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Veröffentlicht am 01.12.2025

✎ Yvonne Kuschel - Gelber Hund, grüne Katze

Gelber Hund, grüne Katze
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„Gelber Hund, grüne Katze“ von Yvonne Kuschel ist bei uns eher zufällig gelandet. Eine Freundin brachte es vorbei, es wanderte erst auf den Stapel ungelesener Bücher und wartete dort geduldig auf seinen ...

„Gelber Hund, grüne Katze“ von Yvonne Kuschel ist bei uns eher zufällig gelandet. Eine Freundin brachte es vorbei, es wanderte erst auf den Stapel ungelesener Bücher und wartete dort geduldig auf seinen Moment. Der kam, als meine 7-Jährige vom Cover fasziniert war und endlich die Geschichte hinter dem ungewöhnlichen Duo entschlüsseln wollte. Also Buch geschnappt, ab auf die Couch und lesen im Teammodus gestartet.

Als ich sie am Schluss fragte, wie ihr das Buch gefallen hat, konnte sie - genau wie ich - keine richtige Meinung dazu abgeben. Wir haben versucht, zu analysieren, um was es in und zwischen den Zeilen geht, doch so wirklich ist uns das nicht gelungen. Wir hatten verblüffend wenig Handfestes, um das Gelesene klar einzuordnen.

Was blieb, war vor allem ein Gefühl für den Hund. Zwischendurch tat er uns richtig leid, gegen Schluss war die Stimmung dann deutlich heller - und ja, wir haben uns ehrlich mit ihm mitgefreut, als sein Weg doch noch einen guten Dreh bekam. Die Katze hingegen blieb bis zum letzten Bild eine Figur, zu der wir keinen echten Zugang fanden. Diese Distanz lag weniger am Charakter selbst als daran, dass sie kaum emotionale Brücken baut. Sie ist präsent, aber nicht greifbar.

Inhaltlich steckt zwischen den Seiten eine spannende Botschaft, die gerade für Kinder wertvoll sein kann, auch wenn sie nicht laut ausgesprochen wird. Der Hund zeigt, dass Umwege oft Türen öffnen, die man auf der ursprünglichen Route nie entdeckt hätte. Gleichzeitig erzählte das Buch uns leise, dass Persönlichkeitsentwicklung kein abgeschlossenes Kapitel ist. Man trägt immer ungehobene Facetten in sich, die erst in neuen Momenten sichtbar werden. Ein Bilderbuch, das nicht belehrt, sondern wach macht für Wandel, Einsicht und Wachstum.

Die künstlerische Umsetzung mit Filztiften ist handwerklich interessant, aber bei uns nicht ins Herz gewandert. Die Illustrationen wirken oft wie Collagen, mit sichtbaren Kanten zwischen Bildelementen, einer eher groben Farbharmonie und bewusst einfacher Detailtiefe. Die Seiten bieten optisch wenig Such- oder Entdeckungsanlässe, arbeiten stark mit Reduktion und skizzenhafter Komposition.

Trotz aller Unschärfe sorgt „Gelber Hund, grüne Katze“ dafür, dass man ins Gespräch kommt. Nicht darüber, was man verstanden hat, sondern darüber, wie Geschichten jenseits klarer Antworten wirken können - auf Kinder wie auf Erwachsene. Genau dieser Effekt könnte das Buch relevant machen, auch wenn es bei uns kein klassischer Lieblingstitel wird.

©2025 Mademoiselle Cake

Veröffentlicht am 25.11.2025

✎ Sara Aeschlimann & Adrian Wullschleger - Hoch hinaus mit Leni

Hoch hinaus mit Leni
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Diversität und Inklusion bilden den Kern jeder sinnvollen pädagogischen Arbeit - und genau hier setzt „Hoch hinaus mit Leni“ von Sara Aeschlimann & Adrian Wullschleger an. Die Geschichte zeigt, wie selbstverständliche ...

Diversität und Inklusion bilden den Kern jeder sinnvollen pädagogischen Arbeit - und genau hier setzt „Hoch hinaus mit Leni“ von Sara Aeschlimann & Adrian Wullschleger an. Die Geschichte zeigt, wie selbstverständliche Offenheit aussehen kann, während sie zugleich sichtbar macht, dass nicht jede Umgebung diese Haltung teilt. Die Erzählung vermittelt Mut, Akzeptanz, Rücksicht und die Fähigkeit, sich innerlich zu strecken, wenn Neues irritiert oder Widerstand auftaucht.

Die Figur Leni dient als Beispiel dafür, wie Unterschiedlichkeit nicht zum Hindernis wird, sondern zu einem Ausgangspunkt für Kooperation. Kinder bekommen ein Gefühl dafür, warum Veränderungen manchmal auf Skepsis stoßen und warum genau das Raum für Empathie schafft.

Der Übungsteil für Kinder vertieft das Thema, wirkt jedoch stellenweise konstruiert. Besonders die Aufgabe, gemeinsame Vorlieben aller Kinder zu benennen, erzeugt ein methodisches Problem: Bedürfnisse sind universell, Vorlieben nicht. Diese Aufgabe suggeriert in meinen Augen implizit Vereinheitlichung und damit verfehlt somit das eigene Inklusionsziel.

Mit den meisten Übungen jedoch werden Kinder gestärkt. Das Augenmerk wird meist auf das Positive gelegt. Doch auch andere Gefühle finden in den Übungen ihren Platz.

Der Abschnitt für Erwachsene erläutert die pädagogischen Absichten. Inhaltlich wäre eine Zusammenführung mit dem Kinderteil stringenter gewesen, da beide Teile sich inhaltlich stark überschneiden und junge Kinder ohnehin Begleitung brauchen.

Die Platzierung der letzten Bilderbuchseite nach dem Fachteil wirkt strukturell unpräzise. Für mich gehört sie zum Bilderbuch dazu und hätte an der entsprechenden Stelle ihren Platz finden sollen.

Trotz dieser Schwächen bleibt der Gesamtinhalt wertvoll. Das Buch zeigt (Kindern) klar, was Diversität und Inklusion im Alltag bedeutet und liefert Erwachsenen eine nachvollziehbare Grundlage, um Kindern den Zugang zu erleichtern. Die online verfügbaren Materialien machen den Einsatz in Gruppen unkompliziert und erweitern den praktischen Nutzen.

©2025 Mademoiselle Cake

Veröffentlicht am 24.11.2025

✎ Stefanie Reich & Madlen Ottenschläger - Otto fährt los 3 Weihnachten in Finnland

Otto fährt los – Weihnachten in Finnland
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Wir waren im Oktober das erste Mal in Finnland und hatten diesen Urlaub fest mit den Eindrücken verknüpft, die der Klappentext verspricht. Zur Einstimmung wollte ich eigentlich das Buch lesen, doch der ...

Wir waren im Oktober das erste Mal in Finnland und hatten diesen Urlaub fest mit den Eindrücken verknüpft, die der Klappentext verspricht. Zur Einstimmung wollte ich eigentlich das Buch lesen, doch der Zugang blieb schwierig. Also kam das Hörbuch dazu.

Diese Version klärt den Ablauf deutlicher. Die Familie holt erst den geliehenen Camper ab, was der Printtext nicht erläutert. Da wir die Vorgänger nicht kennen, war uns dies nicht bewusst. Beide Formate verzichten darauf, die sprechende Funktion von Otto vorher anzudeuten. Die Familie erfährt das zufällig, als Otto das erste Mal spricht, obwohl er ja auch ein „Gesicht“ hat.

Das Hörbuch liefert generell breitere Kontextflächen. Figuren wie Saunawichtel erhalten dort eine nachvollziehbare Einbettung. Die gedruckte Ausgabe hält sich dagegen knapp und erzeugt Lücken. Der Handlungssprung von Helsinki in den Norden bleibt textlich ungeklärt, obwohl die Strecke einen wesentlichen Teil der Reise bestimmt. Im Hörbuch erfährt man zudem, dass sich das Weihnachtsmanndorf in Rovaniemi befindet. Mein Kind hat sich total über diese Information gefreut, denn wir waren selbst dort. Eine kleine Karte oder Reiseroute am Ende des Buches hätte dem Ganzen mehr Orientierung gegeben.

Unstimmigkeiten zwischen Illustrationen und Text treten ebenfalls auf. Aufforderungen zum Umblättern treffen auf Figuren, die bereits sichtbar sind.

Die Sprache richtet sich klar an sehr junge Zuhörende (Altersempfehlung vom Verlag ist 4), was den erzählerischen Spielraum einschränkt. Eine etwas höhere Altersausrichtung mit der Informationsfülle des Hörbuchs hätte der Geschichte gutgetan.

Das Buch bleibt dadurch distanziert, während das Hörbuch durch klare Struktur, zusätzliche Informationen und eine stimmige Umsetzung trägt.

©2025 Mademoiselle Cake

Veröffentlicht am 18.11.2025

✎ Andreas Steinhöfel - Anders

Anders
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„Anders“ lag neulich im Tauchregal und da der Klappentext interessant klang, nahm ich es für eine kurze Lektüre zwischendurch mit.

Die Lektüre zog sich jedoch deutlich länger als erwartet, weil Steinhöfel ...

„Anders“ lag neulich im Tauchregal und da der Klappentext interessant klang, nahm ich es für eine kurze Lektüre zwischendurch mit.

Die Lektüre zog sich jedoch deutlich länger als erwartet, weil Steinhöfel den Stoff mit einem breiten Erzählfluss und permanenten Blickwechseln versieht. Der Text verlangt hohe Konzentration, nicht zuletzt wegen überladener Satzkonstruktionen - teilweise geht ein Satz über 9 Zeilen -, die das Erfassen des Handlungsverlaufs bremsten. Ich empfand die Form als unnötig verschachtelt und dadurch distanziert.

Der Roman bündelt eine Vielzahl an Motiven, setzt sie aber oft nur an und lässt sie ohne vertiefte Bearbeitung stehen. Das Ergebnis: thematische Überladung ohne nachhaltigen Erkenntnisgewinn. Somit erzeugt der Text zwar Impulse, doch die Menge der Denkanstöße überfordert bereits mich als Erwachsene. Für die angegebene Zielgruppe wirkt das ambitioniert.

Die letzten Kapitel eskalieren in eine Härte, die für junge Lesende grenzwertig ist. Einzelne Szenen sind so drastisch, dass sie sensiblere Kinder klar überfordern können. Dieser Kontrast verstärkt die Diskrepanz zwischen vermarktetem Anspruch und tatsächlicher Wirkung.

Unterm Strich blieb die Lektüre für mich unbefriedigend. Der Klappentext suggeriert einen anderen Schwerpunkt, während die tatsächliche Geschichte sich stärker auf Identitätsfragen, Wahrnehmung und familiäre Spannungen stützt.

Dass das Buch im Unterricht eingesetzt wird, erklärt sich durch seine Interpretierbarkeit. Die Vielzahl offener Fäden liefert Stoff für analytisches Arbeiten, weniger für ein stimmiges Leseerlebnis. Damit erfüllt „Anders“ für mich eher eine schulische als eine erzählerische Funktion.

©2025 Mademoiselle Cake

Veröffentlicht am 11.11.2025

✎ Joanna Quinn - Das Theater am Strand

Das Theater am Strand
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Ich bin mit dem Gefühl gestartet, dass diese Lektüre Kraft verlangen wird. Der Umfang signalisiert Ausdauerarbeit und der Plan, das Buch gemeinsam zu lesen, hat den Einstieg überhaupt erst praktikabel ...

Ich bin mit dem Gefühl gestartet, dass diese Lektüre Kraft verlangen wird. Der Umfang signalisiert Ausdauerarbeit und der Plan, das Buch gemeinsam zu lesen, hat den Einstieg überhaupt erst praktikabel gemacht. Der erwartete Sog blieb jedoch aus.

Der Zugang zur Handlung verlangte Disziplin. Der Stil fordert konstante Aufmerksamkeit und die Vielzahl an Figuren erzeugt eine Streuung, die den Fokus verwässert. Diese strukturelle Weite zog das Erzähltempo zusätzlich in die Länge.

Die Entwicklung der Kinder, die Kriegsjahre und die Zeit danach bilden zwar ein breites Panorama, doch die narrative Ausdehnung wirkt überzogen. Der Titel suggeriert eine Schwerpunktsetzung, die der Roman kaum erfüllt. Das titelgebende Theater tritt erst spät auf und bleibt trotz Ankündigung eine Randerscheinung. Die Diskrepanz zwischen Paratext und tatsächlicher Gewichtung irritiert und war ein großer Bruch zwischen meiner Erwartung und der Umsetzung.

Einzelne historische Aspekte schärfen den Blick, etwa die Rolle der WAAF, deren Bedeutung hier sichtbarer wird als in vielen gängigen Darstellungen. Dieser Informationsgewinn trägt jedoch nur bedingt durch die schleppenden Passagen.

Für mich bleibt es ein historischer Roman, der seine erzählerische Energie verzettelt. Ohne die gemeinsame Lektüre hätte ich das Buch nicht beendet.

©2025 Mademoiselle Cake