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Veröffentlicht am 19.04.2023

✎ Camilla Chester - Nenn mich Löwe

Nenn mich Löwe
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Zwei so starke Themen in ein Kinderbuch zu packen ist mutig - sehr mutig.
Camilla Chester hat es geschafft, selektiven Mutismus und Analphabetismus kindgerecht und einfühlsam zu veranschaulichen.

Ihr ...

Zwei so starke Themen in ein Kinderbuch zu packen ist mutig - sehr mutig.
Camilla Chester hat es geschafft, selektiven Mutismus und Analphabetismus kindgerecht und einfühlsam zu veranschaulichen.

Ihr Schreibstil hat mich auf eine Achterbahn der Gefühle mitgenommen.

Auf der einen Seite gibt es Leo, der nicht vor Fremden reden kann. Hinter sich hat er zwei große Geschwister und eine Mama, die immer für ihn einstehen und absolutes Verständnis an den Tag legen. Diese Familienbande mitanzusehen, hat mein Herz zum Schmelzen gebracht.
Auf der anderen Seite ist da Richa, der Leo durch einen Brief erklären möchte, warum er nicht reden kann. Blöd nur, dass Richa Analphabetin ist und dies sehr gut zu verstecken weiß. Selbst ihre Eltern wissen nichts von ihrem Problem.

Und so versuchen sich die beiden Kinder, gegenseitig zu helfen. Dabei wird jedoch nicht vergessen, dass sie erst 10 Jahre alt sind und Verständnis nicht immer gegeben ist.

Lesenden wird hier anschaulich vermittelt, dass jede*r sein/ihr Päckchen zu tragen hat im Leben. Es kommt immer darauf an, was wir daraus machen und wen wir an unserer Seite haben - im besten Fall Menschen, die Verständnis haben und eventuell helfen möchten/können.

Die Autorin zeigt jedoch ebenso auf, dass man manchmal über sich hinaus wachsen muss, um weiter wachsen zu können.

Ich wünsche mir, dass viele Kinder dieses Buch lesen und entweder erkennen: "Ich bin nicht allein" oder "Da draußen gibt es Gleichaltrige, die Hilfe benötigen".
Daher werde ich mein Exemplar schnellstmöglich in unsere Schulbibliothek einziehen lassen.

Ich hätte mir am Ende des Buches, als kleinen Zusatz, noch Informationen zu selektivem Mutismus und Analphabetismus gewünscht. Wie viele Personen (in Deutschland) leiden jeweils darunter? Wer ist jeweils besonders betroffen? Quellen zum Nachlesen (in Büchern oder im Internet).
Doch das ist "Jammern auf hohem Niveau".

Von mir bekommt "Nenn mich Löwe" eine absolute Leseempfehlung für Kinder, doch auch Erwachsene können noch so einiges aus dieser Geschichte lernen und mitnehmen.

©2023 Mademoiselle Cake

Veröffentlicht am 12.04.2023

✎ Markus Szaszka - Großstadtballaden 2 Mohnblumen

Großstadtballaden / Mohnblumen
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Ich bin keine Coverkäuferin - das behaupte ich immer wieder. Meistens sehe ich ein Buch oder gar nur den Titel, lese den Klappentext und entscheide dann. Bei dem vorliegenden Roman habe ich das Bild angeschaut ...

Ich bin keine Coverkäuferin - das behaupte ich immer wieder. Meistens sehe ich ein Buch oder gar nur den Titel, lese den Klappentext und entscheide dann. Bei dem vorliegenden Roman habe ich das Bild angeschaut und mich sofort verliebt. Ich habe nicht gelesen, um was es geht, nur gesehen, dass es ein kurzer Text ist und wollte erfahren, was Mutter und Tochter vom Titelbild erleben werden und was es mit den Mohnblumen, die man auf dem Cover lediglich erahnen kann, auf sich hat.

So wusste ich zum Beispiel nicht, dass die Teenagerin, die Linh trifft, der Tod ist und war dementsprechend überrascht, als dies im Text stand. Doch positiv überrascht. Wie vom ganzen Buch.

Markus Szaszka hat mich auf eine wunderschöne Reise mitgenommen. Er schreibt lieblich, ausdrucksstark, einnehmend, sehr bedacht. Ich habe die Zeilen richtig genossen und konnte mir Linhs Rundgang durch das Krankenhaus gut vorstellen. Obwohl die Publikation nur ca. 100 Seiten beinhaltet, hat der Schriftsteller eine bildhafte Tiefe entwickeln können, die nur einzelne Menschen mit so wenigen Worten hinbekommen.

Sein Werk erinnerte mich ein bisschen an "Dienstags bei Morrie" von Mitch Albom. Auch hier geht es um das wirklich Wichtige im Leben. Gedanken, die mich selbst immer wieder innehalten lassen.
Viele Menschen denken erst im Antlitz des Todes darüber nach. Und das ist eigentlich traurig.

Einziger Kritikpunkt für mich ist, dass die Erzählung in jedem Krankenhaus hätte stattfinden können. Der Autor erwähnt auf seiner Homepage, dass er von Großstadt zu Großstadt zieht und dort jeweils eine Geschichte schreibt, die in der jeweiligen Großstadt spielt. Da hätte ich mir einfach mehr Identifikationspunkte gewünscht. Etwas, was eben typisch Wienerisch ist.

Ansonsten bin ich sehr begeistert von "Mohnblumen" und möchte sie Lesenden ans Herz legen, die gerne mal in sich hinein horchen, die Trost suchen (und finden wollen) oder die einfach philosophische Texte mögen.

Ich werde mir nun noch die anderen Veröffentlichungen des Schriftstellers anschauen und hoffe auf ebenso Poetisches.

©2023 Mademoiselle Cake

Veröffentlicht am 12.04.2023

✎ Lexa Gallay - Mallory

Mallory
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Bei meinen Rezensionen versuche ich stets darauf zu achten, dass ich keine Spoiler drin habe. In der vorliegenden muss ich leider welche verwenden, da sonst nicht klar werden würde, was ich alles zu bemängeln ...

Bei meinen Rezensionen versuche ich stets darauf zu achten, dass ich keine Spoiler drin habe. In der vorliegenden muss ich leider welche verwenden, da sonst nicht klar werden würde, was ich alles zu bemängeln habe ...

Ich hatte mich auf eine abenteuerliche Reise mit Finja und Mallory gefreut, doch was ich bekam, war sehr enttäuschend.

LiteraturDePoT wirbt auf ihrer Website: "Ohne Verlage, ohne Lektoren, ohne Zwischenhändler, ohne eigene Kosten." Und genau das man merkt der Geschichte leider an: dass ihr das professionelle Lektorat fehlt.

Es gibt ständige Perspektivwechsel, die für mich nicht immer Sinn ergeben.
Mal wird aus Finjas Sicht erzählt, mal scheint Finja zu wissen, was die anderen erleben/denken, obwohl sie selbst nicht dabei ist. Finja weiß als Gefangene zum Beispiel, was ihre Eltern im Moment tun.

Permanente Aufzählung von Dingen, die Finja tut ("Nach der Schule ging ich essen und fuhr darauf mit dem Bus nach [...]") tragen nicht zu einem angenehmen Lesefluss bei. Genauso wenig wie der kindliche Schreibstil. Es wird zwar oft aus Sicht der 13-Jährigen geschrieben, doch dass hier eine Jugendliche redet, konnte ich mit dem Gelesenen nicht immer in Einklang bringen.

Ein Grund der Entführung oder woher der Entführer überhaupt von Mallory weiß, wird nie genannt. Im Gegenteil: Mir ist total schleierhaft, wie genau dieser Mann solch eine Tat begehen kann. Er ist ein erfolgreicher Turnierteilnehmer und hätte es absolut nicht nötig.

Auch handelt der Entführer unglaubhaft. Das, was er von Finja verlangt, ergibt keinen Sinn.

Als es zur zweiten Verschleppung der beiden kommt, wird es noch unglaubhafter.
Zum einen habe ich nicht verstanden, warum Finja überhaupt ein zweites Mal entführt wurde.
Zum anderen ist mir schleierhaft, warum keine Vorsichtsmaßnahmen getroffen wurden. (bzw. diese sehr schnell wieder fallen gelassen wurden)

Die Abfolge an sich wird dann noch mysteriöser und weist weiterhin zeitliche Diskrepanzen auf:
Da werden Beweisstücke mit nach Hause genommen.
In der Gefangenschaft liest die Gefangene ein Buch.
Als Finja die Gelegenheit dazu hatte, lief sie nicht direkt weg.
Als die dann weggelaufen war, "konnte und wollte [sie] jetzt noch nicht nach Hause".

Für mich ist dies keine Erzählung, die so auf den Markt gehört. Zwar weiß Lexa Gallay einiges über Pferde(pflege), doch es reicht nicht für einen Krimi aus.

©2023 Mademoiselle Cake

Veröffentlicht am 03.04.2023

✎ Franziska Jaekel - Wach auf, kleines Häschen!

Wach auf, kleines Häschen!
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Auf dieses süße kleine Buch habe ich mich gefreut, denn ich hatte direkt meine kleine Nicht im Sinn, als ich das Wackelbild sah. Meine 5-Jährige liebt es ebenfalls. Es ist das erste Mal, das sie eins sieht ...

Auf dieses süße kleine Buch habe ich mich gefreut, denn ich hatte direkt meine kleine Nicht im Sinn, als ich das Wackelbild sah. Meine 5-Jährige liebt es ebenfalls. Es ist das erste Mal, das sie eins sieht und ist total fasziniert davon.

Laut Verlagsseite möchte die Autorin mit ihrer Geschichte zeigen, "dass jede*r besonders ist und verschiedene Talente hat." Der Weg dorthin ist nicht ganz so gut gelungen in meinen Augen. Es werden Ansprüche an bestimmte Tiere gestellt. Wer der Osterhase ist und woher vor allem auf einmal die Eier zum Verstecken kommen, ist überhaupt nicht ersichtlich.

Doch das sind Ansprüche einer Erwachsenen.

Die Erzählung macht in erster Linie Spaß. Meine 1-Jährige Nichte erfreut sich an den bunten, frühlingshaften Bildern - zur Jahreszeit passend. Die Tiere sind einfach gehalten: Hasen, Schafe, Vögel, Schmetterlinge. Der Text ist meist nicht zu lang.

Für mich ist es pädagogisch ein bisschen zu gewollt. (wir lachen dich aus und entschuldigen uns dann) Wäre dieser Part ein wenig ungezwungener dahergekommen, würde ich es uneingeschränkt empfehlen. Meine Nichte liebt dieses Pappbilderbuch nämlich.

Auf meinem Instagramprofil gibt es einen kleinen Einblick ins Buch.

©2023 Mademoiselle Cake

Veröffentlicht am 28.03.2023

✎ Katharina Kuhlmann - Die Reise nach Veganien

Die Reise nach Veganien
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Als ich dieses Buch in unserer Schulbibliothek entdeckte, war ich erstmal angetan. Dort eine Geschichte über Veganismus zu finden, ist nahezu unmöglich.

Als ich begann, die Erzählung zu lesen, war ich ...

Als ich dieses Buch in unserer Schulbibliothek entdeckte, war ich erstmal angetan. Dort eine Geschichte über Veganismus zu finden, ist nahezu unmöglich.

Als ich begann, die Erzählung zu lesen, war ich schnell ernüchtert.

Nicht nur, dass hier allerhand Klischees bedient werden. Nein, es tauchen ebenso an jeder Ecke Stereotype auf.

Frida ist das Mädchen mit dem zuckersüßen Puppengesicht. Eric kommt aus einer Metzgerfamilie, die grausam ist. Madhuri aus Indien ist in Deutschland geboren. Der türkisch Junge Onur bezeichnet sich selbst als 'Moslem', obwohl dies der veraltete Begriff für Muslim ist.

Frida weiß mit ihren 8 Jahren nicht, dass sie an einer Allergie leidet, bei der sie keine tierischen Produkte essen darf. Das ist nicht nur grob fahrlässig (schließlich könnte sie, wie alle Kinder, irgendwo irgendetwas probieren wollen), sondern auch höchst unglaubwürdig.

Fridas Mutter wird hin und wieder erwähnt, lebt jedoch in Veganien. Was sie dort macht und warum sie ihr Kind nicht mitnehmen kann, bleibt ein Geheimnis.

Eric, dem Antagonisten, widerfährt wirklich Schlimmes in der Erzählung. Dies wird bis zum Ende auch nicht aufgelöst, sodass man sich schweren Herzens fragt, was er noch alles zu erleiden hat.

"Die Reise nach Veganien" findet - zumindest in diesem Teil - nie statt.

Die Karte auf dem Vorsatz verpönt. Es ist die Rede von "Afrikanien" und Norden ist auf der rechten Seite. Wer hat sich das ausgedacht bzw. durchgewunken im Lektorat?

Vielleicht hätten einige Fragen im zweiten Teil aufgeklärt werden sollen, doch dieser scheint nie geschrieben bzw. publiziert worden zu sein.

Doch nicht nur die Geschichte ist wenig durchdacht. Dergleichen sind die Illustrationen nicht so schön anzusehen. Alle sehen aus, als hätten sie Fäustlinge an.

Und zum Schluss gibt es noch Werbung für vegane Schokolade und einen Energy Drink für "Lehrer und Eltern". Ernsthaft?

Von mir gibt es an dieser Stelle keine (Vor)Leseempfehlung. Schon gar nicht für Kinder ab 4 Jahren. (wie vom Verlag vorgesehen)

©2023 Mademoiselle Cake