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Veröffentlicht am 11.02.2025

✎ Hanna Jansen - Linus im Glück

Linus im Glück
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Geschichten vom Anderssein sind wichtig. Kinder lernen auf diese Weise viele verschiedene Sichten kennen - auch jene, mit denen sie im Alltag nicht konfrontiert werden.

„Linus im Glück“ brachte uns stundenlange ...

Geschichten vom Anderssein sind wichtig. Kinder lernen auf diese Weise viele verschiedene Sichten kennen - auch jene, mit denen sie im Alltag nicht konfrontiert werden.

„Linus im Glück“ brachte uns stundenlange Gespräche ins Haus.

Zum einen ist da dieser traurige Umstand, dass der Bär in seiner Umgebung nicht nur nicht gemocht wird, nein, die anderen haben regelrecht Angst vor ihm. Er wird zudem massiv von Kindern gemobbt und am Ende sogar aus seiner Heimat vertrieben.

Als ich das das erste Mal alleine gelesen hatte, war ich wirklich geschockt, wie viel Leid Linus zu ertragen hatte. Ich wollte das Buch bereits nicht fertig gelesen aussortieren und niemals meinem Kind zeigen.

Dann las ich weiter und verstand immer mehr die Intension der Autorin.

Irgendwann trifft eine Gruppe Bären auf Linus, die ihn so akzeptieren, wie er ist; die ihn einfach annehmen; die keine Angst vor seinem Charakter und seinem Aussehen haben.

Für mich persönlich waren jedoch die Anfangsszenen zu brutal, zu intensiv. 6 traurige Seiten gegenüber 5 glücklichen Seiten. Das ist mir in einem Kinderbuch ab 4 Jahren zu unausgewogen. Ich habe es auch tatsächlich erst mit meinem Kind gelesen, als sie selbst bereits 6 1/2 Jahre alt war. Ein supergutes Alter, in dem sie alles verstanden hat, Fragen stellen konnte, Erklärungen aufnahm.

Es stellt sich Lesenden die Frage, ob Linus eventuell eine kognitive Beeinträchtigung hat.
Er antwortet mit immer den drei gleichen Sätzen.
Er lacht, als Kinder ihn anspucken, während er hinter Gitterstäben sitzt.
Es macht ihm nichts aus, als er aus der Stadt vertrieben wird.

Doch Hanna Jansen stellt dies nicht als Defizit dar. Es ist eine Besonderheit von Linus; etwas, das ihn zu dem macht, was er ist.

Die ausdrucksstarken und detailreichen Illustrationen unterstreichen das Geschriebene.

©2025 Mademoiselle Cake

Veröffentlicht am 10.02.2025

✎ Sabine Kuegler - Dschungelkind 1

Dschungelkind
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Vor Jahren ist mal „Jägerin und Gejagte“ bei mir eingezogen und erst hinterher habe ich erfahren, dass es der 3. Band rund um Sabine Kuegler ist.
Ich kenne den Film zum vorliegenden Buch nicht, weshalb ...

Vor Jahren ist mal „Jägerin und Gejagte“ bei mir eingezogen und erst hinterher habe ich erfahren, dass es der 3. Band rund um Sabine Kuegler ist.
Ich kenne den Film zum vorliegenden Buch nicht, weshalb ich keine Vorstellung vom Inhalt hatte.
Meine Erwartungen hingegen waren hoch, da das Buch und der Film sehr gepusht worden sind.

Anfangs war ich ziemlich angetan von den Erzählungen der Autorin.
Doch schon schnell merkte ich, dass sie hin und her sprang; dass sie Sachen anfing und dann nicht zu Ende erzählte; dass sie an der Oberfläche bleibt, um nicht erzählen zu müssen, was wirklich im Kessel brodelt.

Über den Stamm der Fayu lernt man relativ wenig kennen. Wenn ich jedoch an die Geschichten denke, die hier niedergeschrieben sind, bekomme ich wirklich Bauchschmerzen.
Da kommt ein weißer Mann bzw. eine weiße Familie in den Dschungel West-Papuas. Schnell wird zwischen den Zeilen klar, was hier wirklich stattfinden soll: eine Missionierung.

Als ich das erkannte, war meine Sicht auf das Buch eine ganz andere.
Sabine Kuegler beschreibt sehr romantisierend ihre Kindheitserinnerungen. Da gibt es kein kritisches Wort in die Richtung des Vaters; an seiner Arbeit, an seiner Einmischung in das Leben der indigenen Völker. Alles wird als toll und gewinnbringend für die Fayu dargestellt.

Da die Autorin nicht chronologisch erzählt, kommt es hin und wieder zu Wiederholungen.

Für mich war es leider nicht das, was ich erwartet habe. Die Autorin bleibt zu sehr an der Oberfläche. Ihr fehlt der Weitblick, um wirklich alles überblicken zu können. Sie sieht nur das, was sie sehen möchte, setzt es in einen rosaroten Kontext und hofft, so eine vom Vater geschaffene heile Welt präsentieren zu können.

Eine echte Auseinandersetzung mit sich selbst findet nicht statt. Vor allem als es dann zum Kulturschock kommt. Lesende erfahren nichts Tiefgründiges.

Und immer wieder stelle ich mir die Frage: Wenn ihr Leben im Dschungel so viel toller und besser war, warum ist sie mit ihren eigenen Kindern nicht dorthin zurück gegangen?

©2025 Mademoiselle Cake

Veröffentlicht am 10.02.2025

✎ Ben Hoare - Schätze der Natur 3 Kuriose Schätze der Natur

Kuriose Schätze der Natur
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Der DK Verlag ist einer unserer liebsten Verlage, wenn es um Kindersachbücher geht. Wir haben bereits allerlei kennenlernen dürfen und auch „Kuriose Schätze der Natur“ ließ uns nicht minderbegeistert zurück.

Das ...

Der DK Verlag ist einer unserer liebsten Verlage, wenn es um Kindersachbücher geht. Wir haben bereits allerlei kennenlernen dürfen und auch „Kuriose Schätze der Natur“ ließ uns nicht minderbegeistert zurück.

Das Werk ist grob in 4 Kategorien unterteilt:
- Arten
- Verhalten
- Phänomene
- Schätze

Die Fotos und Illustrationen sind ein echter Hingucker und wirken bereits ohne Text. Mit den Details, die niedergeschrieben sind, ergeben sie nochmals ein ganz anderes Bild.
Den meisten Themen werden auf einer Doppelseite Platz geboten, was wenig Text und große Bilder bedeutet. Das Geschriebene ist oft auf mehrere kleine Häppchen aufgeteilt.

Meine knapp 7-Jährige und ich haben das Buch über Wochen in die Hände genommen, geschaut, weiter geforscht, gelernt. Wir waren fasziniert und geschockt.

Ein Glossar am Ende des Werkes erklärt einige Worte, die sich vielleicht nicht direkt erschließen.

Ben Hoare als Texter und Kaley McKean als Illustratorin haben es geschafft, nicht nur Kinder, sondern auch Erwachsene in den Bann dieses wundervollen Buches zu ziehen. Ein Werk, welches niemals langweilig wird und Generationen zusammen an den Tisch - oder auf die Couch - bringt.

©2025 Mademoiselle Cake

Veröffentlicht am 04.02.2025

🍰 Lu Fraser - Ava und der Baum des Lebens

Ava und der Baum des Lebens
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„Ava und der Baum des Lebens“ hat mich am Ende wirklich überrascht und ich für mich ein Herzensbuch.

Das Mädchen und ihr Opa nehmen uns mit auf eine Reise durch die Jahreszeiten. Man erfährt in Reimen ...

„Ava und der Baum des Lebens“ hat mich am Ende wirklich überrascht und ich für mich ein Herzensbuch.

Das Mädchen und ihr Opa nehmen uns mit auf eine Reise durch die Jahreszeiten. Man erfährt in Reimen was dies für die Eiche und das Leben um sie herum bedeutet.
Der alte Mann lehrt dem Kind Respekt vor der Natur. Er zeigt auf, dass Veränderungen nicht aufzuhalten sind und sehr schön sein können.

Je mehr man Richtung Winter kommt, desto schwerer wird das Thema. Die kalte Jahreszeit nimmt viel mehr Seiten ein als die anderen.
Es geht um das Leben und das Sterben; um Anfänge, Enden und Neubeginne.

Ich hatte zum Schluss hin einen sehr großen Kloß im Hals. Mein Kind konnte das zuerst nicht nachvollziehen, weil etwas thematisiert wird, ohne es konkret zu nennen.
Dadurch hatten wir aber wunderbare Gesprächsanlässe.

Die Illustrationen sind traumhaft! Ich brauche den Text gar nicht zu lesen und weiß trotzdem, worum es geht. Sie erzählen ihre ganz eigene Geschichte - und trotzdem ergeben Worte und Zeichnungen eine Einheit.
Auf jeder Seite gibt es Wundervolles zu entdecken. Details sind liebevoll herausgearbeitet. Ein Tier begleitet uns durch fast jeden Bogen und es hat uns Spaß gemacht, es immer erstmal zu suchen.

„Ava und der Baum des Lebens“ ist ein Werk, welches bei uns im Regal bleibt. Es ist eine generationsübergreifende Lektüre, die niemals ihren Wert verlieren wird. In meinem Herzen ist ein fester Platz geschaffen.

©2025 Mademoiselle Cake

Veröffentlicht am 03.02.2025

✎ Dirk Reinhardt -Train Kids

Train Kids
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„Train Kids“ war für mich ein Zufallsfund. Eine Mama hat es aussortiert und ich habe es nur mal anlesen wollen. Aus dem Anlesen wurde eine atemraubende Fahrt durch Mexiko, die mich so schnell nicht wieder ...

„Train Kids“ war für mich ein Zufallsfund. Eine Mama hat es aussortiert und ich habe es nur mal anlesen wollen. Aus dem Anlesen wurde eine atemraubende Fahrt durch Mexiko, die mich so schnell nicht wieder loslässt …

Dirk Reinhardt hat es geschafft, mich 360 Seiten lang zu fesseln.
Ich habe mit Miguel, Fernando, Emilio, Jaz und Ángel mitgelitten, gehofft, gebangt, …

Die 5 müssen eine Menge mitmachen und aushalten. Angst ist ihr ständiger Begleiter. Doch auch an die Hoffnung klammern sie sich. Hoffnung auf ein besseres Leben.

In einem Trailer habe ich gehört, dass der Autor selbst vor Ort war und mit vielen Reisenden gesprochen hat. Er erzählt so dicht und intensiv, dass man das Gefühl hat, selbst mit den Charakteren auf dem Zug zu sitzen und sie leiden zu sehen.

Jedes Mal, wenn neue Personen auftauchten, überfiel mich eine unterschwellige Furcht. Zum Glück sind nicht alle Menschen, die den Weg der Kinder und Jugendlichen kreuzen, böse.

Obwohl der Verlag eine Altersempfehlung ab ca. 13 Jahren ausspricht, würde ich dieses Buch keinem Kind zu früh in die Hand drücken. Manche Situationen können für Lesende traumatisierend sein. Doch vor allem denke ich, dass jederzeit eine erwachsene Begleitung - vor allem bei jüngeren Kindern - zur Verfügung stehen sollte.

Solange es (unsichtbare) Grenzen zwischen den Ländern gibt, wird diese Lektüre immer aktuell sein.

©2025 Mademoiselle Cake