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Veröffentlicht am 26.09.2025

- kurzweiliger Western, der auf Zorn und Rache fußt -

Ein Mann namens Loprete
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Mariana Travacio - Ein Mann namens Loprete
(Pendragon Verlag)

- kurzweiliger Western, der auf Zorn und Rache fußt -

In einem von Hitze geplagten Landstrich, irgendwo in Südamerika. Ein Mann namens Loprete ...

Mariana Travacio - Ein Mann namens Loprete
(Pendragon Verlag)

- kurzweiliger Western, der auf Zorn und Rache fußt -

In einem von Hitze geplagten Landstrich, irgendwo in Südamerika. Ein Mann namens Loprete betritt El Tanos Bar und fragt nach Pepa. Sie sei ihm verloren gegangen, behauptet der Fremde. Fünf Gläser Gin später liegt er verblutend am Boden. El Tano, der Ich-Erzähler Manoel und ein weiterer Mann namens Juancho begraben Loprete anschließend vor der Bar und schwören sich, dass dies niemals passiert sei. Als zwei Wochen später drei Reiter vor El Tanos Bar auftauchen und sie sich als drei von insgesamt acht Brüdern Lopretes ausgeben, erklärt ihnen El Tano seelenruhig, er habe keinen Mann gesehen, der wie der Beschriebene aussehe. Doch die Männer glauben ihm nicht, kommen wieder und spornen ihn nachhaltig zum Nachdenken an. Das ist zu viel für El Tano und er flieht mit Manoel zu seiner Schwester Luisa.

"Ein Mann namens Loprete" ist ein schnörkelloser, spartanischer und schnell erzählter Western, mit kurzen Kapiteln. Nicht selten unter einer Seite lang. Der 128 Pagina umfassende Debüt Roman, der 1976 in Rosario (der drittgrößten Stadt Argentiniens) geborenen Autorin Mariana Travacio, hält sich nicht lange mit Einleitungen, Erklärungen oder Charakterbeschreibungen auf, sondern geht unmittelbar und nervenaufreibend zur Sache. In ein südamerikanisches Flair vor vielleicht 80 bis 100 Jahren verpackt, wird Brutalität, Gewalt, Angst und Verrohung in knackigen, prosaischen Sätzen geliefert. Dabei konzentriert sich die ehemalige Klinikpsychologin und Lehrerin für Forensische Psychologie rein auf das Wesentliche. Die Gewaltszenen, die Mariana Travacio selten eingehend seziert, dienen ihr lediglich als Stilmittel zur Unterfütterung ihres komprimierten Plots. Das Lokalkolorit beschränkt sich fast ausschließlich aufs Wetter. Die Charakterzeichnungen bleiben den Umständen geschuldet farblos, was auch dem immersiven eintauchen in das Bouquet voller verpasster Chancen ein klein wenig entgegensteht. Von Sentimentalität und Tristesse gezeichnet, hat jeder einzelne Akteur sein Päckchen zu tragen und auf seine Weise mit den Geistern der Vergangenheit zu kämpfen. In Mariana Travacios Novelle bleibt alles ein wenig mysteriös und nicht wirklich greifbar.

Als sich die gesamte Tragweite der Tragödie allmählich zu entfalten beginnt und die Vergangenheit der Männer im Dorf, wie auch die der Lopretes auf den Tisch gebracht wird, kocht unbändiger Zorn in Manoel hoch. Er wird in sein Dorf zurückkehren. Er wird die Lopretes suchen und finden. Er wird sich grausam an ihnen rächen! In Begleitung von zehn fähigen Männern, die ihm ein alter Freund von El Tanos Vater als Eskorte zuweist, bricht sich eine blutige und bedrohliche Fehde voller Raserei, Wahnsinn und bizarrer Begebenheiten Bahn. Ein gegenseitiges Massaker in heftigem Regen und Schlamm mit hohen Verlusten auf beiden Seiten. "Ein Mann namens Loprete" zeugt dabei von Freundschaft, Zusammenhalt, Stärke, Kampf, Schmerz, Verlust, Vergänglichkeit, Schuld und Tod. Die argentinische Schriftstellerin und Übersetzerin für Französisch und Portugiesisch Mariana Travacio wuchs in Brasilien auf und lebt heute noch in der argentinischen Hauptstadt Buenos Aires. Für den kurzweiligen Western, welcher ursprünglich im Jahre 2016 unter dem Titel "Como si existiese el perdón" veröffentlicht wurde und die der Pendragon Verlag als gebundene Ausgabe mit Lesebändchen publiziert, sind die aufgerufenen 22,00 Euro allerdings kein Pappenstiel.

(Janko)

https://www.facebook.com/mariana.travacio
https://www.instagram.com/mariana_travacio/

Brutalität/Gewalt: 64/100
Spannung: 66/100
Action: 58/100
Unterhaltung: 79/100
Anspruch: 36/100
Atmosphäre: 62/100
Emotion: 58/100
Humor: 01/100
Sex/Obszönität: 06/100

https://www.lackoflies.com" target="_blank">https://www.lackoflies.com - Wertung: 77/100

https://www.lackoflies.com" target="_blank">https://www.lackoflies.com - Altersempfehlung: ab 16 Jahren (aufgrund der Gewaltdarstellungen)

Mariana Travacio - Ein Mann namens Loprete
Pendragon Verlag
Gesellschaftsroman/Thriller/Western
ISBN: 978-3-86532-910-3
128 Seiten
Gebundene Ausgabe mit Lesebändchen
Originaltitel: COMO SI EXISTIESE EL PERDÓN (2016)
Aus dem argentinischen Spanisch von Kirsten Brandt
Erscheinungstermin: 03.09.2025
EUR 22,00 Euro [DE] inkl. MwSt.

"Ein Mann namens Loprete" beim Pendragon Verlag: https://www.pendragon.de/autor/mariana-travacio/ein-mann-namens-loprete

Leseprobe: https://www.pendragon.de/prospekte/Travacio-Ein%20Mann%20namens%20Loprete-%20Leseprobe-web.pdf

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Veröffentlicht am 19.09.2025

- zynischer, sarkastischer und verkopfter Roadtrip durch das Tal des Todes -

Death Valley
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Steven Uhly - Death Valley
(Secession Verlag Berlin)

- zynischer, sarkastischer und verkopfter Roadtrip durch das Tal des Todes -

Nachdem seine Mutter und ihr Lebensgefährte Gerd bei einem Ausflug ins ...

Steven Uhly - Death Valley
(Secession Verlag Berlin)

- zynischer, sarkastischer und verkopfter Roadtrip durch das Tal des Todes -

Nachdem seine Mutter und ihr Lebensgefährte Gerd bei einem Ausflug ins Death Valley zu Tode gekommen sind, muss sich der autofiktionale Schriftsteller Steven Uhly um die sterblichen Überreste seiner Mutter kümmern. Kurzerhand fliegt er parallel zu Hans Butt, dem Sohn von Gerd, in die USA und strandet kurzzeitig am Flughafen Washington-Dulles. Hier lernt er den 30 Jahre alten Richard "Richie" Becker und seine wunderschöne, zwei Jahre ältere Schwester Angela "Angie" Becker kennen. Genau Stevens Beuteschema. Auch die Beckers haben hier in den USA Erbschaftsangelegenheiten zu regeln. Nur in wesentlich größeren Dimensionen. Mehr so im Beherbergungssegment. Und so wird das "Findelkind" Uhly kurzzeitig zum Gast der Beckers in Suite 21, in deren Hotel in Las Vegas. Als bekennender Menschenfeind wirft der Autor gerne mal politisch unkorrekte und zeitgenössische Spitzfindigkeiten mit scharf- oder irrsinnigem Weitblick ein. Die Wendungs- und Wandlungsfähigkeit seiner geradezu philosophisch gearteten Rhetorik ist schon enorm und bemerkenswert. Steven Uhly jongliert mit gewissen Tabus, denen er sich lediglich gedanklich und in Textform, nicht aber im wahren Leben hingeben kann. So vögelt der verheiratete Lebemann, nach einem ausgiebigen und feuchtfröhlichen Abendessen Richies Schwester Angie, bis er sich am nächsten Tag in dessen Leihgabe, in Form eines finanziell und motormäßig völlig überdimensionierten Pick-ups, auf die Fahrt durch das Tal des Todes macht. Dabei trifft der Zyniker auf allerlei illustre Gestalten, wie auch auf Hans, dessen Leihwagen eine Panne hat. Und so wird aus den Erbschafts-Konkurrenten beinahe so etwas wie "bäst fränds". Dass die ganze Angelegenheit jedoch nicht so einfach ist, wie sie sich anfangs darstellt, dürfte allerdings jedem Leser klar sein.

Steven Uhly, der am 6. Juni 1964 erstmals das grelle Licht eines Kölner Kreißsaals erblickte, sagt in seinem neuesten Geniestreich "Death Valley" dem ideologischen Irrsinn dieser Welt den Kampf an. Das garniert der deutsch-bengalische Autor auf 303 Seiten in locker flockiger, wie geistreicher Manier und beißendem Sarkasmus. Dabei ist der zwanghafte Egomane und selbsternannte Misanthrop denkbar selbstkritisch, allerdings nur sich selbst gegenüber. Sozialkritisch ist er auch, dann aber gerne mit Außenwirkung. Uhly schreibt "Death Valley" in der Ich-Perspektive, als wäre er Teil seines eigenen Reiseberichts. Ein autobiografisch verfasster Roman also? Mitnichten! Der Egozentriker möchte lieber vernichten und (sich selbst) belügen und zerstören und wiedergutmachen und noch so vieles mehr, was ihm mit Bravour gelingt. Hierbei rubbelt er sich mal ironisch, mal widersprüchlich an Stereotypen satt, beurteilt Menschen gerne nach ihrem Äußeren und bedient auf diese wundersame Weise Klischees, Vorurteile und Ideologien. Gedankenprononciert, wenn nicht gar verkopft spielt der, von multiplen Phobien geplagte Autor erlesen, extrovertiert und humorvoll mit Sprache, mit seinem eingenisteten oder spontanen Gedankengut oder auch seinem jeweiligen Gegenüber. Und das ist genau mein Ding. Dieses niveauvoll-frivole jonglieren mit Wortmaterial, Syntax und Kontext. Als guter Beobachter seines Umfeldes nimmt Uhly selbiges nicht so richtig ernst und gerne mal auf die Schippe. Der Schriftsteller und Übersetzer, der heute mit seiner Familie in München lebt, geht mit sich und den gesellschaftlichen Konventionen (vor allen Dingen denen der bekloppten Amis) hart ins Gericht. Der an einer leichten Form der Schizophrenie leidende Protagonist (für alles hat er einen gedanklichen Trainer oder Zensor oder Beauftragte oder Kontrolleure) bläst den eigentlichen Minimalismus der Story bis zum Bersten auf. Den Weg zu sich selbst längst aufgegeben (für einen jugendlichen Selbstfindungstrip ist es für den 60-jährigen Uhly wohl zu spät), rechnet er stattdessen viel lieber mit dem Amerika unter Trump ab. "Death Valley" ist zwar nicht immer leicht zu lesen, doch wer auf humorvolle Geschichten voller Sarkasmus, Selbstzweifel, Wurzellosigkeit, Anpassungsschwierigkeiten, Menschenhass, politischer und psychologischer Kriegsführung steht, bekommt im Tal des Todes die volle Dröhnung. Hier ist eindeutig der Weg das angestrebte Ziel!

(Janko)

https://www.facebook.com/Druhly
https://www.instagram.com/druhly

Brutalität/Gewalt: 03/100
Spannung: 30/100
Action: 43/100
Unterhaltung: 85/100
Anspruch: 65/100
Atmosphäre: 76/100
Emotion: 41/100
Humor: 54/100
Sex/Obszönität: 18/100

https://www.lackoflies.com" target="_blank">https://www.lackoflies.com - Wertung: 84/100

https://www.lackoflies.com" target="_blank">https://www.lackoflies.com - Altersempfehlung: ab 16 Jahren (aufgrund des anspruchsvollen Kontexts)

Steven Uhly - Death Valley
Secession Verlag Berlin
Gesellschaftsroman / Autofiktion
ISBN: 978-3-96639-126-9
303 Seiten
Gebundene Ausgabe (genäht) ohne Schutzumschlag
Erscheinungstermin: 28.08.2025
EUR 22,00 Euro [DE] inkl. MwSt.

Weitere Formate:
ISBN eBook: 978-3-96639-127-6
Erscheinungstermin: 28.08.2025
EUR 22,00 Euro [DE] inkl. MwSt.

"Death Valley" beim Secession Verlag Berlin: https://secession-verlag.com/buecher/death-valley

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Veröffentlicht am 12.09.2025

- irrationaler, unglaubwürdiger und widersprüchlicher psychologischer Noir -

Todestaufe
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Jon Bassoff - Todestaufe
(Polar Verlag)

- irrationaler, unglaubwürdiger und widersprüchlicher psychologischer Noir -

Deerfield, Michigan, Spätherbst 2018. Als Holt Davidson vom Selbstmord seiner Mutter ...

Jon Bassoff - Todestaufe
(Polar Verlag)

- irrationaler, unglaubwürdiger und widersprüchlicher psychologischer Noir -

Deerfield, Michigan, Spätherbst 2018. Als Holt Davidson vom Selbstmord seiner Mutter erfährt, kehrt er widerwillig in seinen ehemaligen Heimatort Thompsonville zurück. Stets von inneren Dämonen geplagt, betritt Holt das heruntergekommene Ranch-Style Haus, in dem er aufgewachsen ist. Unter einem abstehenden Dielenbrett, im Zimmer seiner Mutter, entdeckt der 39-jährige Feuerwehrmann einen Revolver, eine Schachtel mit einem Liebesbrief, sowie ein altes Polaroid Foto. Auf selbigem sitzt ein versehrter Mann an eine Wand gelehnt in einer Blutlache. Warum hatte seine Mutter dieses Foto versteckt oder überhaupt aufgehoben? Hatte sie etwa den offensichtlich toten Mann auf dem Bild mit dem Revolver erschossen? Und wenn ja, aus welchem Antrieb heraus? Grund genug für Holt ein wenig zu recherchieren und die Vergangenheit umzugraben.

"Beneath Cruel Waters", wie Jon Bassoffs 2022 im amerikanischen Original erschienener Kriminalroman betitelt wurde, ist ein bedrückendes, sich ganz allmählich steigerndes Sozial-Drama. Auch wenn "Todestaufe" stellenweise etwas gedankenverloren vor sich hin plänkelt, taucht man durch Bassoffs Hervorheben der unbehaglichen Kulisse augenblicklich in die Tristesse, die Resignation und die Hoffnungslosigkeit dieses Psychological Noir ein. Als stiller Beobachter erfährt man von der trostlosen Adoleszenz des damals 5-jährigen Holt und der Einweisung seiner zehn Jahre älteren, an depressiven Schüben leidenden Schwester Ophelia, in die Psychiatrie. Von den glücklosen Partnerschaften seiner Mutter Vivian, von seinem Onkel Bobby, dem ruhelosen und egozentrischen Musiker, von Joyce, der besten Freundin seiner Mutter und deren Ehemann, dem Polizisten Mike. Dabei geriet Familie Davidson in eine bösartige Spirale aus Bedrohungen, Stalking, Psychoterror, sexuellem Missbrauch, Gewalt und Mord. 1974 in New York City geboren, arbeitet der hauptberufliche Englischlehrer in "Todestaufe" mit gewissen Stereotypen und lässt Holts, Vivians und Ophelias verstörenden Albtraum wieder "aufblühen".

"Mindestens fünfzehn weitere Glas Wein wären nötig, um überhaupt daran zu denken, diese Lippen zu küssen, die wie Wiener Würstchen in seinem Gesicht klebten." Zitat S. 64

Ein zweiter Handlungsstrang behandelt die Zeit nach Vivians Beerdigung und die Erkenntnisse, die Holt anschließend gewinnt. Er spricht mit Joyce, der Freundin seiner verstorbenen Mutter, um sich seine eigene Kindheit ins Gedächtnis zu rufen und die Zeit nach seinem Auszug vor 20 Jahren zu beleuchten. Er besucht Ophelia in der psychiatrischen Einrichtung, spricht mit Ärzten und erkennt allmählich, wie es zu den unerträglichen Umständen kommen konnte, denen Familie Davidson jahrelang ausgesetzt war. Soweit, so gut. Doch ab dem Mittelteil reagieren Bassoffs Akteure, trotz Berücksichtigung der jeweiligen Extremsituation und Traumata in der sie stecken, völlig irrational und alles andere als plausibel. Darunter leidet die Glaubwürdigkeit der Erzählung und die Kraft, mit der sich die Leserschaft in die Geschehnisse hineindenken kann. Das 328-Seiten starke Konstrukt, das durchaus mehr Druck, mehr Action und mehr Authentizität hätte vertragen können, wirkt mit einem Mal künstlich zusammengestückelt und montiert. Es bleiben einfach zu viele Fragen offen. "Todestaufe" ist auf der einen Seite ein emotionales Werk, auf der anderen Seite ist es stellenweise doch arg widersprüchlich und zerfahren. Auch werden Jon Bassoffs Charaktere im weiteren Verlauf der Lektüre immer farbloser. Er konzentriert sich hier vielleicht zu sehr auf die kausalen Zusammenhänge der Begebenheiten und lässt die eigentlichen Belange seiner Protagonisten links liegen. Die gesamten Umstände geraten ab einem gewissen Zeitpunkt zu einer regelrecht nervigen und äußerst suspekten Angelegenheit. Macht es sich Bassoff da ab dem Mittelteil nicht ein wenig zu leicht, als dass es der aufmerksame und anspruchsvolle Vielleser einfach so schlucken würde? Ich denke schon. Mit "Todestaufe" beschwört Bassoff ein psychologisches Sodom um Gomorrha herauf. Leider ein höchst unglaubwürdiges!

(Janko)

https://www.jonbassoff.com
https://www.facebook.com/jon.bassoff
https://www.instagram.com/jonbassoff/

Brutalität/Gewalt: 37/100
Spannung: 60/100
Action: 42/100
Unterhaltung: 74/100
Anspruch: 32/100
Atmosphäre: 55/100
Emotion: 61/100
Humor: 03/100
Sex/Obszönität: 22/100

LACK OF LIES - Wertung: 72/100

LACK OF LIES - Altersempfehlung: ab 14 Jahren (aufgrund von sexuellem Missbrauch und Gewalt)

Jon Bassoff - Todestaufe
Polar Verlag
Kriminalroman/Psycho-Gothic-Noir-Thriller
ISBN: 978-3-910918-28-3
328 Seiten
Klappenbroschur
Originaltitel: Beneath Cruel Waters (2022)
Aus dem Amerikanischen von Sven Koch
Erscheinungstermin: 15.08.2025
EUR 17,00 Euro [DE] inkl. MwSt.

"Todestaufe" in der Herbst Vorschau beim Polar Verlag: https://polar-verlag.de/produkt/jon-bassoff-todestaufe

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Veröffentlicht am 05.09.2025

- brutales, unkonventionelles, mitreißendes und vielschichtiges Familien-Epos -

Asa
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Zoran Drvenkar - Asa
(Suhrkamp Verlag)

- brutales, unkonventionelles, mitreißendes und vielschichtiges Familien-Epos -

Uckermark, 1993. Die 15-jährige Asa Kolbert und ihr Vater Matthias werden von Berufskillern ...

Zoran Drvenkar - Asa
(Suhrkamp Verlag)

- brutales, unkonventionelles, mitreißendes und vielschichtiges Familien-Epos -

Uckermark, 1993. Die 15-jährige Asa Kolbert und ihr Vater Matthias werden von Berufskillern ins Visier genommen. Matthias überlebt den Anschlag nicht. Von Trauer um ihren Verlust eingenommen, lässt sich Asa dennoch nicht aus der Fassung bringen. Dafür ist die vorbereitete und gut ausgebildete Jugendliche einfach zu clever und willensstark. 30 Jahre später, gedrillt, verhärmt, rein auf ihre niederen Instinkte und ihre jahrelang aufgestaute Wut konzentriert, sinnt die frisch aus dem Gefängnis entlassene Asa Kolbert auf Rache. Ihre weiterführende Ausbildungszeit und ihr Rachefeldzug verschlägt sie nach Lappland, auf eine Insel der Kapverden, nach Istanbul, Oslo, Regensburg, Berlin, Venedig, New York und nach Kroatien.

In der Zwischenzeit wird die Leserschaft kontinuierlich in die Vergangenheit und die Gepflogenheiten der Dynastie der Kolberts, sowie der Dorfgemeinschaften des weitläufigen Umlandes der Uckermark eingeführt. Diese nehmen einen Gutteil der berührenden, tiefgründigen und nervenaufreibenden Familiengeschichte ein. In diesem Zusammenhang fallen selbstredend unzählige Namen, mit denen der Leser aber durch entsprechende Bezugnahmen des Autors, recht gut zurechtkommt. In diesem Zusammenhang spielen die Kriegswirren des Ersten und Zweiten Weltkriegs, sowie die Verflechtungen der Kolberts in selbige, eine tragende Rolle. Hier tritt das schändliche Ausmaß aus Zorn, Lügen, Denunzierung und Verrat, welches sich auch einiger der Kolberts bemächtigte, überdeutlich zu Tage. Der Zusammenhalt der Dorfgemeinschaft bröckelt insbesondere unter dem Druck des 2. Weltkriegs und der Gestapo. Eine Welle der Gewalt bricht sich Bahn, an der auch die Kinder der Großfamilie beteiligt sind.

Der freie Schriftsteller Zoran Drvenkar hat mit seinem aktuellen, 700 Seiten zählenden Wälzer "Asa" ein brutales, unkonventionelles, mitreißendes und vielschichtiges Familien-Epos erschaffen. Zu Beginn der Story ganz bewusst verwirrend, konfus und sprunghaft gehalten, schiebt der 1967 in Križevci, Kroatien geborene Autor die geneigte Leserschaft übergangslos und nonlinear durch die verschiedensten Zeitebenen des 20. und 21. Jahrhunderts. Ganz zaghaft, nur häppchenweise lichtet Drvenkar den schleierhaften Nebel. Der Romancier, der im Berliner Stadtteil Charlottenburg aufwuchs, geht unterdessen den eigenwilligen und irritierenden Weg, auf verschiedene Erzählperspektiven zu setzen. Seine, zumeist auf die Fakten heruntergebrochenen Beschreibungen der jeweiligen Geschehnisse, wirken stellenweise überzeichnet, überfrachtet und konstruiert, an manchen Stellen gar widersprüchlich oder unglaubwürdig. Andererseits darf sich der belletristische Bereich das auch gerne mal herausnehmen. Der Tod ist in diesem Roman nun mal unverzichtbar omnipräsent.

Letztlich gelingt es dem Schriftsteller die vielen verschiedenen Handlungsstränge, mit ihren nicht minder vielen Aufs und Abs, zu einem funktionalen Gesamtkonzept zusammenzuführen. Eingebunden in eine schnörkellose Prosa, sind es zumeist kurze und prägnante Sätze, in denen nichts beschönigt und auch kein Blatt vor den Mund genommen wird. Nüchtern, abwartend, distanziert, gleichwohl anspruchsvoll, facettenreich und weitgreifend, baut Drvenkar an ausgewählten Stellen derbe Schockmomente ein, die im weiteren Verlauf der unbarmherzigen Erzählung ihre Erklärungen finden. In eine triste, gefühlskalte und emotional resignierende Grundstimmung gebettet, lässt der Verfasser sein Gefolge von einem Gewaltexzess in den nächsten taumeln. Diesbezüglich geht Zoran Drvenkar auch auf die Wesensveränderungen der einzelnen Charaktere durch die Missetaten der beiden Weltkriege ein. "Asa" ist eine gefräßige, unerbittliche, bisweilen gar herzzerreißende Familiengeschichte, die von Tradition, Gemeinschaft, Widerstand, Schicksal, Gewalt, Jagd, Chaos, Rache, Wahn, Krieg, Verschleppung, Missbrauch und Mord kündet. Zoran Drvenkar, der heute in der Nähe von Berlin in einer ehemaligen Kornmühle lebt, hat auch die zeitgenössischen Darstellungen der Gespräche und Handlungen der damaligen Epochen authentisch umgesetzt. "Asa" ist in jedem Fall eine lesenswerte Familienchronik, die sich im Verlauf der Geschichte zu einer gewalttätigen Familienfehde aufwächst.

(Janko)

http://www.drvenkar.de
https://www.facebook.com/profile.php?id=100076812609681
https://www.instagram.com/zorandrvenkar

Brutalität/Gewalt: 85/100
Spannung: 81/100
Action: 86/100
Unterhaltung: 83/100
Anspruch: 67/100
Atmosphäre: 78/100
Emotion: 77/100
Humor: 05/100
Sex/Obszönität: 22/100

https://www.lackoflies.com" target="_blank">https://www.lackoflies.com - Wertung: 82/100

https://www.lackoflies.com" target="_blank">https://www.lackoflies.com - Altersempfehlung: ab 16 Jahren (aufgrund mannigfaltiger Gewaltexzesse und des Verständnisses der Kausalitäten)

Zoran Drvenkar - Asa
Suhrkamp Verlag
Thriller
ISBN: 978-3-518-47511-9
700 Seiten
Gebundene Ausgabe
Erscheinungstermin: 18.08.2025
EUR 23,00 Euro [DE] inkl. MwSt.

Weitere Formate:
ISBN eBook (epub): 978-3-518-78387-0
Erscheinungstermin: 01.08.2025
EUR 19,99 Euro [DE] inkl. MwSt.

"Asa" beim Suhrkamp Verlag: https://www.suhrkamp.de/buch/zoran-drvenkar-asa-t-9783518475119

Leseprobe: https://media.suhrkamp.de/mediadelivery/asset/707288d9b4e84d5aa10fca3df22d4155/asa
9783518475119_leseprobe.pdf?contentdisposition=inline

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Veröffentlicht am 22.08.2025

- Afrika, das Land der unmoralischen Möglichkeiten -

Trophäe
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Gaea Schoeters - Trophäe
(btb Verlag)

- Afrika, das Land der unmoralischen Möglichkeiten -

Der reiche und erfolgsverwöhnte Amerikaner John Hunter White ist ein egozentrischer Großwildjäger und Naturliebhaber ...

Gaea Schoeters - Trophäe
(btb Verlag)

- Afrika, das Land der unmoralischen Möglichkeiten -

Der reiche und erfolgsverwöhnte Amerikaner John Hunter White ist ein egozentrischer Großwildjäger und Naturliebhaber mit Nachhaltigkeitsantrieb. Um sich seiner Obsession hinzugeben, ist er nach Ostafrika gereist. Mit seiner Doppelbüchse Kaliber .577 Nitro Express will er ein Spitzmaulnashorn schießen, um seine Big Five endlich zu komplettieren. Die Lizenz zum Abschuss eines alten, aber wunderschönen Tieres, hat er über eine seiner vielen Firmen erworben. Anonym quasi. Auf Morddrohungen, Sabotage oder Repressalien gegen sich kann Hunter nämlich gerne verzichten. Jagdleiter und Berufsjäger van Heeren macht all dies für seinen langjährigen und zahlungskräftigen Kunden möglich. Gemeinsam mit ein paar einheimischen Fährtenlesern und dem jungen Fahrer Jeans, machen sie sich auf die Suche nach dem Rhinozeros. Auf seine niedersten Instinkte reduziert und mit einer an Besessenheit grenzenden Beharrlichkeit will Hunter seinen Jagdtrieb ausleben und jede einzelne Sekunde davon auskosten. Doch da ist noch etwas anderes im Busch und "sein" Nashorn kann ins Unterholz flüchten. Etwas oder jemand ist Hunter in die Quere gekommen, was seine Mission von Grund auf scheitern lässt.

Die belgische Schriftstellerin, Journalistin, Librettistin und Drehbuchautorin Gaea Schoeters, hat mit "Trophäe" eine anmutige und mitreißende Erzählung kreiert, die sich spannender liest wie jeder Thriller. Mit erstaunlichen, teils widerlichen Anekdoten rund um die einzigartige Tierwelt Afrikas, deren Bewohner und die Großwildjägerei, beschreibt die 1976 in Sint-Niklaas geborene Autorin, die Jagd zu Beginn als ein euphorisierendes, elegantes, bis reißerisches Happening. Aus der anfänglich überspitzten Schönfärberei, der 256-seitigen Taschenbuchausgabe, liest man deutlich heraus, dass der Dummheit, wie auch der Überheblichkeit der Menschheit keinerlei Grenzen gesetzt sind. Die flämische Autorin führt in "Trofee", wie das 2020 im Original erschienene Werk betitelt wurde, aber auch durchdachte Überlegungen an, die seitens der Staaten und Tierschützer nicht zu Unrecht gemacht wurden, um die entsprechenden Tierbestände Afrikas vor Wilderern zu schützen.

"Auf dem asiatischen Markt sind die [Nashörner des Spitzmaulnashorns] feingemahlen grobgeschätzt achtzigtausend Dollar pro Kilo wert, ungefähr das Doppelte vom Goldpreis. Versuch das mal mit einem einfachen Jagdverbot in einem Land zu verhindern, wo drei Viertel der Bevölkerung in Armut leben und Korruption die traditionelle Staatsform ist." Zitat S. 29

Gaea Schoeters hält den Jagdbericht absichtlich nüchtern und konservativ, dafür aber ungleich fesselnder. Wenn jedoch die aufgewühlte Gefühlswelt von Hunter zur Sprache kommt, sieht die Sache etwas anders aus. Hunter fühlt sich in seiner Ehre gekränkt. Als Leser spürt man die Gefahr im Nacken, die Angst, die sich allmählich ausbreitet, sich zur Todesangst aufwächst, dann Zorn und Enttäuschung weicht, als der Abschuss misslingt. Mit einem bildgewaltigen und pointierten Sprachvermögen vergleicht Schoeters die Urinstinkte des Menschen, also die Jagd, mit Hunters wirtschaftlich vorausschauender Art mit Aktien zu handeln.

"Ein guter Jäger kennt seine Beute." Zitat S. 43

Dabei lässt die Belgierin auch die menschliche Seite ihres Protagonisten nicht außer Acht. Mit der Jagd aufgewachsen, will Hunter mit allen Mitteln seine Triebe befriedigen. Ob dies nun bei der Großwildjagd geschieht oder bei seinen spekulativen Handelsgeschäften..., Hauptsache Endorphine! Als allmählich offenbar wird, wer oder was sich hier eingemischt hat, kocht John Hunter White vor Wut. Dieser Jemand wird dafür bezahlen. Da macht ihm van Heeren ein unmoralisches Angebot, das der Amerikaner, aufgrund seiner divergenten moralischen Grundsätze, unmöglich ablehnen kann. Die Jagd auf die Big Six ist eröffnet!

"Legal und illegal ließen sich hier öfter durch Dollarscheine voneinander unterscheiden als durch Gesetzestexte." Zitat S. 99

Mit interessanten, aber harten Fakten, skrupellosen Ansichten und hierzulande geradezu absurden Gedankengängen angereichert, macht Schoeters auf die unglaublichen Missstände und Widersprüchlichkeiten Ostafrikas aufmerksam. Die schreckliche koloniale und regionale Vergangenheit, sowie die verheerenden Entwicklungen, die sich daraus ergaben, bereiten einem Gänsehaut und machen fassungslos. Die Reintegration der Massai und die Jagdrituale dieses einstmals größten Volks der Erde, sind verheerender Weise an Bedingungen geknüpft. Als Europäer ist es nicht immer leicht diese unvorstellbaren Gefüge nachzuvollziehen. Dabei machen einen die überwältigenden Ausführungen über die physischen, wie mentalen Fähigkeiten der Ureinwohner einfach sprachlos. Dieser vollkommene Überblick über sämtliche Ereignisse in der Savanne, sowie die permanente Überlegenheit in nahezu allen Belangen sind Gesetze der Natur. Diese Fähigkeiten und Instinkte entscheiden letztlich über Leben oder Tod. "Trophäe" ist ein literarischer Kunstgriff, mit schreiend lauten Zwischentönen geworden, die noch lange, lange nachhallen. Eine Frage von Moral und Respekt, die uns unsere tiefgreifende Entwurzelung vor Augen hält.

Kaliber .577 Nitro Express sollte man unbedingt mal googeln!

(Janko)

https://www.gaeaschoeters.be/
https://www.facebook.com/gaea.schoeters.3
https://www.instagram.com/gaeaschoeters/

Brutalität/Gewalt: 74/100
Spannung: 93/100
Action: 85/100
Unterhaltung: 97/100
Anspruch: 92/100
Atmosphäre: 92/100
Emotion: 94/100
Humor: 06/100
Sex/Obszönität: 07/100

https://www.lackoflies.com" target="_blank">https://www.lackoflies.com - Wertung: 93/100

https://www.lackoflies.com" target="_blank">https://www.lackoflies.com - Altersempfehlung: ab 15 Jahren (aufgrund der allgemeinen Thematik und des hohen Gewaltpotenzials)

Gaea Schoeters - Trophäe
btb Verlag
Gegenwartsliteratur / Thriller
ISBN: 978-3-442-77524-8
256 Seiten
Taschenbuch
Originaltitel: Trofee (2020)
Aus dem Niederländischen von Lisa Mensing
Erscheinungstermin: 13.08.2025
EUR 14,00 Euro [DE] inkl. MwSt.

"Trophäe" beim btb Verlag: https://www.penguin.de/buecher/gaea-schoeters-trophaee/taschenbuch/9783442775248

Leseprobe: https://content.penguinrandomhouse.de/content/edition/excerpts/1147656.pdf

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