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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 12.10.2025

Überall gibt es etwas zu entdecken

Im Schatten von Giganten
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Jasmin Schreiber war mir bereits als Autorin von sehr lesenswerten Romanen ein Begriff, aber ich wusste auch, dass sie studierte Biologin ist und auch sehr gerne Naturfotografie betreibt. Das Cover und ...

Jasmin Schreiber war mir bereits als Autorin von sehr lesenswerten Romanen ein Begriff, aber ich wusste auch, dass sie studierte Biologin ist und auch sehr gerne Naturfotografie betreibt. Das Cover und der Titel dieses ersten Sachbuchs, zu dem sie auch ihre Fotos beisteuern konnte, haben mich dann auch direkt neugierig gemacht.

Zunächst erfährt man dann, wie sie schon als kleines Kind ihr Interesse für Insekten, Würmer, Bienen, etc. entdeckte, eine Faszination, die Jasmin Schreiber dann auch im Studium nicht los ließ. Danach ist das mit vielen Detaillaufnahmen angereicherte Buch in die verschiedenen Lebensbereiche der kleinen Tierchen untergliedert, die man meist direkt vor der eigenen Haustür finden kann. Zum Beispiel Blumenwiesen, Totholz, Steine, Bäume, Moos oder Pfützen. Bei jedem dieser Lebensräume werden verschiedenste Bewohner vorgestellt. Dies geschieht mit Hilfe gelungener Aufnahmen und sehr informativer, aber nicht übertrieben wissenschaftlicher Texte, sodass man auch als Laie nicht überfordert ist. Somit bietet dieses Sachbuch auch eine Menge Inspiration und motiviert dazu, das eigene Umfeld mit offenen Augen zu erkunden und auch mal einen genaueren Blick auf einen abgestorbenen Baum oder in eine Wasserpfütze zu werfen.

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  • Charaktere
Veröffentlicht am 12.10.2025

Verschickungskinder auf Borkum

Der Sommer am Ende der Welt
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Ich habe schon mehrere Bücher der Autorin gelesen, und auch von den so genannten Verschickungskindern habe ich immer wieder gehört. Da ich selbet schon mehrmals auf Borkum im Urlaub war, hat der Roman ...

Ich habe schon mehrere Bücher der Autorin gelesen, und auch von den so genannten Verschickungskindern habe ich immer wieder gehört. Da ich selbet schon mehrmals auf Borkum im Urlaub war, hat der Roman mein Interesse dann besonders geweckt. Was die Gestaltung des Covers angeht, finde ich die Farbgestaltung und das Motiv grundsätzlich erstmal passend zur Thematik gewählt, allerdings hätte ich mir zugleich noch einen offensichtlicheren Bezug zu Borkum gewünscht.

Der Roman spielt auf zwei Zeitebenen. In der Gegenwart reist die Journalistin Hanna mit ihrer Teenager-Tochter nach Borkum, um für einen Artikel über ein ehemaliges Kinderkurheim zu recherchieren, in dem in den 1960er Jahren auch ihre Mutter als Kleinkind traumatische Erfahrungen machen musste. Dabei wohnen Hanna und ihre Tochter ausgerechnet im gleichen Gebäude, das mittlerweile ein luxuriöses Hotel ist. Nach und nach findet Hanna mehr darüber heraus, was den Verschickungskindern damals angetan wurde, unter anderem auch durch ein ihr heimlich zugespieltes Tagebuch einer ehemaligen Betreuerin. Auch die im Nachbargebäude lebenden Vorfahren des Inselarztes Ole, zu dem Hanna sich schnell hingezogen fühlte, scheint mit den Verschickungskindern zu tun gehabt zu haben.

Ich fand den Roman sehr fesselnd, weil man nach und nach immer etwas mehr über die Vergangenheit erfahren hat. Es ist wirklich ein sehr ungutes Kapitel der Vergangenheit, was man den Verschickungskindern damals angetan hat. Zudem waren dafür teilweise noch die gleichen Personen verantwortlich, die bereits in der Zeit des Nationalsozialismus andere Menschen gequält oder sogar getötet haben. Und zu viele wurden auch dafür wieder nicht zur Verantwortung gezogen, da die Zustände in den Heimen heruntergespielt wurden und die Kinder oft nicht für voll genommen wurden, wenn sie nach ihrer Rückkehr von ihren schrecklichen Erfahrungen berichteten. Das Buch ist daher auf jeden Fall sehr lesenswert. Um dem Thema etwas die Schwere zu nehmen, bietet die Rahmenhandlung aber dann auch noch eine Liebesgeschichte und eine ordentliche Dosis Lokalkolorit Borkum betreffend. Die Charaktere der Hauptpersonen empfand ich als überzeugend ausgestaltet und auch der Schreibstil der Autorin war gewohnt gut lesbar.

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Veröffentlicht am 11.10.2025

Die Liebe geht nicht immer den leichtesten Weg

Der Friesenhof
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Das Cover des Romans passt sehr gut zur Thematik um den Handel mit Ostfriesentee und zugleich bietet es einen großen Wiedererkennungswert, da es im gleichen Stil gestaltet ist, wie das des ersten Teils ...

Das Cover des Romans passt sehr gut zur Thematik um den Handel mit Ostfriesentee und zugleich bietet es einen großen Wiedererkennungswert, da es im gleichen Stil gestaltet ist, wie das des ersten Teils dieser Reihe. Leider hat es, bedingt durch eine Erkrankung der Autorin, recht lange gedauert, bis nun dieser zweite Teil folgte, sodass ich erst wieder etwas in die Handlung hineinfinden und mit den Personen vertraut werden musste.

Im Mittelpunkt der Handlung stehen drei Schwestern, die früh ihren Vater, das Familienoberhaupt, verloren haben und nun zusammen mit der Mutter und deren Tante den Bauernhof der Familie in Ostfriesland führen. Eine der Schwestern hat einen polnischen Arbeiter geheiratet, der, während des Zweiten Weltkrieges auf den Hof kam, was im Dorf nicht gut ankommt. Die älteste der Schwestern ist auf dem Papier noch mit einem überzeugten Nationalsozialisten verheiratet, der nach Kriegsende mit ihrer Mitgift ins Ausland geflohen ist, um einer Bestrafung zu entgehen, und Frau und Kinder zurückgelassen hat. In diesem zweiten Teil geht es nun überwiegend um Gesa, die für einen Tee Großhändler arbeitet und eine heimliche Affäre mit dessen verheirateten Sohn Keno hat. Außerdem zieht Gesa auch noch ihren eigenen Teehandel auf, um langfristig unabhängig zu sein und wird dabei von Keno und ihrer Familie unterstützt. Aber natürlich ist Konfliktstoff vorprogrammiert.

Ich fand es sehr schön, endlich Gesa und ihre Familie "wiederzutreffen" und zu erfahren, wie es ihnen weiter ergangen ist. Alle Schwestern sind authentisch und alle auf ihre Art sympathisch, selbst die älteste, obwohl sie immer sehr auf ihren Ruf im Dorf bedacht ist. Die Autorin schreibt gewohnt gut nachvollziehbar und schafft es, einige der Probleme in den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg zu veranschaulichen. Auch die Einblicke in den Teehandel und den Ausflug nach Hamburg fand ich sehr interessant. Am Ende gab es auch noch überraschende Wendungen, mit denen ich so nicht gerechnet hätte. Da sich nicht alle Handlungsstränge vollständig aufgelöst haben, könnte ich mir vorstellen, dass es auch noch einen dritten Teil der Teehändlerinnen-Saga geben wird, was mich freuen würde.


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Veröffentlicht am 29.09.2025

Wenig Idylle im Schwarzwald

Schattengrünes Tal
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Da mir die anderen Bücher der Autorin bereits gut gefallen haben, hat auch dieses direkt meine Neugier geweckt. Der Schauplatz der Handlung ist diesmal ein kleiner Ort im Schwarzwald, wo der Tourismus ...

Da mir die anderen Bücher der Autorin bereits gut gefallen haben, hat auch dieses direkt meine Neugier geweckt. Der Schauplatz der Handlung ist diesmal ein kleiner Ort im Schwarzwald, wo der Tourismus nicht allzu sehr boomt. Dort betreibt Lisas Vater zusammen mit seiner inoffiziellen Lebensgefährtin ein in die Jahre gekommenes Hotel. Lisa hat Tourismus studiert und würde die Zügel gerne in die Hand nehmen und frischen Wind in den Laden bringen, zumal sie auf eine Beförderung verzichtet hat, um Zeit für die Buchhaltung des Hotels zu haben. Doch der Vater wartet immer noch darauf, dass Lisas Bruder doch noch Interesse daran bekommt, das Hotel zu übernehmen.

Eines Tages quartiert sich Daniela in dem Hotel ein und lässt sich auch von einem Ausfall der Heizung nicht vertreiben. Sehr schnell beschließt sie sogar, in dem kleinen Ort bleiben und dort neu beginnen zu wollen. Lisa bestärkt und unterstützt sie zunächst, aber irgendwann wird es ihr unheimlich, wie Daniela sich sowohl im Hotel bei Lisas Vater als auch in Lisas sonstigem Umfeld immer mehr in den Mittelpunkt drängt und Lisa sogar schlecht macht und mehr und mehr ins Abseits drängt.

Der Autorin ist es wieder sehr gut gelungen, die Atmosphäre des Ortes, an dem alles spielt, einzufangen. So kann man sich das Hotel, das seine besten Jahre hinter sich hat, den kleinen Ort und das eher finstere Tal sehr gut vorstellen. Auch die Personen sind überzeugend ausgestaltet, auch wenn ich persönlich mich nicht in all ihre Entscheidungen und Handlungen hineinversetzen konnte. Der Schreibstil ist sehr bildhaft und gut lesbar. Auch Sprecherin des Hörbuchs war zum Roman passend ausgewählt und man konnte ihrer Stimme angenehm folgen.

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Veröffentlicht am 29.09.2025

Vergiftetes Präsent

Das Geschenk
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Dies ist mein erster Roman der flämischen Autorin. Sie lässt diesen nicht in ihrer Heimat, sondern in Berlin spielen. Die Handlung beginnt damit, dass der Präsident von Botswana 20000 Elefanten nach Deutschland, ...

Dies ist mein erster Roman der flämischen Autorin. Sie lässt diesen nicht in ihrer Heimat, sondern in Berlin spielen. Die Handlung beginnt damit, dass der Präsident von Botswana 20000 Elefanten nach Deutschland, speziell in den Großraum Berlin, schickt. Das erklärt auch die Covergestaltung. Er erklärt sein Geschenk damit, dass Deutschland ein Einfuhrverbot für Jungstrophäen beschlossen hat und damit einem Teil seiner Bevölkerung die Lebensgrundlage durch Einnahmen aus dem Tourismus entzogen wurde, während obendrauf die Elefanten immer mehr werden und Ernten vernichten. Der deutsche Bundeskanzler steht nun vor einem enormen Problem, da die Elefanten in der Großstadt schnell Schaden anrichten, was die Bevölkerung gegen die Regierung aufbringt, während zugleich radikalere Parteien einfache Lösungen für das Problem versprechen.

Somit wirkt die Geschichte auch etwas wie ein Gleichnis bezogen auf die Flüchtlingsthematik. Die Autorin bringt viele interessante Gedankengänge und auch eine ordentliche Portion Satire ein, ohne zu sehr ins klamaukhafte abzugleiten. Somit wird man einerseits gut unterhalten, andererseits aber auch zum Nachdenken darüber angeregt, wie unsere eigenen Verhaltensweisen, aktuell und auch schon weit in der Vergangenheit dazu beitragen, dass es Menschen anderswo schlecht geht. Auch, was unsere Reaktionen auf Problemsituationen angeht, wird uns als Leser:in und auch der Politik so oft ein Spiegel vorgehalten. Der Schreibstil war dabei gut lesbar und anschaulich und auch die Sprecherin des Hörbuches empfand ich als passend gewählt. Man konnte ihr sehr gut folgen. Teilweise hätte ich mir aber noch etwas genauere Hintergründe gewünscht, insbesondere dazu, wie 20000 Elefanten überhaupt nach Deutschland gekommen sein sollen, aber auch zu weiteren konkreten Problemsituationen, die durch ihre Anwesenheit in der Großstadt entstanden sind.

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