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Veröffentlicht am 08.08.2025

✎ Helme Heine - Der Hase mit der roten Nase

Der Hase mit der roten Nase
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Jedes Jahr rund um Ostern taucht das Bilderbuch „Der Hase mit der roten Nase“ von Helme Heine auf unzähligen Social-Media-Accounts auf. Die Begeisterung ist groß, und immer wieder wird dieses Kinderbuch ...

Jedes Jahr rund um Ostern taucht das Bilderbuch „Der Hase mit der roten Nase“ von Helme Heine auf unzähligen Social-Media-Accounts auf. Die Begeisterung ist groß, und immer wieder wird dieses Kinderbuch als „must-have“ genannt. Als mir das Buch dann zufällig in die Hände fiel, war die Neugier natürlich riesig - schließlich wollte ich wissen, ob es auch bei uns zum (Oster)Liebling werden könnte.

Die Ernüchterung kam schnell. Denn obwohl es oft als Osterbuch gehandelt wird, enthält die Geschichte keinerlei österliche Elemente. Kein Ei, kein Osterhase, keine Frühlingsszene - die einzige Verbindung ist die Hauptfigur: ein Hase. Inhaltlich besteht die Erzählung aus sieben Reimen, die für mich wenig Aussagekraft besitzen. Die Handlung würde ich sogar als belanglos und zu kurz beschreiben, um eine echte Botschaft und Mehrwert zu vermitteln.

Ursprünglich dachte ich, die Geschichte wolle Kindern vermitteln, dass Anderssein etwas Positives ist und zur Vielfalt beiträgt. Doch in der Umsetzung wirkt die Botschaft fragwürdig: Der Hase wird wegen seiner roten Nase und des blauen Ohres nicht einmal als Hase erkannt. Für mich ist das ein problematisches Signal. Als würde ein äußerliches Merkmal bestimmen, ob man dazugehört. Daher empfinde ich diese Darstellung als missglückt, weil sie den Wert von Akzeptanz nicht klar vermittelt.

Zwar freut sich der Hase in der Erzählung über sein besonderes Aussehen, doch am Ende bleibt er allein zurück - und das kann Kindern leicht den Eindruck vermitteln, dass Anderssein Einsamkeit bedeutet. Gerade bei einem Kinderbuch ab 2 Jahren erwarte ich eine stärkere, ermutigende Botschaft.
Statt eines warmen Oster- oder Freundschaftsgefühls bleibt hier eher ein Gefühl von Ausgrenzung zurück. In unserem Bücherregal hat „Der Hase mit der roten Nase“ daher keinen festen Platz gefunden.

©2025 Mademoiselle Cake

Veröffentlicht am 06.08.2025

✎ Ole & Nils König - Kleine Redner, große Worte

Kleine Redner, große Worte
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Das Buch „Kleine Redner, große Worte: Präsentieren und Reden lernen für Kinder (mit Spaß!)“ von Ole & Nils König möchte Kindern im Alter von 8 bis 13 Jahren spielerisch beibringen, wie sie selbstbewusst ...

Das Buch „Kleine Redner, große Worte: Präsentieren und Reden lernen für Kinder (mit Spaß!)“ von Ole & Nils König möchte Kindern im Alter von 8 bis 13 Jahren spielerisch beibringen, wie sie selbstbewusst präsentieren und vor Publikum sprechen können. Ein großartiges Ziel - schließlich werden Kommunikationsfähigkeiten schon in der Schule immer wichtiger. Doch erfüllt das Buch diesen Anspruch wirklich?

Der Ratgeber ist in zehn Kapitel gegliedert, die Schritt für Schritt durch den Präsentationsprozess führen - von der Themenwahl über den Aufbau bis hin zur Reflexion nach dem Vortrag. Auch Bereiche wie Technik (PowerPoint & Co.), Lampenfieber oder Zielgruppenanalyse werden behandelt.

Inhaltlich bietet das Buch damit eine umfassende Grundlage für Kinder, die ihre ersten Schritte als Rednerinnen machen wollen. Es enthält auch hilfreiche Übungen und Spielideen, um das Gelernte zu festigen - ein echter Pluspunkt, denn Praxisbezug ist gerade bei jungen Lernenden entscheidend.

Allerdings: Beim Lesen wird schnell klar - der Text ist ziemlich textlastig. Für ein Kinderbuch fehlt es an visuellen Ankerpunkten. Wenig Absätze, kaum Hervorhebungen oder farbige Infokästen – das erschwert das Verständnis und fordert selbst erwachsene Leser
innen heraus. Für ein altersgerechtes Lernbuch wäre mehr didaktische Auflockerung wünschenswert gewesen.

Das Buch wurde offiziell für Kinder ab acht Jahren geschrieben. Doch in der Praxis wirkt es eher wie ein Leitfaden für begleitende Erwachsene - seien es Lehrkräfte, Eltern oder pädagogische Fachkräfte. Viele Inhalte sind sprachlich oder konzeptionell so aufbereitet, dass sie ohne Hilfe kaum verständlich sind. Damit wird die Zielgruppe leider etwas verfehlt.

Es wäre schön gewesen, wenn Kinder das Buch selbstständig durchblättern, lesen und verinnerlichen könnten - mit klaren Zusammenfassungen am Kapitelende oder kleinen Reflexionsseiten, auf denen sie ihre Gedanken notieren. So entsteht der Eindruck, dass Kinder zwar adressiert, aber nicht wirklich als eigenständige Leserinnen ernst genommen werden.

Auch in Sachen Gestaltung zeigt sich Verbesserungspotenzial. Der äußere Buchrand ist zwar großzügig, innen aber lässt sich nur schwer etwas markieren oder notieren. Für ein Arbeitsbuch, das zur aktiven Auseinandersetzung einlädt, ist das eher unpraktisch. Das Format wirkt insgesamt etwas unhandlich - nicht unbedingt ideal für Kinderhände.

Ein Glossar ist grundsätzlich eine sinnvolle Ergänzung. Hier allerdings wirken einige Begriffe überflüssig erklärt. Dass Kinder in diesem Alter bereits wissen, was „Applaus“, „Pause“ oder „Zuhörer“ bedeutet, darf man voraussetzen. Eine stärkere Auswahl an Begriffen, die wirklich erklärungsbedürftig sind hätte hier deutlich mehr Mehrwert geboten.

„Kleine Redner, große Worte“ verfolgt ein wichtiges und wertvolles Ziel: Kindern Mut zu machen, sich auszudrücken, vor Gruppen zu sprechen und ihre Ideen überzeugend zu präsentieren. Die Inhalte sind fundiert, praxisnah und bieten viele gute Ansätze.

Doch das Buch bleibt hinter seinen Möglichkeiten zurück, weil es seine junge Zielgruppe nicht genug in den Fokus rückt. Statt kindgerechter Aufbereitung und motivierender Gestaltung setzt es auf ausführlichen Fließtext, der ohne erwachsene Unterstützung schwer zu bewältigen ist.

Für Eltern, Lehrkräfte oder Trainer
innen kann es dennoch ein wertvolles Werkzeug sein - besonders, wenn sie Kinder beim Präsentieren aktiv begleiten möchten. Wer allerdings auf ein Buch hofft, das Kinder eigenständig durch das Abenteuer „Reden lernen“ führt, wird hier eher enttäuscht.

©2025 Mademoiselle Cake

Veröffentlicht am 06.08.2025

✎ Jake Biggin - Vom kleinen Glück

Vom kleinen Glück
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„Der Junge, der Maulwurf, der Fuchs und das Pferd“ ist eines der Bücher, die einen still begleiten - (m)ein Herzensbuch. Als ich „Vom kleinen Glück“ zum ersten Mal entdeckte, dachte ich für einen Moment, ...

„Der Junge, der Maulwurf, der Fuchs und das Pferd“ ist eines der Bücher, die einen still begleiten - (m)ein Herzensbuch. Als ich „Vom kleinen Glück“ zum ersten Mal entdeckte, dachte ich für einen Moment, es sei ein neues Werk desselben Autors. Der Stil, das Cover, die liebevolle Gestaltung - alles erinnerte mich daran. Doch der Name auf dem Umschlag war ein anderer: Jake Biggin.

Zunächst wollte ich es nicht lesen, weil ich wusste, wie schwer es ist, an mein Lieblingsbuch in diesem Genre heranzureichen. Doch dann entschied ich mich um - ich wollte dem Buch eine Chance geben, in der Hoffnung, dass es ähnlich berührt und trotzdem etwas Eigenständiges erzählt.

Bereits die ersten Seiten von „Vom kleinen Glück“ treffen ins Herz. Die Begegnung zwischen Anna und Happy - einem kleinen Wesen voller Zuversicht - wirkt kindlich und poetisch zugleich.

„Hallo, Anna. Ich bin Happy. Können wir beste Freunde sein?“
„Ich weiß aber nicht, wie das geht.“
„Ich schon.“

Diese wenigen Sätze haben mich tief bewegt und brachen mir schier das Herz. Wie einsam muss ein Kind sein, das Freundschaft nicht kennt? Diese Szene spiegelt auf berührende Weise wider, wie bedeutend menschliche Nähe und emotionale Begleitung sind - gerade in der Kindheit.

Jake Biggin erzählt keine klassische lineare Geschichte. Ähnlich wie bei Charlie Mackesy sind die Seiten wie kleine Inseln: eigenständige Gedanken, die für sich stehen können, und dennoch in ihrer Gesamtheit ein rundes, warmes Bild ergeben. Man kann das Buch an beliebiger Stelle aufschlagen und wird immer etwas finden, das berührt oder zum Nachdenken anregt - ohne den roten Faden zu verlieren.

Obwohl das Werk auf den ersten Blick wie ein typisches „Freundschafts-Geschenkbuch“ wirkt, sehe ich es etwas anders. Für mich passt es besser zu einer Patenschaft, als symbolisches Geschenk zur Taufe oder für einen jungen Menschen auf dem Weg ins Leben. Es geht um mehr als nur Freundschaft: Es geht ums Wachsen, um Mut, um innere Stärke und das stille Vertrauen in sich selbst.

Die Zeichnungen sind schlicht, aber keineswegs belanglos. Biggins Stil ist reduziert, fast skizzenhaft - und dennoch voller Emotionen. Mit wenigen Strichen gelingt es ihm, Atmosphäre zu schaffen, Gefühle sichtbar zu machen und Charaktere mit Leben zu füllen. Gerade das Unperfekte, das Skizzenhafte, macht den Charme aus.

Wie schon Mackesy setzt auch Biggin auf Leichtigkeit und erreicht damit genau das, was ich mir gewünscht habe: kleine Erinnerungen im Alltag, dass man gut ist, wie man ist - gerade in schwierigen Momenten.

„Vom kleinen Glück“ ist kein Ersatz für „Der Junge, der Maulwurf, der Fuchs und das Pferd“ - und will das auch nicht sein. Ich hätte mir dennoch gewünscht, dass es sich etwas mehr davon abhebt.
Trotzdem: Es ist eine sanfte Begleitung, ein kleiner Schatz für ruhige Stunden, für Menschen, die Trost oder einen liebevollen Impuls brauchen. Ein Buch, das sich wunderbar verschenken lässt - oder das man sich einfach selbst gönnt.

©2025 Mademoiselle Cake

Veröffentlicht am 05.08.2025

✎ Helga Glaesener - Die Vergolderin

Die Vergolderin
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Eigentlich hat mir „Die Vergolderin“ von Helga Glaesener gefallen. Zumindest sprachlich. Denn was man der Autorin ohne Zögern zugestehen kann, ist ihr feines Gespür für Sprache. Ihr Schreibstil ist atmosphärisch ...

Eigentlich hat mir „Die Vergolderin“ von Helga Glaesener gefallen. Zumindest sprachlich. Denn was man der Autorin ohne Zögern zugestehen kann, ist ihr feines Gespür für Sprache. Ihr Schreibstil ist atmosphärisch dicht, gut lesbar und bildhaft - genau das hat mich durch die Geschichte getragen.

Inhaltlich jedoch bin ich zwiegespalten. Der Roman spielt im historischen Kontext und folgt einer jungen Frau, die sich im Handwerk behaupten will - doch genau hier liegt mein größter Kritikpunkt. Als jemand, der sich ein wenig mit der Materie auskennt, war ich irritiert über die Gleichsetzung von Vergolderin und Goldschmied. Diese beiden Berufe unterscheiden sich deutlich - sowohl in der Technik als auch im Umgang mit Materialien und Zielprodukten. Glaesener wirft sie jedoch stellenweise in einen Topf. Ob das aus Unwissenheit oder dramaturgischer Vereinfachung geschieht, bleibt offen. Ich gestehe jeder Autorin eine gewisse kreative Freiheit zu, aber bei so grundlegenden Details wünsche ich mir mehr Präzision.

Ein weiterer Schwachpunkt liegt in der Konstruktion der Handlung. Manche Wendungen wirken schlicht zu konstruiert, einige Zufälle sind so „glücklich“, dass sie fast schon unrealistisch anmuten. Es fehlt mitunter an Tiefgang in der Figurenentwicklung - besonders bei den Gegenspielern. Die „Bösen“ bleiben eindimensional, während die Hauptfiguren erstaunlich problemlos durch die Konflikte navigieren. Das macht es manchmal schwer, wirklich mitzufiebern.

Und dennoch: Der Roman ist nicht ohne Reiz. Es gibt unerwartete Momente, interessante historische Ansätze und einen durchgehend soliden Spannungsbogen. Auch wenn vieles vorhersehbar ist, bleiben genug Unklarheiten, um weiterzulesen.

Der Roman hat eine dichte Atmosphäre und eine starke Protagonistin, ihm fehlt es jedoch an historischer Genauigkeit. Auch die stereotype Figurenzeichnung war nicht mein Fall. Wer also ein authentisches, tief recherchiertes Werk erwartet, wird vermutlich enttäuscht. Wer sich jedoch auf eine sprachlich schöne, unterhaltsame Lektüre mit historischem Flair einlassen möchte, könnte „Die Vergolderin“ durchaus genießen.

©2025 Mademoiselle Cake

Veröffentlicht am 02.08.2025

✎ Jennifer Brown - Die Hassliste

Die Hassliste (5 CDs)
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Was verbindet Bücher wie „Klassenziel“, „Es wird keine Helden geben“, „Neunzehn Minuten“ und „Die Hassliste“? Sie alle stellen sich der brutalen Realität eines Amoklaufs - und dem Leben danach.

Jennifer ...

Was verbindet Bücher wie „Klassenziel“, „Es wird keine Helden geben“, „Neunzehn Minuten“ und „Die Hassliste“? Sie alle stellen sich der brutalen Realität eines Amoklaufs - und dem Leben danach.

Jennifer Browns „Die Hassliste“ geht dabei einen besonderen Weg: Sie fokussiert nicht nur auf die Tat selbst, sondern auf die Fragen, die danach bleiben. Wie lebt man weiter, wenn man Teil einer Katastrophe war, aber nicht ganz klar ist, auf welcher Seite?

Im Zentrum steht Valerie. Sie hat gemeinsam mit ihrem Freund Nick eine Liste geführt, auf der all jene standen, die ihnen das Leben schwer machten - eine Art Ventil, ein Ausdruck von Wut und Ohnmacht. Doch während Valerie diese Liste nie als Aufruf zur Gewalt sah, setzte Nick genau das in die Tat um.

Was bedeutet das für Valerie? Ist sie Mittäterin? Opfer? Oder beides? Diese moralische Grauzone beleuchtet die Autorin sehr eindringlich - ohne einfache Antworten zu liefern.

Jennifer Brown schafft es, durch verschiedene Perspektiven - von Valeries Familie über Mitschülerinnen bis hin zu Lehrerinnen - ein vielschichtiges Bild der Nachwirkungen zu zeichnen. Die emotionale und gesellschaftliche Zerrissenheit nach der Tat wird greifbar.

Besonders eindrucksvoll: Valerie wird weder glorifiziert noch verteufelt. Sie bleibt ein Mensch - verletzt, verunsichert, auf der Suche nach Orientierung. Und genau darin liegt die Stärke des Buches. Es zeigt, dass Schuld und Unschuld nicht immer klar zu trennen sind.
Auch Nick nimmt eine besondere Rolle ein. Müssen alle ihn für seine Tat jetzt hassen und er mutiert zum Monster? Oder bleibt er trotzdem noch ein Mensch?

Ich empfand die Darstellung von Valeries Familie als etwas klischeehaft und stellenweise überzogen hart. Auch die Figur von Nick bleibt seltsam diffus. Zwar gibt es Rückblenden, in denen man Bruchstücke seiner Persönlichkeit kennenlernt, doch seine inneren Beweggründe bleiben weitgehend im Dunkeln. Erst war das für mich ein wenig unbefriedigend, aber letztendlich finde ich, es passt zur Perspektive: Denn Valerie selbst hat vieles ebenfalls nicht verstanden.

Anders als viele Jugendromane verzichtet Brown auf überflüssige Nebenhandlungen. Die Geschichte bleibt fokussiert, intensiv und nah an ihrer Hauptfigur - das macht sie so wirkungsvoll.

Ich halte die Lektüre für eine ausgezeichnete Wahl im Schulunterricht. Die Thematik ist hochaktuell und bietet viel Raum für Diskussionen über Mobbing, psychische Gesundheit, Schuld und Verantwortung. Schüler*innen können sich mit der Protagonistin identifizieren und gleichzeitig ihre eigenen Haltungen hinterfragen.

„Die Hassliste“ ist kein leichtes Buch - aber ein notwendiges. Es konfrontiert mit unbequemen Wahrheiten, lässt Raum für Empathie und zeigt, wie komplex die Realität hinter Schlagzeilen wirklich ist.

©2025 Mademoiselle Cake