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Veröffentlicht am 16.04.2021

Mehr als nur die Frau an seiner Seite

Lady Churchill
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Marie Benedict hat sich bereits für ihren vorherigen Roman „Frau Einstein“ eine Protagonistin ausgesucht, deren Ehemann wesentlich mehr im Licht der Öffentlichkeit stand als sie selbst. Das gilt definitiv ...

Marie Benedict hat sich bereits für ihren vorherigen Roman „Frau Einstein“ eine Protagonistin ausgesucht, deren Ehemann wesentlich mehr im Licht der Öffentlichkeit stand als sie selbst. Das gilt definitiv auch für Clementine Churchill, der Ehefrau von Winston Churchill, der von 1940 bis 1945 sowie von 1951 bis 1955 Premierminister von Großbritannien war.

Clementine und Winston lernten sich bei einer Einladung einer entfernteren Verwandten von Clementine kennen. Beide stammten aus guten, aber nicht wohlhabenden Elternhäusern, Winston Churchill arbeitete aber schon fleißig an seiner politischen Karriere und (zumindest damals) sollte man dafür auch die passende Ehefrau an seiner Seite vorweisen können, die einen bei öffentlichen Anlässen begleitet und privat den Rücken frei hält und ihm eine Familie schenkt. Mit Clementine hat er eine gebildete Partnerin gefunden, die ihn unterstützt, ihm aber auch Ratschläge gibt, die er durchaus beherzigt. Für die Frauen in ihrem Land erreicht sie einen großen Fortschritt, indem ihr Engagement für das Frauenwahlrecht auch Winston Churchill zum Nachdenken bringt und auch in vielen weiteren Bereichen zeigt sie viel Einsatz.

So erfährt man im Roman viel darüber, was es bedeutete, in der damaligen, politisch zudem sehr ereignisreichen Zeit, die Partnerin eines bedeutenden Politikers zu sein, ohne sich diesem privat vollkommen unterzuordnen und auch politisch immer wieder Einfluss auf ihn zu nehmen und welche Konsequenzen das für ihr Privatleben hatte. Außerdem bietet der Roman natürlich auch einmal einen anderen Blickwinkel auf die historischen Ereignisse rund um den Zweiten Weltkrieg. Historische Fakten vermischen sich dabei mit einer Dosis Fiktion, aber man kann sich gut vorstellen, dass es so oder zumindest ähnlich ablief. Zwischenzeitlich kommt es aber auch mal zu einigen „Längen“, wo manches sich wiederholt oder etwas weniger ausführlich abgehandelt hätte werden können. Komplett „warm“ werde ich mit der doch sehr selbstbewussten und kämpferischen Clementine Churchill nicht, wahrscheinlich hätte sie mir aber auch ganz schön Respekt eingeflößt, wäre ich ihr damals in echt begegnet. Die Romanhandlung endet dann leider etwa mit Ende des Zweiten Weltkrieges, obwohl es auch spannend gewesen wäre, mitzuerleben, inwiefern sich Winston und Clementine Churchill in seiner zweiten Amtszeit verändert haben.

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Veröffentlicht am 16.04.2021

Liebeswirren auf Sylt

Sylt auf unserer Haut
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Von Claudia Thesenfitz sind schon einige Romane erschienen, die auf Sylt spielen, deren Handlung aber nicht aufeinander aufbaut, sodass sie unabhängig voneinander gelesen werden können. Gemeinsam haben ...

Von Claudia Thesenfitz sind schon einige Romane erschienen, die auf Sylt spielen, deren Handlung aber nicht aufeinander aufbaut, sodass sie unabhängig voneinander gelesen werden können. Gemeinsam haben sie alle ein sehr ansprechendes Cover, das sofort Lust auf Meer macht, so auch „Sylt auf unserer Haut“.

Im Mittelpunkt stehen diesmal Maja und Robert, ein voneinander recht gelangweiltes Ehepaar Mitte 50, das hofft, dass durch den Urlaub auf Sylt auch wieder etwas mehr Schwung in ihre Beziehung kommt. Auch Roberts etwa gleichaltriger Arbeitskollege Bernd und dessen Freundin verbringen ihren Urlaub auf Sylt und so sind die beiden Paare viel gemeinsam unterwegs. Zwischen Bernd und Maja stimmt die Chemie besonders gut, was Maja zunächst nicht wahrhaben möchte, der Urlaub entwickelt sich so aber in eine ganz andere Richtung als geplant.

Der Roman ist aus verschiedenen Perspektiven verfasst, sodass ich mich gut in die verschiedenen Protagonist:innen und ihre (verzwickte) Lage hineinversetzen konnte, auch wenn sie nicht ganz meiner Altersgruppe angehören. Was mich aber gestört hat, war, dass manches schon recht vorhersehbar war und dass mit den Klischees oft auch übertrieben wurde, sodass es nicht mehr meinem Humor entsprach. Auch überzeugen mich nicht alle Handlungen der Hauptpersonen, weil sie nicht so recht zu deren Alter passen wollen. Auch auf so genau beschriebene Liebesszenen hätte ich verzichten können, aber das ist Geschmackssache. Positiv ist auf jeden Fall der Lokalkolorit hervorzuheben, man merkt immer wieder, dass der Roman im Sommer auf Sylt spielt und wäre selbst am liebsten auch dort. Der Schreibstil ist passend zu einem Sommerroman locker und leicht lesbar.

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Veröffentlicht am 14.04.2021

Eine dramatische Familiengeschichte

Geteilte Träume
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Imgke erfährt im Jahr 1992 zufällig kurz vor ihrem Abitur in Ost-Berlin, dass ihre vermeintlichen Eltern nicht ihre leiblichen Eltern sind und macht sich daraufhin auf die Suche nach ihrer leiblichen Mutter. ...

Imgke erfährt im Jahr 1992 zufällig kurz vor ihrem Abitur in Ost-Berlin, dass ihre vermeintlichen Eltern nicht ihre leiblichen Eltern sind und macht sich daraufhin auf die Suche nach ihrer leiblichen Mutter. Dadurch erfährt sie von verschiedenen Familienmitgliedern, was es bedeutete im politischen System der DDR aufzuwachsen. Angefangen vom Einmarsch der Russen und der Kollektivierung des Landes, dem Mauerbau und Fluchtversuchen, brutale Haftbedingungen, über Einschränkungen bei der Berufswahl, Bespitzelung und auch Spitzeltätigkeiten bis hin zur Kinderbetreuung zu DDR-Zeiten. Dabei werden, je nach Sichtweise des jeweiligen Familienmitgliedes, auch positive Aspekte des Lebens in der DDR thematisiert. Gleichzeitig spielt natürlich auch das Thema Familie und Zusammengehörigkeit eine große Rolle, da Ingke nun zwischen ihren vermeintlichen Eltern und ihrer leiblichen Familie hin und her gerissen ist.

Ich fand den Roman, nachdem ich anfangs noch etwas mit den vielen Personen und ihren Geschichten überfordert war, was sich schnell gab, sehr fesselnd und wichtig. Ich selbst bin im Westen aufgewachsen und war nur als Kind zu Besuch in der DDR und habe so natürlich nicht viel vom Leben dort mitbekommen. Daher war es für mich sehr beeindruckend mit Hilfe der verschiedenen Personen und ihren, teilweise auch zwiespältigen, Erfahrungen mitzuerleben, was es bedeutete in diesem politischen System zu leben und welche sehr brutalen Konsequenzen es haben konnte, wenn man sich in bestimmten Punkten nicht anpasste. Gleichzeitig lernt man aber auch Personen kennen, denen es recht gut gelang, sich und andere nicht zu verraten, indem sie sich mit allem bestmöglich arrangierten, sodass der Roman sehr vielschichtig ist. Auf jeden Fall merkt man deutlich, dass Ulla Mothes gründlich für ihre Geschichte recherchiert hat und auch der Schreibstil ist sehr anschaulich und gut lesbar, wenn auch nicht allzu gefühlsbetont.

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Veröffentlicht am 08.04.2021

Gelungener Abschluss der Ruhrpott Trilogie

Eine Sehnsucht nach morgen
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Der dritte und letzte Teil der "Ruhrpott-Saga" spielt Ende der 60er Jahre. Bärbel hat mittlerweile ihr Medizinstudium abgebrochen und kehrt nach einer unglücklichen Beziehung Hals über Kopf zurück zu ihrer ...

Der dritte und letzte Teil der "Ruhrpott-Saga" spielt Ende der 60er Jahre. Bärbel hat mittlerweile ihr Medizinstudium abgebrochen und kehrt nach einer unglücklichen Beziehung Hals über Kopf zurück zu ihrer Familie, wo ihr natürlich auch ihre Jugendliebe Klaus wieder über den Weg läuft. Ihre große Schwester führt ihren eigenen Buchladen und wünscht sich ein Kind mit ihrer großen Liebe Johannes und ihr kleiner Bruder Jakob demonstriert gegen Springer und bekommt Probleme in der Schule. Außerdem wohnt nach Oma Mines Tod nun Tante Clärchen, eine entfernte Verwandte mit im Haus und schmeißt den Haushalt.

Ich habe mich sehr über das "Wiedersehen" mit der Familie gefreut und darüber, mitverfolgen zu dürfen, wie es mit ihnen weiterging. Jeder ist auf seine Weise sympathisch und vor allem wirken sie sehr authentisch. Es war interessant, in die 60er Jahre abzutauchen, wo einiges noch etwas anders lief als heute. Der Schreibstil der Autorin war auch diesmal wieder angenehm lesbar und die Handlung fesselnd. Nun bin ich etwas traurig, dass die Geschichte nun endgültig zu Ende ist.

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Veröffentlicht am 04.04.2021

Spannender Thriller mit Podcast-Elementen

Der Countdown-Killer - Nur du kannst ihn finden
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True-Crime-Podcasterin Elle Castillo widmet sich ungeklärten Verbrechen. Dabei stellt sie die Opfer in den Fokus. Im Mittelpunkt dieses Thrillers steht der Countdown Killer, dessen Opfer nach einem bestimmten ...

True-Crime-Podcasterin Elle Castillo widmet sich ungeklärten Verbrechen. Dabei stellt sie die Opfer in den Fokus. Im Mittelpunkt dieses Thrillers steht der Countdown Killer, dessen Opfer nach einem bestimmten Muster ausgesucht und entführt werden und immer ein Jahr jünger werden. Sie widmet sich zunächst den ersten Opfern. Irgendwann hat sie aber auch selbst immer mehr mit dem Fall zu tun.

Mir persönlich hat der Thriller aufgrund seiner ungewöhnlichen Gestaltung mit den Podcast-Elementen sehr gut gefallen. Das hebt ihn positiv von anderen Büchern des Genres ab. Er war recht spannend, im weiteren Verlauf aber manchmal auch etwas vorhersehbar, was aber auch kaum vermeidbar ist. Etwas überfordert haben mich die vielen verschiedenen Namen der Nebenfiguren. Insgesamt war mir die Handlung aber nicht zu blutig oder gruselig. Die Protagonistin Elle Castillo ist nicht perfekt und manchmal etwas impulsiv, sodass man sich gut in sie hineinversetzen kann. Gerne empfehle ich den Thriller weiter.

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