Let Them als allumfassende Lösung??
Die LET THEM TheorieIn Let Them Theory präsentiert Mel Robbins eine Philosophie, die helfen soll, mit den Erwartungen und dem Verhalten anderer gelassener umzugehen. Die Idee: Man kann andere nicht kontrollieren – also sollte ...
In Let Them Theory präsentiert Mel Robbins eine Philosophie, die helfen soll, mit den Erwartungen und dem Verhalten anderer gelassener umzugehen. Die Idee: Man kann andere nicht kontrollieren – also sollte man ihnen einfach „erlauben“, sie selbst zu sein. Statt sich über Dinge zu ärgern, auf die man keinen Einfluss hat, soll man lernen, sich auf das eigene Wohlbefinden zu konzentrieren.
Was zunächst simpel klingt, wird im Buch mit vielen Beispielen und persönlichen Erfahrungen unterfüttert. Robbins erzählt offen von ihren eigenen Krisen und davon, wie sie durch diese Haltung mehr innere Stabilität gefunden hat. In Teilen wirkt das durchaus inspirierend, vor allem wenn es darum geht, emotionale Energie nicht mehr in endlose Grübeleien über das Verhalten anderer zu stecken.
Doch trotz der positiven Grundbotschaft hinterlässt das Buch einen zwiespältigen Eindruck. Viele der geschilderten Situationen erscheinen konstruiert oder überzogen, einige Schlussfolgerungen wirken für zwischenmenschliche Beziehungen zu radikal. Gerade in engen Freundschaften oder familiären Bindungen kann zu viel Distanz schnell als Desinteresse gedeutet werden – eine gesunde Beziehung braucht mehr als nur Gleichgültigkeit gegenüber dem, was andere tun.
Auch der Umgang mit Konflikten wird sehr einseitig dargestellt: Schweigen statt klären, loslassen statt reden. Wer das als pauschale Lebenshaltung übernimmt, läuft Gefahr, sich von wichtigen Menschen zu entfremden. Kritisch sehe ich zudem, dass psychische Belastungen nur am Rande thematisiert werden – als ließen sich alle Probleme mit ein bisschen Selbstverantwortung lösen.
Stilistisch ist das Buch geprägt von einer betont motivierenden, aber mitunter anstrengend dramatischen Tonlage. Wiederholungen ziehen sich durch das gesamte Buch, was die Lektüre stellenweise ermüdend macht.
Insgesamt mag ich es immer sehr, wenn die Autoren Lebenserfahrungen einbauen und versuchen durch diese ihre Botschaft zu übermitteln! Die amerikanische Direktheit hat mich besonders ab Mitte des Buches dann doch eher gestört und nicht motiviert.