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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 27.03.2025

Smarter Humor und erfrischende Dynamiken

Wild Love
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„Wild Love“ war tatsächlich mein erster Roman von Elsie Silver, aber keine Sorge, noch während ich es las, habe ich mir die vorherigen Bücher aus dem Elsie-Silver-Universum von einer Freundin ausgeliehen, ...

„Wild Love“ war tatsächlich mein erster Roman von Elsie Silver, aber keine Sorge, noch während ich es las, habe ich mir die vorherigen Bücher aus dem Elsie-Silver-Universum von einer Freundin ausgeliehen, die diese bereits gelesen hatte. Denn, noch während ich „Wild Love“ regelrecht verschlang, hatte ich schon Lust auf mehr und war natürlich heilfroh, dass es schon so viele Bücher aus der Chestnut-Springs Reihe gibt.
Zurück zum eigentlichen Thema: In Wild Love kehren sowohl der „heißeste Milliardär der Welt“ Ford Grant Junior als auch die Schwester seines besten Freundes Rosie Belmont zurück in die Heimat ihrer Jugend Rose Hill und beide befinden sich in einer Phase des Umbruchs und der Neufindung. Sie begegnen sich dort nicht nur einander wieder, sondern auch einigen kleineren bis größeren Überraschungen, wie z.B. der biologischen, 12-jährigen Tochter von Ford, Cora, die aus einer Samenspende stammt und gerade ihren Vater verloren hat. Wir begleiten die Protagonisten und Nebencharaktere (potenzielle Hauptcharaktere in künftigen Romanen des Elsie-Silver-Universums…? 😉) bei diversen persönlichen, inneren Kämpfen sowie bei den Beziehungen und Dynamiken untereinander und die sie zueinander aufbauen.
Die Handlung bewegt sich eher langsam und vielmehr liegt der Fokus auf den Figuren, ihren inneren Gedanken, Zweifeln und Kämpfen. Dabei betreiben die Figuren viel emotionale Aufarbeitung in den eigenen Gedanken oder in Gesprächen, Streits, Konflikten miteinander. Obwohl viele Selbstzweifel, Konflikte oder andere eher dunkle Themen oftmals eine Rolle spielen, schafft es die Autorin, eine unterhaltsame, aufmunternde und wirklich Trost spendende Geschichte aufs Blatt zu zaubern. Dies vor allem durch die tolle und erfrischende Dynamik zwischen den Figuren, und zwar zwischen allen Figuren und nicht nur zwischen den Love Interests Rosie und Ford, sondern auch zwischen Eltern und Kindern, zwischen Geschwistern und Freunden. Großartiger, trockener bis darker Humor und schnelle Schlagabtausche ziehen sich durch smarte, unterhaltsame Dialoge und Bemerkungen.
Zusätzlich empfand ich die Charakterzeichnungen als richtig erfrischend. Der heiße Milliardär ist ein eher nerdiger, socially awkward Misfit mit wirklich phänomenalem Musikgeschmack und die weibliche Hauptperson lässt aus sich keine Damsel in distress machen, sondern beweist sich als stark und impulsiv, wenn auch nicht immer rational und vernünftig – nachvollziehbar eben. Beide passen nicht 100-prozentig in die klassischen Tropen und Romance-Charaktere, aber sie passen in die Geschichte und, viel wichtiger, zueinander. Sie ergänzen sich, sie fordern und lieben sich. Für mich ergibt die Liebesgeschichte und die Beziehung irgendwie Sinn, auch wenn ich mir bei vielen Aktionen und Reaktionen beider oftmals dacht: „WTF? Warum?“ :D
Hier nun ein „Kritikpunkt“ und der richtet sich nicht an das Buch selbst, sondern eher an die Übersetzung. Die Übersetzung, vor allem des Erzählers, wirkt für mich etwas steif, hochgestochen und altbacken. Die direkten Reden sind zwar locker, cool und tragen den tollen Humor auch ins Deutsche, aber selbst diese wörtlichen Reden beinhalten Wörter und Idiome, die heutzutage niemand benutzen würde, der in Rosies, Fords oder vor allem Coras Alter ist. Da das aber wahrscheinlich einfach Geschmackssache ist, würde ich das dem Buch nicht als Negativpunkt ankreiden und freue mich schon darauf, die nächste Bücher von Elsie Silver auf Englisch zu lesen, schon alleine, um einen Vergleich zu haben, wie ihr Humor und Schreibstil in Originalsprache klingt.
Gegen Ende des Buches fiel die Handlung etwas ab und ich empfand sie gleichzeitig als gehudelt und zäh. Nachdem Rosie und Ford zueinander gefunden haben, hat sich die Autorin gefühlt ein paar leicht und schnell überwindbare Hürden für die junge Liebe aus den Fingern gezogen und das Ende wurde gleichzeitig ohne große Bewandtnis rausgezögert und trotzdem abrupt beendet. Im Vergleich zu den langen, tiefgründigen Gedanken und daraus resultierenden Handlungen des bisherigen Buches, wirkten die letzten ca. 100 Seiten wie eine Fast-Forward-Montage und Abspann.
Trotzdem ist das Buch eine absolute, solide Empfehlung für alle Liebhaber*innen des Genres. Ich hab das Lesen genossen, das Buch förmlich verschlungen und die Tatsache, dass ich direkt die nächsten Bücher der Autorin auf dem Lesestapel habe, sagt ja schon alles :)

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Veröffentlicht am 24.03.2025

Alles, was ich mir von einer guten Romance erwarte und erhoffe

Story of My Life
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In „Story of my Life” von Lucy Score erleben wir, wie die einst erfolgreiche Romance-Autorin Hazel nach einer schlimmen Ehe und Scheidung und der darauffolgenden Lebens- und Schreibkrise kurzerhand ein ...

In „Story of my Life” von Lucy Score erleben wir, wie die einst erfolgreiche Romance-Autorin Hazel nach einer schlimmen Ehe und Scheidung und der darauffolgenden Lebens- und Schreibkrise kurzerhand ein renovierungsbedürftiges Haus in einer Kleinstadt kauft und dorthin mit ihrer besten Freundin und kürzlich gefeuerten Literaturagentin Zoey zieht. Die Begrüßung dort ist nicht ganz so herzlich, wie erwartet und Hazel und Zoey müssen sich einigen Hürden und grumpy bis feindseligen Kleinstadtbewohnern stellen. Mehr oder weniger hilfreich bei Bewältigung der Hürden und der Renovierung von Hazels neuem Haus sind die Bishop Brothers – Campbell, Gage und Levi. Dass allesamt toll aussehen und alle auf ihre eigene Art und Weise sehr viel Charme haben, ist natürlich klar! Viel mehr zu allen möglichen Irrungen und Wirrungen der Beziehungen und Liebschaften, will ich gar nicht verraten, aber es werden einige klassische und beliebte Tropen bedient :)
So viel zum Inhaltlichen, aber was alles sehr typisch und altbekannt wirkt, wird durch den tollen, smarten und witzigen Schreibstil und die liebevoll gezeichneten Charaktere zu einem Roman, den ich verschlungen und so sehr genossen habe. Ich habe gelacht, will unbedingt mehr von Story Lake und seinen Bewohner*innen lesen und wissen und wurde über meine Erwartungen hinaus gut unterhalten. Häufig gefallen mir Romance Bücher ganz gut, sie sind ein netter Zeitvertreib und willkommene temporäre Ausflucht aus der Realität, aber diese Geschichte blieb einfach ein bisschen mehr hängen, deshalb gibt es von mir eine große Empfehlung, an alle, die dieses Genre lieben aber auch an alle, die vielleicht gerne mal reinschnuppern wollen. Ich glaube, das Buch kann eine sehr gute Einstiegsdroge in das Genre sein :)
Das Cover ist tatsächlich das einzige an der ganzen Sache, das mir nicht so besonders gut gefallen hat, aber das wäre für mich auch nie ein Grund, ein Buch nicht zu lesen, also gibt das von mir auch keinen Abzug in der Gesamtbewertung.
Einen großen Pluspunkt gibt es für die Version in Originalsprache Englisch. Egal ob Englisch oder Deutsch, ich lese solche romantischen oder seichten Bücher einfach gerne in Originalsprache, weil ich es sehr oft als holprig empfinde, wenn moderne, alltägliche, gesprochene, jugendliche Sprache in eine andere Sprache übersetzt werden. Meist gibt es einfach keine gute Übersetzung oder entsprechende Idiome in der anderen Sprache, die den Lesefluss und das Lesevergnügen und die Identifikation mit dem Gelesenen nicht beeinträchtigen. Daher auch vielen Dank an Vorablesen und gerne mehr von englischsprachigen Büchern!

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Veröffentlicht am 16.03.2025

Unterhaltsam und gedankenanregend

Die Fletchers von Long Island
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Ich bin wirklich begeistert und habe Lust auf mehr von Taffy Brodesser-Akner! Ihr gelingt mit "Die Fletchers von Long Island" ein eindringlicher und vielschichtiger Blick auf das Leben einer Familie, die ...

Ich bin wirklich begeistert und habe Lust auf mehr von Taffy Brodesser-Akner! Ihr gelingt mit "Die Fletchers von Long Island" ein eindringlicher und vielschichtiger Blick auf das Leben einer Familie, die in der wohlhabenden Vorstadt von New York lebt. Die Geschichte dreht sich um die Fletchers, eine Familie, die auf den ersten Blick das perfekte Leben führt, doch hinter der Fassade brodeln Konflikte und Geheimnisse.
Die Charaktere sind mit einer bemerkenswerten Tiefe und Komplexität gezeichnet und mir gefiel, dass jeder von ihnen seine eigenen Träume, Ängste und Enttäuschungen hat, die im Laufe der Handlung ans Licht kommen. Besonders beeindruckend ist die Art und Weise, wie die Autorin die Dynamik innerhalb der Familie und die gesellschaftlichen Erwartungen thematisiert. Sie schafft es, die Herausforderungen des modernen Lebens, die Suche nach Identität und die oft schmerzhaften Realitäten des Erwachsenwerdens auf eine sehr einfühlsame Weise darzustellen.
Den Schreibstil empfand ich als lebendig und fesselnd, mit einem feinen Gespür für Humor und Ironie, vor allem, wenn man einmal die ersten, etwas zähen Kapitel hinter sich hat. Brodesser-Akner gelingt es ab dann immer mehr, ernste Themen mit einer Leichtigkeit zu verbinden, die mir half, über die tiefere Bedeutung der Ereignisse nachzudenken. Die Dialoge sind auch in der deutschen Übersetzung authentisch (was ich nicht oft so gelungen erlebe bei übersetzten Büchern) und tragen zur Entwicklung der Charaktere bei, während die Beschreibungen der Umgebung und der sozialen Interaktionen ein klares Bild der Welt der Fletchers zeichnen, die mir andernfalls sehr fremd und entfernt erscheinen würde.
Insgesamt ist "Die Fletchers von Long Island" ein packender Roman, der sowohl unterhält als auch zum Nachdenken anregt. Brodesser-Akner gelingt es, die Komplexität menschlicher Beziehungen und die Herausforderungen des Lebens in einer wohlhabenden Gesellschaft eindrucksvoll zu erfassen. Eine absolute Empfehlung von mir für Leser, die an tiefgründigen Familiengeschichten interessiert sind.

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Veröffentlicht am 27.02.2025

Roh,rau, real

bruder, wenn wir nicht family sind, wer dann
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Den Roman "Bruder, wenn wir nicht Family sind, wer dann" von Oliver Lovrenski habe ich so rasant durchgelesen, nicht nur, weil der Schreibstil schon fast Poesieanleihen hatte und dadurch die Kapitel sehr ...

Den Roman "Bruder, wenn wir nicht Family sind, wer dann" von Oliver Lovrenski habe ich so rasant durchgelesen, nicht nur, weil der Schreibstil schon fast Poesieanleihen hatte und dadurch die Kapitel sehr knapp, aber prägnant geschrieben sind, fast schon wie kurze Gedichte. Ich wollte einfach auch immer wissen, wie es weitergeht, ob sich die nächste Momentaufnahme in eine positivere oder noch negativere Richtung bewegt als die vorherige. Man hofft ersteres, aber erwartet ehrlich gesagt letzteres, was wahrscheinlich auf die Mehrheit der Gesellschaft im realen Leben zutrifft, wenn es um Charaktere wie Ivor und seine Freunde in Oslo geht und was so gleichzeitig sehr gut die Ausgangssituation des Buches zusammenfasst.
Immer scheint die Hoffnung durch, wobei es mehr ein Träumen als Hoffnung ist, weil das Erreichen dieser Ziele viel unwahrscheinlicher und weniger greifbar erscheint als eine reale Chance auf Verbesserung der Umstände und Lebensrealitäten. Als würden sich die Charaktere gar nicht erst erlauben, richtig zu hoffen und eine Veränderung anzustreben, weil es so unwahrscheinlich ist. Unerfüllte imaginäre Träume sind wahrscheinlich weniger enttäuschend und niederschmetternd als unerfüllte reale Ambitionen.
Es ist kein Buch, das ich jedem empfehlen würde oder selbst mehrmals lesen würde, weil der Schreibstil schon sehr von meinen Gewohnheiten und Vorlieben abweicht und dadurch auf Dauer etwas anstrengend wird. Dennoch bin ich sehr froh über die Erfahrung und den Reality Check des Gelesenen.

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Veröffentlicht am 25.02.2025

Erfüllt alles, was es verspricht

The Fake Mate – Die Liebe ist eine Bestie für sich
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In dem Liebesroman „The Fake Mate“ von Lana Fergusen verfolgen wir das Kennen- und, mit ein paar Hürden versehen, Liebenlernen der Assistenzärztin Mackenzie und des im selben Krankenhaus praktizierenden ...

In dem Liebesroman „The Fake Mate“ von Lana Fergusen verfolgen wir das Kennen- und, mit ein paar Hürden versehen, Liebenlernen der Assistenzärztin Mackenzie und des im selben Krankenhaus praktizierenden Kardiologen Noah. Sie sind beide Werwölfe und leben in einer fiktiven Version unserer Welt, in der Werwölfe bekanntermaßen unter Normalsterblichen in aller Friedlichkeit leben und lieben. Alles beginnt damit, dass die beiden fake daten, wovon beide aus unterschiedlichen Gründen profitieren und sich langsam aber sicher körperliche und emotionale Zuneigung zueinander entwickeln.
Mir hat gut gefallen, dass in dem Roman die Existenz von Werwölfen unter uns einfach als Prämisse etabliert war und dadurch keine hanebüchenen Erklärungen oder Verschleierungen gesponnen wurden und man sich einfach auf das konzentrieren konnte, was es war: eine sehr süße Romance Story, mit der man gut unterhalten dem Alltag entkommen kann, die lockere Schreibweise und den smarten Humor genießen kann, ohne alle Plotpunkte allzu ernst oder kritisch zu sehen. Genau das hatte ich mir von diesem Buch erhofft und es wurde die ganze Checkliste erfüllt, weshalb ich solche Geschichten immer wieder gerne lese, ohne zu viele Erwartungen zu haben, was Innovativität oder erschreckende/überraschende Wendungen oder Endungen angeht. Zu dieser Checkliste gehören liebenswürdige und smarte Charaktere, romantische bis spicy Begegnungen und die Entwicklung von zwischenmenschlichen (in diesem Fall zwischenwolfischen) Beziehungen, denen man gerne und mit gemäßigter Spannung folgt. Und am Ende geht natürlich alles gut aus, man legt das Buch genügsam und befriedet weg, ohne dass einem das Gelesene noch lange nachlastet und das tut manchmal einfach gut. Alle Erwartungen erfüllt und befriedigt :)
Die einzigen Kritikpunkte, die ich anzubringen hätte, wäre das (mir zumindest fehlende) Wissen über Werwölfe und die Terminologie und die Lore rund um das Thema, das stellenweise vorausgesetzt wurde. Einiges wurde im Laufe der Geschichte zum Teil erklärt und man konnte sich das irgendwie zusammenreimen, aber beispielsweise die Rangordnung von Alpha bis Omega und alle darin enthaltenen „Richtlinien“ und Implikationen oder was es mit diesem oft erwähnten und ominösen „Knoten“ auf sich hat, war mir nicht immer ganz klar. Es gibt noch ein paar weitere Beispiele, aber all das hat, um ehrlich zu sein, dem Verständnis der Geschichte keinen Abbruch getan und ist deshalb auch nur ein kleiner Kritikpunkt. Ein zweiter Kritikpunkt ist auch eher nur eine persönliche Präferenz, da ich solche Bücher in englischer Sprache immer lieber lese, weil ich die deutsche Sprache bei romantischen und/oder expliziten Inhalten oftmals zu hölzern, unauthentisch oder hochgestochen, teilweise sogar unangenehm finde. Häufig leidet auch der Humor unter der Übersetzung ins Deutsche, wobei ich finde, dass die Übersetzung hier wirklich sehr gut gelungen ist, wodurch dieser Kritikpunkt schon fast wieder positiv ist.

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