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JeanetteBuechereule

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 12.09.2018

Teils zum Schmunzeln, teils erschreckend

Ich muss mit auf Klassenfahrt - meine Tochter kann sonst nicht schlafen!
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Das Buch besteht aus einer Sammlung von kurzen (einige Sätze) Berichten von Lehrern, Erziehern usw. über ihre Erlebnisse mit überfürsorglichen Eltern. Es ist in thematische Kapitel untergliedert, die von ...

Das Buch besteht aus einer Sammlung von kurzen (einige Sätze) Berichten von Lehrern, Erziehern usw. über ihre Erlebnisse mit überfürsorglichen Eltern. Es ist in thematische Kapitel untergliedert, die von der Schwangerschaft bis zur Universität reichen.

Die Begebenheiten laden teilweise zum Schmunzeln ein. Überwiegend fand ich es jedoch erschreckend zu lesen, was manche Eltern in ihrem Wahn, alles richtig zu machen, ihren Kindern und deren Umfeld antun. Schon der Buchtitel bietet ein gutes Beispiel für solch eine schockierende Aussage eines Helikopter-Elternteils.

Meiner Meinung nach ist es kein Buch, das man in einem Rutsch verschlingt. Die Aneinanderreihung der kurzen Berichte wird sonst schnell eintönig. Es eignet sich vielmehr dazu, immer mal wieder einige Minuten darin zu lesen.

Fazit: Sammlung von verrückten Handlungen und Wünschen von Helikoptern-Eltern, teils zum Schmunzeln, teils erschreckend, 4 Sterne.

Veröffentlicht am 10.09.2018

Echter Wohlfühlkrimi mit liebenswerten Personen

Der Hund, der eine Grube gräbt
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Tierärztin Dr. Katja Maus muss den Hund ihrer Freundin Angela behandeln, weil er mit Rattengift vergiftet wurde. Kurz darauf liegt ein Toter in Angelas Garten. Hängen die beiden Fälle zusammen? Was steckt ...

Tierärztin Dr. Katja Maus muss den Hund ihrer Freundin Angela behandeln, weil er mit Rattengift vergiftet wurde. Kurz darauf liegt ein Toter in Angelas Garten. Hängen die beiden Fälle zusammen? Was steckt dahinter? Katja kann ihre Neugierde nicht zügeln und stellt selbst Nachforschungen an. Vielleicht liegt das auch an dem Polizisten Blum, der so ein merkwürdiges Kribbeln in ihr auslöst...

Ich habe mich in Katjas Umfeld sofort wie zu Hause gefühlt. Es ist einer dieser Krimis, bei denen man am liebsten sofort einen zweiten Band lesen möchte, um all die liebgewonnenen Personen wiederzutreffen. Besonders gut haben mir die Szenen in der Tierarztpraxis gefallen, weil Tierärztin einst ein echter Wunschberuf für mich war, den ich vermutlich tatsächlich ergriffen hätte, wenn einige Dinge anders gelaufen wären.

Die Krimihandlung ist überraschend verzwickt. Immer wieder passiert etwas Unvorhergesehenes. Es hat mir wirklich Spaß gemacht, mitzurätseln, wer der Täter ist und wie alles zusammenhängt. Am Ende dachte ich mehrfach, es wäre alles geklärt und jetzt käme Friede, Freude, Eierkuchen und vielleicht noch eine Leseprobe - und wurde immer wieder mit einer neuen Wendung oder einem Ereignis überrascht.

Fazit: Ein echter Wohlfühlkrimi mit liebenswerten Personen, die ich im nächsten Band gerne wiedertreffen möchte - vier Sterne.

Veröffentlicht am 30.08.2018

Abstruse Ausreden vor Gericht

Ich habe nicht geschossen, nur ein bisschen
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Das Buch ist eine Sammlung der abenteuerlichsten Ausreden vor Gericht. Es ist in thematische Kapitel untergliedert, die beispielsweise von Verkehrssündern oder Mördern handeln. Die Ausreden werden knapp ...

Das Buch ist eine Sammlung der abenteuerlichsten Ausreden vor Gericht. Es ist in thematische Kapitel untergliedert, die beispielsweise von Verkehrssündern oder Mördern handeln. Die Ausreden werden knapp und in sachlichem, juristisch angehauchtem Stil präsentiert. Das eine oder andere Mal hätte ich mir das Ganze etwas ausgeschmückter gewünscht. Die Ausreden sind teilweise amüsant, teilweise habe ich aber auch nur den Kopf darüber geschüttelt, mit welchen abstrusen Erklärungen die Angeklagten vor Gericht durchkommen wollen. Am Ende jedes Kapitels steht es eine erfolgreiche Ausrede. Bei vielen davon konnte ich bei den Begründungen der Richter nur den Kopf schütteln. Das Buch ist meiner Meinung nach nichts, um es in einem Rutsch durchzulesen, weil es mit der Zeit langweilig wird, eine Aneinanderreihung von seltsamen Ausreden zu lesen. Man sollte es eher in Häppchen genießen, zum Beispiel als E-Book für unterwegs.

Fazit: Sammlung von abstrusen Ausreden vor Gericht, kurz und knapp präsentiert, drei bis vier Sterne.

Veröffentlicht am 18.08.2018

Ruhiger Toskana-Krimi

In Schönheit sterben
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Robert Lichtenwald war Anwalt in Deutschland, inzwischen lebt er nach der Trennung von seiner Frau jedoch dauerhaft im toskanischen Dörfchen Morcone. Er ist mit der quirligen Journalistin Giada Bianchi ...

Robert Lichtenwald war Anwalt in Deutschland, inzwischen lebt er nach der Trennung von seiner Frau jedoch dauerhaft im toskanischen Dörfchen Morcone. Er ist mit der quirligen Journalistin Giada Bianchi befreundet, die ihn dazu überredet, ihr bei den Recherchen zu einem Todesfall zu helfen. Der Fall des toten Kunstsammler Annibale Colasanti führt die beiden zu Raubgräbern und Schönheitsfanatikern...

"In Schönheit sterben" ist nach "Die Morde von Morcone" der zweite Band der Reihe. Man muss den ersten Teil zum Verständnis nicht gelesen haben, sollte aber beachten, dass die Auflösung dieses Falles gespoilert wird!

Der Krimi verläuft eher ruhig. Den größten Teil nehmen Ermittlungsgespräche und atmosphärische Beschreibungen von Morcone und Rom ein. Erst am Ende kommt es zu einem (recht kurzen) Showdown. Die Auflösung ist schlüssig und gelungen, auch wenn ich schon einige Kapitel vorher geahnt habe, wie sich der Fall auflösen wird.

Angenehm ist die Atmosphäre, die der Krimi erzeugt. Die Verhältnisse auf dem Dorf und in der Stadt (Rom) werden bildhaft dargestellt. Außerdem gibt es interessante Infos zu Themen, auf die Robert und Giada bei ihren Ermittlungen stoßen. Gefallen hat mir auch die Charakterisierung von Giada Bianchi, einer ungewöhnlichen Frau, und Roberts neues Haustier Alfredo, dass keiner der Standard-Heimtierarten angehört.

Etwas gestört habe ich mich daran, dass Roberts Noch-Ehefrau Stefanie, die ihn verlassen hat, und seine Tochter immer wieder erwähnt werden, ohne etwas Neues mitzuteilen.

Fazit: Ein ruhiger Toskana-Krimi mit bildhaften Beschreibungen und interessanten Charakteren, vier Sterne.

Veröffentlicht am 04.08.2018

Anschaulich und fachkundig geschriebene Biographie eines recht unbekannten Medizin-Pioniers

Der Horror der frühen Medizin
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Chirurgie im frühen 19. Jahrhundert war grausig. Die Operateure waren eher Handwerker als Ärzte und verwendeten von vorherigen Eingriffen verschmutzte Instrumente. Die Ursachen von Infektionen waren unbekannt, ...

Chirurgie im frühen 19. Jahrhundert war grausig. Die Operateure waren eher Handwerker als Ärzte und verwendeten von vorherigen Eingriffen verschmutzte Instrumente. Die Ursachen von Infektionen waren unbekannt, sodass die meisten Patienten starben. Krankenhäuser galten als "Häuser des Todes".

In "Der Horror der frühen Medizin" erzählt die promovierte Medizinhistorikerin Lindsey Fitzharris die Biographie Joseph Listers. Lister gehörte zur ersten Generation von Chirurgen, die Medizin studiert hatten. Im Laufe seines langen Lebens forschte er über die Ursache der Infektionen, die vielen Patienten den Tod brachten. Schließlich entwickelte er eine funktionierende Methode der Wundreinigung, die die Sterblichkeit nach Operationen erheblich senkte. Danach musste er seine Entdeckung gegen die Anfeindungen und die Skepsis seiner Kollegen durchsetzen, was ihm Ende des 19. Jahrhunderts glücklicherweise gelang.

Lindsey Fitzharris erzählt Listers Leben und Wirken so anschaulich, dass ich beim Lesen das Gefühl hatte, dem Pionier der Wundreinigung selbst über die Schulter zu schauen. Ich hatte nie zuvor von Joseph Lister gehört, was mich angesichts seiner großen Verdienste im Nachhinein sehr erstaunt. Die grausigen Zustände in der Operationssälen beschreibt Fitzharris so detailreich, dass man an manchen Stellen darauf verzichten sollen, beim Lesen zu essen. Glücklicherweise verzichtet das Cover auf allzu blutige Zeichnungen, was ich sehr angenehm finde.

Neben Listers Wirken geht das Buch auch kurz auf die Arbeit anderer Chirurgen und Naturwissenschaftler des 19. Jahrhunderts ein, zum Beispiel Ignaz Semmelweis und Louis Pasteur. Es kommen einige medizinische Fachbegriffe vor, doch entsprechende Vorkenntnisse sind meiner Meinung nach nicht notwendig, um das Buch lesen zu können. Teilweise werden die Begriffe erklärt, in den anderen Fällen sind sie für das grundlegende Verständnis nicht unbedingt notwendig.

Fazit: Anschaulich und fachkundig geschriebene Biographie eines recht unbekannten Pioniers der Wundreinigung - Hochinteressant und sehr lesenswert - 5 Sterne.