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Veröffentlicht am 05.01.2017

✎ Patricia Schröder - Philippas verkehrte Welt

Philippas verkehrte Welt
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Ich habe bereits einige Bücher der Autorin kennenlernen dürfen - und auch noch ein paar auf dem SuB - und bin immer wieder überrascht, wie vielfältig sie schreiben kann. Es gibt in ihrem Repertoire ein ...

Ich habe bereits einige Bücher der Autorin kennenlernen dürfen - und auch noch ein paar auf dem SuB - und bin immer wieder überrascht, wie vielfältig sie schreiben kann. Es gibt in ihrem Repertoire ein paar Reihen, aber auch Einzelbände sind zu finden - was ich persönlich sehr begrüße.

Ganz klar ist hier die Handschrift der Schriftstellerin zu erkennen. Diese zieht sich durch ihre Kinder- sowie Jugendbücher. Es sind Satzkonstruktionen, die immer wiederkehren und die einem das Gefühl geben, zu wissen, wo man sich befindet.

'Philippas verkehrte Welt' ist ein Einzelband, der mir richtig gut gefiel. Sowohl der Hauptcharakter Philippa, als auch ihre (Nicht)Freunde werden toll dargestellt. Natürlich erfährt man von der Hauptdarstellerin einiges mehr, da das Buch aus ihrer Perspektive geschrieben ist - dagegen wirken die Nebencharaktere teilweise ein wenig blass. Aber ich denke, für die Zielgruppe ist dies genau das richtige Maß, sodass sich keine kleine Leserin überfordert fühlt.

Jedes Mädchen wird sich allerdings mit der Geschichte identifizieren können. Sie erzählt vom Streit mit den Eltern, der ersten Liebe, Freundschaft(en), Enttäuschung, Toleranz, Verlust.. und einer großen Entdeckung.

Die Seiten fliegen nur so dahin und durch die große Ankündigung, die leider mehrmals im Verlauf erwähnt wird, bleibt man auch stets am Geschehen dran.

Ist das Ende ein Happy-End? Es kommt drauf an, aus welcher Perspektive man es betrachtet..

Ein tolles Mädchenbuch, welches ich gerne weiterempfehle.

©2017

Veröffentlicht am 04.01.2017

✎ Frau Freitag - Schulalltag 2 Voll streng, Frau Freitag

Voll streng, Frau Freitag!
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Nachdem ich damals 'Chill mal, Frau Freitag' gelesen hatte und wenig begeistert war, dachte ich mir, dass ich dem zweiten Band noch eine Chance geben kann, sofern ich ihn zufällig in die Hände bekommen ...

Nachdem ich damals 'Chill mal, Frau Freitag' gelesen hatte und wenig begeistert war, dachte ich mir, dass ich dem zweiten Band noch eine Chance geben kann, sofern ich ihn zufällig in die Hände bekommen sollte. Das Schicksal wollte es wohl so und hat ihn mir tatsächlich zugespielt.

Am Anfang war ich noch guter Dinge, denn ich wollte vorbehaltlos an die Lektüre ran gehen. Ein Schmunzeln hat es mir dann auch immer mal wieder entlockt, auch wenn die Situation eher traurig war.

"Abdul sagt, er will zur Polizei, [...] Die Polizei wird Abdul nicht wollen. Auch wenn sie ihn immer wieder vorlädt." (S. 16)

Ziemlich schnell wurde mir aber klar, dass ich erneut mit der Ausdrucksweise nicht so ganz klar komme. Sie ist den Schülern schon sehr angepasst und ich kann mir nicht vorstellen, dass man - auch als moderne Lehrerin - sich diesen Jargon aneignet. Ich finde nämlich immer noch, Lehrer sollten Vorbilder sein und sich nicht auf eine Stufe mit den Schülern stellen. Ich kenne es so auch nicht..

Gut empfand ich die Auseinandersetzung mit einigen Brennpunkten wie Nahostkonflikt, Judenhass & Kopftuchtragen. Es ist zwar immer nur angerissen, aber es entspricht dem Niveau des Buches.

Ich gebe die Hoffnung nicht auf, mal ein tolles "Schulbuch" zu lesen, denn ich mochte die Schulzeit sehr und erinnere mich gerne zurück.

Dieses empfehle ich nicht weiter..

©2017

Veröffentlicht am 31.12.2016

✎ Franz Kafka - Die Verwandlung

Die Verwandlung
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Ich habe mir ja schon länger vorgenommen, immer mal wieder einen Klassiker zu lesen oder zu hören. Es ist einfach für mich persönlich. Manchmal kommt man in eine Runde, die erzählt, dass der und der Klassiker ...

Ich habe mir ja schon länger vorgenommen, immer mal wieder einen Klassiker zu lesen oder zu hören. Es ist einfach für mich persönlich. Manchmal kommt man in eine Runde, die erzählt, dass der und der Klassiker in der Schule gelesen werden musste und dass das mega langweilig war. Ich kann dann oft gar nicht mitreden, weil ich so klassische Klassiker nicht lesen musste. (oder ich habe es verdrängt)

'Die Verwandlung' habe ich oft schon mit kritischen Augen betrachtet, denn ich konnte mir unter dem Titel nie etwas vorstellen. Als ich dann noch sah, dass sie nicht mal 100 Seiten umfasst, war ich noch skeptischer.

Nun muss ich aber ehrlich gestehen, dass mich die Handlung, seitdem ich sie beendet habe, nicht mehr ganz loslässt.

Man wird direkt in die Verwandlung hineingeworfen. Es wird keine große Geschichte vorher erzählt, denn alles, was man wissen muss, wird während des Geschehens erläutert.
Zuerst überlegte ich, was genau der Autor mir mit auf den Weg geben mag. Will er eine Fantasygeschichte schreibe? Will er belehren?
Der Sinn erschließt sich schon sehr schnell während des Hörens - wenn man auf die Zwischentöne hört - und noch mehr einige Zeit danach.

Ich möchte hier keine große Analyse abgeben - das haben die meisten sicher in der Schule schon machen müssen -, aber ich mag an dieser Stelle eine Leseempfehlung aussprechen. Ich bin immer noch erstaunt, wie tiefsinnig und scharfsinnig der Schriftsteller hier vorging, auch wenn es anfangs sehr stupide klingt.

©2016

Veröffentlicht am 30.12.2016

✎ Michael Tsokos & Andreas Gößling - Dr. Fred Abel 2 Zersetzt

Zersetzt
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Das war mein letztes Hörbuch, welches ich aus dieser Reihe gehört habe - das dritte lass ich bleiben.

Ich liebe "True-Crime". Und ich habe auch nichts dagegen, wenn dies in eine fiktive Handlung eingewebt ...

Das war mein letztes Hörbuch, welches ich aus dieser Reihe gehört habe - das dritte lass ich bleiben.

Ich liebe "True-Crime". Und ich habe auch nichts dagegen, wenn dies in eine fiktive Handlung eingewebt ist. Aber was ich hier vorliegen habe, mag ich so nicht.

Es gibt 3 Handlungsstränge. Soweit erstmal nicht schlimm. Aber ich habe irgendwann den Faden verloren. Viel zu oft wechselt die Perspektive. Viel zu wenig hat man die Möglichkeit, einem Handlungsstrang intensiv zu folgen. Es war keine Tat richtig ausgebaut. Und Bezüge zwischen ihnen gab es schon gar nicht.
Über kurz oder lang war es zu verwirrend - was vielleicht auch daran lag, dass ich mir das Hörbuch in mehreren Etappen genehmigt habe, da es nicht so interessant war, dass ich es an einem Stück hören musste..

Was bzw wer mich ebenso nervt, ist Dr. Fred Abel. Er wird mir hier zu sehr alt Superheld dargestellt, was nicht mehr realistisch rüber kommt.

Der Epilog, der oft ein sehr interessanter Teil einer Geschichte ist, bringt mich hier ebenfalls nur zum Gähnen. Er lässt schon in den neuen Fall blicken, der mich überhaupt gar nicht reizt und so werde ich - wie anfangs schon erwähnt - auch nicht danach greifen.

Wer Einblicke in die Rechtsmedizin haben möchte, der kann gerne zur Lektüre greifen, aber ich denke - und bin überzeugt -, dass es dazu besser (Sach)Bücher gibt - und sicher auch von Michael Tsokos, der sein Handwerk versteht, aber eben kein Buch schreiben kann..

©2016

Veröffentlicht am 29.12.2016

✎ Andrea Fehringer & Thomas Köpf - Die Poesie des Tötens

Die Poesie des Tötens
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"Die Kunst besteht darin, das Objekt am Leben zu erhalten, auch nachdem man ihm sein Gesicht von der Stirn bis zum Kinn abgezogen hat." (S. 5)

Schon auf den ersten Seiten wird deutlich, mit welcher Art ...

"Die Kunst besteht darin, das Objekt am Leben zu erhalten, auch nachdem man ihm sein Gesicht von der Stirn bis zum Kinn abgezogen hat." (S. 5)

Schon auf den ersten Seiten wird deutlich, mit welcher Art von Thriller man es hier zu tun hat - mit einer sehr grausamen. Nicht nur die Psyche wird bis zum Anschlag beansprucht, sondern es wird auch ein wenig blutig - wobei sich das in Grenzen hält.

"Max atmete dreimal tief durch. Der Adrenalinspiegel schoss hoch. Seine Sinne standen auf Alarm." (S. 25)

"Max verspürte einen unendlichen Ekel. Ihm graute vor diesem Monster." (S. 110)

Genauso erging es mir die ganze Lektüre lang. Mir kroch immer wieder eine Gänsehaut den Rücken entlang. Meine Nerven waren zum Zerreißen gespannt. Ich wollte das Buch nie aus der Hand legen, weil ich all die Zeit mit den Eltern mitbangte und mitlitt.

Der Spannungsbogen wird von Anfang an sehr hoch gespannt. Er zog sich durchs Buch, verlor nie an Dramatik. Wenn ich dachte, ich kann nicht mehr, weil einfach alles so grausam klang, kam wieder eine Wendung, mit der man nicht gerechnet hat.

Der Schreibstil der Autoren war dem Geschehen absolut angepasst. Meist dominieren kurze Sätze, die mir das Gefühl gaben, immer wieder Luft holen zu müssen / können. Manchmal sind aber auch längere dabei, die die Überlegenheit des Psychopathen verdeutlichen.

.. und obwohl ich nicht alles ideal fand - einige Passagen vom Killer und das Ende zum Beispiel -, gehört es doch schon jetzt zu meinen Lieblingsbüchern. Die Idee, die Umsetzung, die Sprache, der Schauplatz.. - einfach alles - hat mich wirklich fasziniert wie selten. Ich hoffe auf mehr Psychothriller von Fehringer & Köpf - aber bitte keine Fortsetzung des vorliegenden.

Ich habe (in letzter Zeit) kaum ein Buch gelesen, welches mich so unter Anspannung hielt. Von mir gibt es daher ganz klar eine Leseempfehlung. Aber Vorsicht: Die "Betriebsanleitung eines Serienkillers" ist nichts für schwache Nerven..

©2016

weitere Zitate:

"»Die Sprache ist eine Prinzessin, keine Dirne.«" (S. 109)

"Die Kunst des Schreibens ist, das richtige Wort zur richtigen Zeit an dien richtigen Platz zu setzen." (S. 193)

"»Ich lebe im Jetzt. Ich kontrolliere das Morgen. Und ich redigiere die Vergangenheit.«" (S. 295)

"Die Betriebsanleitung eines Serienkillers soll nicht vor Nachahmern warnen, im Gegenteil, sie soll Mut machen und zeigen, wozu jeder Einzelne imstande ist. Jeder Mensch kann seine Bedeutung hervorheben. Auch wenn sein Platz auf der Welt vielleicht nicht ganz vorne in der ersten Reihe ist." (S. 322)