wirkt Bernadette von Plesow erschöpft. Immer schwerer fällt es ihr in ihrer Trauer den täglichen Pflichten in der Führung des Grand Hotels nachzukommen. Doch die Rückkehr ihrer Tochter Josephine lässt sie neuen Mut schöpfen für die anstehenden Aufgaben. Obwohl ein Teil der Geschichte auch wieder die Geschehnisse in Berlin rund um den anderen Sohn Constantin einnimmt, ist in diesem Band der Augenmerk auf den Ereignissen am Ostseestrand in Binz. Die Familie von Bernadette rückt noch mehr in den Fokus. Damit verbunden auch viel Gefühl, das die Autorin ihren Charakteren einhaucht. Auch rücken neue Protagonisten in diesem Buch mit in den Vordergrund, Beziehungen und Freundschaften entstehen und doch ist manches nur von kurzer Dauer. Die Personen und Ereignisse sind sehr gut geschildert, fast hat man diese beim Lesen wie bei einem Film im Kopf. Besonders haben mir die Augenblicke von Johannes und Hauptmann Winkler an der Strandpromenade gefallen. Da ist was entstanden, was mich sehr bewegte. Generell ist dieser zweite Band ein Buch, bei dem man immer wieder in Gefühlswelten eintaucht und bei so manchem Moment bewegt innehält. Aber natürlich ist nicht nur alles eitel Sonnenschein, denn auch so mancher Protagonist stiftet Unfrieden, der letztendlich auch wieder Ärger und Gefahr für die Welt der Plesow bringt. In Summe bringt einem Caren Benedikt in diesem zweiten Band die agierenden Personen noch näher, zeigt sie teils auch von einer neuen Sicht. "Die mit dem Feuer spielen" ist für mich eine hervorragende Fortsetzung der Grand-Hotel-Saga und erneut geht es mir wie schon nach dem ersten Band, dass ich am liebsten sofort weiterlesen möchte. Aber bis zum dritten Band muss ich dann noch ein wenig Geduld aufbringen. Eine tolle Familiengeschichte aus den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts.