Wie hatte ich mich auf dieses Buch gefreut, komme ich doch selbst aus dem medizinischen Bereich und fand dieses Thema mehr als interessant. Doch die Geschichte kommt sehr schleppend in Gang und behandelt ...
Wie hatte ich mich auf dieses Buch gefreut, komme ich doch selbst aus dem medizinischen Bereich und fand dieses Thema mehr als interessant. Doch die Geschichte kommt sehr schleppend in Gang und behandelt ein Thema, die Erfindung des Polioimpfstoffes, was eine der wichtigsten Erfindungen der Neuzeit war, meiner Meinung nach sehr emotionslos. Ich hätte mir auch viel mehr Informationen über das Thema gewünscht und weniger über irgendwelche Leute und ihre Profilneurosen.
Dass es schwer war als Frau in diesem Bereich Anerkennung zu finden , wurde einigermaßen rübergebracht , aber auch da so, dass man als Leserin nicht mitgefiebert hat. Es wurde alles sehr sachlich abgehandelt und hätte doch fürviel mehr Empörung sorgen müssen.
Ich habe mich sehr schwer getan mit dem Lesen dieses Buches, wohl auch, weil ich wohl etwas ganz anderes erwartet habe. Ich war froh, als ich es durchhatte und so bleibt es leider ein Buch, was mir nicht in Erinnerung bleiben wird.
Arda, der Protagonist dieses Buches , liegt mit einer Autoimmunerkrankung im Krankenhaus und weiß, dass ihn diese Erkrankung wahrscheinlich das Leben kosten wird. Er lässt sein Leben Revue passieren und ...
Arda, der Protagonist dieses Buches , liegt mit einer Autoimmunerkrankung im Krankenhaus und weiß, dass ihn diese Erkrankung wahrscheinlich das Leben kosten wird. Er lässt sein Leben Revue passieren und entscheidet sich seinem nie anwesenden Vater einen Brief zu schreiben, indem er ihm sein Leben schildert, dass ohne ihn stattgefunden hat, denn der Vater ging in seiner frühen Kindheit in die Türkei zurück und gründete dort eine neue Familie. Seine Mutter, die selbst keine einfache Kindheit und Jugend hatte, ist nie über den Verlust hinweggekommen und flüchtet sich in den Alkohol und flüchtige Abenteuer. Arda’s Schwester hat ein mehr als schlechtes Verhältnis zur Mutter, verlässt die Familie und kommt in einer Pflegefamilie unter. Im Erwachsenenalter geht sie ihr aus dem Weg, hat aber zu Arda ein sehr liebevolles Verhältnis.
So weit die sozialen Verhältnisse der Familie, die natürlich einen schlechten Start für das Leben bedeuten.Arca vermisst Beständigkeit, flüchtet sich als Jugendlicher in Drogen und Alkohol, hängt mit seinen Freunden im Park ab, wo es dann auch schon mal zu der einen oder anderen Schlägerei kommt. Er leidet unter Minderwertigkeitskomplexen, fühlt sich , wie auch seine Freunde, die auch meistens einen Migrationshintergrund haben, als Mensch zweiter Klasse.Aber er macht sein Abitur, studiert und wird mit seinem 18. Lebensjahr deutscher Staatsbürger, für hinein Akt, den er sich eigentlich spektakulärer vorgestellt hat.
Diese autofiktionale Geschichte wird sehr eindringlich und berührend geschrieben und macht wieder einmal klar, wie wichtig eine stabile Familie ist, für das Selbstwertgefühl und um seinen Platz im Leben zu finden.
Für mich war jetzt nicht entscheidend, dass es sich bei dem Autor um einen türkischstämmigen Deutschen handelt, denn diese Sozialisation kennt keine Nationalität. Sicher nimmt Rassismus immer mehr zu, was ich mehr als schlimm finde, aber es gibt auch genug deutsche Jugendliche, die diesen Werdegang haben und von niemanden aufgefangen werden, sogar vielen Jugendämtern gar nicht bekannt sind. Es gibt auch zu wenig soziale Jugendeinrichtungen, wo die jungen Menschen ein offenes Ohr finden und über ihre Probleme sprechen können. Egal ob Migranten oder Deutsche, solche Familienverhältnisse können Konsequenzen für die Zukunft des Menschen haben, wenn er nicht stark genug ist, um dort herauszukommen, wie es der Autor anscheinend getan hat. Denn, jeder ist für sein eigenes Leben verantwortlich. Jammern hilft da nicht, sondern das Leben anpacken, sich nicht scheuen Hilfe anzunehmen und dem Leben die Stirn bieten , von einfach hat hier keiner was gesagt.
Ich habe dieses Buch gerne gelesen, hätte es aber schön gefunden, wenn etwas besser erkennbar gewesen wäre, wer hier in den einzelnen Kapiteln erzählt. Das wurde manchmal erst nach einigem Lesen erkennbar.Der Name vor dem jeweiligen Kapitel und vielleicht eine Jahreszahl wären da hilfreich gewesen.
Ich wünsche dem Autor viel Glück für die Zukunft und wünsche ihm viel Erfolg bei der Auswahl des diesjährigen Buchpreises. Er hätte es verdient ihn zugewinnen.
"Änne und ihr Brüder " von Reinhold Beckmann ist ein berührendes Zeitzeugnis und eine Hommage an seine Mutter Änne, die im zweiten Weltkrieg 4 Brüder verlor , aber nie ihren Mut und die Hoffnung auf ein ...
"Änne und ihr Brüder " von Reinhold Beckmann ist ein berührendes Zeitzeugnis und eine Hommage an seine Mutter Änne, die im zweiten Weltkrieg 4 Brüder verlor , aber nie ihren Mut und die Hoffnung auf ein besseres Leben.
Änne wird 1921 in Wellingholzhausen , einem kleinen Ort in der Nähe von Osnabrück , als 4. Kind eines Schuhmachermeisters geboren. Drei Brüder sind schon da und werden früh zu Waisen, da die Mutter kurz nach der Geburt von Änne stirbt. Der Vater, schwer gezeichnet vom ersten Weltkrieg, heiratet wieder, stirbt aber auch früh. Die Stiefmutter heiratet wieder, einen Mann der die Schusterwerkstatt übernimmt und ihr noch zwei Kinder schenkt , einen Jungen und ein Mädchen,
Wellingholzhausen ist ein kleines, erzkatholischen Dorf, das sich lange gegen den aufkommenden Nationalsozialismus und seine Ideologie wehrt. Der Dorfpfarrer versucht bis zuletzt seiner Einstellung treu zu bleiben. Änne darf nicht wie gewollt ihre Mittlere Reife machen und einen Beruf erlernen, sondern kommt zu einem Bauern in den Haushalt, etwas, was sie sehr ungern tat. Später arbeitet sie in einem Knabenkonvikt in Osnabrück in der Küche. Nach dem Krieg geht sie nach Twistringen, heiratet dort und bekommt drei Söhne. Der Jüngste ist der Autor dieses Buches.
Anhand von Erzählungen und Briefen, die Änne ihrem Sohn kurz vor ihrem Tod übergibt, rekonstruiert Reinhold Beckmann das Leben der Brüder während des zweiten Weltkrieges an den Fronten. Gott sein Dank hat Änne viel und ausführlich erzählt, sodass ein sehr berührendes Andenken an ihre Brüder enstanden ist, dem der Leser atemlos folgt.
Ich bin selbst Jahrgang 1958, hatte einen Onkel der in russischer Gefangenschaft war und eine Mutter, die auch ihr Leben lang über die Grauen des Krieges geredet hat. Sie selbst wuchs auch auf dem Land auf, durfte auch keine Ausbildung machen und hat eigentlich einen Leben lang darunter gelitten, ihre Möglichkeiten nie ausschöpfen zu dürfen.
Ich habe dieses Buch inhaliert, habe viele Tränen vergossen , mich an viele Erzählungen meiner Mutter erinnert und immer wieder gedacht, warum lernen Menschen nicht aus der Vergangeneheit ? Warum reicht das Erlebte nicht aus, um Menschen den Rechtsradikalismus verabscheuen zu lassen. Warum machen Menschen immer wieder die gleichen Fehler ?
Sehr empathisch anhand der persönlichen Schicksale, aber auch sehr informativ wird über die Zeit zwischen und während des zweiten Weltkrieges berichtet. Durch die Feldpostbriefe bekommt man einen kleine Einblick, was Männer an der Front erlebten, obwohl das wahre Grauen vor den Daheimgeliebenen geheim gehalten wurde.
Da ich selbst aus Osnabrück komme, war mir dieses Buch natürlich besonders nah, da die Erlebnisse im meinem nahen Umfeld passierten und ich viel über die Kriegsgeschehnisse in Osnabrück weiß .
Vielen Dank Reinhold Beckmann für dieses berührende , aber doch informative Buch. Ihre Mutter wäre sicherlich stolz auf sie, dass sie die Geschichte ihrer Brüder nicht in Vergessenheit geraten lassen und Danke dafür, dass sie immer wieder die Finger in die Wunden der Vergangenheit legen. Das kann nicht oft genug geschehen. Hoffen wir , dass sich diese Greuel nicht wiederholt.
" Helle Tage, dunkle Schuld" ist der Reihenauftakt einer Krimireihe, die in der Nachkriegszeit in Essen spielt und ich muss sagen, ich bin von diesem Auftakt restlos begeistert.
Schon die Ruhrpott - Saga ...
" Helle Tage, dunkle Schuld" ist der Reihenauftakt einer Krimireihe, die in der Nachkriegszeit in Essen spielt und ich muss sagen, ich bin von diesem Auftakt restlos begeistert.
Schon die Ruhrpott - Saga konnte mich begeistern und so habe ich mit viel Erwartungen zu diesem Buch gegriffen und ich wurde nicht enttäuscht.
Der Kriminalbeamte Carl Bruns, der wegen der Verwandschaft zu einem Juden in der Nazizeit vom Dienst supendiert wurde und zwischenzeitlich im Pütt arbeitete, ist rehabilitiert und froh wieder im Dienst zu sein. Die Kriminalpolizei hat zu dieser Zeit noch viel mit Mord und Totschlag zu tun,denn die Grausamkeit nimmt auch nach dem Krieg kein Ende.
Er wird zu einem Mord in Essen gerufen. Die Vermieterin eines Hauses und zudem Mutter eines flüchtigen Naziverbrechers, wird ermordet aufgefunden. Adelheid Hoffmann war nicht beliebt und so kommen viele Leute in Betracht, die ihren Tod nicht bedauern oder vielleicht sogar nachgeholfen haben ?
Da der Sohn mit der Schwester einer ehemaligen Liebe von Carl verheiratet ist und als Alleinerbe von Adelheid Hoffmann eingesetzt wurde, nimmt Carl Kontakt zur Familie auf und begegnet dabei Anne wieder, die er nie ganz vergessen konnte.
Carl macht sich auf Arnold Hoffmann den Naziverbrecher zu stellen und deckt dabei einen Sumpf aus Lügen, Verbrechen und Intrigen auf, der ihn fast das Leben kostet.
Dass Eva Völler schreiben kann, hat sie mir schon mit der Ruhrpott- Saga bewiesen, dass sie aber auch Krimis schreiben kann, zeigt sie mit diesem Buch sehr eindrucksvoll.
Der Atmosphäre die sie beim Schreiben heraufbeschwört, kann man sich als Leser nicht entziehen. Das Elend der Nachkriegszeit, aber auch das Handeln der alten Seilschaften, die versuchen ihre Verbrechen herunterzuspielen und wieder in alte Ämter zurückkommen , hat mich als Leser sehr wütend gemacht. Ich wusste zwar darum, aber in diesem Krimi wurde es noch einmal sehr eindrucksvoll beschrieben. Auch wie die Menschen damals ums nackte Überleben kämpften, Kinder vernachlässigten und sich selbst überließen und das Gesetz oftmals gebeugt wurde, wurde sehr anschaulich beschrieben. Es war eine Ausnahmezeit, die die Moral oftmals außen vor ließ, weil man schon Schlimmeres erlebt hatte und die Verbrechen häufig nur dem nackten Überleben dienten.
Die Figuren , die Eva Völler in ihrer Geschichte agieren lässt, waren fantastisch beschrieben und somit dem Leser sehr nah. Ihr Schreibstil entwickelt einen Sog, der mich schon dem nächsten Band dieser Reihe entgegenfiebern lässt und ja, sie merken , ich bin restlos begeistert von dem Buch und deswegen finde ich es schade, dass ich nur 5 Sterne vergeben kann.
Ich bin gespannt wie es mit Anne und Carl weitergeht und welchen Fall Carl das nächste Mal aufzudecken hat.
"Wellenkinder " von Lv Marie Bahrow , war für mich ein Buch, dass sehr authentisch und informativ über die Willkür des DDR Regimes aufklärt und einem vor Augen führt, wie systematisch und mit Vorsatz und ...
"Wellenkinder " von Lv Marie Bahrow , war für mich ein Buch, dass sehr authentisch und informativ über die Willkür des DDR Regimes aufklärt und einem vor Augen führt, wie systematisch und mit Vorsatz und berechnendem Kalkül Menschenschicksale beeinflusst und zum Teil zerstört wurden, ohne mit der Wimper zu zucken.
Dieses Buch wird aus der Perspektive dreier Personen beschrieben, die alle irgendwie miteinander verbunden sind.
Da ist zum Einen Jan, dessen Mutter früh verschwunden ist. Sie wollte zu einer Fortbildung und ist danach nie wieder aufgetaucht. Hat sie die Familie verlassen ? 30 Jahre später veranlasst ein schrecklicher Fund Jan in seine Heimat Rügen zurückzukehren und sich seiner Vergangenheit zu stellen.
Der zweite Erzählstrang handelt von Margit , die nach Kriegsende von Königsberg über die Ostsee unter lebensgefährlichen Umständen nach Deutschland gelangt und dabei einem Kind das Leben rettet.
Der letzte Erzählstrang beschäftigt sich mit Oda , einer jungen , veliebten Frau, die mit ihrem Freund in den Westen fliehen will und deren Flucht scheitert. Sie landet als Republickflüchtling in der Haftanstalt Hoheneck und stellt fest, dass sie schwanger ist.
Das Lesen dieses Buches hat mich tief bewegt.Zu lesen, wie willkürlich dieses Unrechtsrequiem mit Menschen umgegangen ist und welche Strippen gezogen wurden, ohne Rücksicht auf die Gefühle von Menschen, nur um die Idiologie eines Staates zu rechtfertigen , war mehr als erschreckend. Ich möchte nicht wissen, wie viele solcher Schicksale dieses Land auf dem Gewissen hat. Gerade die heutige Situation in der Ukraine, wo Ähnliches mit Kindern passiert, hat mir vor Augen geführt, welch unmenschliches Kalkül dort vorangetrieben wird.
Eine Rezensentin schrieb, dass sie Längen in diesem Buch feststellen konnte. Das kann ich nicht bestätigen. Sicherlich muss man sich erst mit den verschiedenen Personen und deren Postion in dieser Geschichte vertraut machen, aber ich war so von diesen Schilderungen gefesselt, dass ich mich kaum von diesem Buch loseisen konnte.
Als Mutter von drei Kindern, konnte ich mich gut in Odas Situation hineinversetzen und kann nur erahnen, durch welche Hölle sie gegangen ist. Aber auch Jan`s Schicksal hat mich tief bewegt. Festzustellen, dass ein ganzes Leben auf einer Lüge aufgebaut ist, muss schrecklich sein.
Ich empfinde dieses Buch als sehr wichtig und hoffe, dass viele Menschen, die sich mit dem Gedanken tragen die AfD zu wählen dieses Buch lesen, um festzustellen, dass totalitäre Requieme oder Parteien, wie es die AfD ist, nur Grauen und Schmerz über die Menschen bringen.