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Veröffentlicht am 16.09.2025

✎ Bodil Bredsdorff - Unter Brüdern

Schlagschatten
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„Unter Brüdern“ von Bodil Bredsdorff habe ich zufällig in der Fundkiste unserer Schulbibliothek entdeckt. Es war aussortiert, aber der Klappentext klang so besonders, dass ich es einfach mitnehmen musste. ...

„Unter Brüdern“ von Bodil Bredsdorff habe ich zufällig in der Fundkiste unserer Schulbibliothek entdeckt. Es war aussortiert, aber der Klappentext klang so besonders, dass ich es einfach mitnehmen musste. Ich versprach mir eine emotionale Geschichte.

Der Jugendroman liest sich für Erwachsene recht schnell, und doch bleibt er lange im Kopf. Der Spannungsbogen verläuft recht flach, da die Handlung sich oft von einem Tag zum nächsten bewegt. Wir begleiten zwei Jungen, die zunächst Nachbarn sind und im Laufe der Geschichte zu engen Freunden werden. Ihr Alltag wirkt unscheinbar, und doch ist er geprägt von Armut, Alkoholismus und Gewalt. Dazu kommen Schlaganfall, Eifersucht, Freundschaft und das wachsende Vertrauen zwischen den beiden, das ihnen in schwierigen Momenten Halt gibt. Auch die Nachbarschaft entwickelt sich zu einem wichtigen Netz aus gegenseitiger Hilfe, was dem Roman eine hoffnungsvolle Note verleiht.

Oft empfand ich die Schilderungen als bedrückend. Mehr als einmal hatte ich selbst einen Kloß im Hals, vor allem in den Schulszenen. Sie machen wütend, weil sie so realistisch sind und uns mit der Ungerechtigkeit konfrontieren, die Kinder oft aushalten müssen. Gerade deshalb sehe ich in dem Buch großes Potenzial, Diskussionen anzustoßen.

Bei der Altersfrage bin ich vorsichtig. „Unter Brüdern“ ist als Jugendbuch konzipiert und ich persönlich würde es niemandem unter 12 Jahren empfehlen. Vieles wird nicht direkt ausgesprochen, sondern steckt zwischen den Zeilen. Das erfordert ein hohes Maß an Empathie und Einfühlungsvermögen, sonst droht man, an der Schwere der Themen zu scheitern. Die Charakterisierung erfolgt nicht durch Beschreibungen, sondern allein durch Handlungen - ein literarischer Kniff, der Erwachsene fasziniert, Kinder aber fordern kann.

Besonders beeindruckend fand ich, wie Bodil Bredsdorff Frauen und Männer zeichnet, die stark wirken und dennoch scheitern dürfen. Sie löst das starre Bild von Familie auf, ohne ins Überzeichnete abzudriften. Genau diese Vielschichtigkeit macht das Buch auch als Schullektüre spannend. Es bietet reichlich Stoff zum Diskutieren und Interpretieren, gerade weil die Autorin vieles unausgesprochen lässt.

Ursprünglich erschien der Roman unter dem Titel „Unter Brüdern“, 2013 wurde er jedoch neu aufgelegt und trägt seither den Namen „Schlagschatten“. Ein kleines Buch, das große Fragen stellt und dabei lange nachwirkt.

©2025 Mademoiselle Cake

Veröffentlicht am 15.09.2025

✎ Anna Gavalda - Zusammen ist man weniger allein

Zusammen ist man weniger allein
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Ich hatte mich sehr auf den Roman „Zusammen ist man weniger allein“ von Anna Gavalda gefreut. Der Klappentext versprach eine gefühlvolle Geschichte, voller Herzschmerz, aber auch mit humorvollen und warmen ...

Ich hatte mich sehr auf den Roman „Zusammen ist man weniger allein“ von Anna Gavalda gefreut. Der Klappentext versprach eine gefühlvolle Geschichte, voller Herzschmerz, aber auch mit humorvollen und warmen Momenten. Genau das habe ich mir erhofft - doch bekommen habe ich etwas völlig anderes.

Schon nach wenigen Seiten wirkte die Handlung eher wie ein Wirrwarr. Ich habe das Buch gemeinsam mit @linhelest angefangen, die nach einem Viertel abgebrochen hat. Und ehrlich gesagt, konnte ich das gut nachvollziehen. Ich selbst habe weitergelesen, vor allem weil mich das Schicksal der alten Paulette nicht losgelassen hat.

Doch der Stil - ob nun von der Autorin oder durch die Übersetzung - macht es einem wirklich schwer. Ständige Zeitsprünge lassen einen oft das Gefühl haben, man hätte etwas verpasst. Zudem zieht sich die Handlung spürbar in die Länge. Viele Szenen wirken belanglos und bremsen den Lesefluss, anstatt die Figuren oder die Handlung voranzubringen.

Obwohl man durchaus Einblicke in die Vergangenheit der vier Hauptfiguren bekommt, sind sie mir dennoch nicht durchweg sympathisch geworden. Gerade Franck blieb mir trotz seines Schicksale auf Distanz.

Besonders problematisch fand ich den Umgang mit den Krankheiten der Protagonisten. Philiberts Stottern verschwindet quasi durch Camilles Unterstützung und ein wenig Schauspielerei. Camilles Magersucht wiederum wird durch die Zuwendung von Franck, dem Koch, „geheilt“. Für mich wirkt das verharmlosend und respektlos gegenüber Menschen, die mit solchen Erkrankungen über Jahre hinweg Therapien durchlaufen.Ich empfand die Darstellung als unrealistisch und verantwortungslos.

Trotz all meiner Kritik hatte das Ende eine emotionale Wirkung auf mich. Auch wenn ich es kommen sah, hat mich eine Szene tatsächlich zu Tränen gerührt. Dieser Moment konnte das Gesamtbild für mich jedoch nicht retten.

Unterm Strich bleibt es für mich ein Roman mit einer starken Grundidee, die viel Potenzial hatte, aber in meinen Augen leider nicht ausgeschöpft wurde. Statt einer berührenden und mitreißenden Geschichte bekam ich einen verworrenen Text, der mich mehr verwirrt als begeistert hat.

©2025 Mademoiselle Cake

Veröffentlicht am 14.09.2025

✎ Mechthild Gläser - Die Buchspringer

Die Buchspringer
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Vor einigen Jahren hatte ich selbst eine ähnliche Geschichte für Erwachsene angefangen, sie aber irgendwann abgebrochen, weil sie mich damals nicht überzeugen konnte. Als ich nun „Die Buchspringer“ von ...

Vor einigen Jahren hatte ich selbst eine ähnliche Geschichte für Erwachsene angefangen, sie aber irgendwann abgebrochen, weil sie mich damals nicht überzeugen konnte. Als ich nun „Die Buchspringer“ von Mechthild Gläser im Tauschschrank entdeckte, habe ich das Buch spontan mitgenommen. Ich dachte, es könnte vielleicht etwas für die Schulbibliothek sein, und außerdem wollte ich mitreden können. Also habe ich mich entschieden, es mir anzuhören.

Die Grundidee, in Bücher hineinspringen und mit literarischen Figuren interagieren zu können, fand ich zunächst spannend. Genau das hatte mich neugierig gemacht. Doch je weiter ich kam, desto mehr hatte ich das Gefühl, dass die Umsetzung hinter dem Potenzial zurückbleibt. Auf der einen Seite ist die Geschichte fantasievoll, aber auch recht oberflächlich. Sowohl die Handlung als auch die Figuren wirkten auf mich wenig greifbar.

Besonders deutlich wurde das an der Enthüllung um Amys Vater. Ich hatte diese Wendung zwar geahnt, doch anstatt wirklich darauf einzugehen, bleibt der Roman an der Oberfläche. Gerade weil dieser Aspekt so wichtig für die gesamte Geschichte ist, hätte ich mir hier mehr Tiefe gewünscht. Leider wird er nur kurz erwähnt und spielt später gar keine Rolle mehr.

Auch an Klischees spart Mechthild Gläser nicht.
Die Mutter verheimlicht Amy ihre magischen Fähigkeiten? Check!
Amy als Neuling merkt sofort, dass etwas nicht stimmt? Check!
Die Protagonistin wird nicht ernst genommen? Check!
Es gibt eine superreiche Zicke? Check!
Der Gegenspieler ist böse und durchgeknallt? Check!
Protagonistin erfährt Mobbing in der Schule? Check!
Die Liste könnte man unendlich weiterführen …

Am Ende blieb bei mir von der Geschichte kaum etwas hängen. Ich habe das Hörbuch zwar bis zum Schluss durchgehört, aber wenn ich es als Printausgabe gelesen hätte, hätte ich vermutlich irgendwann abgebrochen. Das liegt nicht daran, dass „Die Buchspringer“ grundsätzlich schlecht wäre - die Idee ist wirklich reizvoll -, sondern daran, dass sich die Handlung für mich unglaublich in die Länge zog und Ideen einfach in den Raum geworfen und dann nicht weiterverfolgt wurden.

So sehr ich das Konzept mag, fehlt mir die emotionale Tiefe, die ein Buch unvergesslich macht. Für mich war es eine nette, aber schnell vergessene Lektüre, die mich leider nicht so begeistert hat, wie ich es mir erhofft hatte.

©2025 Mademoiselle Cake

Veröffentlicht am 10.09.2025

✎ Míriam Tirado - Das geheime Band der Liebe

Das geheime Band der Liebe
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Ich hatte große Erwartungen an „Das geheime Band der Liebe“ und tatsächlich ist das Buch sehr emotional. Im Mittelpunkt steht die schöne Idee, dass Kinder niemals allein sind, weil ein unsichtbares Band ...

Ich hatte große Erwartungen an „Das geheime Band der Liebe“ und tatsächlich ist das Buch sehr emotional. Im Mittelpunkt steht die schöne Idee, dass Kinder niemals allein sind, weil ein unsichtbares Band sie mit allen verbindet, die sie lieben. Diese Botschaft ist tröstlich und warmherzig, die beschriebenen Situationen sind (meist) behutsam gewählt und voller Zuneigung.

Gleichzeitig habe ich gemerkt, dass sehr viele Themen in die Geschichte gepackt wurden. Neben dem Kinderwunsch einer Frau geht es auch um den Tod, um ein Kind, das im Kindergarten weint, weil es die Mama vermisst, und sogar um den Wunsch nach einem Haustier. Für ein Bilderbuch mit rund 60 Seiten wirkt das fast ein wenig überladen.

Besonders das Thema Tod hat mich überrascht. Zwar ist es ein wichtiges Thema, doch ich persönlich würde einem kleinen Kind nicht ohne Anlass erklären, dass die Großeltern irgendwann sterben werden. In der Geschichte wird kein akuter Abschied thematisiert, und ich finde, dass ein vierjähriges Kind die Verbindung zwischen den Falten einer Oma und dem Altern kaum versteht.

Auch das Ende mit dem Hund hat bei uns eher für Unruhe gesorgt. Mein Kind wünscht sich seither ebenfalls einen Hund, was wir aus persönlichen Gründen nicht erfüllen können. An dieser Stelle zeigt sich, dass die Geschichte je nach Familiensituation sehr unterschiedliche Reaktionen hervorrufen kann.

Die Illustrationen sind in Ordnung, aber sie wirken recht schlicht. Auf den Bildern gibt es wenig Details zu entdecken, und alle Figuren sind weiß dargestellt. Hier hätte ich mir mehr Diversität gewünscht, damit sich unterschiedliche Kinder besser wiederfinden können.

Insgesamt bleibt für mich ein zwiespältiger Eindruck: „Das geheime Band der Liebe“ hat eine berührende Botschaft, aber die Fülle an Themen - und manche Darstellungen davon - sind nicht unproblematisch. Das Buch ist in meinen Augen daher wertvoll und tröstlich, aber es beinhaltet ebenso schwer greifbare Aspekte für jüngere Kinder.

Ganz toll finde ich übrigens, dass es hier wieder eine kostenlose Hörversion dazu gibt.

©2025 Mademoiselle Cake

Veröffentlicht am 09.09.2025

✎ Rashid Hamid - Freundschaft kennt kein Alter

Freundschaft kennt kein Alter
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Ich bin irgendwann zufällig auf Videos von Oma Lotti gestoßen. Sie tauchten immer mal wieder in meinem Feed auf und ich habe mir einige angeschaut, ohne mich jedoch näher mit dem Hintergrund zu beschäftigen. ...

Ich bin irgendwann zufällig auf Videos von Oma Lotti gestoßen. Sie tauchten immer mal wieder in meinem Feed auf und ich habe mir einige angeschaut, ohne mich jedoch näher mit dem Hintergrund zu beschäftigen. Erst als ich auf das Hörbuch „Freundschaft kennt kein Alter - Wie Oma Lotti und alle anderen mein Leben verändert haben“ von Rashid Hamid aufmerksam wurde, habe ich mich bewusst damit auseinandergesetzt. Vielleicht lag es auch daran, dass eine meiner Angehörigen selbst keine guten Erfahrungen mit einem Pflegedienst gemacht hat und ich deshalb neugierig war, wie jemand aus der Praxis darüber berichtet.

Hamid erzählt in seinem Buch von Begegnungen mit älteren Menschen, die er betreut, und schafft es, ihre Lebensgeschichten mit großem Respekt und spürbarer Zuneigung zu schildern. Auch wenn mir außer Oma Lotti niemand ein Begriff war, habe ich schnell gemerkt, wie einzigartig und berührend die Biografien sind. Diese Erzählungen holen die Menschen aus der Anonymität der Pflege heraus und machen sie zu Persönlichkeiten, die man nicht so schnell vergisst.

Besonders beeindruckt hat mich, wie viel Wärme, Humor und Empathie in seinen Worten mitschwingen. Man spürt, dass er die Pflege nicht als lästige Pflicht, sondern als Begegnung auf Augenhöhe versteht. Gerade in einer Zeit, in der oft über Personalmangel, Überforderung und Gleichgültigkeit im Pflegealltag berichtet wird, wirkt seine Haltung erfrischend und hoffnungsvoll. Ich wünsche mir, es gäbe mehr Menschen in diesem Beruf, die ihre Arbeit mit so viel Herz ausüben. Denn hier geht es nicht um Routinen oder Abläufe, sondern um das Leben und die Würde von Menschen, die auf Unterstützung angewiesen sind.

Die sehr emotionale Erzählweise empfand ich persönlich als bereichernd. Diese Nähe macht das Buch authentisch und hebt es von nüchternen Erfahrungsberichten ab.

Für mich ist „Freundschaft kennt kein Alter“ mehr als nur ein Einblick in den Pflegealltag. Es ist ein Plädoyer für Menschlichkeit und für das, was Begegnungen zwischen Generationen möglich machen können. Der Pfleger zeigt, dass selbst in schwierigen Situationen Freundschaft und Vertrauen eine Brücke schlagen - und dass daraus Beziehungen entstehen, die das Leben nachhaltig verändern können.

©2025 Mademoiselle Cake