Nettes Buch, aber Erwartungen nicht ganz erfüllt
The Dirty VersionIn The Dirty Version von Turner Gable Kahn begleiten wir die Buchautorin Tash und den Intimitätskoordinator Caleb bei ihrer Arbeit an dem Skript für die Verfilmung von Tashs Roman The Colony. Tash hat ...
In The Dirty Version von Turner Gable Kahn begleiten wir die Buchautorin Tash und den Intimitätskoordinator Caleb bei ihrer Arbeit an dem Skript für die Verfilmung von Tashs Roman The Colony. Tash hat große Bedenken, was die Verfilmung angeht und ob/wie der feministische Gedanke hinter ihrem Buch umgesetzt und treu geblieben wird. Trotz ihrer Vorbehalte gegen Caleb und seine Agenda, kommen sich die beiden näher und verlieben sich ineinander. Am Ende wird das Skript zu Tashs Zufriedenheit fertiggestellt.
Mir hat das Lesen große Freude gemacht und ich mochte die Charaktere, v.a. Tash, Caleb und Janelle grundsätzlich sehr gerne. Leider hatte ich das Gefühl, dass einige Themen und angefangene Erzählstränge nicht ganz ausgereift wurden. Beispielsweise wurde die Beziehung zwischen Tash und ihrer Mutter als Thema aufgemacht, aber nie wirklich gelöst. Tashs große Wut und ihre ständigen Wutausbrüche wurden am Ende einfach so durch eine plötzliche innere Erkenntnis beseitigt, was auf mich irgendwie nicht wirklich schlüssig oder befriedigend war. Wie die Szenen, an denen Tash und Caleb arbeiten, im Endeffekt umgesetzt wurden und wie der große Durchbruch in ihrer gemeinsamen Arbeit ausgesehen hat, wurde uns auch nie mitgeteilt. Das einzige Detail über die Filmadaption, die wir mitgeteilt bekommen, ist, wie sie das Ende gestalten und das war nicht wirklich eine bahnbrechende Überraschung. Durch all diese Kleinigkeiten, die sich immer irgendwie so im Sand verlaufen sind, war der Roman etwas antiklimaktisch.
Ich habe auch ein stärkeres Ende oder feministischeren Unterton erwartet, da wir ständig über Tashs ultrafeministisches Meisterwerk lesen. Tash ist Feministin und zweifelsohne eine starke Frau mit starker Meinung, aber am Ende wird ihre Sturheit und ihre lautstarke Meinungsäußerung während des ganzen Romans als irrationale Wut dargestellt, die sie in den Griff bekommen muss, um erfolgreich zu werden und um ihren Willen zu bekommen. Daher hat mich das Ende sehr irritiert und nicht ganz zufrieden zurückgelassen. Es hat sich an vielen Stellen einfach angefühlt, als hätte man nur an der Oberfläche gekratzt und für meinen Geschmack wäre ich gerne tiefer reingegangen.
Nichtsdestotrotz habe ich das Buch gerne gelesen, wie oben schon erwähnt. Männer, die von Frauen geschrieben sind, sind oftmals ein pures Vergnügen und so auch hier. Frauen, die von Frauen geschrieben sind, sind oftmals etwas ambivalenter und so auch hier. Ob man das gut oder schlecht findet, ist jedem selbst überlassen.