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Veröffentlicht am 26.10.2018

Walter Pulaski wieder in Hochform…

Rachewinter
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Walter Pulaski, wird Routinemäßig zu dem Fundort einer Leiche gerufen, alles sieht nach einem Unfall aus, wenn da nicht ein paar Ungereimtheiten und eine verschwundene Begleiterin wären. Niemand hat sie ...

Walter Pulaski, wird Routinemäßig zu dem Fundort einer Leiche gerufen, alles sieht nach einem Unfall aus, wenn da nicht ein paar Ungereimtheiten und eine verschwundene Begleiterin wären. Niemand hat sie gesehen, hat es sie überhaupt gegeben? Doch Pulaski kennt den Toten und kann die Zweifel nicht auf sich beruhen lassen. In seiner Raubein Manier geht er dem ganzen auf die Spur, doch diesmal ist jemand schneller als der Kriminalhauptkommisar. Das sorgt jedoch für mehr Schwierigkeiten als für Hilfe. Am Ende kann nur noch, Evelyn Meyers helfen, doch damit sind die Probleme noch lange nicht gelöst.
Rachewinter ist Andreas Grubers 3.Teil, seiner Walter Pulaski Reihe. Der in Wien geborene Schriftsteller, ist Autor zahlreicher Kurzgeschichten und anderer erfolgreicher Thriller. In Rachewinter spielt Andreas Gruber wieder ein sehr perfides Verwirrspiel mit seinen Lesern. Walter Pulaski, Hauptkomissar beim Kriminaldauerdienst in Leipzig und Strafverteidigerin Evelyn Meyers aus Wien ermittelt auch in dieser Geschichte wieder. Doch zunächst jeder in seiner Heimat, an seinem eigenen Fall. Für beide sehen ihre neuen Aufgaben am Anfang nach Routine aus. Doch Pulaski wäre nicht Kriminalhauptkomissar wenn ihn nicht die leisesten Zweifel zum Grübeln bringen würden. Eher unfreiwillig bleibt er bei dem, als Unfall zu den Akten gelegten Fall dran. Denn Unterstützung gibt es diesmal von zwei ganz ausgebufften Mädels die zwar eine gute Spürnase haben, dafür jedoch noch sehr grün hinter den Ohren sind. Ob ihnen das zum Verhängnis wird? Auch Evelyns Fall eines Mannes der des Mordes verdächtigt wird, ist zunächst noch ein gewöhnlicher Fall. Doch nach dem ersten Gespräch mit ihrem Mandanten hat Evelyn mehr Fragen als Antworten. Gemeinsam mit ihrem angehenden Anwaltsgehilfen Flo, der mehr Detektiv-, Spionage- und Polizeitricks auf Lager hat als man ihm im ersten Augenblick zutrauen würde, versucht sie diese Ungereimtheiten zu lösen. Dabei kommt sie fiesen Machenschaften viel zu nahe. Ist sie dem ganzen überhaupt gewachsen oder ist ihre Karriere schneller zu Ende als sie gedacht hatte? Es war wirklich wahnsinnig unterhaltsam den beiden bei ihren Ermittlungen über die Schulter schauen zu dürfen und Haut nah in deren Geschehnisse verwickelt gewesen zu sein. Andreas Gruber hat hier sehr aufwendig eine Story konstruiert. Am Anfang ist es unmöglich den Zusammenhang des Ganzen zu überblicken, doch Stück für Stück laufen die Fäden der Geschichte zusammen und ergeben ein Bild. Einige Sachen ließen sich zwar erahnen, waren jedoch in ihrer Auflösung immer noch spannend und interessant gestaltet. Zu dem geizt Gruber weder mit Todesopfern noch mit Skurrilität. Sowohl sein Antagonist als auch die Todesarten waren wirklich nicht 0815. Wenngleich ich gestehen muss mir die Mordszenen etwas too much waren, nicht direkt in ihrer Brutalität, dafür mehr in ihrer Darstellung und Beschreibung. Das ist jedoch das einzige was ich an Rachewinter auszusetzen habe. Ich mag beide Charaktere sehr, Pulaski mit seiner sarkastischen Art und Evelyn die für Gerechtigkeit immer aufs Ganze geht. Sie sind meiner Meinung nach auch gut erdacht und haben trotz ihrer Stärken auch die menschlichsten Schwächen. Doch nicht nur Grubers Charaktere sind beachtlich, auch sein Schreibstil ist es. Er ist so leicht und Flüssig das der Leser förmlich über die Seiten gleitet. Das und die unterschwellig mit Spannung durchsetzte Handlung lassen die Kapitel nur so verfliegen. Dank der zunehmenden Cliffhanger und dem dramatischen Zuspitzen der Lage, fällt es vor allem gegen Ende des Buches immer schwerer, es aus der Hand zu legen.
Fazit: Für Rachewinter kann ich eine klare Lese Empfehlung geben. Ein wirklich gutes, spannendes Buch. Nur vom Essen während einiger Szenen wurde ich abraten ;)

Veröffentlicht am 09.10.2018

Das Dartmoor und sein dunkler Sog

Mädchen aus dem Moor
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Ein unachtsamer Moment und einen Eisklumpen, mehr brauchte es nicht um Kath Redways Auto von der Straße abzubringen und in den See stürzen zu lassen. Seit dem Unfall fehlen ihr zum Teil Erinnerungen, doch ...

Ein unachtsamer Moment und einen Eisklumpen, mehr brauchte es nicht um Kath Redways Auto von der Straße abzubringen und in den See stürzen zu lassen. Seit dem Unfall fehlen ihr zum Teil Erinnerungen, doch ihr Leben scheint nach dem doch recht glücklichen Ausgang erst recht in einen finsteren Abgrund zu trudeln. Was verheimlicht ihre Familie vor ihr? Wer steckt hinter all diesen merkwürdigen Vorkommnissen und was verbirgt sich hinter dem, was ihre kleine Tochter Lyla im nebligen Moor zu sehen glaubt?
Mädchen im Moor ist der 3. Psychothriller des britischen Schriftstellers und Journalisten Sean Thomas. Er veröffentlicht seine Werke unter anderem auch unter den Pseudonymen Tom Knox und S.K. Tremayne. In Mädchen aus dem Moor hat er den Schauplatz seines neusten Psychothrillers in das Sagen und Mythen umwobene Dartmoor gelegt. Kath ist auch Wochen nach dem Unfall noch längst nicht wieder die Alte. Es fehlen immer noch Erinnerungen an den Unfall und die Woche davor. Während sie versucht ihr Gedächtnis wieder zu erlangen, bricht ihr Leben an allen Ecken und Enden auseinander. Man meint Adam, ihr Mann, sollte vor Glück platzen, dass seine Frau einen schweren Unfall nahezu unverletzt überlebt hat, doch irgendwas steht zwischen ihnen, er hält etwas zurück. Irgendein dunkles Detail kennt er und verbirgt es vor Kath. Die Sorge um die besondere Tochter der beiden, lässt die Handlung auch nicht zur Ruhe kommen. Lyla zeigt Symptome des Asperger Syndroms, doch liegen die Eigenheiten und die Vorfälle einzig an ihrer Krankheit oder ist tatsächlich da draußen im nebligen Moor etwas, was ihnen böses will? Leider hat Kath die ganze Story hindurch keinen Fixpunkt und kommt nirgends zur Ruhe, niemandem kann sie trauen. Alle ihre Lieben verhalten sich merkwürdig und sie zweifelt zunehmend an sich selbst. Manche ihrer Aktionen/ Reaktionen waren nachvollziehbar andere Handlungen waren es hingegen überhaupt nicht. Es passieren zwar ständig Vorfälle und manchmal wird ein „Geheimnis“ gelüftet, jedoch fehlte dem Ganzen die Struktur, das Gefühl mit der Handlung vom Fleck zu kommen bleibt aus. Man dreht sich bei der Rekonstruktion der Geschehnisse leider immer wieder im Kreis. Auch wird viel über die Umgebung des Dartmoor geschrieben jedoch nur 1-2 Sagen und ein paar sprachliche Begebenheiten. Für meinen Geschmack und meine Erwartungen kam dieses ganze Dartmoor Mysterium zu kurz. Ich hätte mir da deutlich mehr Zusammenhang mit den Moor Sagen und der Story an sich gewünscht um die besondere Atmosphäre dieser doch recht bedrohlichen und unwirtlichen Natur aufkommen zu lassen. Die reine nebenher Erwähnung führte leider nicht dazu und entpuppte sich im Hinblick auf die Story nur als Stilmittel um die Wahl des Schauplatzes zu rechtfertigen. Die Idee der Geschichte war einigermaßen unterhaltsam, jedoch hat der Autor es zwischendurch etwas zu gut mit seinen Geheimnissen und vermeintlich bösen Menschen gemeint und den roten Faden leicht verloren. Mädchen aus dem Moor lässt sich zu weilen auch etwas abgehakt lesen, da die Protagonistin ständig abschweift, alles erneut durchdenkt und auch einen sehr bildgewaltigen Gedankengang hat. Sie beschreibt die Art am Ende sogar selbst sehr treffend: „Mitten hinein in meine Gedanken, mein endloses inneres Geplapper, das dahin fließt wie der silbrige Teigen des Drewe Wehr…“ Ihre Gedanken sind in der Tat oftmals ausschweifendes Geplapper das wenig zielführend, wenn nicht gar zunehmend langweilig ist.
Fazit: mäßig unterhaltsame Lektüre, von „Blut in den Adern gefrieren lassen“ ist das Buch jedoch meilenweit entfernt. Dank zu wenig Dartmoor Grusel und zu vielen erzählerischen Ausschweifungen lies die Spannung sich nur ab und an Blicken.

Veröffentlicht am 01.10.2018

1 Raum – 6 Personen – 1 Leiche

Escape Room - Nur drei Stunden
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Morgan Shepard, bekannter TV- Star, erwacht in einem völlig fremden Hotelzimmer. Er findet sich gefesselt in einem Spiel der ganz besonderen Art wieder. Ein mörderisches Spiel. Eine Leiche, Fünf Verdächtige ...

Morgan Shepard, bekannter TV- Star, erwacht in einem völlig fremden Hotelzimmer. Er findet sich gefesselt in einem Spiel der ganz besonderen Art wieder. Ein mörderisches Spiel. Eine Leiche, Fünf Verdächtige und Shepard hat nur 3 Stunden Zeit, den Mörder unter den Anwesenden zu entlarven. Sonst werden alle sterben. Doch wem soll er vertrauen, wenn er sich selbst nicht einmal trauen kann? Wird er es schaffen?
Chris McGeorge ist Kreative Writing Absolvent der City University London. In Escape Room merkt man deutlich seine Liebe zu literarischen Klassikern von Agatha Christie und Arthur Canon Doyle heraus. Der Grundgedanke des Thrillers ist einiger der Klassiker sehr ähnlich. Dem ganzen mischt er einige Komponenten hinzu, die etwas zeitgemäßer sind. Schließlich wird heute niemand mehr mit einem Kerzenständer in der eigenen Bibliothek erschlagen. Während man die Stunden mit Shepard in diesem Raum durchlebt wünscht man sich allerding er hätte mehr Ähnlichkeiten mit Holmes. Bis auf den Drogenkonsum haben die beiden, vor allem was den Spürsinn betrifft, leider keine Gemeinsamkeiten. Man verfolgt also die stümperhaften Versuche eines ausnüchternden Drogenabhängigen, irgendwelche Unstimmigkeiten in den Geschichten der Anwesenden zu finden. Zwischendrin erfährt man auch einiges über die Vergangenheit und dass wenig ruhmreiche Dasein des gefeierten TV- Stars. An sich hat mir das Buch oder besser deren Grundidee gut gefallen, obgleich ich mir etwas mehr Escape Room im Sinne von rätseln, versteckten Botschaften und geheimen Türen oder Gängen gewünscht hatte als dieses „wer könnte wohl der Täter sein?“ gerate. Auch die Rückblicke fand ich zum Teil interessant und gut, da sie die eingesperrte Stimmung für den Leser etwas auflockerte. Leider ist das Geheimnis um den Hintergrund des Ganzen viel zu früh gelüftet worden. Die letzten 150 Seiten waren zwar nett und reichten um das ganze zwei Mal bis ins letzte Detail zu erläutern aber leider fasst sinnlos. Die Luft war raus und es folgten nur noch 1-2 „achso“ Momente und über diese Länge wird wahrscheinlich jeder noch so gut gedachte Showdown zur langweiligen Zeitverschwendung. Da, zur Aufklärung des ganzen nach der Rückblende (nach der für den Leser alles klar war) noch die eigentliche Aufklärung im Buch folgte, weil Shepard ja auch noch dahinterkommen sollte wirkte es am Ende als Seitenfüllerei. Man erfuhr zwar noch einige Details wie es zur Escape Room Situation gekommen ist aber letzten Endes war das meiste doppelt gemoppelt. Das Ende wäre ohne diese unnötige zusätzliche Auflösung erfrischender gewesen. Alles in allem hat McGeorge aber potenzial da der Schreibstil wirklich flüssig zu lesen war und der Grundgedanke nicht schlecht war. Etwas weniger rumhakerei auf den Schwächen des Protagonisten und etwas mehr ausbrechen aus dem Lehrbuch würden dem ganzen guttun. Die Idee war gut, leider fehlte es in der Ausführung an Tiefe.
Fazit: Escape Room ist ein passabler Thriller mit kriminalistischem Einschlag, den man zwischen durch mal lesen kann.

Veröffentlicht am 01.10.2018

Das dunkle Geheimnis des Bluthus…

Bluthaus
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Während Frida versucht, auf dem Hof ihrer Eltern, sich von ihrem letzten Fall zu erholen, erreicht sie der Hilferuf ihrer alten Schulfreundin. Jo ist der festen Überzeugung, dass man sie des Mordes an ...

Während Frida versucht, auf dem Hof ihrer Eltern, sich von ihrem letzten Fall zu erholen, erreicht sie der Hilferuf ihrer alten Schulfreundin. Jo ist der festen Überzeugung, dass man sie des Mordes an der, von ihr gefundenen Leiche verdächtigt. Kurz darauf fehlt jegliche Spur von Fridas Freundin. In großer Sorge um sie, versucht Frida sie ausfindig zu machen. Ihre Recherchen führen jedoch auf die Halbinseln Holnis und zu einem abgelegenen, verfallenen Haus. Die Dorfbewohner nennen es nur Bluthus, denn vor vielen Jahren ist an dieser Stelle ein grausames Verbrechen geschehen, das bis heute ungesühnt geblieben ist. Doch was hat das alles mit der ermordeten Frau und der immer noch verschwundenen Jo zu tun? Ist Fridas Freundin vielleicht doch nicht so unschuldig wie sie glaubt?
Romy Fölcks Bluthaus ist der 2. Teil ihrer Frida Paulsen & Bjarne Haverkorn Reihe. Die beiden doch sehr unterschiedlichen Ermittler trafen schon im ersten Teil aufeinander. Trotz, dass die beiden nicht als Kollegen zusammen arbeiten geben sie irgendwie ein echtes Dream Team ab. Frida ist noch nicht wieder bereit für den Polizeidienst und Bjarne ist diesmal sehr abgelenkt da ihn private Probleme bis zum Schluss große Sorgen bereiten. Beide versuchen Jo ausfindig zu machen doch ihre Beweggründe könnten nicht unterschiedlicher sein. Während Bjarne versucht sie des Mordes zu überführen, versucht Frida alles in ihrer Macht stehende zu tun, um die Unschuld ihrer Freundin zu beweisen. So erfahren die beiden auf ganz unterschiedliche Weise wer die getötete Frau war und welch Schatten über ihrer Vergangenheit hängt. Lange bleibt für Frida und Bjarne der wahre Zusammenhang hinter all diesen Geschehnissen verborgen. Als das Geheimnis endlich gelüftet ist, kann vom Ende der Story jedoch noch lange keine Rede sein, im Gegenteil fiebert man immer noch bei der verzweifelten Suche um Jo mit.
Wenn jemand es versteht die Atmosphäre der Elbmarsch, verschlafenen Ostseedörfern, vergessenen und verfallenen Reetdach Häusern einzufangen, ihm einen unheimlichen Touch zu verleihen und hautnah an den Leser weiter zu geben dann ist es Romy Fölck. Wenn man ihre Krimis liest meint man tatsächlich das Meer zu riechen und die Balken des Reetdachs über einem ächzen zu hören. Genau das macht ihre Bücher zu einer durch und durch einnehmenden Lektüre. Man fühlt sich nicht als Leser, sondern als Teil der Geschichte. So geht die Spannung nicht einzig und alleine von der Jagd nach dem Mörder aus, sondern auch von Bjarne und Fridas privatem Leben, wie diese sich verändern und gegenseitig beeinflussen. Bluthaus ist ein durchweg gelungener Kriminalroman mit liebevoll konstruierten Charakteren, jeder Menge nördlicher Atmosphäre, gut platzierten Spannungsmomenten und düsteren Geheimnissen. Für mich waren alle Gefühle dabei, die ein wirklich gutes Buch ausmachen: Ich habe gerätselt, gehofft, gebangt, gelacht und tatsächlich auch geweint.
Fazit: Romy Fölcks Bluthaus kann ich nicht nur eingefleischten Krimifans wärmstens ans Herz legen, sondern auch den Thriller Liebhabern.

Veröffentlicht am 05.09.2018

Leider weder Psycho-, noch Thriller zu finden.

Das andere Haus
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Das andere Haus war trauriger Weise ein typischer Fall von „reißerischem Klappentext“ hinter dem sich leider eine schwache Story versteckt, die mit allen Mitteln versucht wurde aufzupumpen. Der Debüt Thriller ...

Das andere Haus war trauriger Weise ein typischer Fall von „reißerischem Klappentext“ hinter dem sich leider eine schwache Story versteckt, die mit allen Mitteln versucht wurde aufzupumpen. Der Debüt Thriller von Rebecca Fleet trägt fälschlicher Weise die Genre Einteilung Psychothriller. Sicherlich gab es gegen Ende (die letzten 50- 60 Seiten für sich genommen beurteilt) einen Ansatz der in diese Richtung geht aber es als Psychothriller zu beurteilen ist doch etwas zu überspitzt dargestellt, weil man sich die 300 Seiten davor durch ein eher alltägliches Ehedrama, samt Flucht der Ehefrau aus ebendiesem quält. Der ständige Wechsel zwischen Vergangenheit und Gegenwart soll zwar die Hintergründe des ganzen erklären wirkt aber irgendwann nur noch nervig und weniger bis kaum informativ geschweige denn spannend. Von Subtilen Hinweisen die, die Spannung heraufkitzeln sind wir hier leider auch weit entfernt. Ich wurde mit der Hinweiskeule förmlich durch das Buch geprügelt, so dass die Auflösungen lediglich einen Aha Effekt auslösten und das bereits offensichtliche nur noch bestätigten. Dabei bin ich keinesfalls eine Miss Marple, hier war nur zu viel, zu schnell klar. Somit kam leider zu keiner Zeit Spannung auf. Die angespannte Situation, sowohl in der Gegenwart als auch in der Vergangenheit, zog die Stimmung eher runter. Auf den eigentlichen Knackpunkt der Geschichte wurde bedauerlicherweise viel zu wenig wert gelegt wohingegen der Abschnitt in dem man versucht Alltagsprobleme, Suchtzustände, Ehe Streitigkeiten und daraus resultierende Frustbewältigungen tot zu wälzen einfach zu lang war. Der klägliche Versuch dieses Drama mit „heißen“ Sex Szenen zu würzen, hat meiner Meinung nach zu einem noch schlechteren Beigeschmack geführt und war der Story überhaupt nicht dienlich. Die „Überraschende“ Wendung zum Schluss, welche das ganze Buch ein bisschen als Psychothriller rechtfertigen würde, wirkte leider genau wie diese. Eine als Rechtfertigung hin gekleckerte Wendung. Dabei hätte sich aus den empfundenen schmerzen, der Verzweiflung und all den daraus resultierenden Emotionen die der Vorfall und das Thema an sich beinhaltet so viel mehr machen lassen, was uns als Leser hätte Verzweifeln und hoffen lassen. Was bleibt übrig, wenn man einen Psychothriller versprochen bekommt, sich aber durch 3 Jahre, nie enden wollendes Ehedrama quält? Frust, einzig und allein Frust! Wenn die Genreeinteilung treffender und der Klappentext weniger reißerisch gewesen wären und ich das Buch in Erwartung eines Dramas (und seiner Folgen) in die Hand genommen hätte, wäre die Enttäuschung auch weniger massiv ausgefallen. Das einzig Positive ist, dass Rebecca Fleets Schreibstil sich zügig lesen lässt, was aber auch am sich immer ähnelnden Inhalt liegen könnte. Sie neigt sehr oft dazu sämtliche banale Handlungen und Bewegungen der Charaktere mit Umschreibungen auszuschmücken. So wird aus einem Moment in dem Caroline ihrem Ehemann tief in die Augen schaut ein halbseitiger Erguss, an was sie alles erinnert, wie sich der Moment anfühlt und wie ihre Gefühle dazu sind. Leider kommt es einem irgendwann nur noch als textfüllendes Element vor und nicht mehr wie die Eindrücke der Protagonistin. Trotz, dass ich die Caroline am Anfang gut verstanden habe und ihr denken verstehen konnte, war ihre spätere Entwicklung und ihr Handeln in der Geschichte nur schwer nachzuvollziehen und wirkte eher konfus. Was bleibt ist der bittere Beigeschmack vom Klappentext reingelegt worden zu sein.

Fazit: Alle, die hier nach einem Psychothriller mit Spannung und Überraschungen suchen, werden wohl enttäuscht sein. Wie Lee Child zu seiner (unter dem Klappentext abgedruckten) Meinung über dieses Buch gekommen ist, ist mir absolut schleierhaft. Wer sich allerdings für Ehedramen, Seitensprünge und einem verschwindend geringen Thriller Anteil erwärmen kann soll „das andere Haus“ gerne versuchen.