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Veröffentlicht am 09.05.2024

ein polarisierendes Thema

Notizen zu einer Hinrichtung
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„Notizen zu einer Hinrichtung“ ist ein Buch das bei mir ein Gedankenkarusell in Gang gesetzt hat und viele Fragen aufgeworfen hat.

Ansel Packer sitzt in der Todeszelle und soll wegen Mord hingerichtet ...

„Notizen zu einer Hinrichtung“ ist ein Buch das bei mir ein Gedankenkarusell in Gang gesetzt hat und viele Fragen aufgeworfen hat.

Ansel Packer sitzt in der Todeszelle und soll wegen Mord hingerichtet werden.Der Leser verfolgt nun in seinen letzten Stunden seine Gedankengänge. Seine Hoffnung seinen Tod doch noch abwenden zu können, hat mich sehr berührt und mich sehr über das Thema „Todesstrafe“nachdenken lassen.

Im Rückblick erfahren wir, wie Ansel Packerzu dem Mensch geworden ist, der er heute ist Undine er diese Taten vollbringen konnte.Aber nicht er wird in den Mittelpunkt des Buches gerückt lt., sondern die Frauen, die seine Taten massgeblich mitbestimmt haben.
Da ist seine Mutter, die ihn früh verließ, sich aus ihrer gewalttätige Ehe floh und ihn der Obhut der Behörden überließ , was für ihn die Odyssee durch Pflegefamilien bedeutete und Sally,die früh ahnte, was für ein Mensch Ansel war, aber nicht tätig wurde und zuletzt Hazel, die miterlebt, wie Anseln‘s Manipulationsversuche das Leben ihrer Schwester zerstört.


Als Leser wechselt man ständig zwischen Abscheu und Verständnis ob dieser Schilderungen und trotzdem kam bei mir immer wieder die Frage auf, rechtfertigt dies eine Todesstrafe?

Wie in vielen Romanen, die im Moment den Buchmarkt überschwemmen, wird eines immer wieder deutlich, die Sozialisation eines Menschen ist entscheidend für sein Leben, seine Persönlichkeitsentwicklung und die Entscheidungen, die er trifft. Entscheidungen, die nicht wieder rückgängig gemacht werden können und den individuellen Lebensweg maßgeblich mitentscheiden.

Der Schreibstil des Buches hat mir das Lesen des Buches leicht gemacht, die Figuren wurden gut beschrieben und das Thema wird mich noch lange beschäftigen.

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Veröffentlicht am 06.05.2024

die Geschichte einer toxischen Beziehung

Geordnete Verhältnisse
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Faina kommt als Grundschulkind aus der Ukraine nach Deutschland. Sie kennt weder die Sprache,noch die Gebräuche in diesem ihr fremden Land. Doch da ist Philipp, eher ein Außenseiter in der Klasse, Sohn ...

Faina kommt als Grundschulkind aus der Ukraine nach Deutschland. Sie kennt weder die Sprache,noch die Gebräuche in diesem ihr fremden Land. Doch da ist Philipp, eher ein Außenseiter in der Klasse, Sohn einer alkoholabhängigen Mutter, die sich später das Leben nehmen wird. Struktur und Kontinuität ist er nicht gewohnt, Unterstützung zur Ausbildung seiner Persönlichkeit noch weniger. Viel Kritik, je nach jeweiligem Zustand der Mutter, während einer Abwesenheit der Mutter, verbringt er eine Zeit bei der Schwester seiner Mutter in „geordneten Verhältnissen“, fühlt sich dort aber auch nicht wohl.
Als Faina in die Klasse kommt, in der Philipp ist, nimmt er sich ihrer an, vermittelt ihr die Sprache und vieles andere mehr und macht sie zu „seiner Freundin“. Er stellt von Anfang an einen Besitzanspruch an sie und das wird sich über die Zeit nicht ändern, eher im Gegenteil.
Als sie älter werden , trennen sich ihre Wege für eine gewisse Zeit. Eine sexuelle Beziehung können sie nicht führen, da Philipp sich vor Körperlichkeiten ekelt.Faina hat eher das umgekehrte Problem, sie lebt bisexuell und verdient zusätzliches Geld mit Sexdiensten.Als sie schwanger wird, von wem weiss sie nicht, flüchte sie zu Philipp, dem einzigen der ihr hilft, denn Faina’s Elternhaus ist auch mehr als problematisch.Philipp zieht mit ihr nach Berlin, wird immer kontrollsüchtiger , bis es zum großen Knall kommt.

Dieses Buch hat es in sich. Beide Protagonisten haben eine problematische Kindheit,Faina entwickelt eine bipolare Störung, wechselt zwischen Hochs und Tiefs, was durch das Kind noch erschwert wird.
Man ahnt von Anfang an, dass das nicht gut gehen kann, spürt bei Philipp eine ständige latente Wut, die er zu Anfang noch unter Kontrolle hat.Narzistische Züge sind bei ihm auch zu erkennen, es geht immer nur um sein Wohlbefinden, er tut nichts ohne Gegenleistung, auch wenn es anfangs anders wirkt, schafft Abhängigkeiten für die er belohnt werden will.
Ich fand diese toxische Beziehung gut beschrieben, wie sie sich mit der Zeit entwickelt, sich hochschaukelt und jeder Einzelne agiert.

Leider hört man immer wieder von diesen Fällen, die mir immer wieder zeigen, wie wichtig eine gute Kindheit ist, wie wichtig es ist, Kindern zu zeigen, dass man sie liebt und sie in ihrer Persönlichkeitsentwicklung unterstützt.Fehler machen wir Eltern alle, wir sind Menschen und fehlbar, aber ein liebevolles und stabiles Elternhaus ist auch die Grundlage für die Persönlichkeitentwicklung eines Menschen und für sein Handeln im späteren Leben.

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Veröffentlicht am 06.05.2024

ein gutes Buch mit einigen Längen

Das Fenster zur Welt
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Auf das Buch " Das Fenster zur Welt" wurde ich durch die vielen guten englischen Rezensionen aufmerksam. Auch das wunderschöne Cover sprach mich an und so war ich sehr dankbar, dass ich es lesen durfte. ...

Auf das Buch " Das Fenster zur Welt" wurde ich durch die vielen guten englischen Rezensionen aufmerksam. Auch das wunderschöne Cover sprach mich an und so war ich sehr dankbar, dass ich es lesen durfte.

Das Buch erzählt von Freundschaft, Familie, Liebe in all seinen Facetten, von Toleranz und immer wieder von der Kunst. Die Geschichte konnte mich zum Teil gefangen nehmen, hat mich aber auch manchmal mit seiner Langatmigkeit in den Dialogen auf eine Geduldsprobe gestellt.

Im Jahr 1944 treffen zwei Menschen in der Toscana aufeinander. Der junge britische Soldat Ulysses und die sechzigjährige Kunsthistorikerin Evelyn . Sie werden zu lebenslangen Freunden und ihre Freundschaft prägt beide gerade durch ihre unterschiedlichen Sichtweisen nachhaltig.
Wir begleiten die Leben der beiden Protagonisten und ihre Freunde, was mich teilweise sehr begeistert hat. Die flüssige, teilweise sehr humorvolle Schreibweise fand ich mehr als gelungen, vor allem die Schilderungen rund um den Papagei Claude haben mich häufig lachen lassen.
Auf der anderen Seite waren mir manche Passagen des Buches zu langatmig, mache Dialoge zu ausschweifend. Anderseits fehlte mir etwas. Die Geschichte von Evelyn war mir zu kurz, denn hier hätte ich gern mehr erfahren von dieser interessanten und charismatischen Frau.
Sowieso ist der Autorin die Ausgestaltung ihrer Charaktere wirklich gut gelungen. Auch das Thema Kunst, was natürlich in Italien und speziell in Florenz nicht zu kurz kommen darf, fand ich gelungen umgesetzt.

Bis auf die ab und zu auftretenden Längen, die meinen Lesefluß manchmal gestört haben, fand ich das Buch aber sehr gelungen und wer sich an manchmal ausschweifenden Dialogen nicht stört, wird sicherlich viel Freude mit diesem Buch haben.


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Veröffentlicht am 06.05.2024

Pädagogik im Wandel der Zeit

Die Zeit der Kinder
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„Die Zeit der Kinder“ist ein sehr flüssig und interessant geschriebenes Buch über den Pädagogen Friedrich Fröbel und seine spätere Ehefrau Luise.

Das Buch spielt im 19. Jahrhundert, einer Zeit, in der ...

„Die Zeit der Kinder“ist ein sehr flüssig und interessant geschriebenes Buch über den Pädagogen Friedrich Fröbel und seine spätere Ehefrau Luise.

Das Buch spielt im 19. Jahrhundert, einer Zeit, in der preußische Tugenden, wie Gehorsam , Pünktlichkeit und Anpassung noch hervorstechende Tugenden waren. Von Kindern erwartete man sie , genauso wie von Erwachsenen. Ki na sein, so wir es heute kennen, war nicht gefragt. Es wurde geprügelt und bestraft, bis der kindliche Wille gebrochen war und ein angepasstes , widerspruchsloses Menschenkind das Ergebnis war. Wen wundert‘s , dass danach die Dinge geschahen, die geschehen sind.

Friedrich Fröbel war einer der Pädagogen , neben Johann Pestalozzi , der sich für eine andere Art der Pädagogik einsetzte, die natürlich auf großen Widerstand traf.
Auf spielerische Art und Weise ließ Erfinder die Welt erkunden und begreifen und hatte großen Erfolg damit. Seine spätere Frau Luise unterstützte ihn dabei, wo sie nur konnte.

Auf sehr spannende und interessante Art und Weise für über diesen großen Pädagogen und seineFrau berichte. Die flüssigeSchreibweise und die vielen interessanten Aspekte dieser Geschichte haben das Lesen für mich zu einem schönen Erlebnis werden lassen.

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Veröffentlicht am 29.04.2024

Freundschaft im Dritten Reich

Sturmmädchen
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Die Bücher von Lilly Bernstein konnten mich immer begeistern und so war es für mich selbstverständlich auch oihr neusten Buch zu lesen. " Sturmmädchen" ist ein Buch über eine Freundschaft im Dritten Reich. ...

Die Bücher von Lilly Bernstein konnten mich immer begeistern und so war es für mich selbstverständlich auch oihr neusten Buch zu lesen. " Sturmmädchen" ist ein Buch über eine Freundschaft im Dritten Reich.

Elli, Margot und Käthe kennen sich seit langem und ihre Freundschaft scheint unzerbrechlich. Unterschiedlich wie sie sind, halten sie zusammen und schwören sich ewige Freundschaft. Elli und Käthe kennen sich seit ihrer Kindheit im kleinen Eifeldorf, in dem sie aufgewachsen sind. Käthe, ein jüdisches Mädchen, ist später zum Kleeblatt dazugekommen , als ihre Eltern ein Ferienhaus in dem kleinen Eifelstädtchen kauften.

Mit Aufkommen des Nationalsozialismus zeigen sich erste Risse in der Freundschaft. Käthe ist eine glühende Verehrerin der neuen Ideologie, Elli steht dem ganzen skeptisch gegenüber und Margot als Jüdin und zusammen mit hrer Familie immer mehr unter Repressalien zu leiden.

Als die Nazis an die Macht kommen, spitzt sich die Lage zu und Margot und ihre Familie müssen um ihr Leben fürchten. Elli, die durch ein Gehbehinderung körperlich eingeschränkt ist, hilft wo sie kann, doch auch ihr Möglichkleiten sind begrenzt.

Dieses Buch zu lesen,macht wieder deutlich, wie wichtig es ist, die Geschehnisse der damaligen Zeit in Erinnerung zu behalten, damit so etwas nicht wieder geschieht. Das Buch berührt und es läuft einem mehr als einmal eiskalt über den Rücken mitzuerleben, wie Juden damals leben mussten.
Die Autrorin schreibt ihre Geschichte sehr berührend, die Charaktere sind sehr gut und liebevoll ausgestaltet und man folgt der Geschichte teilweise atemlos.

Trotzdem konnte mich dieses Buch nicht so begeistern, wie die Vorgängerbände.Voran das genau lag, kann ich gar nicht mal sagen, aber irgendwas fehlte mir in dieser Geschichte.Ich habe auch gar nicht verstanden, warum die Behinderung von Elli so eine große Rolle einnahm, weil sie eigentlich für den Verlauf der Geschichte keine allzu große Rolle spielte.

Alles in allem habe ich das Buch aber sehr gerne gelesen und kann es weiterempfehlen.

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