Der verschwundene Garten
Die Zeit der Glühwürmchen
"Die Zeit der Glühwürmchen" ist der erste Roman, den ich von Patricia Koelle lese. Es handelt sich dabei um den ersten Teil einer „Inselgärten-Reihe“. Das Cover mit dem Reetdachhaus umgeben von einem ...
"Die Zeit der Glühwürmchen" ist der erste Roman, den ich von Patricia Koelle lese. Es handelt sich dabei um den ersten Teil einer „Inselgärten-Reihe“. Das Cover mit dem Reetdachhaus umgeben von einem bunten Wildblumengarten und dem Meer im Hintergrund hat mich gleich angesprochen und auch der Klappentext klang spannend.
Die Protagonistinnen des Romans, Taru, die sich von ihrem Mann getrennt hat, nachdem die Kinder aus dem Haus waren und Remy, die gerade ihr Studium abgeschlossen hat, verbindet ihre Leidenschaft für das journalistische Schreiben über Themen, die sie wirklich bewegen. Über Tarus Tochter lernen die beiden sich schließlich kennen, kurz nachdem Taru ihren Job bei einer Zeitung aus Unzufriedenheit gekündigt hat. Remy ist durch Zufall auf einen alten Sekretär mit wunderschönen Insektenmotiven gestoßen und einen Brief des Tischlers, der diesen zu DDR-Zeiten mit viel Herzblut angefertigt hat. So erfährt sie von dessen zauberhaft klingendem Garten, der das große Glück für ihn und seine kranke Frau war, bevor sie starb und der Garten in eine LPG integriert und so zerstört wurde. Das lässt Remy keine Ruhe und sie versucht mehr über den Mann und den Garten in Erfahrung zu bringen. Und auch Taru beschäftigt die DDR-Vergangenheit, ein kleiner Nachbarsjunge ruft die Erinnerungen an ihren besten Freund aus ihrer Kindheit auf Rügen wach, von dem sie lange nichts mehr gehört hat. Zugleich versuchen die beiden Frauen aber auch, ein neues Projekt auf die Beine zu stellen, durch das sich ihr Interesse an der Natur mit ihrer Liebe zum Schreiben verbinden lässt.
Grundsätzlich fand ich die Geschichte sehr interessant. Bei den Protagonistinnen handelt es sich um starke Frauen, die für ihre Leidenschaft kämpfen und deren Charaktere von Patricia Koelle sehr überzeugend ausgestaltet wurden und ich habe auch einiges über Pflanzen und Insekten gelernt. Das Thema, Lebensräume für Insekten zu schaffen, ist heutzutage auch wichtiger denn je. Ebenso fand ich es spannend, dass auch die Kindheit Tarus und das Leben des Tischlers, der den Sekretär geschaffen hat, in der DDR und die besonderen Lebensumstände gerade auf Rügen thematisiert wurden. Was meinen Lesefluss jedoch etwas gestört hat, waren die vielen verschiedenen Nebenpersonen und auch kleinere Nebenhandlungen, die meiner Meinung nach nicht alle notwendig gewesen wären. Manches wird für meinen Geschmack auch etwas zu ausführlich beschrieben, ohne dass es für die gesamte Handlung sehr wichtig wäre. Insgesamt handelt es sich aber auf jeden Fall um ein sehr lesenswertes Buch, das sich durch eine Dosis Tiefgang und die behandelten Themen angenehm von manch anderem Frauenroman abhebt. Besonders Remy ist mir ans Herz gewachsen und ich würde gerne wissen, wie es im zweiten Teil mit den Frauen und ihrem Projekt weitergeht.