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Veröffentlicht am 19.08.2025

✎ Vanessa Walder - Nightmore: Das gruseligste Internat der Welt 1 Plötzlich Werwolf

Nightmore - Das gruseligste Internat der Welt (Band 1) - Plötzlich Werwolf
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Meine Tochter ist sieben Jahre alt und liebt alles, was ein bisschen gruselig ist. Am liebsten würde sie Horrorfilme schauen - was wir natürlich nicht erlauben. In den Ferien wollte ich ihr aber etwas ...

Meine Tochter ist sieben Jahre alt und liebt alles, was ein bisschen gruselig ist. Am liebsten würde sie Horrorfilme schauen - was wir natürlich nicht erlauben. In den Ferien wollte ich ihr aber etwas in diese Richtung ermöglichen und wir haben uns für „Nightmore: Das gruseligste Internat der Welt 1 Plötzlich Werwolf“ von Vanessa Walder entschieden. Die Autorin war meiner Tochter schon durch eine Lesung („Wie zähmt man einen Drachen“) an ihrer Schule bekannt, und so schien das Buch wie eine spannende Entdeckung.

Meine Tochter wollte das Abenteuer zunächst alleine auf dem Kobo starten - ihr erster Versuch, auf einem E-Reader zu lesen. Doch die Begeisterung hielt nicht lange an. Schon nach wenigen Seiten meinte sie, die Handlung sei zu unverständlich und langweilig. Auch die vielen Wörter auf einer Seite haben sie als Leseanfängerin eher abgeschreckt.

Also habe ich das Buch selbst gelesen, um zu sehen, ob es einfach nur der Lesesituation geschuldet war. Tatsächlich ist die Grundidee spannend: Fynn, der ungewollt zum Werwolf wird, muss sich in einer geheimnisvollen und düsteren Welt zurechtfinden. Für mich als Erwachsene wirkte das durchaus unterhaltsam, kindgerecht und originell. Dennoch merkte ich, dass es nicht unbedingt leicht zugänglich ist - vor allem für Kinder, die noch nicht so geübt in diesem Genre sind.

Um meiner Tochter entgegenzukommen, haben wir die Hörbuchversion ausprobiert. Das hat schon deutlich besser funktioniert. Der Sprecher macht einen tollen Job, bringt Stimmen abwechslungsreich ein und verleiht den Figuren Leben. Begleitend haben wir im eBook die Illustrationen angesehen, die wirklich gelungen sind und bei manchen Wesen sehr geholfen haben. Besonders die Darstellung der Dämonin fanden wir stark, auch wenn die Stimme aus dem Hörbuch nicht recht zu unserem Bild passen wollte. (und dennoch absolut passend ist)

Weniger gut kamen die grau hinterlegten Einschübe an, in denen englische Wörter erklärt und kleine Witze eingebaut werden. Meine Tochter verstand den Humor nicht, und auch ich fand manche Stellen eher ermüdend. Bestimmte Hinweise werden so oft betont und wiederholt, dass sie irgendwann ihre Wirkung verlieren. Auch Begriffe wie „Banshee“ oder „Dämonin“ blieben für meine Tochter unverständlich - auch, wenn erklärt wird, dass es sich um eine Todesfee handelt. Hier hätte ein kleines Glossar am Ende sicher geholfen, um jüngeren Leser*innen, die noch keine Berührungspunkte mit solchen Wesen hatten, den Einstieg zu erleichtern.

Am Ende bleibt für uns der Eindruck: Für Kinder, die schon etwas älter sind oder sich in der Fantasy-Welt besser auskennen, kann „Nightmore“ eine spannende Lektüre sein. Meine Tochter, die mit ihren 7-Jahren und ihren Interessen genau die Zielgruppe darstellt, fand es nur „okay“, vor allem weil sie den Anfang ein bisschen zu zäh und die Erklärungen nicht immer nachvollziehbar fand. Aber die Kombination aus Hörbuch und eBook hat uns dann doch noch gemeinsame Momente geschenkt - und manchmal zählt genau das mehr als die perfekte Geschichte.

©2025 Mademoiselle Cake

Veröffentlicht am 17.08.2025

✎ Joy Fielding - Lauf, Jane, lauf!

Lauf, Jane, lauf!
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„Lauf, Jane, lauf“ von Joy Fielding hat für mich eine ganz besondere Bedeutung. Vor vielen Jahren habe ich das Buch mit einer Freundin im Schulunterricht vorgestellt - wahrscheinlich war das der Moment, ...

„Lauf, Jane, lauf“ von Joy Fielding hat für mich eine ganz besondere Bedeutung. Vor vielen Jahren habe ich das Buch mit einer Freundin im Schulunterricht vorgestellt - wahrscheinlich war das der Moment, in dem meine Liebe zu Psychothrillern geweckt wurde. Seitdem begleitet mich dieses Genre, und immer wieder lande ich bei Joy Fielding.

Ich habe inzwischen 24 Bücher der Autorin gelesen, und wenn ich mich nicht irre, fehlen mir nur noch die drei neuesten Übersetzungen. Natürlich waren nicht alle auf demselben Niveau. Manche Geschichten wirkten für mich etwas konstruiert oder verloren nach einem starken Beginn an Intensität.

Das vorliegende Buch habe ich inzwischen mehrfach gelesen, doch zwischen den Rereads liegen oft mehr als zehn Jahre. Dadurch erlebe ich jedes Mal eine Mischung aus Vertrautheit und Spannung, weil ich mich an die großen Wendungen zwar noch erinnere, aber kleine Details immer wieder verblassen. Besonders neugierig war ich daher darauf, wann Jane begreift, wer sie eigentlich ist. Dass sie ihr Gedächtnis verloren hat und warum, wusste ich noch - nicht jedoch, was den entscheidenden Auslöser für ihre Erinnerung darstellt. Gerade dieses Warten erzeugt bei mir jedes Mal ein unterschwelliges Gefühl der Beklemmung, das den Reiz des Thrillers ausmacht.

Dennoch lässt mich das Werk etwas zwiegespalten zurück: Auf der einen Seite gibt es diese fesselnde Atmosphäre und die psychologische Tiefe, während auf der anderen Seite bestimmte Szenen zu vorhersehbar sind. Für mich überwiegt dennoch der Sog, den Fielding durch ihre psychologischen Spiele entfaltet.

Im Gegensatz zu klassischen Thrillern setzt die Autorin selten auf blutige Schockeffekte. Stattdessen konzentriert sie sich auf das Innenleben ihrer Figuren, ihre Ängste, Verdrängungen und die Manipulationen, denen sie ausgesetzt sind. Gerade das macht „Lauf, Jane, lauf“ so intensiv – es packt Lesende nicht durch Splatter, sondern durch den schleichenden Horror, der sich in der Psyche abspielt. Wer psychologische Spannung liebt, findet hier eine Geschichte, die nicht leicht loslässt. Aber man sollte sich bewusst sein: für schwache Nerven ist dieses Buch definitiv nicht geschrieben.

©2025 Mademoiselle Cake

Veröffentlicht am 16.08.2025

✎ Lorena Salazar - Der Fluss ist eine Wunde voller Fische

Der Fluss ist eine Wunde voller Fische
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Lorena Salazars Debüt überrascht mit einem lyrischen Feingefühl und der Gabe, mit wenigen Worten kraftvolle Bilder zu zeichnen. Trotz seiner knapp 200 Seiten fühlte sich die Lektüre jedoch streckenweise ...

Lorena Salazars Debüt überrascht mit einem lyrischen Feingefühl und der Gabe, mit wenigen Worten kraftvolle Bilder zu zeichnen. Trotz seiner knapp 200 Seiten fühlte sich die Lektüre jedoch streckenweise zäh an. Mir war, als ob die Autorin teilweise einfach nur Gedanken aneinander gereiht hat. Die Sätze wirkten manchmal fragmenthaft, und Zeitsprünge mitten im Text rissen mich zusätzlich aus meinem noch dazu seltenen Lesefluss. Trotzdem las ich bis zum Ende - einfach, weil mich die Geschichte der beiden Protagonist*innen interessierte.

Die Ich-Erzählerin, eine weiße Frau, erzählt auf der einen Seite aus ihrer Kindheit in Kolumbien. Zugleich reflektiert sie übers Muttersein. Manche dieser Passagen konnte ich als Mama gut nachvollziehen, andere haben mich verletzt.

Der Kontrast zwischen der weißen Frau und ihrem schwarzen adoptierten Sohn wirkte irritierend. Es schien, als werde die weiße Adoptivmutter in vielen Passagen als empathisch, liebevoll und erzählende Heldin stilisiert - und der Schwarze als Objekt dieser Fürsorge.

Der narrative Blick filtre Armuts- und Schönheitsbilder gerne durch Hautfarbe - das Schwarz wird zum Erzählinstrument, zum exotischen Merkmal: Die Umgebung, Stimmen, sogar der Fluss werden als „kaffeebraun“ beschrieben. Sie definiert Menschen durch Farbe. Da steckt für mich struktureller Rassismus drin, subtil verpackt.
Ich fand das ambivalent: Auf der einen Seite poetisch und atmosphärisch dicht, auf der anderen Seite wackelig, weil das Andere zur Wirkung gebraucht wird, statt aus sich selbst heraus wahrgenommen zu werden.

Der Stil wiederum wirkt auf mich fast hypnotisch: poetisch, flirrend, assoziativ - ein Strom aus Sprache, der manchmal seine eigene Strömung ist. Das war wunderschön, aber zugleich anstrengend, wenn man Lesefluss braucht. Und dann diese Namenswiederholungen. Ein einziger Name fiel so penetrant, dass mich allein seine Erwähnung nervte.
Und dann kommt das Ende. Das habe ich so nicht kommen sehen. Ich finde auch, es passt nicht zum Rest der Geschichte.
Hinzu kommt, dass ich durch Recherchen feststellen musste, dass es dieses Ereignis tatsächlich gegeben hat - nur ohne weiße Opfer.

Ich hätte mir ein Nachwort der Autorin gewünscht, das klarer erklärt, was fiktiv und was historisch belegt ist. Ein Glossar gibt zwar einige Erläuterungen zur kolumbianischen Realität, aber ein erklärender Kontext zum Ende hätte mir geholfen - gerade für Lesende in Europa, die mit dem Ereignis so wie ich nichts anfangen können.

„Der Fluss ist eine Wunde voller Fische“ ist kein Buch, das man nur liest - man nimmt es in sich auf, es reißt einen mit und lässt Fragen zurück, die man nicht abschütteln kann. Die poetische Sprache, der teilweise sensible Blick und die Reflexion über Muttersein, Hautfarbe, Zugehörigkeit und Gewalt machen es nachdenklich. Gleichzeitig stören mich Erzählposition und narrative Entscheidungen kritisch - sie zeigen, wie wichtig es bleibt, wer erzählt und von wo und mit welcher Sensibilität.

©2025 Mademoiselle Cake

Veröffentlicht am 16.08.2025

✎ Judith Kerr - Rosa Kaninchen 1 Als Hitler das rosa Kaninchen stahl

Rosa Kaninchen-Trilogie, Band 1 - Als Hitler das rosa Kaninchen stahl
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Ich hatte „Als Hitler das rosa Kaninchen stahl“ von Judith Kerr schon oft gehört, aber nie selbst gelesen. Erst als eine Schülerin in der Schulbibliothek nach den Folgebänden fragte, musste ich erstaunt ...

Ich hatte „Als Hitler das rosa Kaninchen stahl“ von Judith Kerr schon oft gehört, aber nie selbst gelesen. Erst als eine Schülerin in der Schulbibliothek nach den Folgebänden fragte, musste ich erstaunt feststellen, dass ich nicht mal wusste, dass die Autorin diesbezüglich eine Trilogie geschrieben hatte. Also habe ich mir kurzerhand noch Band 2&3 besorgt, um sie in einem Zug zu lesen. (Band 1 war bereits in unserem Regal vorhanden)

Das erste Buch hat mich überrascht. Es ist keine Erzählung, in der Konzentrationslager oder der Holocaust im Mittelpunkt stehen, sondern eine Fluchtgeschichte. Als die Familie der neunjährigen Anna in die Schweiz flüchtet, lässt sie ihr rosa Kaninchen zurück - in der Annahme, dass sie es irgendwann nachholen kann und / oder sogar zurückgehen wird. Doch Lesende wissen, dass die Rückkehr unmöglich wird.

Die kindliche Perspektive ist für das Lesealter von etwa zwölf Jahren klug gewählt. Anna schildert ihre Welt mit einer Mischung aus Naivität und staunender Beobachtung, was den Text sehr zugänglich macht. Gleichzeitig habe ich aber gemerkt, dass dadurch vieles nur am Rande angedeutet wird. Über die politischen Hintergründe oder das tatsächliche Dieser Ansatz bietet jüngeren Lesenden einen sanften Zugang zur Thematik, ohne sie zu überfordern.

Für mich war es zunächst irritierend, dass der Nationalsozialismus fast nur als Auslöser der Flucht erkennbar bleibt. Ich hatte erwartet, mehr über die Verbrechen dieser Zeit zu erfahren - dem Lesealter angepasst. Doch stattdessen erzählt das Buch in erster Linie von der Unsicherheit, dem Verlust und den Versuchen einer Familie, in der Fremde anzukommen. Genau darin liegt seine Stärke: Es ist kein klassischer Holocaust-Roman, sondern ein Fluchtroman aus Sicht eines Kindes.

Wer also einen kindgerechten Einstieg in die NS-Zeit sucht, findet hier eine feinfühlige, authentische Geschichte. Wer dagegen tiefergehende Informationen über das Regime erwartet, könnte enttäuscht sein. Für mich war es ein eindringliches, aber zugleich sehr behutsames Leseerlebnis - und ich bin gespannt, wie sich die Trilogie in den nächsten Bänden weiterentwickelt.

©2025 Mademoiselle Cake

Veröffentlicht am 15.08.2025

✎ Martin Baltscheit - Geschichten vom Löwen 1 Die Geschichte vom Löwen, der nicht schreiben konnte

Die Geschichte vom Löwen, der nicht schreiben konnte
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Viele Familien kennen „Die Geschichte vom Löwen, der nicht schreiben konnte“ von Martin Baltscheit - oft steht es im Kinderzimmerregal oder landet sogar als Schullektüre auf dem Tisch.

Das Buch vermittelt ...

Viele Familien kennen „Die Geschichte vom Löwen, der nicht schreiben konnte“ von Martin Baltscheit - oft steht es im Kinderzimmerregal oder landet sogar als Schullektüre auf dem Tisch.

Das Buch vermittelt sehr charmant, warum Lesen- und Schreibenlernen so wichtig ist, ohne mit dem Zeigefinger zu belehren. Nebenbei lernen Kinder, wie unterschiedlich Tiere ticken - vom Affen bis zum Geier. Die humorvolle Erzählweise macht es leicht, mitzufiebern, auch wenn der Wortschatz eher einfach bleibt.

Die wiederholenden Passagen fand ich als Erwachsene etwas eintönig, mein Kind jedoch mochte sie. Sie sorgen gerade bei Leseanfänger*innen für Sicherheit. Für Kinder, die gerade erst das Lesen entdecken, ist die Mischung aus vielen Bildern, wenig Text und klaren Sätzen ideal. Als leichter Einstieg ins Selberlesen erfüllt es seinen Zweck sehr gut und bringt garantiert den einen oder anderen Schmunzler.

©2025 Mademoiselle Cake