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Veröffentlicht am 30.09.2025

✎ Vicky Cowie - Geschichten aus dem Muckligwald: Von Feen, Kelpies und magischen Maikäfern

Geschichten aus dem Muckligwald – Geschenkbuch mit Zeichnungen von Bestseller-Illustrator Charlie Mackesy
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Ich hatte mich wahnsinnig auf „Geschichten aus dem Muckligwald: Von Feen, Kelpies und magischen Maikäfern“ von Vicky Cowie gefreut. Der Titel und die Gestaltung klangen wie eine Einladung in eine märchenhafte ...

Ich hatte mich wahnsinnig auf „Geschichten aus dem Muckligwald: Von Feen, Kelpies und magischen Maikäfern“ von Vicky Cowie gefreut. Der Titel und die Gestaltung klangen wie eine Einladung in eine märchenhafte Welt, anders als vieles, was wir schon im Regal haben.

Aber leider blieb das Buch bei mir hinter den Erwartungen zurück. Der Einstieg wirkt charmant: Oma besucht ihre Enkelkinder, erzählt Geschichten - alles in Reimform. Doch das Reimen erweist sich bald als Stolperfalle. Manche Verse geraten holprig und der Rhythmus bricht an Stellen, an denen ich als Lesende hängengeblieben bin. Das passiert nicht nur einmal, sondern prägt das Lesegefühl über viele Seiten hinweg. Mitunter ist die Sprache für jüngere Kinder, für die es empfohlen wird, zu anspruchsvoll.

Die Geschichten selbst schwanken stark in ihrer Qualität. Einige sind tatsächlich sehr süß und fantasievoll, andere wiederum wirken schwierig. Besonders die Geschichte über einen Maulwurf hat mich aufgewühlt. Die Darstellung enthält Elemente, die ich für ein Kinderbuch problematisch finde: das Bild vom „Kampfgebiet Rasen“, das Töten von Tieren, Vergleiche, die harten Bildern nahekommen, und Aussagen, die stereotypisch oder diskriminierend wirken. In solchen Momenten frage ich mich: Ist das noch kindgerecht?

Hier ein paar konkrete Beispiele:

„Der Rasen war sein Kampfgebiet.“ (S. 120)
Ich möchte gerade in der heutigen Zeit in so einem Buch nichts über Krieg lesen. Damit hatte ich auch nicht gerechnet.

„[…] mit Wams aus Maulwurfsfell.“ (S. 133)
Meiner 7-Jährigen möchte ich beim Erzählen einer Gute-Nacht-Geschichte nicht erklären müssen, dass manche Leute Tiere töten, um sie anzuziehen.

„[…] denn Bräunlich roch nach Schweiß.“ (S. 137)
Es gibt viele Gründe, warum Menschen nach Schweiß riechen. Dafür muss man sie nicht verurteilen.

„Am besten RÄUCHERT man sie aus, […]“ (S. 137)
Das ruft in mir als Erwachsene ganz schlimme Bilder hervor und möchte ich so in einem Kinderbuch auch nicht lesen (müssen).

„Für dieses dumme Spiel von Krieg ist so viel Geld geflossen. Hast ohne Rücksicht auf Verlust mit Kanonen auf Spatzen geschossen!“ (S. 157)
Für mich ist das eine Anspielung auf jedwede Kriege. Und die Aussage an sich ist auch richtig. Doch nochmal: Das gehört für mich nicht in solch ein Kinderbuch!

Auch die Illustrationen, auf die ich mich sehr gefreut hatte, lösen bei uns nicht die erwünschte Begeisterung aus. Zwar tragen sie den erkennbaren Stil Mackesys, doch liebevolle Details fehlen mitunter. Der Junge in der zweiten Geschichte sieht auf unterschiedlichen Seiten unterschiedlich aus. T-Shirt, Kopf etc. variieren ohne erkennbaren Grund - das zieht mich aus der Geschichte hinaus. Ganz selten fühlt sich eine Illustration so an, wie ich es mir für das ganze Buch gewünscht hätte. Lediglich die erste Erzählung strahlt das Magische auch in ihren Bildern aus.

Das Buch hat Potenzial - es ist schön gestaltet, mit guten Ideen -, aber manchmal schießt es über das Ziel hinaus, ohne dass ich sicher bin, ob es seinem Zielpublikum guttut. Vielleicht funktioniert es besser bei Kindern, die Sprache gewohnt sind, mit metaphorischen oder ausgefallenen Bildern.

Wer Märchen und fantasievolle Wesen liebt, wer sich an nostalgisch-stilisierten Illustrationen erfreut und wer Vorlesezeit nicht bloß als Schnellprogramm sieht, findet hier etwas, das verzaubert. Wer aber ein leicht zugängliches Buch für kleine Kinder erwartet, mit klaren Reimen, erkennbarem Bild und ohne harte Begriffe, könnte enttäuscht sein.

©2025 Mademoiselle Cake

Veröffentlicht am 29.09.2025

✎ Christine Schlitt - Little hearts, Big feelings: Mein Gefühle-Journal

Little Hearts - Big Feelings - Mein Gefühle-Journal
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Ich habe ein Kind, das nicht gern über Gefühle redet - weder über die erfreulichen noch über die schwereren. Als ich auf „Little Hearts, Big Feelings: Mein Gefühle-Journal“ gestoßen bin, dachte ich sofort ...

Ich habe ein Kind, das nicht gern über Gefühle redet - weder über die erfreulichen noch über die schwereren. Als ich auf „Little Hearts, Big Feelings: Mein Gefühle-Journal“ gestoßen bin, dachte ich sofort an sie und hoffte, dieses Büchlein könne ihr helfen, sich selbst besser kennenzulernen und vor allem anzunehmen.

Das Äußere und die Gestaltung haben uns von Anfang an angesprochen. Zu Beginn werden sechs Gefühle eingeführt - Freude, Liebe, Wut, Angst, Kummer und Überraschung - und jeweils sehr liebevoll auf vier Doppelseiten dargestellt. Von diesen vier Seiten sind bei drei bereits Schreibimpulse eingebaut, sodass mein Kind direkt mitgestalten kann. Jedes Gefühl ist farblich gekennzeichnet und die Auswahl der Farben passt gut zu ihr - wobei ich mir vorstellen kann, dass andere Kinder vielleicht andere Farbtöne bevorzugen würden.

Im Journal gibt es einen „Gefühlscheck“, der das Kind über 25 Wochen begleitet - plus einen Monatsrückblick nach jeweils vier Wochen. So ist das Ganze als sechsmonatige Begleitung der Gefühlswelt angelegt. Das Konzept sieht vor, dass man das Buch am Ende jeder Woche zur Hand nimmt und die Erfahrungen einträgt. Wir haben stattdessen vereinbart: Mein Kind nutzt das Journal immer dann, wenn sie es braucht. War etwas Besonderes dabei oder war sie auf etwas wütend? Dann schreibt sie es sofort nieder. Denn oft treten Dinge im Alltag in den Hintergrund und am Ende der Woche erinnert man sich womöglich nicht mehr an alles.

Der beigefügte Zauberstift, dessen Tinte sich nach einiger Zeit quasi „auflöst“, hat ihr besonders gefallen. Leider haben wir keinen Ersatzstift gefunden - das wäre sicher eine sinnvolle Ergänzung.
Ich als Mama bin zwiegespalten, was den Zauberstift betrifft. Wenn man alle Gefühle mit einem normalen Stift aufschreibt, hätte man zu einem späteren Zeitpunkt immer einen Gesprächsanlass. Man könnte schauen: In welchen Situationen treten bestimmte Gefühle auf? Wie haben sich die Gefühle verändert? Wie bin ich mit ihnen umgegangen? Was habe ich gelernt?

Ein paar kleine Kritikpunkte habe ich leider auch.
Der Platz für das Niederschreiben eines „blöden Gefühls“ ist ziemlich klein - oft kleiner als die erläuternde Anleitung dazu. Auch wenn das Layout insgesamt sehr ansprechend und abwechslungsreich ist, reicht der Raum zum Eintragen manchmal nicht aus.
Auf Seite 29 heißt es, Wut trinke gern „extrastarke Energie-Limo.“ Das finde ich problematisch für ein Buch ab etwa acht Jahren, denn ein Kind könnte das wörtlich nehmen und es als Getränketipp verstehen.
Und auf Seite 43 wird ein Verweis auf Harry Potter gemacht. Idealerweise kennen Kinder in diesem Alter die Bücher / Filme noch nicht, da sie erst ab etwa zehn Jahren empfohlen werden.

Mir als Mama hat das Buch auf den ersten Blick gefallen. Ob es meiner Tochter tatsächlich hilft, wird sich mit der Zeit zeigen. Aber genau das finde ich so schön: Es gibt Raum für das Experimentieren mit Gefühlen, ohne Druck. In dieser Lebensphase kann das ein ganz wertvoller Begleiter sein - zum Stillwerden, Nachdenken und Stück für Stück ins Gespräch kommen.

©2025 Mademoiselle Cake

Veröffentlicht am 26.09.2025

✎ Anja Janotta - Krawall im Klassenzimmer 1 Hitzefrei für alle!

Krawall im Klassenzimmer - Hitzefrei für alle!
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Als Schülerin war ich immer eine der Ruhigen und spielte niemandem Streiche. Ich erinnere mich auch gar nicht daran, dass Späße an meiner Schule jemals häufig waren. Jetzt, da mein Kind zur Schule geht, ...

Als Schülerin war ich immer eine der Ruhigen und spielte niemandem Streiche. Ich erinnere mich auch gar nicht daran, dass Späße an meiner Schule jemals häufig waren. Jetzt, da mein Kind zur Schule geht, wünsche ich mir, dass der Alltag ebenso friedlich bleibt - doch die Realität sieht anders aus.

In den letzten Jahren gab es einige Vorfälle an unserer Schule: zerbrochene Spiegel auf den Toiletten, mit Edding beschmierte Geländer, Deo ins Gesicht, geklaute ApplePens - Aktionen, die zeigen, dass Respekt und Rücksicht offenbar verloren gehen. Ich sehne mich nach einer Atmosphäre, in der Schülerinnen und Schüler mit Gelassenheit handeln und vielleicht auf kreative, harmlose Streiche setzen statt Zerstörung.

„Krawall im Klassenzimmer 1 Hitzefrei für alle!“ von Anja Janotta greift genau diese Themen auf. Das Buch handelt von einem Wettstreit zwischen zwei Klassen, 5d gegen 5a, kurz vor den Sommerferien, als Fritzi und Nils sich gegenseitig mit Streichen herausfordern, damit die Schule Kopf steht.

Der Unterhaltungswert ist hoch, Lachen garantiert, und ebenso merkt man, wie sich Machtspiele, Gruppendruck und Rivalitäten zuspitzen.

Der Stil ist flüssig, leicht zu lesen, ideal auch für Kinder, die noch nicht routinierte Lesende sind. Die Kapitel haben eine angenehme Länge und der Perspektivwechsel zwischen Nils und Fritzi bringt Abwechslung. Auch die Rolle von „Das blaue Auge“, das kommentierend dazwischen liegt, lockert das Ganze auf.

Ich finde Streiche nicht per se störend, solange niemand verletzt wird und sie ein bisschen Humor haben. Nur bei einem der Streiche fragte ich mich kurz, ob man nicht auch an die Umwelt denken sollte - ein Punkt, der zwar nicht im Fokus des Buches steht, aber reflektiert werden darf.

Vom Verlag stammt die Empfehlung „ab 10 Jahren“. Ich denke, geübte Lesende könnten bereits ab 8 / 9 Jahren starten, besonders wenn sie Spaß an Schulgeschichten haben und mit solchen Konflikten umgehen können.

Beim Lesen der Streiche fragte ich mich als Mama manchmal, wo genau die Grenze zwischen lustigem Unfug und Respektlosigkeit gezogen wird. Anja Janotta hat das in meinen Augen sehr gut umgesetzt. Bei den Streichen kommt niemand zu Schaden und Kinder werden zum Nachdenken angeregt - nicht nur darüber, was Spaß macht, sondern auch, was verantwortbares Verhalten ist.

Für uns war der Ausflug in die 5. Klasse spannend und unterhaltsam. Ich bin neugierig, wie es weitergeht und freue mich auf die nächsten Teile dieser Reihe. Ich glaube, dieses Buch ist ein guter Impuls, um mit Kindern über Verhalten, Verantwortung und Gemeinschaft zu sprechen - und nebenbei auch einfach zum Vergnügen beim Lesen.

©2025 Mademoiselle Cake

Veröffentlicht am 23.09.2025

🚫 abgebrochen! Rezension: Stephen Fry - Geschichte machen

Geschichte machen
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Ich habe „Geschichte machen“ von Stephen Fry gewonnen und mich damals dafür beworben, weil mich der Zweite Weltkrieg schon lange fasziniert. Der Klappentext versprach mir eine spannende literarische Reise ...

Ich habe „Geschichte machen“ von Stephen Fry gewonnen und mich damals dafür beworben, weil mich der Zweite Weltkrieg schon lange fasziniert. Der Klappentext versprach mir eine spannende literarische Reise in die Zeitgeschichte, die sowohl nachdenklich als auch unterhaltsam sein sollte. Mit dieser Erwartung habe ich das Buch begonnen.

Allerdings merkte ich schnell, dass der Einstieg nicht leichtfiel. Schon bei meinem ersten Versuch, die Geschichte zu lesen, legte ich sie nach wenigen Seiten wieder beiseite. Nun wollte ich dem Roman eine zweite Chance geben und hielt immerhin bis Seite 138 durch - von insgesamt 461. Danach musste ich jedoch abbrechen.

Was mich anfangs noch neugierig machte, waren die Passagen, die sich um Adolf Hitler drehten. Obwohl der Autor zunächst nicht viel preisgibt, fand ich diese Ansätze interessant, gerade weil ich Biografien und historische Details mag. Doch sobald die Handlung sich auf die Figur Michael Young konzentriert, verlor ich jede Motivation. Seine Lebensgeschichte wirkt für mich endlos und ohne Bezug zum eigentlichen Thema. Es fühlte sich so an, als läse ich zwei verschiedene Bücher, von denen nur eines mein Interesse weckte.

Ich weiß daher nicht, wie Michael Young und Professor Leo Zuckermann schließlich ins Jahr 1888 gelangen und welche Wendungen die Handlung danach nimmt. Genau diese Zeitreise-Idee hätte mich sehr gereizt, aber ich konnte einfach nicht dranbleiben. Fry mag zwar für seinen Sprachwitz und intellektuellen Anspruch bekannt sein, doch die Längen und eine schwerfällige Struktur machten für mich persönlich das Weiterlesen anstrengend.

Für mich ist es schade, denn die Grundidee finde ich nach wie vor großartig. Ein Roman, der versucht, den Lauf der Geschichte umzuschreiben, könnte unglaublich spannend sein. Doch in meinem Fall blieb die Umsetzung weit hinter meinen Erwartungen zurück und so wandert „Geschichte machen“ leider in ein neues Regal.

©2025 Mademoiselle Cake

Veröffentlicht am 22.09.2025

✎ Jens Schumacher - Lesen NERVT! 2 Bloß keine Bücher!

Lesen NERVT! – Bloß keine Bücher! (Lesen nervt! 2)
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Lesen nervt! Genau diesen Satz würde mein Kind sofort unterschreiben. Obwohl es problemlos liest und mich täglich mit einem Buch in der Hand sieht, will die Begeisterung für Geschichten bisher nicht überspringen. ...

Lesen nervt! Genau diesen Satz würde mein Kind sofort unterschreiben. Obwohl es problemlos liest und mich täglich mit einem Buch in der Hand sieht, will die Begeisterung für Geschichten bisher nicht überspringen. Da aber jeden Tag zehn Minuten Lesezeit fest im Plan stehen, suche ich ständig nach neuen Wegen, um diese Minuten spannender zu gestalten. Text, in denen Worte durch Bilder ersetzt wurden? Kommen gut an. Comics? Fehlanzeige. Lückentexte? Eher ein müdes „geht so“.

Umso neugieriger war ich, was sich Jens Schumacher für seinen zweiten Band „Lesen NERVT! Bloß keine Bücher!“ einfallen lassen hat, um lesemüde Kinder abzuholen. Die Grundidee klingt originell: Verschiedene Kurzgeschichten werden durch spielerische Kniffe verändert. Mal taucht eine Geheimsprache auf, mal sind die Sätze komplett durcheinandergeworfen, in einer anderen Version werden Buchstaben vertauscht, und schließlich gibt es eine Story, deren Seitenreihenfolge durcheinandergerät.

Klingt abwechslungsreich? Teilweise war es das auch. Die Geheimsprache sorgte bei meiner Siebenjährigen für viele Lacher und war das Highlight. Die vertauschten Buchstaben haben uns ebenfalls zum Schmunzeln gebracht, weil absurde Wörter entstanden, die manchmal mehr Spaß machten als der eigentliche Text. Weniger gelungen war die Passage mit den verdrehten Satzbausteinen, die sich kaum flüssig lesen ließ und inhaltlich wenig fesselte. Ganz ähnlich ging es uns mit der Geschichte, deren Seiten durcheinandergewirbelt waren: die Idee war nett, doch die Länge zog sich, sodass wir irgendwann aufgegeben haben.

Ein wiederkehrendes Element ist ein kleiner Skorpion, der sich durch die Bücher frisst und damit die Chaos-Effekte auslöst. Dieser rote Faden hat meiner Tochter am meisten gefallen und sorgte für eine gewisse Leichtigkeit, auch wenn er die schwächeren Stellen nicht immer retten konnte.

Beim Blick auf die Reihe habe ich gesehen, dass es inzwischen vier Teile gibt. Auf der einen Seite mag ich die Kreativität, mit der Kinder spielerisch ins Lesen hineingezogen werden. Auf der anderen Seite habe ich das Gefühl, dass sich der Witz schnell abnutzt und die Texte zu unübersichtlich werden.

Die Ideen sind wirklich originell, aber der Funke ist nicht bei allen übergesprungen. Deshalb werden wir wohl keinen weiteren Band ausprobieren - auch wenn ich grundsätzlich neugierig wäre, welche Tricks in den anderen Teilen zum Einsatz kommen.

©2025 Mademoiselle Cake