Man muss nicht allem zustimmen, sollte es aber dennoch lesen
Generation haramMelisa Erkurt, die als Baby aus Bosnien nach Österreich gekommen ist und heute als Journalistin arbeitet, möchte hier den Verliererinnen und Verlierern des Bildungssystems ihre Stimme leihen – und bei ...
Melisa Erkurt, die als Baby aus Bosnien nach Österreich gekommen ist und heute als Journalistin arbeitet, möchte hier den Verliererinnen und Verlierern des Bildungssystems ihre Stimme leihen – und bei denen handle es sich vor allem um die Kinder und Jugendlichen mit Migrationshintergrund.
Sie schildert eigene Erlebnisse sowie die Ansichten diverser Personen, zu denen sie im Rahmen ihrer beruflichen Tätigkeit oder auch privat Kontakt hatte und garniert dies mit einigen allgemeinen Betrachtungen – alles mit dem Grundtenor, wie schwer es doch Einwanderer hätten, wie wenig Verständnis autochthone Österreicher für sie aufbrächten und auf welche Weisen sie diskriminiert würden.
Der Autorin ist jedenfalls zugute zu halten, dass sie im Gegensatz zu manch anderen, die sich berufen fühlen, zu diesen Themen Stellung zu nehmen, tatsächlich über eigene diesbezügliche Erfahrungen verfügt. Wenngleich sich diese hauptsächlich auf ihr Dasein als Schülerin mit Migrationshintergrund beziehen. Ihren Job als Lehrerin hat sie gerade mal ein Jahr ausgeübt, bevor sie sich wieder ganz dem Journalismus widmete.
Immerhin ist ihr Bericht lebendig und es werden viele verschiedene Aspekte angesprochen. Für mich hat jedoch etwas der rote Faden gefehlt. Die Ausführungen springen von einem Punkt zum nächsten.
Vor allem aber ist die Darstellung sehr einseitig. Egal, mit welchen Unannehmlichkeiten sie bzw die Menschen, mit denen sie sympathisiert, konfrontiert werden, Schuld sind immer die anderen.
Wobei manche Beschwerden beinahe absurd wirken: Wenn Frau Erkurt beispielsweise darüber klagt, dass sie häufig ihren Namen buchstabieren muss. Dieses schlimme Schicksal teilt sie wohl mit hunderttausenden „alteingesessenen“ Österreichern, die Meier/ Mayer/ Mayrhofer etc oder Schmied/ Schmitt/ Schmidt heißen oder deren Name ein ss oder ß beinhaltet usw. Und wenn ich jedes Mal einen Cent bekäme, wenn mein Vorname (überwiegend von Personen mit nicht-deutscher Muttersprache) „Carin“ geschrieben wird ...
Auch ist es sicher richtig, dass man, wie hier immer wieder betont wird, die Kinder nicht für ihre Eltern bestrafen darf oder Rücksicht auf traumatische Erfahrungen nehmen muss, die ein Schüler möglicherweise gemacht hat. Allerdings darf eine schwierige Vergangenheit oder ein „bildungsfernes“ Elternhaus doch auch keine Ausrede dafür sein, nicht einmal zu versuchen, einen Platz in der Gesellschaft zu finden.
Dennoch sollte dieses Buch gelesen werden, nicht nur aber vor allem auch von Leuten, die sich mit Reformen im Bildungswesen oder Integrationsmaßnahmen befassen. Es enthält durchaus auch wichtige Aussagen und erhellende Einsichten.
Obwohl ich vielen Ansichten der Autorin nicht zustimme, sollte außerdem anerkannt werden, dass derartige Ansichten in Teilen der Gesellschaft existieren und es daher notwendig ist, sich mit ihnen auseinander zu setzen