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Veröffentlicht am 23.05.2021

Spannendes und tödliches Katz- und Mausspiel

Nachtschrei
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Inhalt:
In einer Polizeistation in Wisconsin geht ein unverständlicher Notruf aus einem einsam gelegenen Ferienhaus ein. Obwohl Brynn McKenzie dienstfrei hat, geht sie der Angelegenheit nach und gelangt ...

Inhalt:
In einer Polizeistation in Wisconsin geht ein unverständlicher Notruf aus einem einsam gelegenen Ferienhaus ein. Obwohl Brynn McKenzie dienstfrei hat, geht sie der Angelegenheit nach und gelangt als Erste an den Schauplatz eines grausamen Doppelmordes. Beinahe zu spät bemerkt die Polizistin, dass sich außer einer verängstigten Zeugin auch die Täter noch auf dem Grundstück befinden. Und damit beginnt für die beiden ungleichen Frauen eine atemlose Hetzjagd durch die Nacht – ein Albtraum, den sie nur gemeinsam überleben können …
Jeffery Deaver hetzt die beiden Frauen erbarmungslos durch die nächtlichen Wälder Wisconsins. Die bedrohlichen Naturbeschreibungen und die ständige Flucht vor den Mördern ist spannend und weist immer neue Wendungen auf. Dabei gelingt es Deaver auch, die Beziehungen der Charaktere immer weiter zu entwickeln, so dass ein psychologisches Katz- und Mausspiel entsteht.
Wer die Thriller von Deaver kennt, weiss aber, dass er sich nicht damit begnügt, sondern auf der Suche nach dem Motiv für den Doppelmord viele Spuren legt und mehr als einmal einen Twist in die Handlung einbaut, die oftmals überraschend einschlagen. So führen die Spuren zu den Gewerkschaften, zu Meth-Laboren und sogar bis in Brynns Privatleben.
Deavers detaillierte Beschreibungen, seine zahlreichen Wendungen und gelungenen Charakterisierungen machen das Buch zu einem unterhaltsamen Vergnügen in üblicher Deaver-Art.

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Veröffentlicht am 12.05.2021

Skurrile Fälle mit sympathischen Ermittler - etwas spannungsarm

Das Dezernat für heikle Fälle
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Assoziative Gedankengänge und entspannte Ermittler

In Schwedens »Dezernat für heikle Fälle« in Malmö landet all das, was die Kollegen von der Kripo nicht recht einzuordnen wissen: Inspektor Ulf "Wolf" ...

Assoziative Gedankengänge und entspannte Ermittler

In Schwedens »Dezernat für heikle Fälle« in Malmö landet all das, was die Kollegen von der Kripo nicht recht einzuordnen wissen: Inspektor Ulf "Wolf" Varg, seine hübsche Kollegin Anna Bengsdotter und der fliegenfischende Erik Nykvist sind Merkwürdigkeiten gewohnt. In aller Ruhe und mit der gebotenen Sorgfalt machen sie sich an die Ermittlungen im Fall eines hinterhältigen Messerangriffs - auf ein Knie!
Auch die Tatsache, dass der angeblich verschwundene Freund eines jungen Mädchens in Wahrheit gar nicht existiert, kann Ulf nicht aus der Ruhe bringen. Anders sieht es da schon mit der akuten Depression seines treuen Hundes Marten aus, der plötzlich nicht mal mehr Eichhörnchen jagen mag Als dann auch noch ein FKK-Strand in Süd-Schweden von einem Werwolf heimgesucht zu werden scheint, ist Ulfs ganze Kombinationsgabe gefragt.

Verschrobene Ermittler bevölkern das Dezernat und genauso skurril wirken die Fälle. Doch wer hier eine aufregende Verbrecherjagd erwartet, wird enttäuscht sein, denn die Ermittlungen sind genau das Gegenteil. Weil hinter den skurrilen Begebenheiten einfach nur menschliche Schwächen stecken, menschelt es sehr und auch die Ermittler zeigen sich immer wieder von ihrer menschlichen Seite. Zusammengehalten werden die einzelnen Episoden durch den Polizisten Blomquist, der gerne auch zur Kriminalpolizei gehören würde, aber schon an der Rechtschreibung und seiner einfachen Denkweise scheitert. Doch genau dadurch stößt gerade er oft auf die Wahrheit. Viel aufregender wird es, wenn Ulf Varg sich um seinen depressiven Hund oder seine attraktive Kollegin Anna sorgt.

Die Personen in diesem Roman können einen schnell ans Herz wachsen, denn alle sind auf ihre Art herzliche Menschen mit all ihren Stärken und Schwächen. Und so schaffen es alle bei den Ermittlungen mit ihren Gedanken abzuschweifen, und so springen die Dialoge oft von Thema zu Thema, von der Motivsuche zu der Frage, ob man Kartoffeln schälen soll oder wie gesund Saunagänge sind.

Mit der Bewertung des Romans tue ich mich etwas schwer, denn einerseits handelt es sich um einen schön geschriebenen Roman, der allerdings mit seinen assoziativen Gedankensprüngen dazu führt, dass man beim Lesen genauso mit seinen Gedanken abschweifen kann. Etwas mehr Spannung hätte dem Roman gut getan So ist es ein netter Roman, bei dem man leider selbst oft mit seinen Gedanken abschweift. Einige interessante Konstellationen sind in dem Roman angelegt, die dann wohl im Nachfolgeband wieder aufgenommen werden.


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Veröffentlicht am 05.05.2021

Ein Buch voller Gegensätze

Der Junge, der Träume schenkte
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Natales Mutter wandert mit ihrem kleinen Sohn nach Italien aus, doch die in Italien erlebte brutale Realität holt sie schnell wieder ein. Natale, von den Amerikanern der Einfachheit halber zu Christmas ...

Natales Mutter wandert mit ihrem kleinen Sohn nach Italien aus, doch die in Italien erlebte brutale Realität holt sie schnell wieder ein. Natale, von den Amerikanern der Einfachheit halber zu Christmas umbenannt, muss sich als Jugendlicher in den Strassen New Yorks selbst durchschlagen und sich den Regeln der Straße anpassen. Dabei hilft ihm seine kraftvolle Phantasie, mit der er es immer wieder schafft, dass die Menschen das glauben, was sie glauben wollen. Bis er eines Tages Ruth trifft. Sie stammt aus einer anderen Welt, der Welt der Reichen und sie ist ein Opfer der brutalen Welt, in der Christmas lebt. Trotzdem verliebt sich Christmas in Ruth, doch dieser Liebe steht die brutale Realität im Weg.

Luca di Fulvio beschreibt in seinem Buch in vielen Szenen Christmas' und Ruths Leben, die beide von großen Gegensätzen, vom Aufstieg und Abstieg geprägt sind. Dabei ist es vor allem Christmas, der mit seinem Talent, den Menschen "Träume zu schenken", sich der brutalen Welt entgegenstellt, während Ruth sich eher vor dieser Welt verstecken will. Immer wieder kreuzt sich der Weg der Beiden.

Luca di Fulvio schreibt einen einfachen Stil, der aber die Träume der Protagonisten greifbar werden lässt, und darin liegt die Stärke des Buches, das die beiden Hauptpersonen intensiv beschreibt. Auch Nebencharaktere werden mit ihren Träumen und Wünschen treffend charakterisiert. Dem steht (leider) eine oftmals sehr detailliert beschriebene Grausamkeit entgegen, die zwar einen treffenden Kontrast zu den Träumen bildet, in dieser Ausführlichkeit aber nicht immer nötig gewesen wäre.

Insgesamt aber ein lesenswerter Roman, der vieles für einen Lesetag bietet.

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Veröffentlicht am 05.05.2021

Fantasy trifft Agatha Christie - faszinierende Unterhaltung

Die sieben Tode der Evelyn Hardcastle
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Stuart Turton hat mit seinem ersten Roman "Die sieben Tode der Evelyn Hardcastle" einen Roman geschrieben, der gut unterhält, aber den Leser auch fordert.

Diese Rezension bespricht das bei Audiobuch erschienene ...

Stuart Turton hat mit seinem ersten Roman "Die sieben Tode der Evelyn Hardcastle" einen Roman geschrieben, der gut unterhält, aber den Leser auch fordert.

Diese Rezension bespricht das bei Audiobuch erschienene Hörbuch, das von Frank Stieren gelesen wird. Und um es kurz zu machen: Frank Stieren macht einen sehr guten Job. Es macht Spaß, ihm zuzuhören, und er schafft es, den vielen und vielschichtigen Charakteren des Buches und ihren Gefühlen Ausdruck zu verleihen.

Worum geht es in dem Roman? Vordergründig ist es ein klassisch, englischer Whodunit-Krimi. Das Krimi-Personal scheint ganz aus einem Krimi von Agatha Christie zu stammen. Auf dem verfallenen Familiensitz der Familie Hardcastle wird ein Maskenball stattfinden, an dessen Ende die Tochter Evelyn Hardcastle sterben wird. Aiden Bishop soll diesen Mord aufklären.

Doch hier hat Stuart Turton einen Plot entwickelt, den ich in dieser Form noch nie gelesen haben. Denn Aiden Bishop ist auf dem Landsitz Blackheath in einer Zeitschleife gefangen. Er wacht im Körper einer der Gäste auf und muss erfahren, dass er dieser Zeitschleife nur entkommen kann, wenn er bis zu Abend, den Mord, der noch passieren wird, aufklärt. Doch dazu hat er nicht nur den einen Tag Zeit, sondern er darf den Tag achtmal in acht verschiedenen Wirten durchleben.

Was folgt, ist ein von Stuart Turton grandios inzeniertes Verwirrspiel, denn Aiden Bishop muss ständig zwischen den Wirten hin- und herspringen und vor allem muss er mit den Charakteren seiner Wirte kämpfen, während er versucht, den Mord aufzuklären.

ich selbst habe großen Respekt vor Stuart Turton, denn er schafft es, in diesem sehr komplexen Plot, die Übersicht zu behalten und die Spannung, bis zum Schluss aufrechtzuhalten. Immer wieder werden neue Details des Mordes gebracht, neue Fragen tauchen auf und am Ende rutscht nach und nach jedes Puzzleteil an seinen Platz.

Noch spannender als die Frage nach dem Mörder ist dann die Frage, warum Aiden Bishop diese Zeitschleife durchleiden muss, und auch hier liefert Stuart Turton eine überrachende Erklärung, die der ganzen Handlung einen fast philosophischen Touch gibt.

Das Hörbuch hat mir sehr großen Spass gemacht, allerdings ist das Werk nichts, was man nebenher hören oder lesen kann. Ich habe immer wieder mal zurückhören müssen, um mich zu vergewissern, ob ich ein Detail noch richtig in Erinnerung habe (Hier ist vielleicht das Buch besser geeignet) . Aber dann zu erkennen, wie sich die Details plötzlich erklären ließen, war ein großer Spass für mich. Am Ende musste ich unbedingt weiter hören, fand es dann aber sehr schade, als das Hörbuch zu Ende war.

Ein großer Pluspunkt ist auch Stuart Turtons Sprache, die zum Beispiel Aiden Bishops Kampf in den fremden Körpern sehr gut und bildhaft beschreibt.

Von mir gibt es eine klare Hör- bzw. Leseempfehlung. Man muss aber wissen, worauf man sich bei diesem Werk einläßt.

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Veröffentlicht am 04.05.2021

Rasanter Thriller, der etwas zu kurz geraten ist.

Dunkle Botschaft: Thriller
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"Dunkle Botschaft" ist der vierte Teil um die Rechtsmedizinerin Julia Schwarz und Kriminalkommisar Florian Kessler. Der Band, auch wenn er gelegentlich auf Julias Vorgeschichte verweist, kann auch ohne ...

"Dunkle Botschaft" ist der vierte Teil um die Rechtsmedizinerin Julia Schwarz und Kriminalkommisar Florian Kessler. Der Band, auch wenn er gelegentlich auf Julias Vorgeschichte verweist, kann auch ohne Kenntnis der ersten Bände gelesen werden.

Die Rechtmedizinerin Julia Schwarz obduziert die Leiche einer jungen Frau, die durch einen Stromschlag in der Badewanne ums Leben kam. Was nach einem Unfall aussieht, entpuppt sich schnell als erster Mord eines Serienkillers. Denn an der Leiche hat der Killer eine rätselhafte Botschaft hinterlassen, die schnell zum nächsten Opfer führt. Und das mörderhafte Spiel geht weiter.

Der Band ist mit seinen ca. 318 Seiten für einen Thriller eher kurz. Dementsprechend entwickelt sich die Jagd nach dem Mörder auch sehr schnell. Catherine Shepherd versteht es die Spannung hoch zu halten und das Rätsel um die Person des Killers bis zum Schluss aufrecht zu halten.

Eindrucksvoll fügt Catherine Shepherd die Vorgeschichte eines Jungen ein, der von seinem Großvater bestialisch gequält wird. Die Gefühle und das Leiden des Jungen sind sehr bedrückend geschildert. Wie diese Geschichte mit den Morden zusammenhängt, bietet Spannung bis zum Schluss.

Bei aller Spannung und bei dem durch den guten Stil schnellen Lesefluss, den das Buch bietet (ein echter Pageturner, der es oft schwer macht, das Buch auch mal zur Seite zu legen), hat das Buch für mich auch einige Mängel: Ein kleiner Mangel ist das Cover, das zwar sehr gut aussieht, aber keinen wirklichen Bezug zum Buch hat und mich daher etwas ratlos zurückgelassen hat. Dem Buch merkt man allerdings seine Kürze an. Ich weiß nicht, warum Cathrine Shepherd einige Szenen, besonders den Schluss nicht ausführlicher geschrieben hat (hatte sie einen knappen Abgabetermin?), denn so wirken einige unvollständig und nicht immer schlüssig. Manche Schlussfolgerungen der Ermittler kommen dann auch sehr plötzlich und fast schon überraschend. Vor allem das Ende ist zu knapp ausgefallen. Catherine Shepherd kann das besser. Da hat mir ihr Thriller "Der Blütenjäger" besser gefallen.

Alles im allen aber ein sehr solider und spannender Thriller, den man gut weglesen kann und der einen gut unterhält. Vermutlich wird es nicht das letzte Buch gewesen sein, das ich von Catherine Shepherd lesen werde.

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