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Veröffentlicht am 13.02.2023

Das Ungeheuer, das er geschaffen hat

STONE BLIND – Der Blick der Medusa
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Medusa lebt schon immer bei ihren Gorgonen Schwestern, doch sie ist nicht wie die beiden. Eine Sterbliche unter Unsterblichen. Ihre Schönheit bleibt nicht lange vor Poseidon verborgen. Sein Begehren treibt ...

Medusa lebt schon immer bei ihren Gorgonen Schwestern, doch sie ist nicht wie die beiden. Eine Sterbliche unter Unsterblichen. Ihre Schönheit bleibt nicht lange vor Poseidon verborgen. Sein Begehren treibt ihn zu einer schändlichen Tat. Athene erzürnt über die Entweihung ihres Tempels bestraft Medusa. Ihr Antlitz wandelt sich, ihr Haupt zieren nun statt Haare Schlangen und sie ist auf ewig dazu verdammt, jeden den sie erblickt in Stein zu verwandeln. Verflucht führt sie nun in ihrer Höhle ein abgewandtes Leben um jedwedes Geschöpf vor ihr zu schützen. Doch unlängst ist der junge Perseus auf dem Weg zu ihr,um das Haupt einer Gorgone zu erlangen.

Perseus, der selbstlos in die Welt zog um seine Mutter vor einer unliebsamen Hochzeit zu bewahren. Eine viel besungenen Helden Sage, doch wen enthauptet er da eigentlich? Ein Monster? Was macht einen eigentlich zu eben diesem? Natalie Haynes lässt uns diese Geschichte und die aufkommenden Fragen durch den Kopf rasen. Stereotypen geht sie dabei bewusst aus dem Weg, vorbei die Zeiten in denen Schwert schwingende Buben gleich als Helden und optisch der Norm abweichende gleich als Monster gelten. Schön, dass sich jemand auch an andere Sagen der Antike, als den trojanischen Krieg wagt. Die Umsetzung war jedoch in meinen Augen etwas holprig. In der griechischen Mythologie streifen sich ganz viele Begebenheiten und stehen in Verbindung zueinander, was Haynes hier versucht als drei Handlungsstränge zu verarbeiten. Der Switch zwischen diese war leider nicht harmonisch, da es teilweise zu langen Unterbrechungen kam. Es gab auch rein informative Kapitel und Bruchteile von Begebenheiten, die für die Handlung überhaupt nicht relevant sind. Von griechischer Mythologie kann keiner genug bekommen aber ich will entweder eine Erzählung oder eine Sagensammlung lesen, dieser Mix brachte unglaublich viel Unruhe in das Buch. Den Überblick über die Handlungsrelevanten Personen zu verlieren ist sehr leicht und ich fürchte für Leser ohne Vorwissen könnte es schwierig sein der Geschichte bis zum relevanten Punkt zu folgen, an dem alle Handlungsstränge zusammen kommen. Da so viele Nebensächlichkeiten und Perseus viel Raum einnahmen kam Medusa, die ja eigentlich die Protagonistin dieses Buches sein sollte leider zu kurz, es fehlte der Story einfach an liebe und tiefe. Die zeitliche Umsetzung und der Versuch möglichst viel Mythologie in dieseGeschichte zu pressen haben ihr leider nicht wirklich gut getan. Ein geordneterer Aufbau und dafür etwas mehr tiefe in der Abhandlung dieser eh schon komplexen Sage wäre Vorteilhafter gewesen.

Fazit: guter Ansatz, tolle Sagen doch in Struktur und tiefe de Geschichte gab es noch deutlich Platz nach oben.

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Veröffentlicht am 12.02.2023

Im Labyrinth der Gedanken

Wahnspiel
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Lukas Schneider wird nach seiner schweren Tat vorzeitig aus der Haft entlassen. Die Stimmung in Heidelberg kippt, in Onlineforen und Sozialen Medien tobt die Wut der Menschen, sogar vor der Forderung nach ...

Lukas Schneider wird nach seiner schweren Tat vorzeitig aus der Haft entlassen. Die Stimmung in Heidelberg kippt, in Onlineforen und Sozialen Medien tobt die Wut der Menschen, sogar vor der Forderung nach Lynchjustiz schrecken einige nicht zurück. Als eine abgetrennte Hand mitten in der Stadt gefunden wird und Schneider verschwunden scheint, findet sich Alex Schwerdt in Sofia Markovićs Einheit wieder. Die unglaublich kompetente doch nah außen kühl wirkende Chefin und Alex müssen sich erst aneinander gewöhnen, doch das Team findet immer mehr spuren. Mit jedem Schritt dem sie dem Täter näher kommen wird der Fall rätselhafter. Hier ist altes denken am Werk, sie müssen diese Grausamkeiten stoppen.

Wahnspiel ist der Debüt Krimi von Kilian Eisfeld, doch der Autor, besser bekannt als Daniel Wolf ist im historischen Genre längst kein Unbekannter mehr. Für diese Geschichte existiert eine Triggerwarnung, die man berücksichtigen sollte, da sich die Story auf eine vorangegangene Gewalttat bezieht und zu teilen die Incel- und Rechtenszene streift. Ich kann auch nicht genau sagen, was ich schrecklicher finde. Von diesen kruden Ideologien in einer fiktiven Geschichte zu hören oder zu wissen, dass dieses Gedankengut sehr realen Hintergrund hat und tatsächlich täglich von einigen Menschen gelebt wird. Gerade deswegen ist es gut, dass Wahnspiel genau diese Themen aufgreift, denn Misogynie, Rassismus und Gewalt sind leider keine Fiktion. Hass und Fanatismus in jedwelche Richtung führt immer ins verderben. Der Fall war gut konstruiert und das Zusammenspiel der Charaktere harmonisch. Ich bin zwar ein großer Freund von Geschlechter passenden Stimmen, doch Johannes Steck hat in diesem Hörbuch in allen Rollen überzeugen können. Mit einer ausdrucksstarken, tiefen Stimme, klarer Aussprache und großer Dialektvielfalt, verleiht er jedem Charakter seine eigene markante Stimme. Auch wenn in meinen Augen der Ostdeutsche Dialekt etwas hinkte (aber wer bin isch misch do driber ufzurechen? ;D ) Die Gewohnt qualitative Aufnahme lässt in richtigen Momenten die passende Stimmung entstehen, die Umsetzung von klang und Sprache ist wieder sehr gut gelungen.

Fazit: sehr gelungenes Hörbuch eines fiktiven Heidelberger Kriminalfalles, dessen reelle Themen einen den Glauben in die Menschheit verlieren lässt.

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Veröffentlicht am 31.01.2023

Ich vermisse dich!

Gib mir deine Angst
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Ein Wochenendtrip, drei Frauen, drei gescheiterte Beziehungen. Sam ist mehr als froh als Diana und Margaret sie zu dem 4 Stunden entfernten Ausflug überreden. Ein langes Wochenende der Stadt, dem Drama ...

Ein Wochenendtrip, drei Frauen, drei gescheiterte Beziehungen. Sam ist mehr als froh als Diana und Margaret sie zu dem 4 Stunden entfernten Ausflug überreden. Ein langes Wochenende der Stadt, dem Drama und all den damit verbundenen Gefühlen entfliehen. Doch dann bleiben die drei auf halber Strecke liegen, ausgerechnet in der Stadt in der Sams Ex mit seiner Freundin wohnt. Als klar ist, dass es an diesem Abend kein fortkommen gibt, beschließen sie die örtliche Bar unsicher zu machen. Ein paar Margaritas, was soll schon passieren? Dass Dianas spurloses verschwinden in dieser Nacht erst der Anfang ihres Horroraufenthaltes ist, ahnen sie da noch nicht. Wie gut kennt Sam eigentlich die Personen mit denen sie ihr Leben und ihre Geheimnisse teilt?

Leah Konens 2. Thriller kann mit ihrem Genre Debüt an Stimmung, Atmosphäre und Wendungen spielend mithalten. Sie verkauft uns hier Gegebenheiten und sobald wir diese glauben, streut sie Zweifel, säht Angst und entblättert Stück für Stück eine Wahrheit, die uns fassungslos auf die Geschehnisse zurückblicken lässt. Doch hier war das Zusammenspiel aus guter Buchverlage und gelungener Hörbuch Realisierung ein Spannungsgarant. Mit Christine Marx, Ulrike Kapfer und Corinna Dorenkamp wurde jeder, der drei Frauen ihre eigene Stimme verliehen, was für das Einordnen der aktuell handelnden Person ein ganz klarer Pluspunkt war. Die Umsetzung des Textes ist, sowohl durch ein gutes Sprachtempo, spannungsbedingten Pausen als auch hörbarer Niederschlag der Stimmungen in der Stimmfarbe der Sprecherinnen, sehr gut gelungen. Dank dem sauberen klang der Aufnahme kam immer die szenisch passende Atmosphäre auf. Zu Beginn wirkt die Handlung recht unspektakulär, wir haben alle schon mehr oder minder schlechte Beziehungen hinter uns. Doch jede der drei Frauen steigt mit ihren eigenen schrecklichen Geheimnissen in dieses Auto. Auch wenn man sich vertraut, weiß man doch nie alles voneinander, die Frage ist nur, wie gefährlich diese Wissenslücken sind. Mit meisterhaften Täuschungen und unvorhersehbaren Wendungen bot –Gib mir deine Angst- ein unvergleichliches Hörvergnügen. Ein Thriller der zwar seine Opfer fordert aber auf psychologischer Ebene viel tiefere Wunden schlägt. Wir alle haben Geheimnisse, welches ist deins und kann es dich das Leben kosten?

Fazit: so schlicht die Story beginnt, umso tiefer schlagen die Wendungen ein. Ein Psychothriller, der einem beim Hören das Grausen lehrt.

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Veröffentlicht am 31.01.2023

Ehen scheitern nicht, sondern Menschen

Schere, Stein, Papier
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Die schottischen Highlands, eine alte Kapelle umgebaut in eine Unterkunft und ein letzter Versuch zu kitten, was längst zerbrochen ist. Adam Wright ist trotz seiner Gesichtsblindheit ein bekannter Drehbuchautor, ...

Die schottischen Highlands, eine alte Kapelle umgebaut in eine Unterkunft und ein letzter Versuch zu kitten, was längst zerbrochen ist. Adam Wright ist trotz seiner Gesichtsblindheit ein bekannter Drehbuchautor, Amelia Wright kümmert sich im örtlichen Tierheim um ausgesetzte Tiere. Hat ihre Ehe eine Zukunft? Denn dieses Wochenende ist kein Zufall und einer der beiden lügt. Jedes Jahr schrieb seine Frau an ihrem Hochzeitstag einen Brief, den sie Adam nie zeigte, bis zu diesem Wochenende…

Alice Feeney beherrscht den Plot Twist wie keine zweite. Man vermutet nichts spektakuläres und mit einem Schlag ändert sie die Sichtweise und die komplette Handlung ist in einem anderen Licht. Zu Beginn wird deutlich, dass Adam und Amelia sich nicht mehr viel zu sagen haben, ihr Ehe hängt am seidenen Faden. Adam ist von seiner Arbeit besessen und Amelia fühlt sich ungesehen von ihrem Mann, was nicht nur an seiner Prosopagnosie liegt. Er ist unfähig Gesichter zu erkennen, auch das seiner eigenen Frau. Dank der Briefe die seine Frau ihm zu den Hochzeitstagen geschrieben hat, bekommen wir einen Rückblick. Dem qualvollen sterben dieser Ehe beizuwohnen, war unangenehm, vorherzusehen und auch wenig spannend. Die typischen Tiefen an denen man in 10 gemeinsamen Jahren ebenso vorbei kommt. Zwischendurch werden die Vorkommnisse in der alten Kapelle immer mysteriöser und bald schon ist klar, irgendwer spielt hier falsch. Ich hatte zwar so meine Vorahnung was den Plot Twist betreffen könnte, trotzdem hat mich die Umsetzung mehr als umgehauen. Auch die zunächst als lang und anstrengend empfundene Vorgeschichte entpuppte sich als wichtig. Feeney pickt sich, für uns zunächst belanglose, Details aus dieser heraus und verwebt sie zu ungeahnten Fallstricken. Deswegen sollte man der Handlung aufmerksam folgen. Dank der passenden Länge der Tracks wurde die Wirkung der Cliffhanger wunderbar rübergebracht. Begeistert hat mich, dass es sowohl eine Sprecherin, als auch einen Sprecher gab. Dank der tollen Vertonung der Charaktere und der Erwähnung der aktuell erzählenden Person behielt man zu jeder Zeit den Überblick. Vanida Karun und Oliver Schönfeld brachten sowohl die Atmosphäre als auch die Stimmungen und Gefühle wunderbar zum Ausdruck. Die Kombination aus der guten Story und der qualitativen Vertonung ist definitiv hörenswert.

Fazit: eine hochwertig vertonte Geschichte, mit einer harmonisierenden Sprecher-Rollen Beziehung, bei der es sich mehr als lohnt dran zu bleiben. Die Auflösung wird sie umhauen.

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Veröffentlicht am 31.01.2023

Überlebe diese Nacht!

NIGHT – Nacht der Angst
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Charlies große Liebe im Leben, sind Filme. Sie sind auch so etwas wie Therapie für sie. Wenn Charlies Gefühle zu groß werden spielt ihr Gehirn ihr einen cineastischen Streich. Doch genau jetzt braucht ...

Charlies große Liebe im Leben, sind Filme. Sie sind auch so etwas wie Therapie für sie. Wenn Charlies Gefühle zu groß werden spielt ihr Gehirn ihr einen cineastischen Streich. Doch genau jetzt braucht sie einen klaren Kopf. Es war nur eine Mitfahrgelegenheit, sie wollte hier weg, sie musste einfach. Doch irgendetwas stimmt mit diesem Mann nicht und während sie auf diesem endlos leeren, dunklen Highway fahren steigt in ihr die Angst sie könnte neben dem Campus Killer sitzen. Eben jener Killer, der vor zwei Monaten ihre beste Freundin ermordete, der Grund warum Charlie überhaupt wegwollte. Oder irrt sie sich und in ihrem Kopf hat lediglich ein neuer Film begonnen?

Riley Sager glänzt in seinen Büchern mit einem guten Gespür für Atmosphäre und psychologische Spielchen. In Night bringt er eine unzuverlässige Erzählerin in seine Geschichte ein. Somit können wir wirklich niemandem trauen. Ist die Situation brenzlig oder erlebt Charlie gerade wieder einen ihrer Filme? Mit gelungenen, unvorhersehbaren Wendungen führt er uns hier ständig aufs Glatteis. Da wir am Anfang der Geschichte ein bisschen über Charlie, ihr Leben und den Tod ihrer Mitbewohner erfahren, dauert es im wahrsten Sinne des Wortes etwas bis die Geschichte richtig in Fahrt kommt. Doch mit Beginn der Reise wird es zunehmend dramatischer. Die Erzählweise und gut platzierte Cliffhanger sorgen für stetig steigende Spannung. Zusammen mit dieser beklemmenden und bedrohlichen Atmosphäre, entwickelt das Buch eine gute Sogwirkung. Immer mehr Vermutungen schießen einem durch den Kopf auch wenn das Verwirrspiel gegen Ende etwas anstrengend war, war ich auf den kommenden Schlag wenig vorbereitet. An sich eine gut konstruierte Story obwohl es hier und da etwas aufgebauscht wirkt. Den Grund dafür erfahren wir tatsächlich zuletzt, was mich zusammen mit seinen Beweggründen für dieses Buch, die er im Nachwort erläutert, wieder etwas versöhnlich mit den überspitzten Darstellungen machte. Alles in allem ein gutes Buch, was für kurzweilige Unterhaltung und einige Überraschungsmomente sorgte, dennoch mit den Vorgängern an Raffinesse nicht ganz mithalten konnte.

Fazit: gut konstruiert, spannend und Wendungsreich, mit gelungener Atmosphäre. Hinkt aber insgesamt den vorangegangenen Büchern leicht hinterher.

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