Tote in Vergangenheit und Gegenwart
SalzburgsündeBei Martin Meranas bereits neunten Fall ist zunächst unklar, ob es sich überhaupt um einen Fall handelt. Als auf dem Salzburger Kapuzinerberg das Skelett einer 1956 verschwundenen Frau gefunden wird, ist ...
Bei Martin Meranas bereits neunten Fall ist zunächst unklar, ob es sich überhaupt um einen Fall handelt. Als auf dem Salzburger Kapuzinerberg das Skelett einer 1956 verschwundenen Frau gefunden wird, ist Merana vor allem deshalb bestrebt, die Umstände ihres Todes aufzuklären, weil er die Tochter der Verstorbenen gut kennt.
Zunächst fördern seine Nachforschungen kaum verwertbare Ergebnisse zutage. Doch dann geschieht ein Mord in der Gegenwart, der das Ermittlerteam auf einige neue Spuren bringt.
Der Roman besteht im Wesentlichen aus zwei Teilen. Der erste gibt ein paar Einblicke in Meranas Privatleben, befasst sich aber vor allem mit der Toten vom Kapuzinerberg und Befragungen von Leuten, die mit ihr zu tun hatten. Hier geht es für einen Krimi fast zu gemächlich zu. Man lernt aber zumindest einige interessante Personen kennen und es wird gut dargestellt, wie unterschiedlich Erinnerungen sein können.
Nach dem „neuen“ Mord zieht das Tempo deutlich an, bis hin zu einiger übertriebener Dramatik. Die Auflösung ist in ihren Grundzügen leicht vorhersehbar und wirkt teilweise unrealistisch.
Zusätzlich gibt es einige „Rückblenden“, die aus der Sicht eines ca 16jährigen Burschen erzählt werden. Obwohl diese jeweils nur zwei bis vier Seiten umfassen, sind sie mir doch zunehmend auf die Nerven gegangen. Mag sein, dass ich zu jung bin. Leute, die ihre Jugend in den 1950er Jahren verbracht haben und/oder Elvis-Presley-Fans sind, mögen an diesen Abschnitten ihre Freude haben. Ich fand es aber anstrengend, dass gefühlt jedes zweite Wort ein Begriff aus der damaligen Jugendsprache ist. Außerdem redet so doch niemand „mit sich selbst“.
Alles in allem bleibt daher ein etwas zwiespältiger Gesamteindruck. Immerhin machte es mir Manfred Baumann durch seinen eingängigen und plastischen Schreibstil wieder leicht, in die Geschichte einzutauchen, sodass ein paar inhaltliche Schwächen weniger ins Gewicht fallen. Darüber hinaus ist es schön, Merana und seine Kollegen wieder zu treffen.